Madoc

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Madoc (Begriffsklärung) aufgeführt.

Madoc soll einer wohl erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstandenen Legende zufolge ein walisischer Prinz und unehelicher Sohn des Königs Owain Gwynedd gewesen sein, der um 1170 (mehr als 300 Jahre vor Christoph Kolumbus) in Amerika gelandet sein und dort auch Siedlungen gegründet haben soll. Die englischen Begründer dieser These im 16. Jahrhundert hatten ein handfestes Interesse, diese zu vertreten, um so ältere Rechte an Amerika geltend zu machen als die Spanier.

Die Legende[Bearbeiten]

Nach König Owain Gwynedds Tod 1170 stritten seine mindestens 16 Söhne um das Erbe und die Regentschaft. Um den Kämpfen zu entgehen, soll Madoc sich entschlossen haben, westwärts zu segeln. Diese Expedition soll Madoc über die Nordküste Irlands bis an die Mobile Bay im heutigen Alabama geführt haben.

Madoc kehrte nach Wales zurück, erzählte dort von seiner Entdeckung und scharte Abenteurer um sich, um das Neuland zu besiedeln. 1170 segelte Madoc mit zehn Schiffen erneut gen Westen, seither gibt es keine Spur von ihm.

Der Legende zufolge erreichte er Amerika erneut und siedelte im Gebiet des heutigen Georgia, Kentucky oder Tennessee. Aufgrund von Kriegen gegen die Indianer soll sich Madoc mit seinen Männern an den Missouri River zurückgezogen haben, wo er den Stamm der Mandan gründete, der schließlich im 19. Jahrhundert durch das Pockenvirus fast komplett ausgerottet wurde.

Zwar hatte König Owain eine stattliche Anzahl an Kindern von zwei ehelichen Frauen und mindestens vier Geliebten, aber es existiert keinerlei Dokument oder Hinweis auf einen Prinzen Madoc.

Madoc als einer der ersten weißen Siedler in Nordamerika?[Bearbeiten]

Diese Hypothese stützt sich vor allem auf vier Argumente, deren Gegenargumente hier mitaufgelistet werden:

Rätselhafte Festungen[Bearbeiten]

Skizze der Festung am Ohio River

In den USA existieren drei Steinfestungen, die mehrere Jahrhunderte vor Kolumbus' Entdeckung des Kontinents entstanden. Allesamt befinden sie sich auf jenem Gebiet, in das Madoc vorgestoßen sein könnte. Man datiert sie auf das 12. Jahrhundert. Diese steinernen Forts, Burgen nicht unähnlich, unterscheiden sich jedoch völlig von den bekannten Bauwerken der indigenen Völker Nordamerikas. Nach einer Legende der Cherokee, die das Gebiet erst später besiedelten, wurden sie "von weißen Männern, die über das große Wasser kamen", gebaut. Die Festung an den DeSoto-Fällen in Alabama gleicht in Bauweise und Aussehen nahezu vollkommen den Überresten der Burg Dolwyddelan, dem Geburtsort Madocs. Die beiden anderen Stein-Forts befinden sich in Manchester, Tennessee, am Ohio River und in Louisville, Kentucky, am Ohio River.

Diese Steinfestungen sind in dieser Gegend des amerikanischen Kontinents zwar von ungewöhnlicher Bauart, haben aber keine Ähnlichkeit mit Dolwyddelan Castle.

Die „weißen“ Indianer[Bearbeiten]

Mandan in einem Coracle

Es gab auch immer wieder Gerüchte über einen "weißen" Indianerstamm. So erfuhr beispielsweise George Rogers Clark vom Shawnee-Häuptling Tabak, dass die Indianer in einer lange zurückliegenden Schlacht "weiße Männer" besiegt hatten. Einige der Männer sollen dem Gemetzel entflohen sein und am Missouri den Stamm der Mandan gegründet haben.

