Mads Mikkelsen

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Mads Mikkelsen beim Cannes Film Festival 2013

Mads Dittmann Mikkelsen (* 22. November 1965 in Kopenhagen) ist ein dänischer Schauspieler. Seit Mitte der 1990er Jahre hat er in mehr als 30 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, mehrheitlich Dramen. Internationale Bekanntheit erlangte er durch das dänische Beziehungsdrama Für immer und ewig (2002), während er für seine Darstellung eines Kleinkriminellen in Pusher II (2004) mit den wichtigsten Filmpreisen Dänemarks ausgezeichnet wurde. Es folgten größere Auftritte im internationalen Kino, darunter King Arthur (2004), James Bond 007: Casino Royale (2006) oder Coco Chanel & Igor Stravinsky (2009). 2011 wurde er mit dem Europäischen Filmpreis in der Kategorie Beste europäische Leistung im Weltkino ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung und erste Filmrollen[Bearbeiten]

Mikkelsen wurde 1965 als zweiter Sohn einer Krankenschwester und eines Gewerkschafters in Kopenhagen geboren und wuchs im Stadtteil Nørrebro auf. Zu Schulzeiten tat er sich als Leichtathlet hervor, ehe Mikkelsen auf Anfrage eines Choreographen zum Ausdruckstanz kam und mit Musicals wie Chicago durch Dänemark tourte.[1] Acht Jahre lang arbeitete er als professioneller Tänzer, ehe er sich dafür entschied, ins Schauspielfach zu wechseln. Mikkelsen besuchte die Schauspielschule am Theater von Aarhus und schloss seine Ausbildung im Jahr 1996 ab. Im selben Jahr begann er seine Filmkarriere mit Nebenrollen in den Kurzfilmen Café Hector und Der Blumensträfling von Lotte Svendsen bzw. Jens Arentzen. Sein Debüt in einem Langspielfilm absolvierte er ebenfalls im Jahr 1996 in Nicolas Winding Refns Actiondrama Pusher, in dem er an der Seite von Kim Bodnia und Zlatko Burić den kahlköpfigen, rauschgiftsüchtigen Tonny spielte. Nach dieser einprägsamen Rolle folgten weitere Nebenrollen in dänischen Filmen, darunter 1998 die eines Familienvaters in dem Drama Vildspor, der versucht, seine dunkle Vergangenheit in Island hinter sich zu lassen. Nachdem Mikkelsen erneut unter der Regie Nicolas Winding Refns in dem preisgekrönten Thriller Bleeder agierte, folgte von 2000 bis 2004 die männliche Hauptrolle des Allan Fischer in der dänischen Fernsehserie Unit One – Die Spezialisten. Die Serie um eine mobile Spezialeinheit, die in Dänemark der örtlichen Polizei bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen hilft, wurde von der Kritik gelobt und machte Mikkelsen endgültig dem skandinavischen Film- und Fernsehpublikum bekannt. Die in Dänemark preisgekrönte Fernsehserie, die sich für die insgesamt 32 Folgen oft reale Verbrechen zum Vorbild nahm, gewann 2002 den US-amerikanischen Filmpreis Emmy.

