Magister Wigbold

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Bertram Wigbold (* 1365; † 1401 in Hamburg; auch Wygbold, Wycholt), allgemein Magister Wigbold oder auch „Magister der Sieben Künste“ genannt, war ein Seeräuber und einer der Anführer der Vitalienbrüder. Zusammen mit Klaus Störtebeker, Hennig Wichmann, Klaus Scheld und Gödeke Michels, ebenfalls Anführer der Vitalienbrüder, machte er Ende des 14. Jahrhunderts die Nord- und Ostsee unsicher.

Der Ausdruck Wigbold kommt von wig (= Streit) und bold (= tapfer).

Leben[Bearbeiten]

Über das Leben des jungen Wigbold ist wenig bekannt. Er soll schon früh im Kloster aufgenommen und dort in den unterschiedlichsten Wissensbereichen unterrichtet worden sein. Dann soll er die Hochschule zu Rostock besucht haben, wo er später als Magister der Weltweisheit tätig gewesen sein soll.[1] Ludwig Bühnau schreibt hingegen, Wigbold habe (bei John Wyclif) in Oxford studiert.[2]

Er war keine besonders imposante Erscheinung und wird daher auch als „der listige Zwerg“ oder „das teuflische Gehirn“ beschrieben. Er soll einem bürgerlichen Gelehrten ähnlich gesehen haben, er sei lang und hager gewesen und habe ein dunkles Samtwams getragen.

Wigbold war nach der Darstellung in der Lübischen Chronik von Johannes Rufus (1406/30) ein gelehrter, geistlicher und weltlicher Meister („mester an den seven kunsten“, Magister der sieben [freien] Künste, das heißt, der sieben Buchgelehrsamkeiten).[3] Er soll in Verbindung zu dem englischen Radikalreformer John Wyclif gestanden haben.[4]

Er war angeblich nicht, wie Gödeke Michels oder Klaus Störtebeker, aktiv in die Kämpfe verwickelt und zog es vor, Verhandlungen zu führen, um somit wenige Verluste zu erleiden. Leonhard Wächter nennt Wigbold „Hauptmann Wigbold, einen rostockschen Magister Philosophiä ..., der seinen Stand auf dem Catheder gegen den auf dem Schiffskastell vertauscht hatte“.[5]

In der Literatur wird Wigbold den Hauptleuten der Likedeeler (Vitalienbrüder) zugerechnet (Unterfeldherr unter Michels) und gelegentlich als „Freund“ Störtebekers bezeichnet. Gödeke Michels und Wigbold und neben ihnen Wichmann und Störtebeker werden in der Lübischen Chronik zum Jahre 1395 als die Häuptlinge jener Seeräuber genannt, die sich nach der Befreiung König Albrechts von Schweden in den Städten Rostock und Wismar nicht mehr sicher fühlten und deshalb anderswo Zuflucht suchten.[6]

Die Nordener Autorin Gudrun Anne Dekker stellt fest: Möglicherweise waren es die Schieringer und Vitalienbrüder Junker Johann Sissingh(a) van Groningae und Wigbold (vermutlich Geschlecht von Ewsum aus Oert?). Letzterer war höchstwahrscheinlich als „Magister artium“ für die Erstellung der Gesetze der Groninger „Liekedeeler“ nach denen der Fratres Devoti verantwortlich.[7]

Die Vitalienbrüder oder (seit 1398) auch Likedeeler („Gleichteiler“; weil sie ihre Beute gerecht verteilten) machten lange die Nordsee unsicher, bis die Hanse zum Gegenschlag ausholte und die Gruppe um Störtebeker zerschlug. Michels und Wigbold entkamen zunächst nach Norwegen. Doch kurz nach dem Tod Störtebekers am 21. Oktober 1401 wurden auch Michels und Wigbold nebst etwa 200 Gefolgsleuten auf der Weser (und Jade) gefangengenommen und noch im gleichen Jahr in einer zweiten Hinrichtungswelle (insgesamt 80 Seeräuber) auf dem Grasbrook vor Hamburg hingerichtet.[8]

Störtebekers Hinrichtung und die seiner Gesellen Hennig Wichmann, Magister Wigbold und Gödeke Michels 1401 sind nur durch zwei Zeilen in einer alten Chronik belegt. Die kurze Hamburgische Chronik von 1457 berichtet nämlich: „Anno 1402 ward Wichmann unde Störtebeker afgehouwen altohand na Feliciani. Anno 1403 ward Wikbolt unde Goedeke Michael afgehouwen.“

