Macht hoch die Tür

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Macht hoch die Tür, die Tor macht weit ist ein in Ostpreußen entstandenes Kirchenlied aus dem 17. Jahrhundert. Es gehört sowohl in der evangelischen Kirche (Evangelisches Gesangbuch Nr. 1), in der römisch-katholischen Kirche (Gotteslob Nr. 218; Gotteslobalt Nr. 107) als auch in vielen evangelischen Freikirchen (FL Nr. 179, MG Nr. 233) zu den bekanntesten und beliebtesten Adventsliedern und wurde auch in andere Sprachen übersetzt, beispielsweise im Jahre 1853 von Catherine Winkworth ins Englische unter dem Titel Lift up your heads, ye mighty gates. Der Text stammt von Georg Weissel (1590–1635) und wurde 1623 anlässlich der Einweihung der Altroßgärter Kirche in Königsberg verfasst. Die heute mit dem Text verbundene Melodie fand sich erstmals im Freylinghausen'schen Gesangbuch (17041).[1]

Text[Bearbeiten]

Macht hoch die Tür; Fünfstimmiger Satz von Max Reger
Notenblatt und Text von Macht hoch die Tür in polnischer Sprache

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

Entstehung des Textes[Bearbeiten]

Die – nicht mehr erhaltene – Altroßgärter Kirche in Königsberg, zu deren Einweihung 1623 Georg Weissel den Liedertext Macht hoch die Tür verfasste

Der Königsberger Pfarrer Georg Weissel schrieb den Liedtext in Anlehnung an Psalm 24 im Jahre 1623 zur feierlichen Einweihung der neu errichteten Altroßgärter Kirche der Pregelstadt. Sie fand am 2. Sonntag im Advent statt. Einen Sonntag später wurde Weissel hier als erster Geistlicher eingeführt, für diesen Anlass textete er das Lied Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346).

Eine weit verbreitete Geschichte bringt das Lied mit einem Herrn Sturgis zusammen, der einen Weg zur Kirche, der vom Armenhaus über sein Grundstück führte, abgesperrt haben und von Weissel durch das Singen dieses Liedes dazu bewogen worden sein soll, die verschlossene Pforte wieder zu öffnen.[2]

Text, Form und Inhalt[Bearbeiten]

Darstellung des Einzuges der Bundeslade in den Tempel

Das Lied beginnt mit einem Zitat aus Psalm 24 in Anlehnung an die Übersetzung Martin Luthers: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!“ Ursprünglich gehört der biblische Text zu einer israelitischen Liturgie bei der Feier des Einzuges der Bundeslade in den Tempel, also des Einzuges Gottes in sein Volk. Die Kirche griff den Text bereits früh auf und erwartete im Advent den „König der Ehren“ mit dem Ruf „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“.

In der Zeit ihrer Entstehung hatten sich die Verse Psalm 24,7–10 sowie die Erzählung über Jesu Einzug in Jerusalem (Mt 21,1–9 LUT) mit dem darin eingearbeiteten Zitat Sach 9,9 LUT im Bewusstsein der evangelischen Kirche längst mit dem 1. Advent verbunden; bis zum heutigen Tage sind die biblischen Texte als Psalm bzw. als Sonntagsevangelium dieses Tages vorgesehen.

Formal und inhaltlich gehören die ersten vier Strophen eng zusammen. In Strophe 1 und 2 steht das Bild des einziehenden Königs im Mittelpunkt, in Strophe 3 und 4 sind es die Orte, an denen er einzieht. Diese werden immer persönlicher: von der „Welt“ über „Land“ und „Stadt“ zum „Herz“ des einzelnen Menschen. Der König selbst wird in Strophe 1 mit Begriffen wie „Herrlichkeit“, eines universalen Königs („König aller Königreich“) beschrieben, der „Heil“ und „Leben“ bringt. Die Begriffe „Sanftmütigkeit“, „Heiligkeit“ und „Barmherzigkeit“ (Strophe 2) beschreiben den König näher. Sein Eintreffen ist Anlass zur Freude.

In „Land“ und „Stadt“ – also in das öffentliche Leben – zieht dieser König ein (Strophe 3), aber auch in den privaten, persönlichen Bereich: in das „Herz“, das mit „Freude“ und „Wonne“ reagiert. Es handelt sich dabei um „euer Herz“ und den Einzug „zu euch“ (Strophe 4), und die Öffnung des Menschen für den König wird erwartet.