George Catlin, der erste der weißen Amerikaner, der die Kultur der Mandan erforschte, machte ähnliche Angaben. Die Mandan unterschieden sich in ihrer Kultur deutlich von allen anderen bekannten Indianerstämmen, fertigten beispielsweise blaue Glasperlen an, wie sie sonst kein Indianerstamm herzustellen vermochte. Gemäß der Mythologie der Mandan strandete die höchste Gottheit der Mandan, Lone Man, nach einer riesigen Flut als einziger Überlebender auf einer Anhöhe der Prärie. Er war am ganzen Körper mit weißer Farbe bestrichen und landete in einem Kanu. Die Mythologie der Mandan lässt im Detail verblüffende Parallelen zur biblischen Geschichte erkennen. Auch Totenkult und Bauweise der Mandan-Dörfer ähneln der walisischen Tradition. Weiter gab es unter den Mandan auffallend viele blonde oder blauäugige Stammesangehörige. Sie bedienten sich einer dem Walisischen nicht unähnlichen Sprache und sie benutzten Boote, die es nirgends sonst in Nordamerika gibt. Die Boote ähnelten jedoch den kleinen, ovalen, geflochtenen Ruderbooten, die zu Madocs Zeiten in Wales gebräuchlich waren (sogenannte Welsh Coracles).

Diese Beobachtungen wurden durch die Lewis-und-Clark-Expedition nicht bestätigt. Die Sprache der Mandan gehört zudem zur Sioux-Sprachfamilie.

Im Zuge der Kolonialisierung vermischten sich auch europäische Siedler mit diversen Indianerstämmen, und das bereits im frühen 16. Jahrhundert.

Die Legende unter den nordamerikanischen Indianern, die ein Königreich im Nord-Osten des Kontinents beschrieb, das von weißen Männern begründet war, bezieht sich höchstwahrscheinlich auf die Wikingersiedler des 11. Jahrhunderts.

Genetische Untersuchungen im Jahr 2006 haben eindeutig belegt, dass die Mandan keine Vorfahren aus Wales hatten.

Clarks Gräberfund[Bearbeiten]

Angeblich entdeckte George Rogers Clark, der ältere Bruder von William Clark, 1799 mehr zufällig am Nordufer des Ohio Rivers einen Grabstein mit dem Datum 1186. Man exhumierte sechs Skelette, die auf einer Brustplatte aus Messing das walisische Wappen eingraviert hatten. Verziert war die Brustplatte mit einer Meerjungfrau und einer Harfe. Ebenfalls darauf befand sich eine lateinische Inschrift, die übersetzt soviel bedeutete wie "Tugendhafte Taten verdienen immer Belohnung". Clark schloss daraus, dass es sich nur um Männer von Madoc handeln könne. Im Gebiet des Ohio River befindet sich ebenfalls eine von Clark entdeckte Steinfestung.

In der Biographie von Clark findet sich nicht der geringste Hinweis auf einen Gräberfund.

Der Name "Mandan"[Bearbeiten]

Die Begleiter Madocs wurden von den Walisern Madawgwys genannt. Gemäß Catlin könnte diese Bezeichnung leicht zu Mandan abgeleitet worden sein.

Weblinks[Bearbeiten]

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Deacon, Richard: Madoc and the Discovery of America: Some New Light on an Old Controversy, George Braziller, Inc., N.Y., N.Y., 1966.
  • Gibson, Frances: The Seafarers: Pre-Columbian Voyages to America, Dorrance & Company, Philadelphia, 1974.
  • Mooney, Michael M.: Ed., George Catlin, 1796-1872. Letters and Notes on the North American Indians, Clarkson N. Potter, Inc., N.Y., N.Y., 1975, First Edition.
  • Samuel Eliot Morison: The European Discovery of America - The Northern Voyages, A.D. 500-1600, Oxford University Press, N.Y., N.Y., 1971.
  • Olson, Dana: The Legend of Prince Madoc and the White Indians
  • Pohl, Frederick J., Atlantic Crossings Before Columbus, W. W. Norton, Inc., N.Y., N.Y., First Ed., 1961.
  • Pugh, Ellen: Brave His Soul: The Story of Prince Madog of Wales and His Discovery of America in 1170, Dodd, Mead & Company, N.Y., N.Y., 1970.
  • Schmitz, Hans-Peter: Mandan / Madoc / Madowgwys. Die Suche nach den Wurzeln des Mandan-Volkes. In: Magazin für Amerikanistik, Nr. 1 2001