Auf einem Flugblatt zum 300-jährigen Jubiläum der Gefangennahme, gedruckt bei Nicolaus Sauer, Hamburg 1701, heißt es (zu 1401):[9] „Im selbigen Jahr sind abermahl 80. See-Räuber aufgebracht / deren Hauptleute waren Gödecke Micheel und Gottfried Wichold / promovirter Magister Artium, sie wurden gleichfals auf dem Brocke enthauptet / und ihre Köpffe auf Pfähle / zu den vorigen gestecket.“

Im Historischen Taschenbuch von Friedrich von Raumer (1840) heißt es ergänzend: „Magister Wigbold hatte das Schicksal, alle seine Mitgesellen vor sich enthaupten zu sehen; er war der Letzte, den das Richtschwert traf.“[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Blazek: Seeräuberei, Mord und Sühne – Eine 700-jährige Geschichte der Todesstrafe in Hamburg 1292–1949. ibidem, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8382-0457-4.
  • Thomas Einfeldt: Störtebekers Kinder. Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 2002, ISBN 3-473-58200-X.
  • Gustav Schalk: Klaus Störtebeker. Ueberreuter, Wien 2002, ISBN 3-8000-2876-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jensen, Wilhelm: Osmund Werneking (Aus den Tagen der Hansa, Bd. 2), Berlin/Hamburg 2012, S. 19.
  2. Bühnau, Ludwig: Piraten und Korsaren der Weltgeschichte, Würzburg 1963, S. 93. In der Sekundärliteratur wird in diesem Zusammenhang behauptet, Wigbold sei später nach Oxford übergewechselt, wo er sich der Astronomie, der Erforschung algebraischer Gesetzmäßigkeiten, zugewandt habe. (Hansen, Konrad: Simons Bericht, Historischer Roman, 2010). Er habe die Lehren Wyclifs und John Balls, die eine maßgebliche Rolle spielten in dem großen Bauernaufstand, der 1381 England erschütterte, verbreitet. (Bernhard, Hans Joachim: Klaus Störtebeker in Ralswiek: Legende, Traum und Wirklichkeit, Rostock 1984, S. 59.)
  3. „Desser hovetmanne weren geheten Godeke Micheles vnde Wygbold, ein mester an den seven kunsten.“ Vgl. Hansische Geschichtsblätter, hrsg. vom Hansischen Geschichtsverein, Bd. 3, Leipzig 1881, S. 41. Chronik des Franciscaner Lesemeisters Detmar, nach der Urschrift, 2. Bd., Hamburg 1830, S. 463.
  4. Gaebel, Lotte: Herrscher, Helden, Heilige, Mittelalter-Mythen, Bd. 1, UVK, Fachverl. für Wiss. u. Studium, 1996, S. 462. Bei Carsten Misegaes, Chronik der freyen Hansestadt Bremen, Bd. 3, Bremen 1833, S. 81, wird der Titel Magister allerdings Michels zugesprochen: „Gödeke Michael, ein Edelmann und promovirter Magister der freyen Künste, welcher seinen Sitz in der Gegend von Verden hatte ...“
  5. Wurm, Christian Friedrich (Hrsg.): Leonhard Wächter's Historischer Nachlass, 1. Bd., Hamburg 1838, S. 154.
  6. Der sog. Rufus-Chronik zweiter Theil von 1395–1430, hrsg. v. Karl Koppmann, in: Die Chroniken der niedersächsischen Städte, Lübeck, 3. Bd., Leipzig 1902 (Die Chroniken der deutschen Städte, 28), S. 25–26.
  7. Dekker, Gudrun Anne: Ubbo Emmius: Leben, Umwelt, Nachlass und Gegenwart, Norderstedt 2010, S. 18. Dekker identifiziert Klaus Störtebeker im Ostfrieslandmagazin, 8/1991-1/1992 und 9/1993-1/1994, als „Junker Johann Sissingh(a)“ aus der Stadt Groningen. Vgl. ausf. Dekker, Gudrun Anne: Junker Johann Sissingh aus dem Groningerland = Klaus Störtebeker (Klaus Stürz-Den-Becher), Druckerei Eilts, Norden 1996.
  8. Über die Festnahme auf der Weser vgl. Wanke, Josef: Die Vitalienbrüder in Oldenburg (1395–1433), Königliche Universität Greifswald, 1910, S. 35.
  9. Der komplette Text steht bei Blazek (2012), S. 46.
  10. Raumer, Friedrich von (Hrsg.): Historisches Taschenbuch, Neue Folge, 1. Jahrg., Leipzig 1840, S. 103.