Anorexia nervosa
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| Vergleichende Klassifikation nach | ||||
|---|---|---|---|---|
| ICD-10 | DSM-IV | |||
| F50.0 | Anorexia nervosa | 307.1 | Anorexia nervosa | |
| F50.1 | atypische Anorexia nervosa | |||
| ICD-10 online | DSM IV online | |||
Die Anorexia nervosa (griech./lat.: etwa „nervlich bedingte Appetitlosigkeit“), auch Anorexia mentalis oder Magersucht genannt, ist eine psychische Störung aus dem Bereich der seelisch bedingten Essstörungen[1]. Anorexia nervosa ist nicht gleichbedeutend mit dem Begriff Anorexie, welcher lediglich allgemein eine Appetitlosigkeit beschreibt, gleich welcher Ursache.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Überblick
Die meist jungen Personen leiden an einer Körperschemastörung: Sie nehmen sich trotz Untergewichts als zu fett wahr. Im Vergleich zu anderen Menschen erlangen sie ihr Selbstwertgefühl nicht nur aus allgemeinen Leistungen in Beruf, Hobby oder Privatleben, sondern auch aus der Fähigkeit, ihr Körpergewicht kontrollieren zu können.
Die Anorexia nervosa ist mit einer geschätzten Prävalenz von 0,7 % unter weiblichen Teenagern zwar seltener als die Bulimie, zeigt aber nicht selten mit schweren körperlichen Komplikationen einen deutlich ungünstigeren Verlauf. Die Erkrankung beginnt am häufigsten im Teenager-Alter, wobei eine Diät, die anschließend außer Kontrolle gerät, ein Einstieg sein kann. Die Krankheit kann jedoch auch bei Erwachsenen oder bereits vor Eintritt der Pubertät auftreten. Einer von zwölf Erkrankten ist männlich[2].
Erkrankung ist nur selten nach kurz Behandlung geheilt. Häufig ist der Krankheitsverlauf langwierig und mit den zur Verfügung stehenden Therapien (s.u.) nicht heilbar. Magersucht zählt zu den psychischen Krankheiten mit der höchsten Sterberate. Etwa 15 Prozent der Erkrankten sterben an der Magersucht.[3]
[Bearbeiten] Symptome
Das Kennzeichen der Anorexia nervosa ist die selbst herbeigeführte Gewichtsabnahme, die durch Verminderung der Nahrungsaufnahme erreicht wird, wobei besonders Nahrungsmittel, die als „fett machend“ angesehen werden, weggelassen werden. Es gibt auch einen der Bulimia nervosa ähnlichen "Purging-Typ" der Anorexia nervosa (engl.: to purge = entschlacken)[4]. Die an diesem Typ Erkrankten beschleunigen ihre Gewichtsabnahme durch selbst ausgelöstes Erbrechen, missbräuchliche Einnahme von Appetitzüglern, Laxantien (Abführmitteln) oder Diuretika, Verwendung von Klistieren oder exzessive sportliche Betätigung .
Im Gegensatz zur Bulimie haben an Anorexia nervosa Erkrankte immer Untergewicht (Body-Mass-Index unter 17,5), wodurch u.a. hormonelle Störungen entstehen. Die Gedanken der Kranken sind eingeengt und kreisen stets um die Themen Ernährung, Gewicht und Körperschema.
„Die anorektische Frau lehnt das Essen ab und beschäftigt sich doch mehr damit als die meisten Gourmets. […] Sie lehnt ihren Körper ab, konzentriert sich jedoch in all ihrem Denken und Handeln auf ihn. […] Sie will selbstständig und unabhängig sein, verhält sich jedoch so, dass ihre Interaktionspartner sie nahezu zwangsläufig kontrollieren.“
– Alexa Franke: Wege aus dem goldenen Käfig - Anorexie verstehen und behandeln.
