Maersk Alabama

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Maersk Alabama
Die Maersk Alabama

Die Maersk Alabama

p1
Schiffsdaten
Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
andere Schiffsnamen
  • Alva Mærsk (1998–2004)
Schiffstyp Containermotorschiff
Rufzeichen WDB9985[1]
Heimathafen Norfolk (seit 2004)
Eigner Maersk Line Limited, Norfolk, USA
Reederei Waterman Steamship Corporation, Mobile
Bauwerft China Shipbuilding Corporation (CSBC), Keelung[2]
Baunummer 676[2]
Kiellegung 27. Mai 1998
Indienststellung 1998
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
155[3] m (Lüa)
145,77 m (Lpp)
Breite 25,00[2] m
Seitenhöhe 13,90[2] m
Tiefgang max. 9,52[3] m
Verdrängung 23.647[3]
Vermessung 14.120 BRZ / 6.004 NRZ[2]
 
Besatzung 21
Maschine
Maschine 1 × Dieselmotor
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
10.130 kW (13.773 PS)
Geschwindigkeit max. 18 kn (33 km/h)
Propeller 1
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 17525[3] tdw
Container 1092[4] TEU
Sonstiges
Klassifizierungen

American Bureau of Shipping

Registrier-
nummern

IMO-Nr. 9164263[2]

Die Maersk Alabama ist ein Containerschiff der US-amerikanischen Reederei Mærsk Line Limited, einer Tochterfirma der dänischen A. P. Møller-Mærsk aus Kopenhagen. Es fährt unter der US-Flagge. Die Maersk Alabama wurde im April 2009 durch einen Piratenangriff vor der somalischen Küste international bekannt. Die Piraten nahmen dabei den Kapitän des Schiffs als Geisel, die schließlich in einer gewaltsamen Aktion durch Spezialkräfte der US-Marine befreit wurde.

Bau und Technische Daten[Bearbeiten]

Die Maersk Alabama wurde 1998 auf der Werft der taiwanischen China Shipbuilding Corporation in Keelung gebaut.

Das Schiff wird von einem Siebenzylinder-Dieselmotor des Herstellers MAN angetrieben (Typ 7S50MC MK6). Der von Hitachi Zosen Diesel & Engineering in Lizenz hergestellte Motor verfügt über eine Leistung von 10.130 kW. Für die Stromerzeugung stehen drei Dieselgeneratoren mit jeweils 1.215 kW Leistung zur Verfügung.

Die Maersk Alabama verfügt über eine Containerkapazität von 1092 TEU. Die vier Laderäume sind mit Cellguides ausgestattet. An Deck befinden sich Stellplätze für 16 20-Fuß- bzw. acht 40-Fuß-Container hintereinander, wobei jeweils bis zu zehn Container nebeneinander und bis zu fünf Lagen übereinander gestaut werden können. Zwischen den Luken 1 und 2 sowie 3 und 4 befindet sich jeweils ein mittschiffs angeordneter Kran, der bis zu 40 t heben kann. Das Deckshaus befindet sich im Heckbereich des Schiffes.

Festsetzung 2004[Bearbeiten]

Das Schiff wurde 2004 im Zusammenhang mit einem Betrugsfall in Kuwait an die Kette gelegt. Dabei soll die Verschiffung hochwertiger Güter nur vorgetäuscht worden sein. In diesem Zusammenhang wurde die A. P. Møller-Mærsk Group in Kuwait auf Schadensersatz für den Verlust von Gütern verklagt, die nicht existiert haben sollen, und das Schiff wurde beschlagnahmt, bis im April 2004 die Gruppe 1,86 Millionen US-Dollar Entschädigung bezahlte.[5]

Piratenangriff und Geiselnahme des Kapitäns im April 2009[Bearbeiten]

Am 8. April 2009 wurde die Maersk Alabama auf der Fahrt nach Mombasa um 7:30 Uhr Ortszeit von somalischen Piraten in 310 sm Entfernung von der Küste Somalias angegriffen. Dies war bereits der sechste Angriff in dem Gebiet innerhalb einer Woche.[6][7] Als Mutterschiff und damit als Ausgangspunkt für ihren Angriff nutzten die Piraten die Win Far 161, ein taiwanesisches Fischereischiff mit 30 Mann Besatzung, das sie zwei Tage zuvor nördlich der Seychellen in ihre Gewalt gebracht hatten.[8]

