Maggi
| Maggi-Unternehmungen AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft[1] |
| Gründung | 19. Jahrhundert, als AG 1890 |
| Sitz | Cham, Schweiz |
| Leitung | Alain Pedersen (VR-Präsident) |
| Branche | Lebensmittelindustrie |
| Produkte | ca. 450 Produkte |
| Website | www.maggi.ch |
Maggi (in Deutschland und Österreich [ˈmagi], in der Schweiz und Italien [ˈmadʒi]) ist ein nach seinem Begründer Julius Maggi benanntes Schweizer Unternehmen der Lebensmittelindustrie, vor allem für Instantsuppen, Brühwürfel, Flüssigwürze, Fertigsaucen und Fertiggerichte.
Seit 1947 gehört Maggi als Marke zur heutigen Nestlé AG. Die Maggi-Unternehmungen AG hat ihren Sitz in Cham. In Deutschland wird die Marke von der in Singen ansässigen Maggi GmbH, eine Tochtergesellschaft der Nestlé Deutschland AG, vertrieben.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Der 1869 von Julius Maggi übernommene väterliche Mühlenbetrieb in Kemptthal entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem der Pioniere der industriellen Lebensmittelproduktion mit dem Ziel, die Ernährung von Arbeiterfamilien durch bessere Nährstoffversorgung und schnellere Zubereitung zu verbessern. Seit 1884 bot Maggi Mehl aus Hülsenfrüchten (so genannten «Leguminosen») an, das durch vorhergehendes Rösten schnell zu garen und besonders eiweissreich war.
Auf einer Tagung der schweizerischen «Gemeinnützigen Gesellschaft» sprach 1882 der Arzt und Fabrikinspektor Dr. Fridolin Schuler über die miserable Ernährungssituation der Fabrikarbeiter: Arbeiterinnen fänden nicht mehr genug Zeit, um für ihre Familien zu kochen, kalte Speisen oder Alkohol ersetzten oft warme Mahlzeiten; in den Kantinen der Fabriken würden Mahlzeiten verabreicht, die zwar billig seien, aber nicht ausreichend nahrhaft. Die Folgen seien Unterernährung, Magenkrankheiten, hohe Kindersterblichkeit. Schuler propagierte eiweissreiche, leicht verdauliche Hülsenfrüchte/Leguminosen. Sie sollten der Arbeiterschaft in einer Form angeboten werden, die für schnelle Zubereitung geeignet und billig wäre. Die «Gesellschaft» wandte sich unter anderem an die Firma Maggi.
Julius Maggi experimentierte zwei Jahre lang mit verschiedenen Methoden mechanischer und chemischer Aufbereitung der Hülsenfrüchte und unterschiedlichen Mischungen. Die Ergebnisse wurden den Beauftragten der «Gemeinnützigen Gesellschaft» am 19. November 1884 vorgestellt, und von ihr für gut befunden. In einem Vertrag verpflichtete sich die Gesellschaft, drei Jahre lang ausschliesslich Maggis Leguminosen zu empfehlen. Maggi seinerseits garantierte für den Verkauf in der Schweiz einen Festpreis und regelmässige Produkt-Kontrollen. Der grosse Erfolg blieb aber zunächst aus. Der «Gesellschaft» wurde vorgeworfen, die Interessen eines privaten Unternehmens zu vertreten. Das Unternehmen Maggi wiederum hatte trotz der Unterstützung Probleme, sich am Markt gegen andere Anbieter von Suppenmehlen zu behaupten.
Ab 1885 brachte Maggi neun industriell hergestellte Leguminose-Sorten auf den Markt. Auf der schweizerischen Kochkunst-Ausstellung in Zürich 1885 erhielt er das «Diplom erster Klasse». 1886 folgten die ersten Fertigsuppen auf Basis von Leguminosenmehl und die Maggi-Würze als Konkurrenz für den von Justus von Liebig erfundenen Fleischextrakt. 1908 brachte Maggi den Brühwürfel auf den Markt.[2]
Weitere Kommanditisten kamen hinzu, seit dem 1. Juni 1886 hieß die Firma nun «Maggi & Co». In den folgenden drei Jahren blieb allerdings der Absatz von Leguminosen deutlich hinter den Erwartungen zurück; erfolgreicher waren kochfertige Suppen. Erste Warenlager und Niederlassungen im Ausland wurden gegründet, 1887 auch im badischen Singen. Um für die geplante weitere Expansion zusätzliches Kapital zu beschaffen, wurde die Firma 1889 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt mit Julius Maggi als Generaldirektor.
