Mahnwache

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Eine Mahnwache nach dem Amoklauf an der Virginia Tech

Eine Mahnwache ist eine friedliche Demonstration, bei der auf eine als gesellschaftlichen Missstand wahrgenommene Situation hingewiesen werden soll.

Mahnwachen erinnern häufig an traurige Ereignisse und finden in stiller Atmosphäre statt. Dennoch sind sie politisch motiviert oder wenden sich an die Öffentlichkeit, wodurch sie sich von einer Trauerveranstaltung unterscheiden.

Geschichte

Mahnwachen im SED-Staat

Mahnwachen wurden Ende der 1980er-Jahre zu einer entscheidenden Protestform gegen die SED-Diktatur. Als das Ministerium für Staatssicherheit im November 1987 Mitarbeiter der Ost-Berliner Umwelt-Bibliothek verhaftete, protestierten DDR-Oppositionelle binnen weniger Stunden mit einer ununterbrochenen Mahnwache an der Zionskirche bis alle Verhafteten wieder freigelassen wurden.[1] Die Mahnwache wurde in SED-Medien diffamiert.[2][3]

Nachdem am 11. September 1989 auf dem Leipziger Nikolaikirchhof Demonstranten verhaftet worden waren, unter denen sich die Bürgerrechtlerin Katrin Hattenhauer befand (vgl. auch Friedliche Revolution (Leipzig)), begann am 2. Oktober 1989 eine ständige Mahnwache an der Ost-Berliner Gethsemanekirche, die bald zu einem Kristallisationspunkt der Friedlichen Revolution wurde.[4] Gefordert wurde die Freilassung der „zu Unrecht Inhaftierten“ sowie Presse- und Meinungsfreiheit.[5]

Nach 2000

Mahnwachen finden etwa gegen rassistische Morde oder Krieg statt.

  • 2005 die Mahnwache für Hatun Sürücü, die von ihrem jüngsten Bruder ermordet wurde, nachdem sie sich einer Zwangsehe widersetzen wollte.
  • Die Leipziger Mahnwachen für zwei Ende Januar 2006 im Irak verschleppte Ingenieure der Firma Cryotec, die der Nikolaikirchenpfarrer Christian Führer mitinitiiert hatte und bis zur Freilassung der beiden Männer Anfang Mai aufrechterhielt.
  • Im G8-Treffen in Heiligendamm wurden in Zaunnähe Mahnwachen aufgestellt, jedoch durften an diesen nur maximal 50 Leute verweilen.[6]
  • In der zweiten Hälfte des Jahres 2007 wurden von Sascha Weiss Mahnwachen organisiert, um auf das Schicksal seines minderjährigen Bruders Marco aufmerksam zu machen. Dieser war in der Türkei monatelang in U-Haft gehalten worden, ohne dass das Verfahren gegen ihn nennenswert vorangekommen wäre. Letztlich wurde er ohne Auflagen freigelassen und konnte in seine Heimat zurückkehren.[7]
Mahnwache gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21
  • Im Rahmen des Widerstands gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 steht eine Mahnwache am Stuttgarter Hauptbahnhof. Vom 17. Juli 2010 bis 28. April 2012 am Nordausgang des Stuttgarter Hauptbahnhof, danach an der Ecke Arnulf-Klett-Platz/Königstraße.

Einzelnachweise

  1. Fotos von der Mahnwache Zionskirche auf jugendopposition.de, gesichtet am 9. August 2010.
  2. Der Chefredakteur der Jungen Welt setzte Aktivisten der Mahnwache mit Neonazis gleich auf jugendopposition.de, gesichtet am 9. August 2010.
  3. Vgl. auch Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. München 2009. ISBN 978-3-406-58357-5. S. 171 f.
  4. Mahnwache an der Gethsemanekirche auf jugendopposition.de, gesichtet am 9. August 2010.
  5. Aufruf der Aktionsgruppe Mahnwache Berlin Gethsemanekirche auf jugendopposition.de, gesichtet am 9. August 2010.
  6. http://g8-tv.org/index.php?play_id=1722
  7. http://www.hilfe-fuer-marco.de
  8. Mahnwachen in Deutschland - "Gib mir eine Fahne!", 14. März 2011, taz.de
  9. Tausende Deutsche demonstrieren für Frieden und gegen die US-Notenbank, 23. April 2014, Deutsche Wirtschafts Nachrichten
  10. https://www.youtube.com/watch?v=22VfEe1RkH8
  11. Erst zur Demo, dann denken, 23. April 2014, Zeit online
  12. Montagsdemo unter der Lupe (3): Antiamerikanismus, Frieden und der Antisemitismusvorwurf, 21. April 2014, Leipziger Internet Zeitung
  13. Die ganz eigene Welt der Montagsdemonstranten, 22. April 2014, Zeit online
  14. Friedensbewegung mit Brauntönen, 21. April 2014, Der Tagesspiegel
  15. Zu den neurechten Friedensdemos, 23. April 2014, junge Welt