Der Kapitän des Containerschiffs, Richard Phillips, hatte zuvor per E-Mail mehrere Warnungen vor Piratenangriffen erhalten, die mit der dringenden Empfehlung verbunden waren, mindestens 600 sm Abstand zur somalischen Küste zu halten. Er wies jedoch seine Besatzung an, den Kurs nicht zu ändern.[9]

Der Frachter kam aus Salala im Oman, hatte Dschibuti angelaufen und war nach Kenia unterwegs.[10] Die Ladung bestand vor allem aus Lebensmitteln des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen für mehrere Länder in Ostafrika.[11]

Kaperung[Bearbeiten]

Als die Piraten sich in unmittelbarer Nähe des Schiffs befanden, wies der Kapitän den größten Teil der 20 Mann starken Besatzung an, sich unter Deck einzuschließen, wo von einem Besatzungsmitglied kurz zuvor ein besonders geschützter Raum eingerichtet worden war.[12] Den mehrfach trainierten Verhaltensanweisungen im Falle eines Piratenangriffs folgend schossen einige Crewmitglieder zunächst Leuchtraketen ab, um andere Schiffe und die patrouillierenden Militärflugzeuge auf den Angriff aufmerksam zu machen. Phillips blieb mit drei Seeleuten auf der Brücke. Mit Hilfe einer Enterleiter gelangten die ersten beiden Piraten an Bord des Schiffes und kurz darauf auf die Brücke, wo ihnen Phillips unbewaffnet und ohne Widerstand entgegentrat.[12]

Unter Deck hatte die Besatzung Kontrolle über den Maschinenraum und das Ruder. Durch mehrfaches hartes Umwerfen des Ruders versuchte die Crew, die beiden weiteren Piraten am Verlassen ihres Bootes und am Entern des Schiffes zu hindern, was jedoch misslang. Allerdings lief das Boot der Seeräuber durch die erzeugten Wellen mit Wasser voll, kenterte und ging verloren.[12] Nach 20 Minuten wurde der Schiffsmotor gestoppt und kurz darauf stellte die Besatzung die Stromversorgung auf dem Schiff ab und unterbrach die Dieselzufuhr zum Notstromgenerator, was den Piraten die Orientierung auf dem Schiff und die Suche nach den Besatzungsmitgliedern erschwerte. Die Piraten schickten einen der auf der Brücke gebliebenen Seeleute unter Deck, um die restliche Besatzung zu holen. Er schloss sich jedoch der im dunklen Schiffsinneren versteckten Gruppe an.[13]

Der Mannschaft gelang es, einen der Piraten in einen Maschinenraum zu locken, und ihn zu überwältigen.[14] Der Pirat wurde zwölf Stunden lang von der Besatzung festgehalten. Nach Verhandlungen zwischen den Seeräubern und der Besatzung wurde ein Austausch der von beiden Seiten gehaltenen Geiseln und die Übergabe von Nahrungsmitteln, Treibstoff und eines Rettungsbootes vereinbart. Mit diesem wollten die vier Piraten, deren eigenes Boot zu Beginn des Angriffs gesunken war, fliehen. Zusätzlich übergab der Kapitän den Piraten 30.000 US-Dollar aus dem Schiffstresor.[15]

Flucht der Piraten und Entführung des Kapitäns[Bearbeiten]

Die Piraten nahmen Kapitän Phillips als Geisel in ein kleines Rettungsboot, zu dessen Nutzung er sie überredet hatte und das von der Besatzung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Treibstoff ausgestattet wurde. Phillips sollte den Piraten zeigen, wie sie mit dem Boot ablegen und anschließend an die Küste fliehen könnten, und sich anschließend gegen den vierten Piraten austauschen lassen, der sich noch in der Gewalt der Besatzung befand.[13][16][10] Als das Ablegen nicht gelang, ließ eine Abordnung der Besatzung das hochseetaugliche Freifallrettungsboot des Schiffes zu Wasser und bewegte sich darin mit dem vierten Piraten auf das kleinere Rettungsboot mit dem Kapitän und den drei Piraten zu, um die Boote und die Geiseln zu tauschen. Der Austausch scheiterte jedoch, als der gefangene Seeräuber zwar übergeben, der Kapitän jedoch nicht freigelassen wurde. Die Zeit von diesem Mittwoch bis (Oster)Sonntag verbrachte Phillips mit seinen Entführern auf dem Boot.[13][17]

