Magyaren

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Die Magyaren (Singular im Ungarischen magyar [ˈmɒɟɒr], Plural magyarok [ˈmɒɟɒrok]), auch Madjaren oder Ungarn, sind ein Volk in Mitteleuropa.

Die Bezeichnung „Ungar“ kann sich, insbesondere in Geschichtstexten, auch allgemein auf die Bewohner des historischen Königreichs Ungarn und die des heutigen Staates Ungarn beziehen. In wissenschaftlichen Texten werden sie daher meist als „Magyaren“ bezeichnet.[1]

Die Magyaren weichen heute, nach Jahrhunderten von Vermischung mit den Nachbarvölkern, genetisch gesehen kaum von der Bevölkerung der Nachbarländer ab. Wegen der finnisch-ugrischen Sprache allerdings zählt man sie zu den finno-ugrischen Völkern. Innerhalb der finnisch-ugrischen Sprachfamilie ist das Ungarische am nächsten mit den obugrischen Sprachen Chantisch und Mansisch verwandt, weswegen eine Verwandtschaft der Vorfahren der heutigen Sprecher angenommen wird (Ugrier). Während Finnisch und Estnisch eng miteinander verwandt und bis zu einem gewissen Grad wechselseitig verständlich sind, ist diese direkte Verständlichkeit zwischen dem Ungarischen einerseits und dem Finnischen und Estnischen andererseits nicht mehr gegeben. Die große sprachliche Entfernung des Ungarischen vom Finnischen und Estnischen ist darauf zurückzuführen, dass sich der ugrische Zweig, zu dem auch Ungarisch gehört, bereits vor rund 3.000 Jahren vom finnischen Zweig abgespalten hat.

Ungarische Bevölkerungsmehrheiten in Mitteleuropa
(nach den Volkszählungen von 1991 und 1992)

Verbreitung[Bearbeiten]

Weltweit gibt es etwa 14 Millionen Magyaren, von denen etwa 9,5 Millionen[2] in Ungarn leben, weitere etwa 2,4 Millionen als große Minderheiten seit 1918 außerhalb Ungarns in den Nachbarländern, und ca. 1,5 Millionen in anderen Ländern:

Land/Gebiet Anzahl der Ungarn und der Personen
magyarischer Abstammung[3]
Rumänien 1.434.377 (2002)
Slowakei 520.528 (2001)
Serbien 293.299 (2002)
Oblast Transkarpatien (Ukraine) 156.600 (2001)
Österreich 40.583
Kroatien 16.595
Slowenien ca. 6.500
Deutschland ca. 120.000
Westeuropa ca. 75.000–85.000
Nordeuropa ca. 40.000–45.000
Tschechien ca. 15.000–20.000
Argentinien ca. 40.000–50.000
Brasilien ca. 350.000
Südamerika (ohne Brasilien) ca. 50.000–150.000
Australien und Ozeanien ca. 65.000
Asien ca. 30.000
Afrika ca. 10.000

Die Szekler (ungar. Székely, Plural Székelyek) sind eine besondere Gruppe, die in Siebenbürgen (Rumänien) lebt und einen eigenen ungarischen Dialekt spricht. Ihre Zahl liegt bei rund 670.000.

Situation außerhalb Ungarns[Bearbeiten]

Die magyarischen Minderheiten, die in den Nachbarstaaten des ungarischen Mutterlandes leben, sind formal anerkannt und verfügen über diverse Minderheitenrechte: Schulen mit muttersprachlichem Unterricht, Gottesdienste in der Muttersprache, sie dürfen Vereine gründen und verfügen auch über eine eigene Presse in ungarischer Sprache. In Rumänien und in der Slowakei bestehen eigene, auf der ethnischen Zugehörigkeit basierende Parteien (UDMR, SMK und Most–Híd), die im Parlament vertreten sind und an der Regierungskoalition beteiligt waren. Die staatlichen rumänischen und slowakischen Sender haben auch ungarischsprachige Sendungen im Programm, im Kabelfernsehen sind in der Regel die größten ungarischen Fernsehsender verfügbar. In Serbien verfügen die Ungarn, ähnlich wie viele andere Nationalitäten, über eine Autonomie innerhalb der Vojvodina. In der Slowakei steht den rund 520.000 Ungarn neben rund 780 ungarischsprachigen Schulen (585 davon rein ungarischsprachig) seit 2004 eine vom Staat finanzierte rein ungarischsprachige Universität in Komárno zur Verfügung (die einzige ungarische Universität ohne Studiengebühren), und es werden vom Staat ungarische Kulturvereine und Verlage finanziert.

