Madarounfa

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Stadtgemeinde Madarounfa
Stadtgemeinde Madarounfa (Niger)
Stadtgemeinde Madarounfa
Stadtgemeinde Madarounfa
Koordinaten 13° 18′ N, 7° 9′ O13.30757.1575Koordinaten: 13° 18′ N, 7° 9′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Maradi
Departement Madarounfa
Einwohner 71.832 (2012)

Madarounfa ist eine Stadtgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Madarounfa in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Madarounfa befindet sich in der Großlandschaft Sudan. Das Stadtgebiet ist in fünf Stadtviertel, 33 administrative Dörfer, sechs traditionelle Dörfer und 16 Weiler gegliedert. Die fünf Stadtviertel sind Kahin Sarki, Katchi Nawa, Limantchi, Sabon Gari und Zongo Bougage.[1]

Madarounfa liegt an der Ufern des Mafarounfa-Sees, der vom zeitweilig austrocknenden Fluss Goulbi N’Gabi gespeist wird und eines der wenigen permanenten offenen Gewässer des Landes darstellt. Der See, mit einem durchschnittlichen Umfang von fünf Kilometern, erreicht seinen höchsten Wasserstand in der Regenzeit in den Monaten Juli und August. Dann wird das überschüssige Wasser durch einen Kanal in das Flussbett des Goulbi N’Maradi abgeleitet.

Das Gebiet um die Stadt war einst dicht bewaldet. Davon sind nur noch Reste übrig geblieben, dennoch befindet sich hier eine der grünsten Regionen Nigers mit zahlreichen Affenbrotbäumen. Der Wald von Madarounfa ist ein 830 Hektar großes Schutzgebiet, in dem das freie Grasen von Vieh verboten ist.

Madarounfa grenzt im Süden an den Nachbarstaat Nigeria. Die Nachbargemeinden in Niger sind Djiratawa und Safo im Norden, Dan-Issa im Osten und Gabi im Westen. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge in Madarounfa beträgt 539 Millimeter, die Anzahl der Regentage im Jahr durchschnittlich 40 (Messzeitraum 1995–2006).[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die französische Kolonialverwaltung machte Madarounfa 1944 zum Sitz eines Kantons gleichen Namens.[3] Die Hauptstadt des Arrondissements Maradi wurde 1966 nach Madarounfa verlegt und das Arrondissement zugleich in Madarounfa umbenannt.[4] Aus dem Arrondissement Madarounfa ging 1998 das Departement Madarounfa hervor. 2002 wurde im Zuge einer landesweiten Verwaltungsreform das Gebiet des Kantons Madarounfa auf die Gemeinden Madarounfa und Dan Issa aufgeteilt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 1977 hatte Madarounfa 3453 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 5914 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 8743 Einwohner.[5] Bei der Volkszählung 2012, nach der Vergrößerung des Gemeindegebiets, betrug die Einwohnerzahl 71.832.[6] Die Bevölkerung gehört mehrheitlich der Volksgruppe der Hausa an.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bei der Stadt befinden sich die 99 Gräber von Madarounfa. Der Überlieferung nach sind hier 99 heilige Männer des Islam begraben. Zwanzig der Gräber sind durch kniehohe Steinmauern gekennzeichnet. Bei der lokalen Bevölkerung gilt die Stätte als heiliger Ort, an dem seltsame Lichterscheinungen auftreten.

Der Wald, der See und die 99 Gräber von Madarounfa wurden 2006 vom nigrischen Kulturministerium der UNESCO als Welterbe vorgeschlagen.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind Ackerbau, Viehzucht und Handel. Die Markttage in Madarounfa sind Mittwoch und Freitag. Am Madarounfa-See wird Fischerei betrieben. Der See dient auch als Viehtränke. Madarounfa liegt an der Nationalstraße 18, die den Ort mit der Regionalhauptstadt Maradi verbindet.

Die Grundschule von Madarounfa wurde 1948 gegründet. Seit 2001 befindet sich ein Distriktkrankenhaus in der Stadt.[7] Madarounfa ist außerdem der Sitz eines Tribunal d’Instance, eines der landesweit 30 Zivilgerichte, die unterhalb der zehn Zivilgerichte der ersten Instanz (Tribunal de Grande Instance) stehen.[9]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 22. Januar 2011.
  2. Cellule Régionale de Coordination PREDAS: Conduite test du protocole régional de suivi des impacts environnementaux de l’exploitation des ressources forestières des plaines sableuses de Baban Rafi (Maradi – Niger). Rapport final (PDF; 2,4 MB). Veröffentlicht im Mai 2009, abgerufen am 19. März 2012.
  3. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 246.
  4.  Frédéric Giraut: Retour du refoulé et effet chef-lieu. Analyse d’une refonte politico-administrative virtuelle au Niger. PRODIG, Paris 1999, ISBN 2-901560-38-5, S. 35 (PDF-Datei, abgerufen am 17. August 2013).
  5. World Gazetteer: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.bevoelkerungsstatistik.deNiger: Die wichtigsten Orte mit Statistiken zu ihrer Bevölkerung, abgerufen am 30. Dezember 2009.
  6. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 21. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  7. a b Présentation de la commune de Madarounfa. Website der ANIYA Coopération Décentralisée Niger-France, veröffentlicht im Juli 2005, abgerufen am 27. Januar 2011.
  8. Website der UNESCO: La forêt classée, le lac de Madarounfa et les tombeaux des 99 saints, abgerufen am 30. Dezember 2009.
  9. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.