Mademoiselle (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Mademoiselle
Originaltitel Mademoiselle
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1966
Länge 100 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Tony Richardson
Drehbuch Marguerite Duras,
Jean Genet (Vorlage)
Produktion Oscar Lewenstein
Musik Antoine Duhamel
Kamera David Watkin
Schnitt Sophie Coussein
Besetzung

Mademoiselle ist ein französisch-britischer Spielfilm aus dem Jahre 1966.

Handlung[Bearbeiten]

Mademoiselle ist eine altjüngferliche Lehrerin in einem Dorf in der Provence. Der Zuschauer beobachtet einige ihrer sinistren Handlungen wie etwa eine Dorfüberflutung durch Bergquellwasser, das Zerquetschen von jungen Nesteiern, das Abtöten von Blüten eines Baumes mit einer Zigarette. Ein italienischer Holzfäller, der zusammen mit einem Freund und seinem Sohn als Gastarbeiter in dem Dorf arbeitet, stellt sich besonders geschickt bei den Löscharbeiten an und wird ungewollt zum Lokalhelden, den die dortigen Frauen insgeheim bewundern. Die Männer nehmen ihm seine Handlungen jedoch übel und unterstellen ihm Absicht, um sich hervorzutun und bei Damen gut dazustehen. Die Unglücke häufen sich durch mehrere Brände und eine Brunnenvergiftung, das Dorf will einen Schuldigen. Die Polizei ist mangels Beweisen jedoch machtlos, Mademoiselle hinterlässt keine Spuren. Niemand im Dorf kommt auf die Idee, dass die angesehene und allein lebende Lehrerin die Täterin sein könnte. Einige Männer entschließen sich aus Wut zur Lynchjustiz und jagen den Holzfäller.

Mademoiselle hatte einstweilen die Italiener im Wald beobachtet und kommt nun, während die Männer des Dorfes bereits nach ihm suchen, dem Holzfäller näher. Sie verbringen ungezwungen und frei eine Nacht im Feld zusammen. In einem kurzweiligen Gespräch zwischen den beiden am nächsten Morgen kündigt der Holzfäller an am nächsten Tag mit seinem Sohn die Stadt verlassen zu wollen. Die Lehrerin entfernt sich von ihm und kehrt unverändert barfuß, in zerfledderten Kleidern und leicht apathisch ins Dorf zurück, ohne ein Wort zu sagen. Einige Dorfbewohner umhegen sie auf ihrem Heimweg und fragen Mademoiselle, ob „er“ es gewesen sei, was von ihr lakonisch bejaht wird. Als der Italiener ins Dorf zurückkommt, prügeln ihn einige Männer zu Tode. Mademoiselle verlässt das Dorf zügig, wird aber vom Sohn des Italieners als Verantwortliche erkannt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Jean Genet hatte bereits 1951 ein Drehbuch für die Schauspielerin Anouk Aimée mit dem Inhalt dieser Geschichte geschrieben. Er hatte dieses Drehbuch der Schauspielerin zur Hochzeit geschenkt. Marguerite Duras überarbeitete dieses Drehbuch für Tony Richardson. Für die Rolle des italienischen Holzfällers Manou war ursprünglich Marlon Brando vorgesehen. Der Film erlebte seine Premiere beim Filmfestival Cannes 1966, wurde allerdings vom Publikum ausgebuht.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Peter W. Jansen in Jeanne Moreau (Hg. vom Filmmuseum Berlin): "Der Gang, die Augen, der Mund: wie unter einem Brennglas finden sich die Insignien ihrer Kunst in Mademoiselle versammelt. Wenn Louis Malle ihr eigentlicher Entdecker genannt werden darf, weil er der erste war, der die Sprache ihres Körpers verstand und zum Dolmetscher ihres Ganges wurde, (...) kommt Tony Richardson wohl das Verdienst zu, sie in ihrer Totalität erfasst zu haben."
  • Prisma Online: Jeanne Moreau ist hier in einer ihrer aufregendsten Filmrollen als von scheuer Boshaftigkeit und verklemmter Lüsternheit erfüllte Lehrerin zu sehen; faszinierend ihr fast wortloses Spiel, das zum Gleichnis, zum Alptraum menschlichen Wesens wird. Tony Richardsons irritierendes Drama nach einem Roman von Marguerite Duras besticht durch die brillante Story, die exzellente Kameraarbeit, und die alles überragende Hauptdarstellerin.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]