Die Diskriminierungen durch die Beneš-Dekrete in den Jahren 1945–1948 sind heute nicht mehr aktuell. Heutzutage sind es einzelne verbale Ausfälle durch nationalistische Parteien und deren Vertreter, beispielsweise Corneliu Vadim Tudor von der Großrumänien-Partei oder Ján Slota von der Slowakischen Nationalpartei. Letztere war von Juli 2006 bis Juli 2010 Koalitionspartner in der Regierung der Slowakei unter Robert Fico.

Rumänien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Magyaren in Rumänien

Die größte Gruppe der Auslandsungarn lebt in Rumänien. Ihre Anzahl beträgt rund 1,4 Millionen (6,6 % der Landesbevölkerung). Viele von ihnen (rund 670.000) sind Szekler und leben im Szeklerland (Székelyföld), einem Gebiet im Südosten Siebenbürgens, das die heutigen Kreise Covasna (Kovászna), Harghita (Hargita), den Großteil des Kreises Mureș (Maros) sowie kleine Teile des Kreises Bacău (Bákó, im Landesteil Moldau, nicht in Siebenbürgen) – ein kleines Gebiet um Ghimeș-Făget (Gyimesbükk) – und Teile des Kreises Alba – die Gegend um Rimetea (Torockó), bekannt als Exklave Arieș Scaun (Aranyosszék) (dem Gebiet in und um Thorenburg (Torda)) – umfasst. Die anderen 760.000 Ungarn leben größtenteils in Städten wie Klausenburg, Neumarkt am Mieresch, Großwardein, Sathmar, Arad, Temeswar, Neustadt usw. Man findet sie aber auch als geschlossene ethnische Mehrheiten oder Minderheiten im nördlichen Partium, im „Waldland“ (Szilágyság), im Kalotaszeg, in einigen Gegenden der „Siebenbürger Heide“ (Câmpia Transilvaniei), zwischen der Kleinen Kokel und der Großen Kokel, im Kreischgebiet (Körösvidék) und im nördlichen Banat. Ferner sind sie in kleinen Sprachinseln im Süden Siebenbürgens sowie im Kreis Maramureș, in der Moldau (die Tschangos) und im südlichen Banat beheimatet.

Anzahl der Magyaren in Rumänien

Volkszählung Magyaren
1930 1.425.507
1940 * 462.422
1956 1.587.675
1977 1.713.928
1992 1.620.199
2002 1.431.807

(*) nach dem Zweiten Wiener Schiedsspruch, als Ungarn Nordsiebenbürgen annektierte

Slowakei[Bearbeiten]

Hauptartikel: Magyaren in der Slowakei

Die Gruppe der 458 467 Magyaren in der Slowakei lebt im Süden des Landes, die meisten auf der Großen Schüttinsel, im nördlich davon gelegenen Gebiet zwischen der Kleinen Donau und der Waag (teilweise von den Ungarn Mátyusföld genannt), in der Gegend zwischen den Flüssen Waag und Eipel und am Eipel-Nordufer. Außerdem bewohnen sie das Gemer-Gebiet und ein Gebiet ganz im Südosten der Slowakei um Kráľovský Chlmec (50.000 Ungarn), das heißt im und um das Medzibodrožie (ung. Bodrogköz). Außerdem gibt es eine ungarische Sprachinsel im Osten von Nitra, die den ethnographischen Namen Zobor trägt. Neben den oben genannten Ungarn geben in der Slowakei weitere 50.000 Personen Ungarisch als ihre Muttersprache an.[4]

Anzahl der Magyaren in der Slowakei

Volkszählung Magyaren
1930 571.952
1950 * 354.532
1961 518.776
1970 552.006
1991 567.296
2001 521.000
2011 458 467

(*) 1945–1948 wurden im Rahmen eines „Bevölkerungsaustausches“ – je nach Quelle – rund 80.000 Ungarn aus der Slowakei und zwischen 72.000 und 73.000 Slowaken aus Ungarn in das jeweils andere Land umgesiedelt; ansonsten ist der vorübergehende Rückgang von 1950 auf einen staatlich geförderten „Umstieg“ vieler Ungarn mit slowakischen Vorfahren auf die slowakische Nationalität zurückzuführen, der etwa 1946–1949 erfolgte und in der Folge schrittweise rückgängig gemacht wurde.