Verfolgung durch US-Kriegsschiffe[Bearbeiten]

Der Zerstörer USS Bainbridge erreichte die Maersk Alabama in der Nacht zum 9. April 2009, um deren Besatzung zu unterstützen.[18] Ein Seeaufklärer des Typs P-3 Orion lieferte gleichzeitig Videoaufnahmen aus der Luft.[19]

Da den Piraten eine Flucht mit dem langsamen Rettungsboot nicht möglich war, hielten sie den Kapitän des Containerschiffes in dem Rettungsboot weiterhin als Geisel und verlangten Lösegeld sowie ein Schnellboot. Von dem US-Zerstörer in der Nähe des Rettungsbootes aus traten die US-Marine und ein Verhandlungsteam der Bundespolizei FBI in Kontakt mit den Seeräubern.[20]

Phillips' Fluchtversuch[Bearbeiten]

Die Maersk Alabama setzte am 10. April 2009 ihre Fahrt nach Mombasa fort.[20] Am selben Tag scheiterte ein Fluchtversuch des festgehaltenen Kapitäns Phillips. Er versuchte, mit einem Sprung aus dem Boot seinen Entführern zu entkommen. Die Piraten feuerten daraufhin Schüsse ab und nahmen ihn wieder an Bord.[21] Am 10. April erreichte außerdem die Fregatte USS Halyburton die Seeregion, das amphibische Angriffsschiff USS Boxer wurde ebenfalls dorthin beordert.[22]

Unterstützungversuch für die Piraten durch weitere gekaperte Schiffe[Bearbeiten]

Nachdem die vier Piraten im Rettungsboot um Unterstützung bei ihrem Fluchtversuch gebeten hatten, setzten sich am 10. April 2009 mit ihnen verbündete Piraten mit vier weiteren entführten Schiffen vor der Küste Somalias in Bewegung, darunter das deutsche Containerschiff Hansa Stavanger einschließlich der an Bord als Geiseln genommenen Besatzung. Der Unterstützungsversuch scheiterte jedoch, da die Piraten das Rettungsboot nicht fanden.[23]

Befreiung durch Navy SEALs[Bearbeiten]

Der Kapitän der Maersk Alabama, Richard Phillips, (rechts) nach seiner Rettung mit Frank Castellano, dem Kommandanten der USS Bainbridge

In der Nacht zum 12. April 2009 sprangen Angehörige der Spezialeinheit United States Navy SEALs mit Fallschirmen ab und wurden von der Bainbridge aufgenommen.[24] Im Laufe des Tages näherte sich das Rettungsboot mit den Piraten und der Geisel bis auf weniger als 50 km der somalischen Küste unweit von Garacad,[25][26] einem Piratenstützpunkt etwa 125 km südlich von Eyl. Die Möglichkeit einer Verschleppung der Geisel auf das Festland verschärfte die Situation. An Land wären die Chancen auf eine schnelle Befreiung stark gesunken, da es im Hinterland der Küste viele unzugängliche Bergdörfer und Höhlen gibt. Als das Boot der Piraten am 12. April 2009 durch hohen Seegang in Gefahr geriet, ließen sie sich von dem Zerstörer in ruhigere Gewässer schleppen. Der Marine gelang es so, näher an das Boot mit dem entführten Phillips heranzukommen.[24] Abdiwali Abdiqadir Muse, der von der Besatzung einige Tage zuvor verletzte Pirat, kam zu Verhandlungen, ärztlicher Versorgung und einen Telefonanruf an Bord der Bainbridge.[24] Als die Piraten merkten, dass der Zerstörer ihr Boot wieder aufs offene Meer zog, wurde die Lage für die Geisel zunehmend kritischer.[24]

