Maienfeld

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Maienfeld in der Schweiz; Maienfeld ist auch ein Ortsteil der Gemeinde Waldthurn in Bayern.
Maienfeld
Wappen von Maienfeld
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Landquartw
Kreis: Maienfeld
BFS-Nr.: 3953i1f3f4
Postleitzahl: 7304
Koordinaten: 759104 / 20845547.0080549.531111504Koordinaten: 47° 0′ 29″ N, 9° 31′ 52″ O; CH1903: 759104 / 208455
Höhe: 504 m ü. M.
Fläche: 32,37 km²
Einwohner: 2687 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 83 Einw. pro km²
Website: www.maienfeld.ch
Maienfeld, Sicht von Südwesten

Maienfeld, Sicht von Südwesten

Karte
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Maienfeld oder Mayenfeld (rätoromanisch  Maiavilla?/i) ist eine Gemeinde mit Stadtrecht in der Bündner Herrschaft am Fusse des Falknis. Maienfeld ist umgeben von Rebbergen. Maienfeld ist im Roman Heidi von Johanna Spyri fiktiver Ankunftsort der Protagonistin in der Schweiz. Politisch gehört Maienfeld zum gleichnamigen Kreis im Bezirk Landquart des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf Gemeindegebiet wurden prähistorische Funde gemacht. Erstmals erwähnt wird Maienfeld im 4. Jahrhundert als Magia auf der Peutingerschen Tafel, 801-805 als Lupinis. Magia war wohl römische Station an den historischen Strassen im Rheintal, an der Verzweigung des Wegs nach Zürich (Turicum) und Bregenz (Brigantium).

Das Stadtrecht ist 1434 erstmals dokumentiert, das Marktrecht lag jedoch bei Malans. Traditionell wird Maienfeld auch heute noch Stadt genannt, der zentrale Platz ist das Städtli. Seit 1436 war Maienfeld Mitglied des Zehngerichtebunds, 1438 schloss es einen Stadtrechtsvertrag mit den Freiherren von Brandis.

Ab dem 14. Jahrhundert wanderten Walser auf Gebiet der Stadt ein und gründeten mehrere Siedlungen, die als Walsergemeinde Berg Teil der Stadt wurden, deren Bewohner jedoch erst Jahrhunderte später ins Stadtbürgerrecht aufgenommen wurden. Zu diesen Siedlungen gehören Rofels, Bovel, Guscha und Stürfis, die beiden letzteren heute Wüstungen.

Rathaus von Maienfeld (rechts)

Maienfeld, bis zu diesem Zeitpunkt rätoromanisch, wurde im 16. Jahrhundert germanisiert. 1529 war die Reformation bereits eingeführt. Nach dem Bau der Eisenbahnlinie von St. Gallen nach Chur Mitte des 19. Jahrhunderts, kurze Zeit später mit Abzweigung nach Zürich, verlor die Stadt an Bedeutung für den Personen- und Güterverkehr, die Funktion als regionales Zentrum ging an die nahegelegenen Orte Bad Ragaz, Sargans und Landquart über.

Die Altstadt mit Resten der Stadtmauer, das Schloss Brandis (mit Bildern des Waltensburger Meisters) sowie das Schloss Salenegg sind im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz als von nationaler Bedeutung aufgeführt.[2] Inmitten des Stadtkerns steht die Amanduskirche. Das Schloss Salenegg oberhalb von Maienfeld ist seit Jahrhunderten im Besitz der Familie Gugelberg von Moos. Weitere Herrensitze im Ortskern gehören bis heute den Bündner Adelsgeschlechtern von Salis und Sprecher von Bernegg.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Blau drei (2:1) gestellte sechszackige goldene Sterne.

Geographie[Bearbeiten]

Ruine Wartenstein, im Hintergrund Maienfeld

Maienfeld liegt acht Kilometer südöstlich von Sargans im unteren Churer Rheintal und wird auch die dritte Stadt am Rhein genannt. Das Gemeindegebiet grenzt im Westen an die Gemeinde Bad Ragaz, Kanton St. Gallen, im Westen und Norden an Gebiete der Gemeinde Fläsch, Kanton Graubünden, im Norden an Gebiete der Gemeinden Balzers, Triesen und Schaan im Fürstentum Liechtenstein, Nenzing im Vorarlberg, im Osten an die Gemeinde Seewis im Prättigau, im Südwesten an die Gemeinden Jenins und Malans, im Süden an Gebiete der Gemeinden Landquart und Zizers.

Der Ort liegt auf der rechten Talseite des Rheins am Fuss des Falknis und besteht aus dem Städtchen, Bovel, Rofels und St. Luzisteig, einem Passübergang ins Fürstentum Liechtenstein mit einer Festung aus dem 18. Jahrhundert, die heute noch als Kaserne der Schweizer Armee genutzt wird. Die alte Walsersiedlung Stürfis wurde bereits 1633 aufgegeben und in eine Alp der Stadt Maienfeld umgewandelt, die Bewohner nach Rofels umgesiedelt. Die Walsersiedlung Guscha dagegen war noch bis 1969 bewohnt, als die zwei letzten ansässigen Familien nach dem Verkauf des Landes an die Armee als Übungsgelände wegzogen. Zwischen Maienfeld und Jenins liegt das Bachbett der Teilerrüfi.