Maggi führte für die damalige Zeit ungewöhnliche, umfangreiche Sozialleistungen wie Kantine, Arbeiterwohnungen, Betriebskrankenkasse, Witwen- und Altersrente sowie 1906 den freien Samstag ein.
Der Firmengründer Julius Maggi lebte ab 1902 vorwiegend in Paris und führte die Firma in Frankreich mit neuen Produkten zu großen Erfolgen. Der Vertrieb pasteurisierter Milch der „Société laitière Maggi“ belief sich im Jahr 1912 auf 60 Millionen Liter[3], und der Absatz von Brühwürfeln mit dem Namen KUB betrug 1912 monatlich 6 Millionen Stück[4].
Kurz nach Julius Maggis Tod 1912 wurde die Firma in eine Holdinggesellschaft umgewandelt, die Allgemeine MAGGI-Gesellschaft.
Während die Firma Maggi in Frankreich vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg in der Öffentlichkeit und vor Gericht darum kämpfen musste, nicht für eine deutsche Firma und ein deutsches Spionagenest gehalten zu werden, und sich schließlich 1919 in SISA (Société industrielle des spécialités alimentaires) umbenannte,[5] ließ sie sich in Deutschland in den 1930er Jahren vor den Karren des Nationalsozialismus spannen. Rudolf Weiß, ein Kampfgefährte Adolf Hitlers und frühes Parteimitglied der NSDAP, übernahm die Leitung des Werkes in Singen. 1938 erhielt Maggi Berlin und 1940 Maggi Singen den Titel «Nationalsozialistischer Musterbetrieb», nachdem sich die Firma bereits 1935 amtlich hatte beglaubigen lassen, dass «sämtliche Gesellschafter» sowie «sämtliche Geschäftsführer, Prokuristen und Bevollmächtigte arischer Abstammung» seien.[6] Maggi erhielt einen Exklusiv-Belieferungs-Vertrag für die Wehrmacht, für die sogar eine Spezialsuppe produziert wurde.[7]
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die deutsche Maggi-Niederlassung nur auf Grund der Intervention höchster Stellen der Eidgenossenschaft in Bern und mit Unterstützung des Roten Kreuzes vor Beschlagnahmung und Zerschlagung bewahrt. Die Fusion mit Nestlé im Jahre 1947 diente auch der «Degermanisierung» des Bildes von Maggi.[8]
Vermarktung [Bearbeiten]
Bis 1885 hatte die Firma Maggi die Werbung für ihre Produkte selbst konzipiert. Anfangs wirkten die Packungen überaus schlicht. Sie waren mit Herstellernamen und Produktbezeichnung bedruckt, dazu einem Slogan wie «Für Arm & Reich». Ähnlich einfach waren die Werbeanzeigen: «Am besten, gesundesten und von keiner Concurrenz erreichter Billigkeit» (1884) oder «Eine Hauptsache bei der Zubereitung von Maggi-Suppen ist das Salzen bis zur Schmackhaftigkeit und das Kochen, bis die Suppen etwas schleimig werden.» (1885).
1886 richtete Maggi ein firmeneigenes Reklame- und Pressebüro ein, das Julius Maggi direkt unterstellt war. Als Leiter des Büros engagierte er den damals 22-jährigen Frank Wedekind, der als Schriftsteller noch völlig unbekannt war. Er blieb ein Jahr lang und schrieb in dieser Zeit 150 Werbetexte für Maggi. Nicht ganz klar ist bis heute, ob Wedekind sich bewusst ironische Übertreibungen gestattete, wenn er banale Massenartikel wie Fertigsuppen und Speisewürze mit immer neuen anekdotischen Einfällen empfahl. Hier eine seiner Arbeiten:
«Wenn der Kochkurs nicht wär’», seufzte das siebzehnjährige, schlanke, schwarzäugige Engelskind, «so wollte ich ja gerne heirathen. Aber er wünscht durchaus, dass ich vorher einen Kochkurs nehme.» «Elschen, beruhige Dich» sagte darauf die verständige Mutter. «Das nothwendigste will ich Dir schon beibringen; und dann würzest Du ihm jeden Mittag die Gerichte mit diesem Fläschchen hier. Pass mal auf, was der für Augen machen wird. Täglich giebt er Dir zwei Küsse mehr dafür! Es ist nämlich Maggi’s Suppen- und Speisewürze.» (Schriftlicher Kommentar von Julius Maggi: «Famos!»).