Am Abend des 12. April 2009 wurde Kapitän Phillips vom Team der Navy SEALs unverletzt geborgen. Dabei wurden drei der vier Piraten getötet.[27] Da die Militärs zu dem Urteil kamen, dass sich Phillips in unmittelbarer Lebensgefahr befand, trafen sie die Entscheidung zum Eingreifen. Drei Kampfschwimmer töteten vom Heck der USS Bainbridge aus 25 m Entfernung die drei Piraten an Bord des Rettungsbootes mit mehreren Schüssen. Zwei der Entführer hatten an der hinteren Luke des Rettungsbootes gestanden, der dritte Pirat war mit auf den gefesselten Phillips gerichtetem AK-47-Sturmgewehr im Inneren des Bootes sichtbar. Unmittelbar nach den Tötungen wurde Phillips befreit.[28][15][29]

Das Rettungsboot der Maersk Alabama, in dem Kapitän Phillips fünf Tage lang festgehalten wurde, wird an Bord der USS Boxer gebracht.

Der Pirat, der sich zu Verhandlungen an Bord der Bainbridge befand, ergab sich.[30] Die US Navy brachte Phillips zunächst zur USS Bainbridge und dann zur medizinischen Betreuung und anschließenden Befragung auf die USS Boxer, bevor er wenige Tage darauf in die USA ausgeflogen wurde.

Einer der an der Aktion beteiligten Soldaten wurde mit der Meritorious Service Medal, zwei weitere mit der Navy & Marine Corps Commendation Medal für die Rettung von Richard Phillips ausgezeichnet.[31] Verteidigungsminister Robert Gates lobte die Aktion als „lehrbuchmäßig“.[32]

Der interne Aufklärungsdienst für Kriminalfälle der US-Marine (NCIS) führte Nachforschungen zum Verbleib der vom Rettungsboot der Maersk Alabama verschwundenen 30.000 US-Dollar Bargeld an, die jedoch ohne Ergebnis blieben.[33]

Politische Reaktionen[Bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten beschäftigte sich am 21. und 22. April 2009 das Repräsentantenhaus mit dem Piratenangriff und der Geiselbefreiung.[34] Die Parlamentarier verabschiedeten eine Resolution (H.Res.339), in der sie Kapitän Phillips und seine Mannschaft lobten, die Rolle der Marine und der Mannschaften der beteiligten Schiffe würdigten, den Navy SEALs zu ihrer Aktion gratulierten und ihre „mit allen Amerikanern geteilte große Erleichterung“ über die Rückkehr der Mannschaft ausdrückten.[35]

Der Präsident der halbautonomen somalischen Region Puntland, in der das Piratentum die Haupteinnahmequelle war, lobte das gewaltsame US-amerikanische Vorgehen, nachdem er zuvor Lösegeldzahlungen an Piraten wiederholt kritisiert hatte. Von Seiten somalischer Piraten erfolgten aufgrund der Tötungen Drohungen mit Racheaktionen gegen US-Amerikaner.[36][37]

Untersuchung der Vorfälle durch den Eigner[Bearbeiten]

Wenige Tage nach Beendigung der Entführung kündigte die Führung des dänischen Mutterkonzerns A. P. Møller-Mærsk eine eingehende Untersuchung der Vorfälle an, um Konsequenzen zur Erhöhung der Sicherheit der Schiffe und ihrer Besatzungen ziehen zu können.[38] Noch vor deren Abschluss meldete der Reedereikonzern erste Änderungen der Sicherheitsbestimmungen, darunter die Beschränkung bestimmter Routen für Schiffe anhand ihrer Geschwindigkeit und ihres Freibords, sowie Maßnahmen zur Erschwerung des Zugangs auf See. Eine Bewaffnung der Mannschaften oder eine Anwesenheit von bewaffneten Sicherheitskräften an Bord der Schiffe lehnte A. P. Møller-Mærsk jedoch Ende April 2009 als grundsätzliche Anti-Piraterie-Maßnahme mit dem Hinweis auf eine mögliche Gefahr der Gewalteskalation ab.[39]

Zivilprozess der Besatzung gegen die Eigner und Betreiber[Bearbeiten]