Parallel zum Erfolg von Unit One – Die Spezialisten, wurden Mads Mikkelsen größere Filmrollen angeboten und die dänischen Medien wurden auf den charismatischen 1,82 m großen Schauspieler aufmerksam und feierten ihn seitdem als Mann mit dem meisten Sexappeal in Dänemark.[2] In Anders Thomas Jensens Actionkomödie Blinkende Lichter spielte Mikkelsen gemeinsam mit Ulrich Thomsen und Nikolaj Lie Kaas eine Gruppe von Kopenhagener Kleinkriminellen, die einen Unterweltboss austricksen. Es folgte die Hauptrolle in Hella Joofs romantischer Komödie Shake It All About (2001) und die Mitwirkung an Lone Scherfigs auch international erfolgreicher Tragikomödie Wilbur Wants to Kill Himself (2002), für die er jeweils mit dem dänischen Zulu Award prämiert wurde. 2002 folgte die Zusammenarbeit mit der dänischen Dogma-Regisseurin Susanne Bier an dem Beziehungsdrama Open Hearts. Hier spielt Mads Mikkelsen den verheirateten Arzt Niels, der sich auf eine Affäre mit der jungen Cæcilie (dargestellt von Sonja Richter) einlässt, nachdem seine Frau deren Freund überfahren und schwer verletzt hat. Mit Open Hearts wurde Mikkelsen auch einem internationalen Publikum bekannt. Das Werk stand in der Gunst von Kritikern und Kinopublikum und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter der Preis der dänischen Filmakademie, der Robert und die Bodil, die vom Verband der dänischen Filmkritiker verliehen wird. Mikkelsen erhielt selbst ebenfalls Nominierungen für den Robert und die Bodil jeweils als Bester Hauptdarsteller.

Internationale Karriere[Bearbeiten]

Durch Open Hearts einem breiteren Publikum bekannt geworden, erhielt Mads Mikkelsen nun auch Rollenangebote für internationale Produktionen. 2003 war er in der spanischen Komödie Die Torremolinos Homevideos zu sehen, 2004 folgte die Nebenrolle des Tristan in dem weltweit erfolgreichen historischen Actionfilm King Arthur, in dem der Däne neben Clive Owen und Keira Knightley agierte. Weiterhin war Mikkelsen auch in dänischen Filmproduktionen zu sehen, in denen er wiederholt versuchte gegen das Image des Schönlings anzukämpfen.[2] So mimte er 2003 den debilen und ewig transpirierenden Metzger Svend mit extra hoher Stirn, erneut unter Anders Thomas Jensens Regie, in der Tragikomödie Dänische Delikatessen, für die er wieder für die wichtigsten dänischen Filmpreise Robert und Bodil nominiert wurde. 2004 schlüpfte Mads Mikkelsen für den Film Pusher II, die Fortsetzung von Nicolas Winding Refns Film aus dem Jahr 1996, der seine Filmkarriere eingeleitet hatte, erneut in die Rolle des Tonny. Sein Porträt für einen ehemals aus der Haft entlassenen Drogensüchtigen, der sich in Freiheit ein neues Leben aufbaut, stellte den bisher größten Erfolg in Mikkelsen Karriere dar und er erhielt die Bodil und den Robert als Bester Darsteller.

Mikkelsen bei der Deutschland-Premiere von Die Tür (2009)

Mikkelsen, der mittlerweile neben Ulrich Thomsen zu den bekanntesten Akteuren des dänischen Kinos zählt, arbeitete 2006 an vier Filmproduktionen, darunter die Hauptrollen in Susanne Biers Oscar-nominierten Familiendrama Nach der Hochzeit, Peter Lindmarks Mystery-Thriller Exit und der Part des teilnahmslosen Ehemannes in Ole Christian Madsens Beziehungsdrama Prag, der ihm erneut Nominierungen für die beiden wichtigsten dänischen Filmpreise einbrachte. Im selben Jahr gehörte Mikkelsen zum Schauspielensemble des 21. James Bond-Films Casino Royale. Hier mimt er an der Seite des neuen Titelhelden Daniel Craig Bonds entstellten Gegenspieler Le Chiffre. Die Rolle hatten in den beiden vorangegangenen Verfilmungen von Casino Royale bereits Peter Lorre und Orson Welles bekleidet.

