Maieinsingen

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Dieser Artikel beschreibt den Brauch in Universitätsstädten; zum regionalen Heischebrauch siehe Maisingen

Das Maieinsingen ist eine traditionelle Veranstaltung unter anderem in Marburg, Tübingen und anderen (Universitäts-)Städten, bei der am 30. April zum mitternächtlichen Glockenschlag in nicht-privatem Zusammenhang singenderweise der „Wonnemonat“ Mai begrüßt wird.

[Bearbeiten] Marburger Traditionen

Das Maieinsingen in Marburg ist ein Volksfest und beginnt am Abend der Walpurgisnacht mit Auftritten von stimmungsanheizenden Cover-Musikgruppen sowie Getränkeständen auf dem großen Marktplatz vor dem Rathaus. Je näher es dem Krähen des Rathaus-Blechgockels zu Mitternacht kommt, desto mehr Leute versammeln sich zu dem Ritual des gemeinsamen Der Mai ist gekommen Schmetterns. Die hauptamtlichen Repräsentanten der Stadt nutzen mit sichtlichem Vergnügen ihren jährlichen rituellen Auftritt als Vorsänger nah am Volke. Eine Stunde nach Mitternacht kehrt Ruhe ein.

[Bearbeiten] Tübinger Traditionen und Konflikte

In Tübingen führt das Maieinsingen der Studentenverbindungen jedes Jahr zu Konflikten zwischen Studentenverbindungen und ihren Gegnern.

Zum Maieinsingen marschieren Korporierte mehrerer Verbindungen in einem Fackelzug vom Österberg herunterkommend Richtung Altstadt, wo sie häufig mit einer Menge Schaulustiger und teils gewaltbereiter Gegendemonstranten konfrontiert werden. 2006 sprach man hierbei von 300 Korporierten und 1000 bis 2000 Zuschauern und Gegendemonstranten. Gesungen werden in Tübingen traditionell „Der Mai ist gekommen“, „Die Gedanken sind frei“ und „Alma Mater Tubingensis“, Lieder, die alte studentische Traditionen von (Festen im) Jahresablauf reflektieren sollen oder Freiheit (Teil des Wahlspruches sehr vieler Verbindungen) und Verbundenheit mit der Hochschulstadt (Alma Mater Tubingensis) zum Ausdruck bringen sollen.

Die Gegner werfen den Teilnehmern des Maieinsingens eine an nationalsozialistische Aufmärsche erinnernde Ästhetik vor. Tatsächlich ist das Maieinsingen keine nationalsozialistische Erfindung, sondern eine studentische Tradition. Die Studenten, die sich in dieser Nacht traditionell gegen die Verbindungen stellen, kritisieren auch die in ihren Augen oft sehr konservative Ausrichtung der Studentenverbindungen Tübingens, die in ihrem Frauenbild und ihren geschlossenen Zirkeln ein Stein des Anstoßes für verschiedene linksliberale Kräfte und Gruppierungen in Tübingen sind.

Gegen den Lärm der Gegendemonstranten stimmen die Korporierten ihre Lieder an. Maieinsingen und Gegendemonstration ziehen auf Grund des „Unterhaltungswerts“ dieser Veranstaltung jährlich eine große Schar Schaulustiger an, stets zum Missfallen der Polizei und der Stadtverwaltung, die hohe Einsatzkosten beklagt, welche vom Land Baden-Württemberg getragen werden. 2006 beliefen sich diese Kosten angeblich auf etwa 85.000 Euro. Alle Angebote der Stadtverwaltung, das Maisingen an einem weniger zentralen Ort stattfinden zu lassen, lehnen die Verbindungen dennoch kategorisch ab.

2007 wurde der Fackelzug durch eine große Menge Gegendemonstranten und mobilisierte Zuschauer und ein relativ nachgiebiges Auftreten der Polizeikräfte am Erreichen des Holzmarktes gehindert. Wie im Vorjahr warfen Gegendemonstranten Flaschen, Wasserbomben und Feuerwerkskörper. 2008 sangen die etwa 200 Verbindungsstudenten auf dem Holzmarkt, geschützt von etwa 500 Polizisten. Wieder gab es einige Verhaftungen von militanten Gegendemonstranten, die u.a. Böller auf Polizisten und Studenten warfen.

2009 fiel das Maieinsingen aus, da sich die Studentenverbindungen und die Stadt darauf einigten, statt des Maieinsingens die Bürger der Stadt zum Bürger-Frühschoppen am 17.Mai vor der alten Burse einzuladen. Der Bürgermeister der Stadt Tübingen Boris Palmer sowie die Pro-Rektoren der Universität Tübingen hielten sehr versöhnliche Reden und versuchten, die auch hier vorhandenen ca. 30 Gegendemonstranten zu mehr Tolerenz aufzufordern.

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