11 der 19 Besatzungsmitglieder erhoben später gegen die Reederei Klage,[40] die 2013 zu einem Gerichtsprozess mit einem Streitwert von 50 Millionen US-Dollar führte. Sie warfen der Maersk Line Ltd und der Waterman Steamship Corp vor, nicht für ausreichende Sicherheitsmaßnahmen gegen Piratenangriffe gesorgt und es zugelassen zu haben, dass das Schiff unter Missachtung deutlicher Warnungen in das von Piraten bedrohte Seegebiet fuhr.[41][42] Im Zusammenhang mit dem Prozess erhoben Besatzungsmitglieder teilweise schwere Vorwürfe gegen Kapitän Phillips, der als Zeuge der Verteidigung beteiligt ist.[43][44]

Strafprozess gegen überlebenden Piraten[Bearbeiten]

Gegen den einzigen überlebenden der vier Piraten wurde anschließend in New York ein Strafprozess geführt, an dessen Ende er im Februar 2011 zu 33 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt wurde.[45] Abdiwali Abdiqadir Muse hatte das Schiff als erster der Gruppe betreten, war im Verlauf des Überfalls von einem Besatzungsmitglied an der Hand verletzt worden und hatte sich später den US-Truppen ergeben. Er hatte den als Geisel genommenen Phillips geschlagen und eine Hinrichtung vorgetäuscht.[46] Eine Anklage wegen Piraterie, die ein verpflichtendes Strafmaß von lebenslanger Freiheitsstrafe beinhaltet, ließ das Gericht in einer Einigung mit der Verteidigung fallen, nachdem sich der Angeklagte in den minder schweren Punkten Entführung, Geiselnahme und Verschwörung für schuldig bekannt hatte. Die Verteidigung konnte sich mangels Beweisen nicht mit dem strafmildernden Argument durchsetzen, dass Muse zum Tatzeitpunkt erst 15 Jahre alt gewesen sein soll.[46] Die Haftstrafe verbüßt er im Bundesgefängnis von Terre Haute.[14]

Mediale Aufarbeitung[Bearbeiten]

Kapitän Richard Phillips verarbeitete seine Erlebnisse im erstmals 2010 erschienenen Buch Höllentage auf See.[47] Weitere Erfahrungsberichte veröffentlichten an dem Ereignis beteiligte Militärs: Der Konteradmiral Terry McKnight, der bis wenige Tage zuvor das Kommando über den multinationalen Schiffsverband Combined Task Force 151 innehatte, schilderte die Aktion 2012 im Buch Pirate Alley.[48][49] Ein ehemaliges Mitglied der DEVGRU-Einheit beschrieb Einzelheiten des Einsatzes in dem 2012 unter Pseudonym erschienenen Buch No Easy Day.[50][51]

Mehrere Crewmitglieder der Maersk Alabama sowie die hohen Marineoffiziere McKnight und Gortney beteiligten sich an der TV-Dokumentation Somali Pirate Takedown: The Real Story, die im Juni 2009 erstmals im US-amerikanischen Discovery Channel ausgestrahlt wurde.[52]

Der Kinofilm Captain Phillips (2013) von Paul Greengrass mit Tom Hanks in der Titelrolle ist ein an den wahren Begebenheiten orientierter Action-Thriller. Ein international geförderter Dokumentarfilm mit dem Arbeitstitel The Smiling Pirate über den überlebenden somalischen Piraten, der eine in vielen Punkten abweichende Version der Ereignisse vermitteln soll, befand sich im November 2013 noch in der Herstellungsphase.[53][54]

Eine Mission aus dem 2012 erschienenen Ego-Shooter Medal of Honor: Warfighter orientiert sich an der Rettungsaktion im Zuge der Entführung.[55][56] Mindestens einer der bei der Befreiung des Schiffskapitäns eingesetzten Elitesoldaten unterstützte die Entwicklung des Computerspiels als Berater.[57]

Das Original-Rettungsboot sowie ein bei der Geiselbefreiung eingesetztes Scharfschützengewehr befinden sich unter den Ausstellungsstücken des National Navy SEAL Museum in Fort Pierce (Florida).[58]

Weitere Piratenüberfälle[Bearbeiten]

Nach dem aufsehenerregenden Überfall wurde die Maersk Alabama noch acht weitere Male von Piraten angegriffen (Stand Oktober 2013).[59] Bereits am 18. November 2009 erfolgte 560 Seemeilen östlich des Horns von Afrika der erste dieser Angriffe. Vier Männer näherten sich in einem kleinen Boot und schossen mit automatischen Waffen auf das Schiff. Privates Sicherheitspersonal an Bord des Frachters konnte jedoch eine Kaperung verhindern.[60] Die Wachleute erwiderten das Feuer mit Handfeuerwaffen und einem Long Range Acoustic Device und schlugen die Piraten in die Flucht.[61] Die Maersk Alabama setzte ihre Fahrt nach Mombasa fort.