Die Kranken sind sehr kälteempfindlich und ihre Körpertemperatur kann erniedrigt sein, weil der Körper den Stoffwechsel herunterfährt und das wärmedämmende subkutane Körperfett fehlt. Weitere Symptome sind Schwindelgefühle und Ohnmachtsanfälle. Weiters kann es zu trockener Haut und zum Wachsen von Lanugohaaren an Rücken, Armen und Gesicht kommen.
Bei Frauen bleibt die Periode aus (Amenorrhoe), es sei denn, sie nehmen Antibabypillen ein: diese führen dem Körper weibliche Geschlechtshormone zu, die wegen der Essstörung nicht selbst hergestellt werden können.
Beginnt die Krankheit vor der Pubertät, endet das Größenwachstum vorzeitig und die Geschlechtsreife tritt nicht oder nur verzögert (Pubertas tarda )ein:
Bei Mädchen entwickelt sich die weibliche Brust dann nicht,
bei Jungen bleibt die Entwicklung der Hoden und des Penis aus.
[Bearbeiten] Körperliche Folgen
Die Magersucht ist eine schwere, unter Umständen tödliche Erkrankung. Das extreme Untergewicht verursacht körperliche Folgen:
- Herz: verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, Veränderungen bei der Erregung der Herzmuskels (besonders: verlängertes QT-Intervall) und Herzrhythmusstörungen, woraus ein plötzlicher Herztod folgen kann.
- Blut: Störungen der Elektrolyte (besonders gefährlich: Hypokaliämie mit Herzrhythmusstörungen), Unterzuckerung, Blutarmut, Leukozytopenie und Thrombozytopenie.
- Hormone: niedrige Konzentrationen von Geschlechtshormonen (LH, FSH, Östrogen), dadurch: Amenorrhoe, Unfruchtbarkeit, evtl. ausbleiben des Brustwachstums bei Frauen. Verlust von Libido und Potenz bei Männern. Niedrige Konzentration von Schilddrüsenhormonen. Leicht erhöhte Konzentration von Glukokortikoiden.
- Knochen: Osteoporose mit erhöhtem Risiko einer Fraktur
- (falls häufiges Erbrechen) Zähne: Erosionen durch Magensäure, Karies.
- Organe: Darmträgheit und chronische Verstopfung, Magenkrämpfe, Übelkeit, Nierenversagen, Blasenschwäche (Inkontinenz).
Bis zu 15 % der Erkrankten sterben[5] — entweder durch Komplikationen wie Herzstillstand oder Infektionen, oder aber durch Selbstmord. Ein Teil der überlebenden Patienten leidet zeitlebens an Langzeitfolgen wie Osteoporose oder Niereninsuffizienz.
[Bearbeiten] Diagnose
Die Diagnose wird aus dem Ergebnis verschiedener Untersuchungen gestellt:
- Körperliche (klinische) Untersuchung, die viele der genannten Symptome offenbart,
- paraklinische Untersuchungen, wie EKG und Laboruntersuchungen des Blutes
- Erstellung eines sogenannten Psychopathologischen Befundes im Rahmen der Anamneseerhebung
Entsteht der Verdacht, dass andere Ursachen das Untergewicht verursacht haben (siehe Differentialdiagnose), werden weitere Untersuchungen veranlasst.[6]
Die nachfolgenden Kriterien müssen für eine Diagnose erfüllt sein (wobei in Deutschland die Codierung zur Abrechnung mit den Lestungsträgern (Kranken- und Rentenkassen)nach dem ICD-10 vorgenommen wird):
| ICD-10-Diagnosekriterien für Anorexia nervosa | DSM-IV-Diagnosekriterien für Anorexia nervosa |
|---|---|
|
Nach DSM-IV existieren zwei Unterkategorien der Anorexia Nervosa:
Die aktuelle, nur in Deutschland gültige Version des ICD-10, ICD-10-GM-2008, übernimmt diese Unterscheidung und differerenziert in die Codes F50.00 beziehungsweise F50.01. |
[Bearbeiten] Krankheitsentstehung
Für die Entstehung der Magersucht werden eine erbliche Komponente und verschiedene Umweltfaktoren als Auslöser angesehen. Die Krankheit tritt bei Frauen in westlichen Gesellschaften gehäuft auf.