Trotz dieses erneuten Popularitätsschubs blieb der Däne der heimischen Filmindustrie treu, die er als seine „Basis“ [3] ansieht und auch an keinen Umzug nach Hollywood denkt.[4]

2007 gab er erneut Ole Christian Madsen den Vorzug. In Madsens Drama Flammen og Citronen (Tage des Zorns) (2008), das während des Zweiten Weltkriegs in Kopenhagen spielt, agiert Mikkelsen neben Thure Lindhardt als Titelheld. Beide stellen zwei Undercover-Killer dar, die im Auftrag des Widerstands gegen die deutschen Besatzer dänische Kollaborateure töten. Als einer der beiden den Auftrag erhält, seine Geliebte zu erschießen, beginnt er, sein Handeln zu hinterfragen.[5]

Er war Werbegesicht für die Herbst/Winter-Kollektion 2007/2008 des schwedischen Modeunternehmens H&M.[6]

2007 wurde Mikkelsen für die Hauptrolle des Igor Strawinski in der Coco-Chanel-Biografie Coco & Igor gehandelt. Die Produktion, die ursprünglich vom US-amerikanischen Regisseur William Friedkin inszeniert werden sollte,[7] wurde 2009 von Regisseur Jan Kounen mit Anna Mouglalis in der weiblichen Hauptrolle realisiert und bei den Filmfestspielen 2009 in Cannes vorgestellt. Im selben Jahr war Mikkelsen auch in Anno Sauls deutschsprachigem Mysterythriller Die Tür (2009) zu sehen, in dem er neben Jessica Schwarz und Heike Makatsch agierte. Weitere unterschiedlich große Rollen im internationalen Kino (Kampf der Titanen, Walhalla Rising, Die drei Musketiere) folgten. 2011 wurde dem Schauspieler bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises die Auszeichnung in der Kategorie Europäischer Beitrag zum Weltkino zuteil. Mikkelsen verkörpere laut Jurybegründung „immer wieder Figuren, die uns anziehen und zugleich das Fürchten lernen“.[8] 2012 folgte die Darstellung des Aufklärers Johann Friedrich Struensee in Nikolaj Arcels preisgekröntem Historiendrama Die Königin und der Leibarzt an der Seite von Alicia Vikander und Mikkel Boe Følsgaard. Im selben Jahr war er unter der Regie von Thomas Vinterberg in Die Jagd als Vater und Kindergartenlehrer in einer dänischen Kleinstadt zu sehen, der aufgrund der Lüge eines Kindes der Pädophilie verdächtigt wird. Als erster dänischer Schauspieler gewann Mikkelsen für diese Leistung den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Cannes und erhielt seine dritte Nominierung für den Europäischen Filmpreis als bester Darsteller und wurde abermals mit der Bodil und dem Robert ausgezeichnet. Sein drittes Filmprojekt im Jahr 2012 war Move On. Ein internationaler Roadmovie der in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Asger Leth und der Deutschen Telekom AG entstanden ist. Darin reist Mads Mikkelsen in der Rolle eines Geheimagenten durch acht Länder und muss einen mysteriösen Koffer zu einem ihm unbekannten Bestimmungsort bringen. Alexandra Maria Lara, als seine Chefin, weist ihm dabei mit geheimnisvollen Botschaften den Weg.

Bis 2013 sollten fünf weitere Filmproduktionen mit Mikkelsen folgen, darunter die Titelrolle in Arnaud des PallièresMichael Kohlhaas-Adaption (2012), die ihm 2014 eine César-Nominierung als bester Hauptdarsteller einbrachte. Mikkelsen verkörpert außerdem die Rolle des Hannibal Lecter in der US-amerikanischen Fernsehserie Hannibal, die wie Das Schweigen der Lämmer auf dem Roman von Thomas Harris basiert.[9]

Mikkelsens Theaterarbeit umfasst sein Bühnendebüt in Lars Kaalunds Kunst und die Rolle des Rockers Dan in Nikolaj Cederholms Paradis am Theater Dr. Dante in Kopenhagen. Als Romeo agierte er in William Shakespeares Romeo und Julia am Theater Østre Gasværk.