Serbien[Bearbeiten]

Die zahlenmäßig drittstärkste ungarische Volksgruppe lebt in der Autonomen Region Vojvodina (ung. Vajdaság). Die rund 300.000 Ungarn leben vor allem im Norden der Vojvodina, das heißt in der nördlichen Batschka (Bácska) und im Nord-Banat. Im Süden der Vojvodina sind sie sporadisch auf mehrere kleine ungarische Dörfer bzw. Dorfgemeinschaften verteilt, umgeben von vielen anderen Nationalitäten, die in der Vojvodina beheimatet sind. Bekannte Serben ungarischer Abstammung sind die Tennisspielerin Monica Seles, der Fußballspieler Albert Nađ und die Sängerin Magdolna Rúzsa.

Anzahl der Magyaren in der Vojvodina

Volkszählung Magyaren Prozent
1910 424.555 28,1 %
1921 370.040 24,4 %
1953 435.179 25,6 %
1971 423.866 21,7 %
1991 340.946 16,9 %
2001 290.207 14,3 %

Ukraine[Bearbeiten]

Im ukrainischen Verwaltungsgebiet Transkarpatien (ung. Kárpátalja) lebt ebenfalls eine bedeutende ungarische Minderheit von ca. 150.000 bis 200.000 Personen. Sie bewohnen dort etwa 130 Gemeinden und stellen in 80 davon die Bevölkerungsmehrheit. Die Ungarn wohnen vorwiegend im Flachland (als ethnische Mehrheit) und in den Städten (z. B. Uschhorod, Mukatschewe, Berehowe, Chust usw.). 2014 forderte der ungarische Ministerpräsident Viktor Viktor Orbán für die ungarische Minderheit der Ukraine Selbstverwaltung und die Möglichkeit einer doppelten Staatsangehörigkeit.[5]

Österreich[Bearbeiten]

Laut einer Volkszählung im Jahre 2001 leben in Österreich rund 10.000 in Österreich geborene Auslandsungarn.[6] Eine bedeutende Anzahl von Ungarn lebt vor allem in der Hauptstadt Wien. Der überwiegende Teil ist jedoch als Burgenlandungarn bekannt und lebt im südöstlichsten Bundesland der Republik, dem Burgenland. Hier sind sie insbesondere in den vier Ortschaften Oberpullendorf (Felsőpulya), Oberwart (Felsőőr), Siget in der Wart (Őrisziget) und Unterwart (Alsóőr) beheimatet.

Kroatien[Bearbeiten]

Die Ungarn in Kroatien sind heute insbesondere in der Drau-Donau-Region im Osten Kroatiens beheimatet. Dieser Teil Kroatiens wird auch als „Draueck“ (ung. Drávaköz) bezeichnet und stellt den kroatischen Teil des historischen Komitats Baranya dar. Die meisten Magyaren leben demzufolge in der Gespanschaft Osijek-Baranja (heutige kroatische Gespanschaft). Weiters gibt es in den Gespanschaften Vukovar-Syrmien und Bjelovar-Bilogora eine bedeutende ungarische Minderheit.[7]

Im Gebiet der „Murinsel“ (kroat. Međimurje) zwischen der Mur und der Drau im nördlichsten Teil Kroatiens mit dem Zentrum Čakovec leben nur noch etwa 50 Ungarn. Näheres zu den Ungarn im slowenischen Teil der Drau-Mur-Gegend ist unter Slowenien nachzulesen.

Seit 1921 bis heute ist die Zahl der Ungarn in Kroatien dramatisch gesunken. Dies zeigt auch die folgende Tabelle:

Anzahl der Magyaren in Kroatien

Volkszählung Magyaren
1921 76.000
1948 51.000
1971 35.000
1991 22.000
2001 16.595

Slowenien[Bearbeiten]

Laut Volkszählung von 2001 leben in Slowenien 6.243 Ungarn. Diese sind insbesondere in der Region Prekmurje (ung. Muravidék) beheimatet. Die Zahl der Ungarn in Slowenien hat sich in den letzten 50 Jahren nahezu halbiert.

