Magisches Denken

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Magisches Denken bezeichnet in der Psychologie eine Erscheinungsform der kindlichen Entwicklung, bei dem eine Person annimmt, dass ihre Gedanken, Worte oder Handlungen Einfluss auf ursächlich nicht verbundene Ereignisse nehmen, solche hervorrufen oder verhindern können. Herkömmliche Regeln von Ursache und Wirkung werden ignoriert.[1]

Anthropologisch gesehen ist magisches Denken kulturübergreifend in Magie und Religion festzustellen,[2] wobei hier keine generelle Psychopathologisierung vorgenommen wird.

Magisches Denken im Umfeld anderer psychotischer Symptome[Bearbeiten]

Im Erwachsenenalter kann Magisches Denken Teil mehrerer abgeschwächter psychotischer Symptome sein, jedoch ist nicht jede Form von magischem Denken psychotisch. In den DSM-IV-Kriterien der schizotypischen Persönlichkeitsstörung werden Beziehungsideen, eigentümliche Vorstellungen oder magisches Denken sowie ungewöhnliche Wahrnehmungserlebnisse, eine eigenartige Denk- und Sprechweise sowie paranoide Ideen genannt.[3]

Magisches Denken als Vorstufe des rationalen Denkens[Bearbeiten]

Ein Teil der Entwicklungspsychologen sieht in Anlehnung an Jean Piaget („Egozentrismus“) Magisches Denken als eine archaische Denkform der animistisch-magischen Entwicklungsphase des zwei- bis fünfjährigen Kindes. Piaget spricht auch vom präoperationalen Denken des Kleinkindes.[4]

Magisches Denken als Vorstufe des rationalen Denkens, etwa in Form des Glaubens an Wirkungen von Zauberei, Beschwörungen oder Wunschdenken, tritt bei Kindern auf.[5]

Annahmen bei Magischem Denken[Bearbeiten]

Thomas Grüter zählt folgende Annahmen auf, die innerhalb des Magischen Denkens gemacht werden können[6], hier vereinfacht wiedergegeben. Es sind dies die Annahmen,

  • es gebe übernatürliche Fernwirkung;
  • Gegenstände könnten Eigenschaften ihrer Besitzer übertragen;
  • Dinge, die eine Eigenschaft gemeinsam haben, wären auch in Anderem ähnlich (vgl. Homöopathie);
  • man könne die Außenwelt durch Worte, Formeln, Sprüche oder bloße Gedanken beeinflussen;
  • die Zukunft sei vorhersehbar, bestimmte Dinge oder Vorgänge hätten eine Vorbedeutung, auch ohne Verbindung mit künftigen Ereignissen;
  • Symbole, zum Beispiel Amulette, hätten eine Wirkung;
  • bestimmte Menschen hätten übernatürliche Kräfte oder könnten Wesen mit solchen Kräften in ihren Dienst zwingen;
  • Geister, Götter oder Geheimgesellschaften könnten voneinander getrennte Ereignisse oder Phänomene verbinden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Nicolas Hoffmann, Birgit Hofmann: Expositionen bei Ängsten und Zwängen. Praxishandbuch. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Weinheim u .a. Beltz 2008, ISBN 978-3-621-27638-2, S. 49.
  2. David Levinson, Melvin Ember (Hrsg.): Encyclopedia of Cultural Anthropology. Band 3: M – R. Holt, New York NY 1996, ISBN 0-8050-2877-3, S. 723.
  3. Andreas Bechdolf, Stephan Ruhrmann, Birgit Janssen, Ronald Bottlender, Michael Wagner, Kurt Maurer, Heinz Häfner, Wolfgang Maier, Joachim Klosterkötter: Prävention der Schizophrenie – Früherkennung und -intervention bei Personen mit erhöhtem Psychoserisiko. In: Psychoneuro. Bd. 30, Nr. 11, 2004, ISSN 1611-9991, S. 606–614, doi:10.1055/s-2004-837066.
  4. Franz Resch u. a.: Entwicklungspsychopathologie des Kindes- und Jugendalters. Ein Lehrbuch. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Beltz – Psychologie Verlags-Union, Weinheim 1999, ISBN 3-621-27319-0, S. 163, 176.
  5. Sabine Schrader, Anke Fischer (Red.): Psychologie. Allgemeine Psychologie, Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie. Compact-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8174-7811-8, S. 212, hier online.
  6. Thomas Grüter: Magisches Denken. Wie es entsteht und wie es uns beeinflusst. Scherz, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-502-15158-6, S. 31 f.