Die Zwillingsforschung hat eine familiäre Häufung der Erkrankung nachgewiesen, jedoch konnten noch keine Gene identifiziert werden, mit welchen eindeutig eine entsprechende Disposition einhergeht. Die Forschung konzentriert sich zurzeit besonders auf Gene, die im Zusammenhang mit dem Neurotransmitter-System von Serotonin stehen.
Hinzu kommt eine Reihe individueller Umweltfaktoren: Allgemein sind dies Erfahrungen, die die überwiegend weiblichen Patienten schon früh besonders auf ihr Aussehen und Gewicht sensibilisieren. Häufig lassen sich kritische Kommentare von Familie und Freunden über das Essverhalten, Gewicht etc. in der Vorgeschichte nachweisen. In den westlichen Industrienationen herrscht darüber hinaus auch ein kulturelle Druck auf Frauen, schlank zu sein. Dieses Schönheitsideal wird durch die Massenmedien transportiert. Schlankheit und gutes Aussehen wird vor allem in der Werbung häufig mit beruflichem und sozialem Erfolg verknüpft. Gleichzeitig werden Diäten als Mittel zum Erreichen dieses Ideals angepriesen. Deshalb beginnt die Krankheit häufig im Rahmen einer Diät.
Auch ungünstige Voraussetzungen in den Herkunftsfamilien („adverse parenting“) kommen als Ursachen für die Entwicklung einer Anorexie in Betracht. Im Mittelpunkt steht hierbei vor allem geringer Kontakt, emotionale Kälte, geringe Zuneigung und hohe Erwartungen (Vermaschung) der Eltern. Aus systemisch-familientherapeutischer Sicht herrscht in Familien mit an Anorexie Erkrankten ein großes Harmoniestreben der Familienmitglieder untereinander, eine Auseinandersetzung mit Konflikten und negativen Gefühlen (Wut, Zorn, Unsicherheit, Ängste) findet nicht statt. Die Mütter magersüchtiger Patient(inn)en sind häufig übermäßig ängstlich und wenig selbstbewusst.
Auch schwere psychische Traumatisierungen, wie z. B. sexueller Missbrauch oder Misshandlung sind in der Geschichte von Anorexiepatienten zu finden.
Ein schwaches Selbstbewusstsein und Perfektionismus sind Persönlichkeitszüge, die häufig schon vor Ausbruch der Erkrankung vorhanden sind.
Die Annahme, Das all diese Faktoren zusammenwirken wird als „psychobiologisch-soziales Modell“ bezeichnet[7].
Die meisten Therapeuten nehmen heute an, dass der Hauptgrund für Magersucht heute in der Familie zu suchen ist.[8]. In den meisten Fällen handelt es sich um eine unauffällige bürgerliche Familie, die sich selbst gern als absolut „intakt“ darstellt; die Meinung Außenstehender hat — insbesondere in Bezug auf die Patientin — höchste Priorität. Sind Jugendliche erkrankt, kann oft eine hohe Leistungsanforderung von den Eltern an den jungen Menschen festgestellt werden. Sollte dieses Bemühen enttäuscht werden, wird dies dann häufig nicht mit offensichtlichen Strafen geahndet, sondern mit dem Vorwurf an das Kind, Vertrauen enttäuscht zu haben. Das Bild der „eiserne[n] Faust im seidenen Handschuh“[9] vermittelt dies eindrucksvoll.