Anzahl der Magyaren in Slowenien

Volkszählung Magyaren
1921 14.429
1953 11.019
1961 10.498
1971 8.943
1981 8.777
1991 8.000
2001 6.243

Geschichte[Bearbeiten]

Die finno-ugrischen Völker siedelten noch im 6. bis zum 4. Jahrtausend v. Chr. in der Umgebung des Uralgebirges und des Flusses Ob, wohl hauptsächlich an dessen Ostseite. Archäologische Funde in dieser Gegend lassen vermuten, dass den uralischen Völkern im 4. Jahrtausend noch größtenteils die Ostabhänge des mittleren und südlichen Abschnitts dieses Gebirgsmassivs als Lebensraum dienten. Einzelne Gruppen brachen zwischen 4000 und 3000 v. Chr. in östliche und westliche Richtung auf. Andere blieben höchstwahrscheinlich in den Gebieten östlich des Ural – aus diesem Grund gehören die dort verbliebenen Chanten und Mansen zu den nächsten sprachlichen Verwandten der Ungarn.

Magyaren verfolgen das Heer des bulgarischen Zaren Simeon (895) – Madrider Bilderhandschrift des Skylitzes

Später zogen sie als Reitervolk westwärts durch die südrussische Steppe nördlich des Schwarzen Meeres und ließen sich zwischen den Flüssen Donau und Dnepr (magyar. Etelköz, „das Land zwischen den Flüssen“) in der heutigen südlichen Ukraine nieder, wo sie ein Fürstentum gründeten. Das Volk und die Führung dieses Fürstentums waren jedoch gemischt. Neben den zwei bulgarischen Völkern, den Onoguren (wovon die Bezeichnung Ungarn abgeleitet ist) und den Kavaren zählten die zahlreichen ugrischen Magyaren zum Bevölkerungsgefüge des Fürstentums. Nach der anfänglichen Oberherrschaft der Chasaren konnten Magyaren die Region unterwerfen. In den Byzantinisch-Bulgarischen Kriegen griffen sie überraschend als Verbündete von Byzanz ein. 895 leisteten sie erneut Waffenhilfe, als sie das Erste Bulgarische Reich unter Zar Simeon I. angriffen. Mit Hilfe der byzantinischen Flotte überquerten sie die Donau und siegten gegen kleinere bulgarische Verbände bei Dorostol (der größere Teil der bulgarischen Armee befand sich in Thrakien, wo Simeon I. einen Feldzug gegen Byzanz vorbereitete). Nachdem Simeon I. um Frieden ersucht hatte, verbündete er sich 896 mit den Petschenegen und schlug die Magyaren in Etelköz vernichtend.[8]

Nach dieser Niederlage verließen die Ungarn noch im selben Jahr ihre Gebiete in Bessarabien und zogen nach Westen. Sie überquerten mit großen Viehherden die Ostkarpaten und ließen sich zunächst an der oberen Theiß nieder.[9] Dieses Gebiet war bereits von rund 200.000 Awaren, Bulgaren und Slawen besiedelt.[10] Von hier aus brachen die ungarischen Reiter immer wieder zu Plünderungszügen durch ganz Europa auf, die als Ungarneinfälle in die Geschichte eingingen. So überfielen sie unter anderem Gebiete in Bayern, Italien, Frankreich und Spanien. Nach 901 verschob sich das Zentrum ihres Siedlungsgebietes nach Westen an den Plattensee. Von hier aus eroberten die Magyaren in den nachfolgenden Jahrzehnten Gebiete der Marcha orientalis bis zur Enns (Ostösterreich) und der heutigen Slowakei.

Nachdem die Magyaren 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld von den ostfränkischen und böhmischen Truppen geschlagen worden waren, zogen sie sich aus dem Gebiet des heutigen Österreichs (außer aus dem heutigen Burgenland) zurück und ließen sich im heutigen Westungarn nieder. Allmählich wurde das Nomadenvolk der Magyaren sesshaft. Ab dem letzten Viertel des 10. Jahrhunderts wurden die Ungarn unter Fürst Géza und unter Stephan I. christianisiert.

