Maghreb

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Dieser Artikel behandelt eine Region in Nord(west)afrika. Zur Union des Arabischen Maghreb siehe dort.
Die Staaten des Maghreb

Unter Maghreb oder Maghrib (arabisch ‏المغرب‎ al-maghrib, DMG al-maġrib „der Westen“, abgeleitet vom Verb gharaba / ‏غرب‎ / ġaraba / ‚weggehen, untergehen (Sonne)‘) versteht man vor allem die drei nordafrikanischen Staaten Tunesien, Algerien und Marokko sowie Libyen und Mauretanien, die aufgrund ihrer Geographie und Geschichte viele Gemeinsamkeiten haben.

Im Arabischen versteht man unter Maghreb in der Regel Marokko, welches der westlichste arabische Staat ist und dessen Eigenbezeichnung ebenfalls al-Maghrib lautet. Ein arabisches Sprichwort lautet: Der Maghreb ist ein heiliger Vogel. Sein Leib ist Algerien, sein rechter Flügel Tunesien, sein linker Marokko.

Das Gegenstück zum Maghreb ist der Maschrek (arabisch ‏المشرق‎ al-Maschriq, DMG al-Mašriq „der Osten, Orient“, abgeleitet vom Verb aschraqa / ‏أشرق‎ / ašraqa / ‚aufgehen (Sonne)‘).

Gemeinsamkeiten[Bearbeiten]

Die Staaten des Maghreb haben durch ihre geografische Lage viel miteinander gemein:

  • vier der fünf Länder sind Mittelmeeranrainer;
  • nördlich des Atlas-Gebirges herrscht ein feucht-warmes Klima; südlich davon liegt die extrem trockene Wüste Sahara.

Vorgeschichte und Geschichte[Bearbeiten]

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Illustration der Geschichte von Bayâd und Riyâd; maghrebinisches Manuskript, 13. Jahrhundert

Die Kulturen im Maghreb waren zunächst rein afrikanisch geprägt. Mit der Ausbreitung des Ackerbaus gelangten orientalische Einflüsse nach Ägypten und im Zuge der Ausbreitung der Cardial- oder Impressokultur auch in den Maghreb. Dieser stand im Altertum zuerst unter phönizischem Einfluss. Karthago, die größte und mächtigste „punische“ Stadt, liegt in Tunesien. Nach den Punischen Kriegen kam die gesamte Region zum Römischen Reich. Das Gebiet, hauptsächlich von Berbern bewohnt, war durch den Einfluss des Augustinus weitgehend christianisiert, als es mit der Ausbreitung des Islam im 7. Jahrhundert unter arabischen Einfluss geriet; bis heute spricht der größte Teil die autochthonen Berbersprachen. Der anschließende jahrhundertelange osmanische Einfluss ging durch die europäische Kolonisation im 19. und 20. Jahrhundert zurück. Die heutige Grenzziehung der Staaten des Maghreb basiert zum Teil auf osmanischen, zum Teil auf europäischen Entscheidungen.

Im Zuge der Entkolonialisierung erlangten 1960 die meisten afrikanischen Staaten die Unabhängigkeit. 1960 gilt als das Schlüsseljahr der Dekolonisation Afrikas und wird auch Afrikanisches Jahr genannt.

Frankreich hatte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst andere Pläne: Man wollte die Kolonien politisch noch enger an sich binden. 1956 aber gab Frankreich Marokko und Tunesien die Unabhängigkeit. Als die französischen Kolonien 1958 in einem Referendum vor die Wahl gestellt wurden, zog der überwiegende Teil der Bevölkerung eine weitere Anbindung an Frankreich der völligen Eigenständigkeit vor. Zwei Jahre später jedoch war das französische Kolonialreich Geschichte. Auch die Niederlagen im Unabhängigkeitskrieg in Algerien (1954-62) brachten Frankreich von seiner kolonialistischen Politik ab. Algerien hatte noch bis zum Sieg der algerischen Befreiungsfront (FLN) 1962 den Status einer Kolonie.

In den 1980er Jahren gab es in Maghreb-Staaten mehrere sogenannte Brot-Unruhen.

Siehe auch: Geschichte Algeriens, Geschichte Tunesiens und Geschichte Marokkos, arabischer Frühling

Die Union des Arabischen Maghreb[Bearbeiten]

Die Staaten Algerien, Mauretanien, Marokko (nur aus marokkanischer Sicht einschließlich der Westsahara), Libyen, Tunesien haben 1989 die multinationale Union des Arabischen Maghreb gegründet.

Sprachen[Bearbeiten]

Im Maghreb wird hauptsächlich Maghrebinisches Arabisch gesprochen, Französisch ist in den Maghrebstaaten als Handels-, Bildungs- und Kultursprache von großer Bedeutung.

Situation nach 2010[Bearbeiten]

In allen nordafrikanischen Staaten gab es in den letzten Jahrzehnten ein starkes Bevölkerungswachstum. In Marokko, Tunesien und Libyen sind je 30 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt; in Tunesien 26 Prozent; in Mauretanien 40 Prozent. (siehe FAO Food Price Index).[1]

Tunesien[Bearbeiten]

Die Selbstverbrennung eines verzweifelten jungen Gemüsehändlers löste Unruhen in Tunesien aus. Der Grund für seine Tat war, dass die Behörden ihm den Gemüsehandel untersagten und so ihm und seiner Familie die Lebensgrundlage entzogen.

Die Unruhen begannen am 13. Dezember 2010 und weiteten sich auf das ganze Land aus, bis der tunesische Präsident am 14. Januar 2011 nach 23 Regierungsjahren ins Exil flüchtete. Proteste begannen kurze Zeit später auch in anderen arabischen Ländern (siehe auch Revolution in Ägypten 2011).

Seitdem stehen der Maghreb und andere Staaten der arabischen Welt weltweit im Fokus der Medien.[1]

Algerien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Unruhen in Algerien 2011

Etwa am 5. Januar 2011 begannen in Algerien Unruhen.[2] Dort (wie auch in anderen Ländern) protestieren Menschen gegen massiv gestiegene Grundnahrungsmittelpreise.[3] Die Unruhen entzündeten sich spontan an Einzelereignissen. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) sind 75 Prozent der Algerier jünger als 30 Jahre, mehr als 20 Prozent von ihnen sind arbeitslos.[4]

Libyen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bürgerkrieg in Libyen 2011

Nach vereinzelten größeren Protesten gab es am 15. Februar 2011 Demonstrationen in mehreren großen Städten, die sich in der Folge zu einem landesweiten Aufstand ausweiteten, welcher mit dem Sturz der Regierung Muammar-al Gaddafi und seinem Tod endete.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Herzog: Der Maghreb: Marokko, Algerien, Tunesien. C. H. Beck Verlag, München 1990. ISBN 978-3-406-33180-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maghreb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Region in Aufregung: Pulverfass Nordafrika. auf: rp-online.de 17. Januar 2011.
  2. Mehrere Tote bei Protesten. In: die tageszeitung. 9. Januar 2011, abgerufen am 12. Januar 2011 (deutsch).
  3. Über 20 Tote bei Unruhen in Tunesien. In: ORF. 10. Januar 2011, abgerufen am 12. Januar 2011 (deutsch).
  4. Unruhen in Algerien: Hunderte Verletzte und drei Tote bei Protesten. auf: stern.de 9. Januar 2011.