Verbunden werden die vier Strophen durch den Refrain: „Gelobet sei mein Gott“; es ist der Lobgesang eines einzelnen Menschen, der nun in den Gesang vieler Menschen einstimmt. Diese letzten zwei Zeilen bilden jeweils trinitarische Anrufung: Gott wird in den ersten drei Strophen als „Schöpfer“ (= Vater), „Heiland“ (= Sohn) und „Tröster“ (= Heiliger Geist) gelobt; in der vierten Strophe kommen dann alle drei Attribute zusammen: „voll Rat, voll Tat, voll Gnad.“

In Strophe 5 wird das Bild des Königs verlassen und der andere Titel gewählt, der aber bereits in den Strophen 1 und 2 anklingt: „mein Heiland Jesu Christ“. Zu ihm wird eine persönliche Beziehung aufgebaut, es geht um „mein Herz“, und die Sprachform wechselt in ein Gebet: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ“. Dass solche Bitte alle Menschen meint, zeigen die Worte „dein Heilger Geist uns führ und leit“. Mit dem Lob Gottes endet diese Strophe.

Melodie[Bearbeiten]

Seine eingängige und auch über den deutschen Sprachraum hinaus beliebte Melodie hat der Text erst spät gefunden. Die ursprüngliche Vertonung von Macht hoch die Tür ist ein Chorsatz von Johann Stobäus (1580–1646), der auch die Neuausgabe der 1598 erschienenen Werk Preußische Fest-Lieder auf das ganze Jahr für 5–8 Stimmen von Johannes Eccard (1553–1611) betrieb, in deren Erstem Teil es 1642 abgedruckt ist. Diese Melodie konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Das von Johann Anastasius Freylinghausen (1670–1739) im Jahre 1704 erstellte Gesangbuch enthielt eine weitere Melodie, die schnell an die Stelle der bisherigen trat, schien sie doch auf den Text zugeschnitten zu sein. Ihr verdankt das Lied seine volkstümliche Beliebtheit, die es die Menschen in der Adventszeit gerne und oft singen lässt, und nicht nur in Deutschland.

Weitere Verwendung[Bearbeiten]

Versteile des Liedtextes von Macht hoch die Tür aus den Strophen 2,3 und 5 – in dieser Reihenfolge – übernahm im Jahre 1955 Paul Ernst Ruppel (1913–2006) und komponierte sie als einen dreistrophigen Kanon für drei Stimmen Er ist die rechte Freudensonn (EG 2).

Teile des Liedes sind auch in den Liedern Henkersbraut von Subway to Sally und Feiert das Kreuz von Oomph zu finden.

Quellen[Bearbeiten]

  • Johannes Eccard: Erster Theil Der Preussischen Fest-Lieder, Elbing 1642
  • Johann Anastasius Freylinghausen: Geist-reiches Gesang-Buch, Halle an der Saale 1704
  • Gotteslob, 1975ff.
  • Evangelisches Gesangbuch, 1993ff.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Krause: Es kommt der Herr der Herrlichkeit. Wie das Adventslied „Macht hoch die Tür“ entstand, Lahr 20044
  • Martin Gotthard Schneider, Gerhard Vicktor (Hrsg.): Alte Choräle – neu erlebt. Kreativer Umgang mit Kirchenliedern in Schule und Gemeinde, Lahr 1993, S. 144 ff.
  • Christa Reich: Macht hoch die Tür in Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Handbuch zum Evangelischen Gesangbuch Band 3 Heft 1, Göttingen 2000, S. 52 ff.
  • Michael Fischer: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit in Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon, Februar 2006 / Mai 2007
  • Karl Christian Thust, Die Lieder des Evangelischen gesangbuchs, Band I: Kirchenjahr und Gottesdienst (EG 1–269). Kommentar zu Entstehung, Text und Musik, Kassel u.a. 2012, Seite 10–12

Weblinks[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

  1. Johann Anastasius Freylinghausen: Geist-reiches Gesang-Buch (3. Auflage), Halle 1706, S. 7f.
  2. Dies soll 1624 [1] (MS Word; 147 kB) oder 1642 [2] geschehen sein, oder gar das erste Mal, als das Lied gesungen wurde [3].