Im Hochmittelalter war Ungarn vergleichsweise dicht besiedelt. Durch die mongolischen Eroberungen im 13. Jahrhundert, insbesondere durch den Feldzug Jochi Khans und seinem Sohn Batu Khan 1241, kam es zu einem starken Bevölkerungsrückgang[11]. Die Schlacht bei Muhi endete mit einer vernichtenden Niederlagen des ungarischen Heeres.

Siedlungsgebiete der Magyaren im Königreich Ungarn (1885)

Mit der Eroberung des Balkans durch die Osmanen (Türken) im 16. Jahrhundert wurde insbesondere das heutige Ungarn teilweise entvölkert. Nach der Niederschlagung der Osmanen wurden die entvölkerten Gebiete (vor allem im Rahmen der drei Hauptumsiedlungswellen 1690, 1711 und 1745) von Slowaken, Siedlern aus Österreich sowie zum Teil von Siedlern aus anderen Teilen Europas wiederbevölkert.

Allerdings war der sich daraus bildende Vielvölkerstaat durch innere Spannungen (Selbständigkeitsbestrebungen der nichtmagyarischen Völker, Nationalitätenkonflikte im Zuge der Magyarisierungspolitik) gekennzeichnet. Dies begünstigte die Zerschlagung des heterogenen Königreichs Ungarn 1918–1920, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg.

Gerhard Herm beschreibt, dass die Ungarn nach der „Schmach“ von Trianon und während der schwierigen Zwischenkriegszeit ins Ausland drängten:

„Aber in diesen Kreisen fand man auch Wege, die aus der Misere herausführten. Eine neu-aufkommende Kunstgattung, der Film, wurde in Hollywood wie in Berlin zur fast rein ungarischen Domäne. Eine Flut begabter Journalisten, Stückeschreiber, Kabarettisten ergoß sich von Budapest über die Welt. Das gedemütigte Land exportierte Turnierreiter, Tenniscracks, Fechtlehrer und nicht zuletzt Gastronomen, die einem aufs Exotische erpichten Publikum das Pörkölt und die Gulaschsuppe nahebrachten.[12]

Insbesondere die Magnaten, der Kleinadel und die während der Industrialisierung herangewachsene, dünne Besitzbürgerschicht litten unter den Folgen des Ersten Weltkrieges.

Name[Bearbeiten]

Magyar[Bearbeiten]

Das Wort magyar (früher megyeri) ist heute die Selbstbezeichnung der Magyaren. Es taucht schon im 9. und 10. Jahrhundert in muslimischen Quellen auf. Es ist wahrscheinlich ein Kompositum aus magy (< ugrisch *mańćε = Mensch, Mann, Geschlecht) und er(i) (ebenfalls Mensch, Mann, Geschlecht). Andere Forscher behaupten, dass das Wort magyar ursprünglich „Männer der Erde“ bedeutete.

Die Magyaren waren ein asiatisches Reitervolk. Allerdings ist zu beachten, dass das Wort anfangs nur die Bezeichnung eines von sieben (unterschiedlichen) nomadischen Stämmen war, die im 9. Jahrhundert und Anfang des 10. Jahrhunderts räuberische Einfälle in Europa, bis über die Pyrenäen unternahmen. Die Stämme hießen Meder (Megyer), Tarján, Jenő, Kér, Keszih, Kürt-Gyarmat und Nyék. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts ist es dem Stamm der Magyaren – d. h. den Nachkommen Árpáds – gelungen, die restlichen Stämme unter seiner Oberherrschaft zu vereinigen.

Andere Namen[Bearbeiten]

Im 10. Jahrhundert wurde die ethnische Gruppe von den damaligen Quellen als Ungari oder Ougri bezeichnet. Die fränkischen Chronikschreiber verwendeten fast von Anfang an auch den lateinischen Begriff (H)ungarus. Viele damalige Texte bezeichnen sie auch als Türken (vor allem Konstantin Porphyrogennetos um 950) bzw. irrtümlicherweise als Hunnen oder Awaren, da ihre Lebensweise jener dieser zwei Völker ähnelte.