Beachtet wird zudem die Vermaschung [10]. Gemeint ist damit die Inbesitznahme des Lebens des Patienten durch die Eltern sowie das Fehlen jeglicher Privatsphäre. Natürlich gibt es trotzdem nicht die anorektische Familie. Auch konnte in den Biografien Essgestörter überdurchschnittlich häufig sexueller Missbrauch gefunden werden, allerdings überwiegend bei der Bulimia nervosa. Es ist nicht eindeutig geklärt, ob dies tatsächlich ein ätiologisches Merkmal ist[11].
Extremer Gewichtsverlust kann auch Begleiterscheinung von Depressionen oder Ausdruck von selbstverletzendem Verhalten sein, oder aber selbst von Depressionen oder Selbstverletzungen begleitet sein. Viele Menschen mit Anorexia nervosa neigen zu zwanghaftem Verhalten bzw. Perfektionismus in allen Lebensbereichen.
Für die Patientin ist die Magersucht in erster Linie eine Abwehr von Fremdbestimmung. Die Kontrolle über den eigenen Körper (z. B. durch Kalorien-Zählen) ist eine Form der Ohnmachtsbewältigung im Prozess der Adoleszenz. Magersucht ist fast immer nur ein Symptom eines tiefer liegenden psychischen (und sozialen) Problems, das behandelt werden muss. Eine Symptomtherapie (wie z. B. mit Pharmazeutika) alleine ist meist nicht ausreichend. So ist das Schlankwerden oft nur zu Beginn der Krankheit das zentrale Motiv. Erkrankte mit jahrelangem Krankheitsverlauf erleben das Abnehmen häufig als Sucht.
Aus der kognitiv-verhaltenstheoretischen Sichtweise erscheint die Angst vor dem Dickwerden und die gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers (Störung des „Körperschemas“) als motivierenden Faktor. Hier spielt sowohl die Kritik von Gleichaltrigen als auch der Eltern sowie das von den Medien transportierte Schlankheitsideal eine große Rolle. Die gezielte Gewichtsabnahme reduziert die Angst und macht so das Abnehmen zu einem wirkungsvollen Verstärker[11].
Nach der psychoanalytische Theorie ist die Hauptursache von Essstörungen eine gestörten Mutter-Tochter-Beziehung. Ein zentraler Konflikt ist das Streben nach Autonomie, was zu einer Loslösung einer als stark erlebten Abhängigkeit von der Mutter und deren Kontrolle führen soll („Abhängigkeits- Autonomiekonflikt“). Anorektische Personen versuchen aber auch, durch die Kontrolle über ihr Gewicht ihren Selbstwert zu stabilisieren („Selbstwertkonflikte“) und durch ihre Schlankheit eine unabhängige Identität zu erlangen. („Identitätskonflikt“). Diese Konflikte können psychisch nicht symbolisiert (also nicht „gedacht“) werden. Der Ausdruck der Konflikte und ihre Kommunikation nach außen geschieht über das Körperliche. Dabei soll Selbstkontrolle des eigenen Körpers erreicht werden. Gleichzeitig lehnt die Betreffende eine erwachsene, weibliche Identität und damit auch die weiblichen Formen ab. Dies wird häufig als Abwehr von Triebwünschen verstanden. Die Beherrschung des eigenen Körpers wird zu einem Mittel, Wünsche nach Autonomie, im Gegensatz zu der Angst vor der Trennung von der Mutter, die in der Adoleszenz wiederaufleben. Das aggressive Streben nach Autonomie, das sich häufig in der Adoleszenz zeigt, wird somit über den Körper ausgelebt. Darüber hinaus wird die Unfähigkeit die Konflikte psychisch zu symbolisieren als strukturelle Störung unterschiedlicher Stärke betrachtet!. [11][12][13]. [14]
[Bearbeiten] Therapie
Die Therapie umfasst neben einer Stabilisierung des Essverhaltens psychotherapeutische Betreuung. Bei einem kritischem Untergewicht - akute Todesgefahr besteht unter einem BMI von 13 - ist eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus mit einer parenteralen Ernährung notwendig, wobei der Patient über einen venösen Zugang mit Nährstoffen/Elektrolyten versorgt wird. Diese Zwangsernährung ist zwar zunächst lebenserhaltend, doch ohne weiterführende psychotherapeutische Behandlung nicht dauerhaft wirksam.
