Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune

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Opfer des Massenmordes

Die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune nahe der Stadt Gardelegen in Sachsen-Anhalt erinnert an die Ermordung von mehr als 1.000 KZ-Häftlingen bei einem Todesmarsch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Tat

Am 13. April 1945 wurden in der etwas außerhalb der Stadt gelegenen Isenschnibber Feldscheune 1.016 KZ-Häftlinge ermordet. Mehrere sogenannte Todesmärsche von KZ-Häftlingen (unter anderem aus Dora-Mittelbau) und Transporte waren an den Tagen zuvor in Gardelegen zusammengetroffen und konnten wegen der nahen Front nicht fortgesetzt werden.

Daraufhin wurde durch die Verantwortlichen unter dem NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele die Ermordung vorbereitet und durchgeführt. Die Gefangenen wurden in eine steinerne und mit Ziegeldach „hartgedeckte“ Feldscheune eingepfercht. Drei der vier großen Schiebetüren wurden verriegelt.

Über den weiteren Tatablauf gibt es im Detail abweichende Darstellungen.

Einigen Schilderungen zufolge[1] war der Boden der Scheune mit Stroh bedeckt, das mit Benzin getränkt und an mehreren Stellen entzündet wurde. Diese Version stützt sich offenbar allein auf den Zeugen Stanislaw Majewicz, der 1985 beim Landeskriminalamt Niedersachsen aussagte. Ein zweiter Zeuge führte den Benzingeruch zunächst darauf zurück, dass die Scheune früher als Treibstofflager gedient habe. [2]

Andere Darstellungen behaupten darüber hinaus, die Gefangenen hätten den Ausbruch des Feuers zunächst verhindert, indem sie das Feuer mit Kleidungsstücken erstickt hätten.[3]

Übereinstimmend schildern die Darstellungen, dass die Wachmannschaft in die Scheune schoss, um die Häftlinge zu töten. Als Mordwerkzeuge werden Maschinengewehre, Handgranaten, Panzerfäuste, Signalmunition und Phosphor-Granaten genannt. Mit Sicherheit wurde noch in der Nacht Benzin aus Gardelegen herbeigeschafft, um das Innere der Scheune in Brand zu setzen und die Leichen zu verbrennen. Das Verscharren der teils verkohlten Leichen gelang nur unvollkommen, obwohl Männer aus Gardelegen dabei halfen. 24 Stunden nach dem Massenmord erreichte die US-Armee den Ort des Geschehens. Nur 25 Häftlinge hatten überlebt.

[Bearbeiten] Täter

An der Bewachung und Ermordung waren KZ-Wachmannschaften, Luftwaffensoldaten, Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes sowie 25 „Reichs- oder Volksdeutsche“ aus den Reihen der Häftlinge beteiligt, denen Nahrung und die Freilassung versprochen worden war. Diese Kapos erhielten Uniform und Waffen und wurden zur Mittäterschaft genötigt.

Nach Augenzeugenberichten wurden 20 SS-Männer als Beteiligte am Massenmord von den Amerikanern an Ort und Stelle erschossen.[4] Der Hauptverantwortliche für das Massenmord von Gardelegen, der NSDAP-Kreisleiter und SS-Obersturmbannführer Gerhard Thiele konnte mit falschen Papieren untertauchen; er wurde nie gefasst, verstarb 1994 und wurde erst danach enttarnt.[5] SS-Hauptscharführer Erhard Brauny, einer der Transportführer, wurde 1947 in Dachau zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt und verstarb 1950.

[Bearbeiten] Gedenkstätte

Die Amerikaner zwangen die Einwohner Gardelegens unverzüglich, die Opfer zu exhumieren und würdig zu bestatten. Jeder männliche Einwohner über 16 Jahren wurde mit Laken und Spaten zum Ort des Geschehens beordert, um selbst Hand anzulegen.[6] Dies wurde auch gefilmt. Im Film sind Bergungen ganzer Leichen zu sehen, aber auch Szenen, bei denen Körperteile sich abtrennen.

Eine namentliche Zuordnung gelang nur bei einem Drittel der Opfer. Eine Gedenktafel der Amerikaner, die für eine Friedhofsschändung Strafen verhieß, wurde später entfernt, zweckentfremdet und nach 1989 der Gedenkstätte als Schauobjekt beigefügt. Während des Bestehens der DDR fanden auf dem Friedhofsareal Gelöbnisse und Vereidigungen von Soldaten statt.

Nach Zeitungsberichten sind das Konzept der Gedenkstätte und die Neubeschriftung von Schautafeln umstritten. [7]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.holocaustforgotten.com/Gardelegen.htm
  2. Diana Gring: Die Todesmärsche und das Massaker von Gardelegen - NS-Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkrieges. Gardelegen 1993. S. 20 Anm. 42 bzw. Anm. 40.
  3. http://www.ga-info.de/gardelegen/lexikon/isenschnibbe-feldscheune.php ; Abruf am 16. August 2007.
  4. Diana Gring: Die Todesmärsche ..., S. 33.
  5. Steffen Könau: „Die Torgauer Häftlingsurnen“, in: Mitteldeutsche Zeitung, 12. April 2005; Abruf 16. August 2007.
  6. Diana Gring: Die Todesmärsche... - Fotoserie: Marschkolonne mit Spaten, Laken und Holzkreuzen
  7. http://images.zeit.de/text/2007/30/LS-Gedenkstaette DIE ZEIT, 19. Juli 2007

[Bearbeiten] Literatur

  • Diana Gring: Die Todesmärsche und das Massaker von Gardelegen - NS-Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkrieges (Hrsg.: Stadtmuseum Gardelegen, Abt. Mahn- u. Gedenkstätte), Gardelegen 1993
  • Diana Gring: Das Massaker von Gardelegen. Ansätze zur Spezifizierung von Todesmärschen am Beispiel Gardelegen. In: Detlef Garbe, Carmen Lange: Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung. Bremen 2005, ISBN 3-86108-799-5, S. 155-168

[Bearbeiten] Weblinks

52.53777777777811.421944444444Koordinaten: 52° 32′ 16″ N, 11° 25′ 19″ O

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