Darüber hinaus schreibt Konstantin Porphyrogennetos, dass ihm eine ungarische Gesandtschaft berichtet habe, dass die Magyaren üblicherweise "sabartoi asphaloi" genannt werden würden, was im Allgemeinen mit starke / standhafte / verlässliche Sabiren übersetzt wird.[13]

Die heute verwendeten Formen (H)ungarus, (H)ungarn, Uhri, Vengry, Hungarian, Hongrois usw. gelangte durch germanische Vermittlung in die europäischen Sprachen. Das Wort lässt sich auf die bulgarische Stammesbezeichnung onogur (on = zehn + ogur = Stamm) zurückführen, die dadurch entstand, dass die Vorfahren der Ungarn im 5. und 6. Jahrhundert in enger Verbindung mit dem Onogurenreich lebten, dessen führender Stammesverband Onoguren hieß.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Jahn, C. Lankes, W. Petz, E. Brockhoff (Hrsg.): Aufsätze zur Bayerischen Landesausstellung 2001. Regensburg 2001, ISBN 3-9804433-6-1, ISBN 3-7917-1753-7.
  • Gyula László: The Magyars. Their life and civilisation. Corvina, Budapest 1997, ISBN 963-13-4807-5.
  • Paul Lendvai: Die Ungarn. Eine tausendjährige Geschichte. München 2001, ISBN 3-442-15122-8.
  • László Révész: Archäologische Forschungen zur Landnahmezeit in Ungarn. Ergebnisse, methodologische Probleme, ungelöste Fragen. In: Joachim Henning (Hrsg.): Europa im 10. Jahrhundert. Archäologie einer Aufbruchszeit. Mainz 2002, ISBN 3-8053-2872-9, S. 123–130.
  • Mechthild Schulze-Dörrlamm: Die Ungarneinfälle des 10. Jahrhunderts im Spiegel archäologischer Funde. In: Joachim Henning (Hrsg.): Europa im 10. Jahrhundert. Archäologie einer Aufbruchszeit. Mainz 2002, ISBN 3-8053-2872-9, S. 109–122.
  • Péter Veres: The ethnogenesis of the Hungarian people. Problems of ecologic adaptation and cultural change. Ethnographical Institut of the Hungarian Acad. of Science, Budapest 1996, ISBN 963-567-001-X.
  • Alfried Wieczorek, Hans-Martin Hinz (Hrsg.): Europas Mitte um 1000. Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1544-8, ISBN 3-8062-1545-6.
  • Herbert W. Wurster (Hrsg.): Bayern – Ungarn. Tausend Jahre. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2001. Passau 2001, ISBN 3-927233-78-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Magyaren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim von Puttkamer: Schulalltag und nationale Integration in Ungarn. Slowaken, Rumänen und Siebenbürger Sachsen in der Auseinandersetzung mit der ungarischen Staatsidee 1867–1914 (= Südosteuropäische Arbeiten, Bd. 115), Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56741-1, S. 11.
  2. nepszamlalas.hu
  3. Quelle
  4. slovak statistic portal (PDF)
  5. Stephan Löwenstein: Anspruch auf alle Ungarn, FAZ vom 20. Mai 1914, S.8
  6. Bevölkerung Österreichs 2001 nach Umgangssprache, Staatsangehörigkeit und Geburtsland (PDF)
  7. Kroatisches Zentralamt für Statistik (CroStat), Volkszählung 2001
  8. Vgl. Warren Treadgold: A History of the Byzantine State and Society, Stanford University Press, 1997, ISBN 0-8047-2630-2; Constantin Jireček: Kapitel VIII. Der Car Symeon, in: Geschichte der Bulgaren, Georg Olm Verlag, 1977 (Orig.: Verlag von F. Tempsky, Prag 1876); Lexikon des Mittelalters, Band 2, S. 918.
  9. Vgl. Harald Roth (Hrsg.): Studienhandbuch Östliches Europa. Band 1: Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas, Böhlau, Köln 1999, ISBN 978-3-412-13998-8.
  10.  Akadémiai Verlag (Hrsg.): Magyar Néprajzi Lexikon. ISBN 963 05 1285 8 (mek.niif.hu).
  11. J. Chambers: The Devil's Horsemen: the Mongol Invasion of Europe, London, 1979
  12. Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfaß Europas. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf u. a. 1993, ISBN 978-3-430-14445-2, S. 315.
  13. De Administrando Imperio