Mahen-Theater

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Das Mahen-Theater (Mahenovo divadlo) in Brünn/Brno ist ein im historistischen Stil gehaltener Theaterbau der Architekten Fellner und Helmer.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Mahen-Theater in Brünn, 2007
Das Deutsche Stadttheater in Brünn, 1903

Das Stadttheater wurde im Gefolge der 1861–1863 durchgeführten Entfestigung Brünns und der Errichtung einer Ringstraße auf dem Obstmarkt (heute: Malinovsky-Platz) nach Wiener Vorbild erbaut. Es hieß in der Folge Deutsches Stadttheater (bis 1918 und während des Protektorats), Theater auf den Schanzen (1918–1945), Janáček-Oper (1945–1946), Janáček-Theater (1946–1965) und heute Mahen-Theater (seit 1965).

Bürgermeister Gustav Winterholler war die treibende Kraft hinter dem kulturellen Prestigeprojekt. Nach Vergabe des Auftrags an die renommierten Wiener Theaterarchitekten Ferdinand Fellner jun. und Hermann Helmer[Anm. 1], 1878, wurde mit dem Bau am 18. Juli 1881 begonnen; die Eröffnung am 30. Oktober 1882 krönte die Aufführung von Goethes Egmont[1]

Der reiche Skulpturenschmuck des Theaterbaus ist das Werk des Wieners Theodor Friedl (1842–1900), der regelmäßig mit Fellner und Helmer zusammenarbeitete. Für die Stufen der Haupttreppe wurde Marmor – schönster Stefanostein – verwendet, für die Stiege vom Parterre in den 1. Stock wählte man harten Kaiserstein aus dem Hausbruch in Kaisersteinbruch[2], für die Galeriestiegen Brünnlitzer Stein.[3] Der Wiener Bildhauer Franz Schönthaler (1821–1904) schuf die Figurengruppe der Attika aus Breitenbrunner Bildhauerstein. [4] Die allegorischen Deckengemälde des Zuschauerraums stammen von Julius Schmid (1854–1935) aus Wien und Olga Fialková (1848–1930), der Vorhang wurde von Franz Lefler (1831–1898) entworfen[1].

Das Stadttheater in Brünn wurde als erstes Theater nach den infolge des Ringtheaterbrands (1881) erhöhten Sicherheitsvorschriften frei stehend[5] errichtet. Es war demzufolge das erste voll elektrisch beleuchtete Theater auf dem europäischen Kontinent. Für die Beleuchtung wurde in der Offermann-Straße, jetzt Vlhká-Straße, ein Dampfkraftwerk errichtet, nachdem 1882 der Assistent von Thomas Alva Edison, Francis Jehl, nach Brünn gekommen war, um die elektrische Beleuchtung des Theaters zu projektieren und zu installieren. [6]

1971–1978 wurde der Bau, der bis dahin im Wesentlichen noch in seiner Originalform und mit seiner ursprünglichen technischen Ausstattung bestanden hatte, einer denkmalgerechten Totalrenovierung unterzogen. Teile der Architektur und der Dekoration wurden restauriert und fehlende Details mit Kopien von erhaltenen Originalfragmenten ersetzt. Eine neue Innenraumausstattung, entworfen vom Brünner Architekten Jindrich Kumpost jun., schließt Beleuchtungskörper, Buffet-Theke, Vitrinen, Sessel, Lautsprecher und die Verkleidung der Radiatoren ein. [6]

1987 kam es zur Eröffnung des Divadélko Na Hradbách (Theater auf den Schanzen). Dieser Raum mit kleinem Auditorium befindet sich unter der Bühne des Mahen-Theaters und dient als Ein-Mann-Bühne und als Ort anderer kleiner Kulturveranstaltungen. [6]

Künstlerisch gesehen begannen unter anderem Maria Jeritza und Leo Slezak ihre Laufbahn an diesem Theater.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Michael Dienes, Ferdinand Fellner (Ill.), Hermann Helmer (Ill.): Fellner & Helmer – die Architekten der Illusion. Theaterbau und Bühnenbild in Europa, anläßlich des Jubiläums „100 Jahre Grazer Oper“. Stadtmuseum Graz, Graz 1999, ISBN 3-900764-21-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Dienes: Fellner & Helmer, S. 143.
  2. Helmuth Furch: Ehemaliges deutsches Stadttheater in Brünn, Steinmetzarbeiten Kaisersteinbruch und Breitenbrunn. In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch. Nr. 46. Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch, Kaisersteinbruch 1997, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund, S. 36–44.
  3. Archiv der Stadt Brünn, Registratur 1851-1896, Karton 465, Inventarnummer 1366.
  4. Stadttheater Brünn: Figurengruppen aus neogenem Kalksandstein von Breitenbrunn, Stufen und Treppen aus Nulliporenkalk von Kaisersteinbruch, Sockel, Säulen und Attiken aus Quarzsandstein von Wildenschwert und Brüsau. Vorlegstufen der Rampe aus Quadersandstein von Skalitz, Logentreppen aus Kreidekalk von Istrien. – In: Felix Karrer: Führer durch die Baumaterialiensammlung des k.k. naturhistorischen Hofmuseums. Lechner, Wien 1892, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  5. Dienes: Fellner & Helmer, S. 144.
  6. a b c Dienes: Fellner & Helmer, S. 145.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Das Büro, das sich auf die Projektierung von Theatergebäuden spezialisiert hatte, war europaweit tätig und baute unter anderem auch deutschsprachige Theater in Reichenberg/Liberec (1881–1883), Karlsbad (1883–1886), Prag (1886–1887, heutiges Smetana-Theater) sowie Gablonz/Jablonec (1906–1907).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mahenovo divadlo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


49.19611111111116.613333333333Koordinaten: 49° 11′ 46″ N, 16° 36′ 48″ O