Privatleben[Bearbeiten]

Mikkelsen ist seit 1987 mit der dänischen Choreografin Hanne Jacobsen liiert. Das verheiratete Paar lebt in Kopenhagen und hat gemeinsam einen Sohn und eine Tochter. Sein ein Jahr älterer Bruder Lars Mikkelsen ist in Dänemark ebenfalls ein bekannter Schauspieler, mit dem er zusammen in Lotte Svendsens Kurzfilm Café Hector (1996) und der Fernsehserie Unit One – Die Spezialisten (2000) vor der Kamera stand. Seit den Dreharbeiten zum James-Bond-Film Casino Royale zählt Mikkelsen das Pokerspiel zu seinen Hobbys und gelangte Anfang 2007 in den Fokus der internationalen Boulevardpresse, als er an einem von der Polizei per Razzia beendeten illegalen Turnier in Kopenhagen teilnahm.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Mikkelsen (Mitte) bei den Dreharbeiten zu Walhalla Rising
Bodil
  • 2003: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Open Hearts
  • 2004: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Dänische Delikatessen
  • 2005: Bester Hauptdarsteller für Pusher II
  • 2007: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Prag
  • 2013: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Die Königin und der Leibarzt
  • 2014: Bester Hauptdarsteller für Die Jagd
Europäischer Filmpreis
  • 2006: nominiert als Bester Darsteller für Nach der Hochzeit
  • 2008: nominiert als Bester Darsteller (gemeinsam mit Thure Lindhardt) für Tage des Zorns
  • 2011: Europäischer Beitrag zum Weltkino
  • 2012: nominiert als Bester Darsteller für Die Jagd
Robert
  • 2002: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Shake It All About
  • 2003: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Open Hearts
  • 2005: Bester Hauptdarsteller für Pusher II
  • 2006: nominiert als Bester Nebendarsteller für Adams Äpfel
  • 2007: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Nach der Hochzeit und Prag
  • 2009: nominiert als Bester Nebendarsteller für Tage des Zorns
  • 2011: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Walhalla Rising
  • 2013: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Die Königin und der Leibarzt
  • 2014: Bester Hauptdarsteller für Die Jagd
Zulu Award
  • 2002: Bester Hauptdarsteller für Shake It All About
  • 2003: Bester Nebendarsteller für Wilbur Wants to Kill Himself
  • 2005: Bester Hauptdarsteller für Pusher II
  • 2007: Bester Hauptdarsteller für Prag
Weitere

Dokumentarfilm[Bearbeiten]

  • Mein Leben – Mads Mikkelsen. Dokumentarfilm, Deutschland, Österreich, Dänemark, 2011, 43 Min., Buch und Regie: Jean Boué, Produktion: Telekult, ZDF, arte, deutsche Erstausstrahlung: 4. Dezember 2011, Inhaltsangabe von arte.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rebecca Casati: Dänen lächeln nicht. In: Süddeutsche Zeitung, 22. August 2008 (Interview).
  2. a b Patrick Heidmann: Wer hätte da Nein sagen können? In: Berliner Zeitung, 31. August 2006, Ausg. 203, Vermischtes, S. 10.
  3. Peter Zander: Prince Denmark. In: Berliner Morgenpost, 5. Februar 2007, Ausg. 35/2007, Kultur, S.16.
  4. Mad about Mads. In: Variety, 27. November 2006, bei madsmikkelsen.com.
  5. Volker Behrens: Die verdrängte Kollaboration. In: Hamburger Abendblatt, 11. Mai 2007, Ausg. 109/2007, Kultur & Medien, S. 9.
  6. Total anziehend: H&M auf Dänisch. In: Hamburger Abendblatt, 7. Juli 2007, Ausg. 156/2007, People, S. 24.
  7. Francesca Martin: Arts Diary. In: The Guardian, 30. Mai 2007, Guardian Features Pages, G2, S. 27.
  8. EFA ehrt Mads Mikkelsen bei europeanfilmacademy.org, 25. Oktober 2011, (abgerufen am 1. November 2011).
  9. Jan Füchtjohann: Hannibal bittet zu Tisch. In: Süddeutsche Zeitung, 8. April 2013.