Ein weiterer Angriff somalischer Piraten auf das Schiff erfolgte am 29. September 2010 und wurde ebenfalls von einem Team privater Wachleute an Bord zurückgeschlagen, als sich die Piraten in rund 100 Metern Entfernung befanden.[62] Weitere Angriffe erfolgten am 8. März[63] sowie am 14. Mai 2011, wobei jeweils die bewaffneten Sicherheitskräfte an Bord aktiv wurden. Beim letzteren Angriff hatten sich die Piraten nach Angaben des Kapitäns dem Schiff bereits bis auf rund 30 Meter genähert.[64]

Tod zweier Wachleute im Februar 2014[Bearbeiten]

Im Februar 2014 transportierte die Maersk Alabama Hilfsgüter für das US-Programm Food for Peace nach Ostafrika. Am 18. Februar wurden während einer Hafenliegezeit in Port Victoria auf den Seychellen die beiden Wachleute Jeffrey Reynolds und Mark Kennedy tot in ihrer Kammer aufgefunden. Die beiden 44- und 43-jährigen Ex-Navy-Seals arbeiteten an Bord für das Sicherheitsunternehmen Trident Security. Beide Wachmänner starben infolge Atem- und Herzversagen durch die gleichzeitige Einnahme von Heroin und Alkohol. Das Schiff konnte seine Reise nach Abschluss der Untersuchungen fortsetzen.[65][66]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christopher Daniels: Somali Piracy and Terrorism in the Horn of Africa, Scarecrow Pr Inc, April 2012, ISBN 978-0810883109, Seite 147, teilweise Online [7] – enthält Schilderung der Ereignisse im Gesamtkontext der somalischen Piraterie