Vom gesamten Gemeindegebiet von 3237 ha sind 1433 ha landwirtschaftliche Nutzflächen. Der grösste Teil davon besteht aus Ackerland und Maiensässen (737 ha), doch dienen 122 ha dem Reb-, Obst- und Gartenbau. 1034 ha des Gemeindeareals sind von Wald und Gehölz bedeckt. Nebst 596 ha unproduktiver Fläche (meist Gebirge) werden 174 ha als Siedlungsfläche genutzt.

Bis zum 23. Oktober 1977 bestand eine sogenannte Kommunanz, in Form des Gemeinschaftsgebietes Maienfeld-Fläsch, das den Gemeinden Fläsch und Maienfeld gemeinsam gehörte.

Siehe auch: Maienfelder Alpen

Bevölkerung[Bearbeiten]

Von den 2432 Bewohnern am Ende des Jahres 2004 waren 2208 (= 91 %) Schweizer Staatsangehörige. Bei der Volkszählung 2000 gaben als Hauptsprache 92 % Deutsch an (häufigste Hauptsprache), 1,5 % Portugiesisch (zweithäufigste) und 1,5 % Rätoromanisch (dritthäufigste).

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1950 2000 2010
Einwohnerzahl 1232 1240 1568 2368 2554

Bildung[Bearbeiten]

Maienfeld ist Standort einer Primarschule (1. bis 6. Schuljahr) für die Gemeinde Maienfeld sowie eines Kreisschulzentrums mit einer Sekundar- und Realschule (7. bis 9. Schuljahr) für die Gemeinden Fläsch, Maienfeld und Jenins (Kreis Maienfeld ohne Gemeinde Malans). In Maienfeld liegt das interkantonale Bildungszentrum Wald Maienfeld, in dem Fachleute für Wald und Landwirtschaft ausgebildet werden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Über den Rebbergen steht der Falknis

Der Weinbau spielt seit alters her eine wichtige Rolle und ist der grösste Wirtschaftszweig. Das Weingut Schloss Salenegg gilt als ältestes noch bestehendes Weingut Europas.[3] Hauptsorte ist der Blauburgunder, der früher unter dem Namen Beerliwein verkauft wurde; heute ist dieser Name nur noch vereinzelt zu finden. An zweiter Stelle folgt der Riesling-Silvaner gefolgt von Weissburgunder (Pinot Blanc), Chardonnay und Grauburgunder (Pinot Gris). In Maienfeld wird eine Rebfläche von 108,9 ha bewirtschaftet (Graubünden total: 418,5 ha). Sie ist damit die grösste Weinbaugemeinde im Kanton.

Die übrige Landwirtschaft besteht aus Ackerbau und Viehwirtschaft. Es gibt einige kleinere Industriebetriebe. Viele Maienfelder pendeln zur Arbeit nach Chur, Landquart oder Bad Ragaz.

Tourismus[Bearbeiten]

Seit der Roman Heidi von Johanna Spyri erschienen ist, gilt die Gemeinde als Heimatort dieser Romanfigur. Der Ortsteil Rofels wird oft auch als Heididörfli bezeichnet. Der Heiditourismus führt Touristen aus aller Welt in die Gemeinde. 500 Höhenmeter über dem Städtchen liegt die «Heidialp» auf dem Ochsenberg. Auf den Falknis können Bergtouren unternommen werden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bündner Herrschaft bei Maienfeld

Maienfeld liegt an der Hauptstrasse 28 von Landquart über die St. Luzisteig nach Balzers sowie an der Autobahn A 13. Auf Gemeindegebiet liegen die Ausfahrt 13 (Maienfeld) und Teile der Ausfahrt 14 (Landquart) sowie der Autobahnraststätte Heidiland. Die Bahnstrecke von Chur nach Sargans und weiter nach St. Gallen oder Zürich bedient den Bahnhof Maienfeld.

Veranstaltungen und Brauchtum[Bearbeiten]

Jährlich im Oktober findet das Internationale Pferderennen Maienfeld Bad Ragaz statt. Ein besonderer Maienfelder Osterbrauch war das Eiertrööla, das jeweils am Ostersonntag auf dem Eierbühel (Eierhügel) zwischen Rofels und Bovel stattfand. Der Brauch ist mittlerweile in Vergessenheit geraten und wird nur noch sehr vereinzelt von Familien im Dorf gepflegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter Maienfelds[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Südostschweiz (Hrsg.): Die Gemeinden des Kantons Graubünden. 2. Auflage, Rüegger, Chur / Zürich 2003, ISBN 3-7253-0741-5 (Beschreibung von 208 Gemeinden des Kantons zum Jubiläum "200 Jahre Graubünden")

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maienfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Inventaire suisse des biens culturels d'importance nationale et régionale (édition de 1995)
  3. Zukunft ist Herkunft auf der Webseite von Schloss Salenegg