Magna Graecia

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Magna Graecia, 280 v. Chr.

Als Magna Graecia (lateinisch für: „großes Griechenland“; griechisch: Μεγάλη ῾Ελλάς Megalē Hellas) werden die Regionen im antiken Süditalien und Sizilien bezeichnet, die von griechischen Siedlern ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. kolonisiert wurden. Im Deutschen wird das Gebiet Großgriechenland genannt, seine Einwohner Westgriechen.

Die Magna Graecia bestand aus vielen dicht besiedelten Städten und unabhängigen Staaten, die oft gegeneinander kämpften.[1]

Ursprung[Bearbeiten]

Magna Graecia
Völker auf der italienischen Halbinsel zu Beginn der Eisenzeit

Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. begann die griechische Kolonisation in Italien. Die Abreise der Kolonisten aus dem antiken Griechenland ging auf friedliche Weise vor, wenn die Bevölkerung in einer Stadt für die Nahrungsproduktion zu groß wurde. Oder wenn die Innenkämpfe zwischen Gruppen verschiedener Stadtbewohner mit dem Sieg einer Gruppe endeten, wurden die Besiegten zur Verbannung verurteilt. Oft stellte die eigene Stadtverwaltung die notwendigen Mittel für das Unternehmen: Schiffe, Waffen, Ackergeräte, Lebensmittelvorräte, Saatgut.

Die Stadtverwaltung gab einem Oikisten (Koloniengründer) den Auftrag, die Expedition nach Italien oder anderen Gegenden des Mittelmeeres vorzubereiten und zu führen. Der Oikist war in seinem Heimatort sehr bekannt, oft stammte er aus einer adligen Familie. Vor der Expedition musste er den Schutz der Götter garantieren. So begab er sich in ein Sanktuarium, normalerweise des Gottes Apollon in Delphi, und befragte den Gott, wohin er sich begeben sollte. Durch seine Priester sprach der Gott Offenbarungen aus.[2] Manchmal waren es aber auch heimatlose Abenteurer, die Gruppen aus verschiedenen Zonen in Griechenland vereinten und sie als Navigatoren führten.

Die Kolonien in vorchristlicher Zeit[Bearbeiten]

Die ersten Kolonien in Süditalien entstanden längs der Küsten, in der Nähe von Flüssen oder Quellen, in den heutigen Gebieten von Kalabrien, Kampanien, Basilikata, Apulien und im Südosten von Sizilien. Dabei wurden verschiedene Städte gegründet: Taras, Kyme, Metapontion, Sybaris, Kroton, Rhegion, Paestum und Neapel wurden Hauptzentren der Magna Graecia. Auch in Sizilien wurden verschiedene griechische Kolonien (Naxos, Zankle und Syraka) gegründet, die aber nach den alten Griechen, im Unterschied zu den römischen Historikern, nicht zur sogenannten Magna Graecia gehörten. [3]

Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurden die Kolonien dann als Megále Hellás, lat. Magna Graecia, bezeichnet, vermutlich, um ihre Größe gegenüber dem griechischen Mutterland zu betonen. Die Bezeichnung Magna Graecia bezieht sich also eher auf die Bevölkerung und die Kultur und nicht auf ein begrenztes politisches Territorium.

Nach dem Pyrrhischen Krieg wurde das Gebiet bis 272 v. Chr. von den Römern erobert und die griechischsprachige Bevölkerung in der Folge bis auf geringe Restbestände in abgelegenen Gebieten weitgehend assimiliert.

Erfolgreiche Kolonien[Bearbeiten]

Reste eines dorischen Tempels in Tarent (Apulien)
Heratempel bei Metaponto (Lukanien)
Tempel bei Agrigent (Sizilien)
Kolonien der Magna Graecia und andere griechische Kolonien in Italien (in rot)

Viele der griechischen Kolonialstädte wurden schnell mächtig und reich, zum Beispiel Kapuê (Capua), Neapolis (Νεάπολις, Neapel) und Sybaris (Σύβαρις).

Kalabrien[Bearbeiten]

In Kalabrien sind das folgende Städte:

Kampanien[Bearbeiten]

In Kampanien sind das folgende Städte:

Lukanien[Bearbeiten]

In Lukanien sind das folgende Städte:

Apulien[Bearbeiten]

In Apulien sind das folgende Städte:

Sizilien[Bearbeiten]

In Sizilien sind das folgende Städte:

Andere Regionen[Bearbeiten]

Siedlungen in der Spätantike und Mittelalter[Bearbeiten]

Mit Beginn der Christianisierung Süditaliens (im 2. Jahrhundert) gewann Griechisch als Sprache der Kirche an Bedeutung. Seit dem 5./6. Jahrhundert kamen Griechen aus dem östlichen Mittelmeerraum, vom Balkan, aus dem Vorderen Orient und Nordafrika nach Unteritalien.

Später waren es Basilianermönche, die sich auf der Flucht vor den ikonoklastischen Gesetzen der byzantinischen Kaiser befanden. Der so genannte Bilderstreit verbot ihnen die Ikonenmalerei, die wirtschaftliche Basis des Ordens. In Apulien versteckten sich die vertriebenen griechischen Mönche, in den Schluchten der Murgia und gründeten dort Höhlensiedlungen und Kirchen. Die über 500 Höhlen- und Grottenkirchen gehören zu den Sehenswürdigkeiten des Hinterlandes von Tarent und der Hoch-Murgia. Die größten besitzen sogar einen fünfschiffigen Grundriss. Die Felsenkirchen befinden sich noch in einem relativ guten Erhaltungszustand und sind zum Teil mit farbenprächtigen Fresken verziert, die zum Bilderkreis des byzantinischen Ritus gehören. Das Mönchsleben in den Höhlensiedlungen hat nicht selten zur Gründung von Schluchtenstädten geführt, die unmittelbar darüber entstanden. Zu den wichtigsten und sehenswertesten gehören Massafra, Gravina, Grottaglie und vor allem Matera in der Basilikata.

Griko[Bearbeiten]

Noch heute existiert in Kalabrien und vor allem im Salento in Apulien eine kleine Minderheit, die Griko spricht – eine Sprache mit altgriechischen, byzantinisch-griechischen und italienischen Elementen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Luca Cerchiai (u. a.): Die Griechen in Süditalien. Auf Spurensuche zwischen Neapel und Syrakus. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1845-5
  • Furio Durando (u. a.): Magna Graecia. Kunst und Kultur der Griechen in Italien. Hirmer, München 2004, ISBN 3-7774-2045-X
  • Hansgerd Hellenkemper (Hrsg.): Die neue Welt der Griechen. Antike Kunst aus Unteritalien und Sizilien. Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2498-7
  • Mario Lazzarini: La Magna Grecia. Scorpione Editrice, Taranto 1990, 1995. ISBN 88-8099-027-6
  • Dieter Mertens: Städte und Bauten der Westgriechen. Von der Kolonisationszeit bis zur Krise um 400 vor Christus. Hirmer, München 2006, ISBN 3-7774-2755-1
  • Norbert A. Przesang: Magna Graecia, Die Griechen in Unteritalien und Sizilien. Handbuch für Studienreisende und Studierende. Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2009, ISBN 978-3-86634-832-5

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Lazzarini, 1990, S. 5.
  2. Lazzarini 1990, S. 17.
  3. MG, 5. Mai 2006.