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maersk Alabama – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ship Compulsory Equipped License - WDB9985 auf der Webseite der Federal Communications Commission o.D., abgerufen am 3. Dezember 2013 (englisch)
  2. a b c d e f Søfartsstyrelsen Skibsregistret (Hg.): Danmarks Skibsliste (PDF), dänisches Schiffsregister vom Januar 2000, S. 84, abgerufen am 6. Dezember 2013 (dänisch)
  3. a b c d Maersk Alabama, International Shipholding Corp. Abgerufen am 21. November 2013 (PDF-Datei; 327 kB).
  4. Maersk Alabama. In Containership-Info, abgerufen am 3. Dezember 2013 (englisch)
  5. Maersk A-Class (Englisch), GlobalSecurity.org. Abgerufen am 16. April 2009. 
  6. Angriff auf "Maersk Alabama": Vier Piraten gegen US-Kriegsschiff. In: Stern.de vom 9. April 2009, abgerufen am 27. November 2013
  7. Piracy Today: Modern Terror on the High Seas to Open at Nauticus. Meldung des Wissenschaftszentrums Nauticus vom 11. Dezember 2009, abgerufen am 27. November 2013 (englisch)
  8. Chiang Huang-chih: Does MOFA care about ‘Win Far’? In: Taipei Times vom 7. September 2009, abgerufen am 10. Dezember 2013 (englisch)
  9. The Maersk Alabama crew speaks out about Captain Phillips. TV-Beitrag der Sendung Anderson Cooper 360° auf CNN vom 8. Oktober 2013, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  10. a b ap, abendblatt.de (8. April 2009). Dramatischer Kampf mit Piraten vor somalischer Küste Hamburger Abendblatt (abgerufen 9. April 2009).
  11. gxb/AFP (9. April 2009). „Maersk Alabama“: Piraten nehmen Kapitän von US-Frachter als Geisel Focus (abgerufen 9. April 2009)
  12. a b c Shane Murphy: "I'm Your Worst F**king Nightmare". In: GQ vom 18. November 2009, abgerufen am 10. Dezember 2013 (englisch)
  13. a b c Crewman's e-mail gives harrowing details of hijacking. In: CNN vom 20. April 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch)
  14. a b Colin Freeman: Captain Phillips interview: 'I didn't care if I died'. In: The Telegraph vom 8. Oktober 2013, abgerufen am 30. November 2013 (englisch)
  15. a b Adam Goldman: More to the dramatic story of Capt. Phillips and SEALS. In: Leader-Post vom 12. Oktober 2012, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  16. Held mit Kratzern In: Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2010, abgerufen am 28. November 2013
  17. Marc Engelhardt (9. April 2009). Geiseldrama auf hoher See taz (abgerufen 9. April 2009).
  18. AP/dpa/gal/hai (9. April 2009). Showdown auf hoher See Süddeutsche Zeitung (abgerufen 9. April 2009)
  19. Obama promises united effort against piracy. In: USA Today vom 12. April 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch)
  20. a b fw/sti/ap/dpa/afp (10. April 2009). US-Militär verstärkt Präsenz vor Afrika Deutsche Welle (abgerufen 10. April 2009)
  21. vgl. Kühner Fluchtversuch des Kapitäns bei sueddeutsche.de, 10. April 2009
  22. mit AFP (10. April 2009). Geisel-Drama auf See "Halyburton" trifft ein n-tv (abgerufen 10. April 2009)
  23. Doku über "Hansa Stavanger"-Entführung: "Die echten Bosse sitzen auf den Bahamas". In: Süddeutsche Zeitung vom 7. Dezember 2013
  24. a b c d Katja Gelinsky (13. April 2009). Drei Kopfschüsse in rauher See Frankfurter Allgemeine Zeitung (abgerufen 21. April 2009)
  25. dpa/AP/tsch (12. April 2009). Piraten mit US-Kapitän nähern sich der Küste Die Welt (abgerufen 12. April 2009)
  26. auch Gara'ad
  27. Stephanie McCrummen, Ann Scott Tyson (12. April 2009). Navy Kills 3 Pirates, Rescues Ship Captain The Washington Post (abgerufen 12. April 2009)
  28. Stephanie McCrummen und Ann Scott Tyson: Navy Kills 3 Pirates, Rescues Ship Captain off Somalia's Coast. In: Washington Post vom 13. April 2009, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  29. Robert D. McFadden und Scott Shane: In Rescue of Captain, Navy Kills 3 Pirates. In: New York Times vom 12. April 2009, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  30. Marc Engelhardt (13. April 2009). Kapitän gelingt Flucht vor Piraten (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung Tagesschau (abgerufen 13. April 2009)
  31. Petraeus Visits Sailors, Awards Maersk Rescuers U.S. Department of Defense
  32. John J. Kruzel: Gates: Rescue was 'textbook,' but piracy looms. Meldung vom 13. April 2009 auf der Webseite des U.S. Central Command, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  33. $30G went missing in SEAL rescue of Capt. Phillips; SEALs given polygraph test. In: FOX News vom 11. Oktober 2013, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  34. Congressional Record: Proceedings and Debates of the 111th Congress First Session: Vol. 155 Part 8, 22. April 2009, Seite 10325-10329, teilweise Online [3] – Aussprache im US-Repräsentantenhaus aus Anlass der Beendigung der Entführung