Oft werden systemisch-familientherapeutische Behandlungen empfohlen. In diesem Kontext erscheint der anorektische Patient als Symptomträger einer Familie und ist demnach nicht alleine behandlungsbedürftig. Nicht die Patientin lernt außerhalb der Familie Essen und kommt dann in dieselbe Umgebung, in der sie krank geworden ist, zurück, sondern die Ausdrucksformen und Regeln werden derart geändert, dass in der Familie Kommunikation und Konflikte direkt ausgedrückt werden können, und dass kein Symptom mehr nötig ist. Nicht Einzelpersonen werden geändert, sondern die Regeln innerhalb des Systems.
Psychoanalytische Behandlungsansätze kommen ebenfalls zum Einsatz. Sie sollen unbewusste Konflikte, die zur Entstehung des Symptoms geführt haben, bewusst machen und so eine weitere Reifung der Persönlichkeit ermöglichen. Interessant ist, dass durch die psychodynamischen Therapien häufig eine Verbesserung der Symptomatik erreicht wird, ohne dass in der Therapie das fehlangepasste Essverhalten thematisiert wird [11].
Auch kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungen werden oft angewandt, die zum Ziel haben, die verzerrte Körperwahrnehmung der Patienten zu beeinflussen, die Einstellungen zum Essen zu verändern und Wege für eine bessere Konfliktbewältigung sowie soziale Kompetenzen zu vermitteln.
Psychopharmakologische Therapien zeigten bisher wegen des Fehlens von Krankheitseinsicht und der daraus resultierenden mangelnden Bereitschaft, an einer Therapie mitzuwirken (Compliance), keine positiven Effekte. Eventuell führen auch die Nebenwirkungen vieler Psychopharmaka, die oft mit Gewichtszunahme verbunden sind, zu einer mangelnden Compliance.
[Bearbeiten] Differentialdiagnose
Zunächst ist die Anorexia nervosa von dem Symptom Anorexie abzugrenzen, das bei verschiedenen Erkrankungen auftreten kann.
Dann muss die Anorexia nervosa vor allem von anderen Essstörungen unterschieden werden. Hierbei ist die Bulimia nervosa von besonderer Bedeutung. Im Gegensatz zu bulimischen Patienten weisen Anorexieerkrankte beider Subtypen einen erheblichen, manchmal lebensbedrohlichen Gewichtsverlust auf, auch wenn die Anorexia nervosa vom Purging-Typus ähnliche Verhaltensweisen beinhaltet.
Die genaue Abgrenzung verschiedener Essstörungen voneinander ist nur im therapeutischen Kontext, im Rahmen einer aktuellen Therapie und ihrer momentanen Ziele sinnvoll, da oft beobachtet wird, dass Patienten während ihrer Entwicklung verschiedene Formen durchlaufen. Oft findet man in der Geschichte von Bulimikern eine Episode von Anorexia nervosa. Manchmal kommt es auch vor, dass Personen, die unter Adipositas litten, eine Anorexia nervosa oder Bulimie entwickeln oder umgekehrt.
Affektive Störungen wie Depressionen oder bipolare Störungen können auch zu erheblicher Gewichtsreduktion führen. Die Betreffenden weisen jedoch keine verzerrte Körperwahrnehmung auf.
Physiologische Störungen können ebenso zu Gewichtsverlust führen, beispielsweise bösartige tumore oder Stoffwechselerkrankungen wie die Hyperthyreose.
