Maciej Giertych

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Maciej Marian Giertych (* 24. März 1936 in Warschau) ist ein polnischer Forstwissenschaftler und Politiker der rechtsgerichteten Partei Liga Polnischer Familien (Liga Polskich Rodzin) und von 2004 bis 2009 fraktionsloser Abgeordneter im Europaparlament.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Maciej Giertych studierte in Oxford. Nach Abschluss seines Studiums 1958 arbeitete er an der Universität Toronto und erlangte dort 1962 mit der Dissertationsschrift Endogenous changes in growth regulators in relation to growth and development of red pine einen Doktorgrad. Zurück in Polen arbeitete er am Institut für Dendrologie der Akademie der Wissenschaften in Kórnik. An der Landwirtschaftlichen Akademie von Posen erlangte er 1970 seine Habilitation und wurde 1981 außerordentlicher, 1989 ordentlicher Professor. Durch seine wissenschaftlichen Arbeiten erlangte er internationale Bekanntheit und war von 1986 bis 1995 Vertreter Polens im internationalen Rat der International Union of Forest Research Organisations (IUFRO). Für besondere Leistungen erhielt er von der IUFRO auch eine Auszeichnung.

Seine politische Laufbahn begann Giertych mit der politischen Wende in Polen. Von 1990 bis 2002 war er Vorsitzender des Hauptvorstands der Nationalen Partei (Stronnictwo Narodowe). Ab 2001 war Giertych im politischen Rat der Liga Polnischer Familien, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist.

Von 2001 bis 2004 war er Mitglied des Sejm und hier Mitglied des Ausschusses für Umweltschutz, natürliche Ressourcen und Forstwirtschaft sowie des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Ab 2003 war er zunächst als Beobachter im Europaparlament und ist seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union ordentlicher Abgeordneter. Giertych wurde als zur Präsidentschaftswahl im Herbst 2005 zugelassen, zog jedoch seine Kandidatur noch vor dem ersten Wahlgang zurück.

Für Aufsehen sorgte Giertych im Europaparlament mit einer Broschüre antisemitischen Inhalts, die er unter anderem dortselbst verteilte. Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering erteilte Giertych eine Rüge, da die Broschüre auf dem Deckblatt das Emblem des Parlaments zeigte und so den antisemitischen Inhalt mit dem Parlament in Verbindung brachte.[1]

Des Weiteren fiel er durch homophobe Propaganda auf. Außerdem verglich er Kanzlerin Angela Merkel mit Adolf Hitler und warf ihr das Streben nach einem von Deutschland dominierten Europa vor.[2] Ebenso lobte er die Rolle General Francos und beklagte das „Fehlen derartiger Staatsmänner im heutigen Europa“.[3][4]

Maciej Giertychs Sohn und Parteikollege ist Roman Giertych, der von 2006 bis 2007 kurzzeitig polnischer Bildungsminister war. Sein Bruder ist Wojciech Giertych.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Publikationen[Bearbeiten]

  • Endogenous changes in growth regulators in relation to growth and development of red pine, Dissertation, Toronto 1962
  • Thoughts for thinking. From student discussions at Oxford and Toronto, London 1963
  • als Zusammensteller und redaktioneller Bearbeiter: International Symposium on Dormancy in Trees. Discussions. 5th to 9th September 1973 Kórnik, Kórnik 1974
  • Zmiennosc genetyczna polskich ras Swierka: (Picea Abies (L.) Karst.) = La variabilité génétique des races polonaises d'Épicéa: (Picéa Abies (L.) Karst.), in: Arboetum Kornickie, 21. Jahrgang, 1976 [Übersetzung 1984]
  • Doskonalenie składu genetycznego populacji drzew leśnych, Studium Podyplomowe Produkcyjności Lasu, Warschau 1976 (2. Auflage Warschau 1989, ISBN 830016384 (formal falsche ISBN))
  • Report on the IUFRO 1938 and 1939 provenance experiments on Norway spruce (Picea abies (L.) Karst), Kórnik 1984
  • als Mitherausgeber: Genetics of Scots pine, Developments in plant genetics and breeding Nr. 3, Amsterdam und New York 1991 (ISBN 0-444-98724-X)
  • als Mitverfasser: Pan Bóg czy dobór naturalny, Białystok 1994 (ISBN 83-901413-0-2)
  • zusammen mit Anatolij Mihailovič Šutâev: Scots pine (Pinus sylvestris L.) in Eurasia. A map album of provenance site interactions = Sosna obyknovennaâ (Pinus sylvestris L.). Albom kart vzaimodejstviâ populâcij i uslovij mest ih ispytaniâ v evroaziatskoj časti areala, Kórnik 2003 (ISBN 83-89290-30-8)

Politische Bücher[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.netzeitung.de/deutschland/583212.html
  2. "Politscher Amokläufer", Die Presse, 18. Juli 2007
  3. Sitzungsprotokoll des europ. Parlaments
  4. NZZ vom 1. Dezember 2006, "Hüter der polnischen Kultur"

Weblinks[Bearbeiten]