  35. Text: H.Res.339 — 111th Congress (2009-2010). Resolution des US-Repräsentantenhauses vom 22. April 2009, abgerufen am 30. November 2013 (englisch)
  36. Nach Geisel-Befreiung: Piraten sinnen auf Rache. In: Stern.de vom 13. April 2009, abgerufen am 9. Dezember 2013
  37. Piraterie: Ruf nach Rache. In: Der Spiegel vom 20. April 2009, abgerufen am 9. Dezember 2013
  38. AP Moller-Maersk to investigate ‘Maersk Alabama’ hijacking incident. In: Baird Maritime vom 15. April 2009, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  39. A.P. Moller Maersk Group Reviews Internal Piracy Policy. In: The Maritime Executive vom 30. April 2009, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  40. Maersk Alabama Crewmembers Sue. In: gCaptain vom 16. April 2012, abgerufen am 9. Dezember 2013 (englisch)
  41. Captain Phillips: The True Story. Dokumentation der Streitsache durch den Anwalt der Besatzungsmitglieder (mit weiteren Links), abgerufen am 27. November 2013 (englisch)
  42. Complaint / Civil Action No.:CL12-1617. (PDF). Klageschrift vom 9. April 2012, abgerufen am 30. November 2013 (englisch)
  43. Maureen Callahan: Crew members: ‘Captain Phillips’ is one big lie. In: New York Post vom 13. Oktober 2013, abgerufen am 30. November 2013 (englisch)
  44. Laura Collins: A new Tom Hanks movie says Captain Phillips is the hero who saved his men when pirates attacked...but now a $50million lawsuit says he risked their lives. In: Mail Online vom 1. Oktober 2013, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  45. Benjamin Weiser: Somali Pirate Sentenced to Nearly 34 Years. In: New York Times vom 16. Februar 2011, abgerufen am 28. November 2013 (englisch)
  46. a b Daniel Nasaw: Somali pirates face hard time in US prison. In: BBC News vom 3. Oktober 2011, abgerufen am 28. November 2013 (englisch)
  47. Richard Phillips und Stephan Talty: Höllentage auf See: In den Händen von somalischen Piraten - gerettet von Navy Seals, teilweise online [4], Heyne, München 2013 – Erfahrungsbericht des entführten Kapitäns
  48. Terry McKnight und Michael Hirsh: Pirate Alley: Commanding Task Force 151 Off Somalia, Chapter 8 und folgende: Attack on Maersk Alabama, Seite 118 ff., teilweise online [5], Naval Institute Press, Annapolis 2012 (englisch), ISBN 978-1612511344
  49. David Axe: 8,000 Miles, 96 Hours, 3 Dead Pirates: Inside a Navy SEAL Rescue. In: Wired vom 17. Oktober 2012, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  50. Mark Owen [Mark Bissonette] und Kevin Maurer: No Easy Day: The Firsthand Account of the Mission that Killed Osama bin Laden, teilweise online [6] Kapitel 6, ISBN 978-0525953722
  51. Cory Pletan: A Year in Reviews: No Easy Day. In: Harvard Political Review vom 27. Dezember 2012, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  52. Discovery Channel's SOMALI PIRATE TAKEDOWN THE REAL STORY Documents Never-Before-Told Stories Behind Dramatic Maersk Alabama Pirate Standoff. Meldung auf der Webseite des Discovery Channel vom 15. Juni 2009, abgerufen am 9. Dezember 2013 (englisch)
  53. Melissa Cronin: Did The U.S. Government Lie? Somali Pirate Disputes The Official Report On The Captain Phillips Disaster — Says Dirty Tricks, Not Superior Marksmanship, Brought Down Pirates. In: Radar Online vom 13. November 2013, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  54. Kaizer Matsumunyane: The Smiling Pirate. Projektvorstellung des Films auf Vimeo, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  55. Medal of Honor Warfighter computerandvideogames.com
  56. Hat Trick Medal of Honor Wiki
  57. Steve Friess: Navy SEAL Matt Bissonnette helps on 'Medal of Honor' game. In: Politico vom 19. September 2012, abgerufen am 29. November 2013 (englisch)
  58. Maersk Alabama Lifeboat and Mk 25 Sniper Rifle from “Easter SEAL Rescue”. Webseite des National Navy SEAL Museum, abgerufen am 30. November 2013 (englisch)
  59. Gwynne Watkins: Talking With Captain Phillips’s Real-Life First Mate, Shane Murphy. In: Vulture vom 16. Oktober 2013, abgerufen am 30. November 2013 (englisch)
  60. ala/hut/AP/Reuters (18. November 2009). Piraten attackieren erneut US-Frachter „Maersk Alabama“ Der Spiegel, abgerufen 19. November 2009
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  66. Ben Brumfield: Police: Heroin, alcohol at fault in death of security officers on 'Captain Philips' ship bei CNN vom 29. April 2014, abgerufen am 30. April 2014 (englisch)