Die Magersucht ist auch vom freiwilligen Hungerstreik abzugrenzen, etwa in Gefängnissen oder als Form des politischen Widerstandes.
[Bearbeiten] Magersucht in Kunst und Musik
- Daniel Johns, der Sänger der Gruppe Silverchair, verarbeitet seine Krankheit in dem Lied Ana's Song.
- Christina Aguilera verwendet in ihrem Video zum Lied Beautiful aus dem Album Stripped Bilder einer Magersüchtigen. Im Verlauf des Videos zerschlägt diese den Spiegel, in dem sie sich zuvor kritisch betrachtet hatte.
- Die Lieder Lucy At The Gym und Supermodel von Jill Sobule setzen sich mit Magersucht in verschiedenen Ausprägungen auseinander.
- Ein Hungerkünstler von Franz Kafka bearbeitet Magersucht nicht im eigentlichen Sinne, sondern eher als Allegorie.
- Die Sängerin Karen Carpenter starb 1983 an Anorexia nervosa. Die Krankheit, die bis dahin von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert wurde, wurde dadurch im größeren Rahmen von den Medien wahrgenommen.
- Die Black-Metal-Band Anorexia Nervosa trägt den Namen dieser psychischen Störung.
- Ein Lied der Hellektro/Electro-Industrial-Band Suicide Commando trägt ebenfalls den Namen dieser Krankheit.
- Das Lied Sophie von Eleanor McEvoy handelt von der Magersucht und dem Tod der Protagonistin.
- Das Lied Courage von Superchick handelt ebenfalls vom Thema Magersucht
[Bearbeiten] Historie
Die erste veröffentliche Arbeit zu der Anorexia nervosa, damals noch unter der Bezeichnung „Anorexia hysterica“ stammt von dem Engländer William Gull. Er veröffentlichte 1868 drei Fallberichte.[15] Dabei konzentrierte er sich auf die Beschreibung somatischer (körperlicher) Veränderungen.
Der französische Internist Ernest-Charles Lasègue beschrieb 1873 auf der Basis von acht Fällen die Anorexia hysterica als einheitliches Krankheitsbild.[16][17] Dabei grenzte Lasègue die Symptome vom extremen Fasten ab, indem er die Überaktivitäten der erkrankten Personen hervorhob.
Die „Anorexia hysterica“ ist damit die erste als Entität beschriebene Essstörung, beide Autoren betonten den psychogenen Zusammenhang der Krankheit.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Fußnoten
- ↑ Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie (5. Auflage)
- ↑ Rupprecht, Hampel 2006
- ↑ http://www.magersucht-online.de/presse/artikel/presse2.htm
- ↑ Eating Disorder Referral and Information Center
- ↑ n-tv.de, Sehr hohe Sterblichkeitsrate - Gefährliche Magersucht, 7. Nov. 2007
- ↑ Rupprecht, Hampel 2006
- ↑ Rupprecht, Hampel 2006
- ↑ Nitz: Anorexia bei Jugendlichen. Kontext der Störung und Ergebnisse familientherapeutischer Behandlungen. Springer, Berlin 1987; Schmidt: Familientherapie bei Patienten mit Essstörungen, insbesondere bei Anorexia nervosa. In: Brakhoff (Hrsg.): Essstörungen. Ambulante und stationäre Behandlung. Lambertus, Freiburg, 1985
- ↑ Lambley: How to survive anorexia. Frederick Miller Ltd., London
- ↑ Minuchin, Rosman & Baker: Psychosomatic families: Anorexia nervosa in context. Harvard University Press, Cambridge 1987
- ↑ a b c d Hautzinger (Hrsg.): Davison und Neale (2002): Klinische Psychologie. Weinheim, BelzPVU.