Auch nach Wedekinds Abgang ließ Maggi die intensive Werbetätigkeit fortsetzen, mit den seinerzeit dominierenden Werbemitteln Inserat und Plakat (in Frankreich z. B. entwarf der berühmte Jugendstilgraphiker Alfons Maria Mucha ein Plakat für die Firma).
Trivia [Bearbeiten]
Im Herbst 2006 sicherte sich eine Werbeagentur für Maggi eine Wetterpatenschaft beim Institut für Meteorologie an der Freien Universität Berlin.[9] Da Maggi im Englischen eine Abkürzung für Margaret ist, war diese Wetterpatenschaft möglich. Der Name Maggi wurde allerdings, weil es sich um den englischen weiblichen Vornamen handelt, Mäggi ausgesprochen.[10]
Literatur [Bearbeiten]
- Verkaufszentrale Maggi (Hrsg.): Magginalien von A-Z. Frankfurt am Main 1987ff. (2006: Magginalien: Die Zeiten ändern sich, das Gute bleibt.)
- Alex Capus: Patriarchen. Albrecht Knaus-Verlag, München 2006, ISBN 3-8135-0273-2.
- Monique Pivot: Maggi et la magie du bouillon Kub. Paris, ed. Hoëbeke, 2002, ISBN 2-84230-114-5.
- Hartmut Vinçon: Das Unternehmen Maggi. In: Pharus IV (Pharus = Editions- und Forschungsstelle Frank Wedekind, Darmstadt) (Hrsg.): Frank Wedekinds Maggi-Zeit. Verlag Jürgen Häusser, Darmstadt 1992, ISBN 3-927902-71-3, S. 176–253.
- Manfred Stoppok: Maggi in Guinea-Bissau - Über das Brühwürfelphänomen in Westafrika. (Arbeiten aus dem Institut für Ethnologie der Universität Leipzig Bd.9). Leipziger Universitätsverlag, 2011, ISBN 978-3-86583-580-2.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Eintrag der «Maggi-Unternehmungen AG» im Handelsregister des Kantons Zug
- ↑ «Die Erfindung des Suppenwürfel von Maggi» Land der Erfinder - Das Schweizer Magazin für Innovationen, 2009.
- ↑ Monique Pivot (siehe Literaturverzeichnis), S. 57. Maggi besiegte in Frankreich die „weiße Gefahr“ (französisch: „Péril blanc“) - so nannte man den Kindstod durch infantile Cholera nach der Einnahme von nicht pasteurisierten Milchprodukten (dazu: Monique Pivot, S.53 ff.)
- ↑ Monique Pivot (siehe Literaturverzeichnis), S.68
- ↑ Monique Pivot (siehe Literaturverzeichnis), S.89-97, sowie die von der Société laitière Maggi 1921 herausgegebene Schrift Comment ont échoué les manœuvres pour la destruction des Sociétés Maggi et Kub, soit par la violence, soit par les moyens juridiques, août 1914 à fin 1920, Paris : Impr. centrale de la Bourse
- ↑ Brigitte Matern, "Geschmeidig, nüchtern, hemmungslos: Schweizer Unternehmen im Nationalsozialismus", WOZ Nr. 51 vom 18.12.97
- ↑ Joachim Drews, Die "Nazi-Bohne" : Anbau, Verwendung und Auswirkung der Sojabohne im Deutschen Reich und Südosteuropa ; (1933 - 1945), Münster 2004, ISBN: 3-8258-7513-X, S.183, sowie Monique Pivot (siehe Literaturverzeichnis), S.109
- ↑ Monique Pivot (siehe Literaturverzeichnis), S.109
- ↑ Erstmals erhält ein Wetter-Hoch den Namen einer Marke auf Handelsblatt.com vom 15. März 2007.
- ↑ Die schöne „Mäggi“ auf focus online vom 10. März 2007.
Weblinks [Bearbeiten]
- Website von Maggi in der Schweiz
- Website von Maggi in Deutschland
- Website von Maggi in Österreich
- Maggi im Historischen Lexikon der Schweiz
- Wolfgang Eckart: Maggi, Magie der Marke. In: Der Freitag, 21. März 2008, abgerufen am 3. Mai 2013
- Sophie Pavillon: "La Bourgeoisie suisse et le Troisième Reich - Maggi et le Troisième Reich - Du potage pour la Wehrmacht", http://page2.ch/EdPage2/p2_2GM_maggi.html, abgerufen am 3. Mai 2013
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