- ↑ E. Heinemann, H. Hopf (2004): Psychische Störungen in Kindheit und Jugend. Stuttgart, Kohlhammer
- ↑ M. Selvini Palazzoli (2003)(achte Auflage): Magersucht. Klett-Cotta, Stuttgart
- ↑ H. Hopf, E. Windaus (Hrsg.) (2007): Behandlungskonzepte der tiefenpsychologisch fundierten und analytischen Psychotherapie im Säuglings- und Kleinkidalter. In: H. Hopf, E. Windaus (Hrsg.) W. Hiller, E. Leibing, F. Leichsenring, S. K. D. Sulz: Lehrbuch der Psychotherapie 5: Psychoanalytische und tiefenpsychologisch fundierte Kinder und Jugendlichenpsychotherapie. München: CIP-Medien.
- ↑ W.W. Gull: Anorexia nervosa (apepsia hysterica, anorexia hysterica).. 1868 (in: Obes Res. 1997 Sep;5(5):498-502. / PMID: 9385628 PubMed).
- ↑ Laségue: On hysterical anorexia (a). 1873. 1997 (in: Obes Res. 1997 Sep;5(5):492-7. PMID: 9385627 PubMed).
- ↑ W. Vandereycken, R. van Deth: A tribute to Lasègue's description of anorexia nervosa (1873), with completion of its English translation. 1990 (in: Br J Psychiatry. 1990 Dec;157:902-8. PMID: 2289100 PubMed).
[Bearbeiten] Literatur
- Patricia Bourcillier: Magersucht & Androgynie. Steinhäuser Verlag, Wuppertal 1992, 352 Seiten, ISBN 3-924774-16-1.
- Joan Jacobs Brumberg: Todeshunger. Die Geschichte der Anorexia Nervosa vom Mittelalter bis heute. Beltz, Weinheim 1994, ISBN 3-593-35050-5
- Peggy Claude-Pierre: Der Weg zurück ins Leben. Magersucht und Bulimie verstehen und heilen. Aus dem Amerikanischen von Gabriele Herbst. Fischer, Frankfurt 2006 4. Aufl., ISBN 3-596-14922-3
- Fairburn CG, Harrison PJ: Eating disorders. Lancet 2003 Feb 1;361(9355):407-16. PMID 12573387
- Christine Fehér: Dann bin ich eben weg - Geschichte einer Magersucht. cbt Düsseldorf 2002, ISBN 978-3-570-30170-8
- Alexa Franke: Wege aus dem goldenen Käfig - Anorexie verstehen und behandeln. Beltz, Weinheim 2003, ISBN 3-407-22143-6
- Tilmann Habermas: Zur Geschichte der Magersucht. Eine medizinpsychologische Rekonstruktion. Fischer, Frankfurt am Main, 1994 ISBN 3-596-11825-5
- St. Herpertz, M. de Zwaan, S. Zipfel (Hrsg.): Handbuch Essstörungen und Adipositas. Heidelberg: Springer 2008 ISBN 978-3-540-76881-4
- Jürg Liechti: Magersucht in Therapie. Gestaltung therapeutischer Beziehungssysteme. Carl-Auer, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-89670-627-0
- Annemarie Rettenwander: Magersucht - Einsichten und Auswege. Köster, Berlin 2007 ISBN 978-3-89574-619-2
- Rainer Rupprecht, Harald Hampel: Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie. Stuttgart 2006, ISBN 3-8047-2053-6
- Mara Selvini Palazzoli: Magersucht. Von der Behandlung einzelner zur Familientherapie. Klett-Cotta, Stuttgart 2003 (8. Aufl.) ISBN 3-608-95095-8
- Lars Wöckel, Martin H. Schmidt: Magersucht, Bulimie und Adipositas. Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät. In: Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 362-369 (2002).
[Bearbeiten] Weblinks
- Links zum Thema Anorexie im Open Directory Project
- Informationen zu Magersucht (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung des Gesundheitsministeriums)
- Informationen in Forschung und Lehre
- Magersucht-Online – Informations- und Kommunikationsangebot des Hungrig-Online e. V.
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