Main-Taunus-Zentrum

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Main-Taunus-Zentrum
Main-Taunus-Zentrum
Das Main-Taunus-Zentrum 2004
Basisdaten
Standort: Sulzbach (Taunus), Main-Taunus-Kreis, Hessen
Eröffnung: 1964
Verkaufsfläche: 91.000
Geschäfte: etwa 170
Umsatz: etwa 290 Mio. EUR
Website: www.main-taunus-zentrum.de
Verkehrsanbindung
Omnibus: 253, 803, 804, 810, 814
Schnellstraßen: A66, B8
Sonstige: Königsteiner Straße
Parkplätze: 4.500
Blick in die Hauptpassage (nach Umgestaltung mit Teilüberdachung 2005)

Das Main-Taunus-Zentrum (kurz: MTZ) ist das größte Einkaufszentrum in der hessischen Gemeinde Sulzbach (Taunus) im Main-Taunus-Kreis westlich von Frankfurt am Main. Es hat eine Fläche von rund 91.000 Quadratmetern und gehört zur Deutschen EuroShop aus Hamburg. Die Mieter sind etwa 170 Unternehmen aus den Bereichen vor allem des Einzelhandels und der Systemgastronomie. Das Einkaufszentrum liegt hauptsächlich auf der Gemarkung von Sulzbach (Taunus) und zu einem kleinen Teil auf dem Gebiet der Stadt Frankfurt am Main. Das Main-Taunus-Zentrum nutzt als einziges Gebäude in Sulzbach die Telefonvorwahl von Frankfurt.

Geschichte[Bearbeiten]

Als das Main-Taunus-Zentrum 1964[1] eröffnet wurde, war es in der Bundesrepublik das erste nach dem Vorbild amerikanischer, in sich abgeschlossener Einkaufszentren gebaute Objekt.[2] Zum ersten Mal wurden Geschäfte und Kaufhäuser gezielt auf einer neugeschaffenen Fläche „auf der grünen Wiese“ konzentriert. Bei der Eröffnung war es das größte Einkaufszentrum in Europa. Für Baukosten von 60 Millionen DM (in heutiger Kaufkraft 119 Millionen Euro) waren auf 260.000 Quadratmetern Fläche 73 Geschäfte (darunter die großen Warenhäuser Horten – heute Kaufhof, und Hertie – heute Karstadt) mit 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstanden. Der Betreiber war die Schweizer Intershopgruppe, die das Objekt von einem kanadischen Unternehmer übernahm.[3]

Das Konzept erwies sich schnell als Erfolg. Wurden 1964 noch 85 Millionen DM Umsatz erwirtschaftet, waren es 1975 über 300 Millionen. Dazu trug auch bei, dass das Einzugsgebiet des MTZ über eine deutlich überdurchschnittliche Kaufkraft verfügt. In einer Umfrage gaben 1975 20 Prozent der Besucher des Einkaufszentrums an, mehr als 2.500 DM Nettoeinkommen zu haben. 17 Prozent lagen zwischen 2.000 und 2.500, 20 Prozent zwischen 1.500 und 2.000 und 20 Prozent zwischen 1.000 und 1.500 DM. Lediglich 9 Prozent gaben weniger als 1.000 DM Monatseinkommen an. Dies spiegelte sich auch in der Summe, die je Besuch im MTZ pro Person ausgegeben wurde. 1975 betrug diese 118 DM (1969 waren es noch 73 DM gewesen).[4]

1998 ging der Besitz des Main-Taunus-Zentrums von der Zürcher Intershop Holding auf einen geschlossenen Immobilienfonds einer Investmentgesellschaft der Deutschen Bank über. Die Deutsche EuroShop AG ist seit Ende 2010 dessen Mehrheitseigentümer.[5][6][7]

Erweiterungen[Bearbeiten]

Ausbau des MTZ: Baugruben im August 2010

Das Main-Taunus-Zentrum wurde von 2001 bis 2005 modernisiert und erweitert.[1] Ein seit Ende 2005 beabsichtigter [8] Ausbau des Main-Taunus-Zentrums auf 91.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 170 Geschäfte sowie 4500 Parkplätze wurde im November 2011 abgeschlossen. Parallel zur bereits bestehenden wurden auf dem Gelände eines bisherigen Parkplatzes eine zweite Ladenstraße gebaut und ein Parkhaus errichtet.[5]

Dieses vom Main-Taunus-Kreis geplante Erweiterungsvorhaben wurde Mitte Dezember 2007 von der 8. Kammer des Verwaltungsgerichts Frankfurt zunächst gestoppt. Hintergrund war, dass das Main-Taunus-Zentrum zum (kleineren) Teil auf Frankfurter Stadtgebiet liegt und die Stadt Frankfurt an der Planung des Ausbaus nicht beteiligt wurde. Eine weitere Begründung für den Stopp des Erweiterungsvorhabens war die Unbestimmtheit des Bauvorhabens; dem Gericht war aus dem Bauvorbescheid nicht ersichtlich, welche Warengruppen angesiedelt werden sollen und wie groß die Ladenflächen ausfallen sollen. Rechtlicher Hintergrund war, dass für das Gelände kein Bebauungsplan besteht und sich die Bebauung daher an der Nachbarschaftsbebauung orientieren muss.[9] Nachdem dieses Urteil in der zweiten Instanz keinen Bestand hatte,[8] wurde im November 2009 mit dem Ausbau begonnen. Die Wiedereröffnung erfolgte am 17. November 2011 und zog Kritik der Gewerkschaft Verdi bezüglich der Arbeitszeiten der Mitarbeiter nach sich.[10] Sie soll zu 540 zusätzlichen Arbeitsplätzen führen.[5]

Architektur[Bearbeiten]

Das Main-Taunus-Zentrum wurde in einem „Knochengrundriss“ angelegt, bei dem eine gerade, lange Einkaufsstraße die sogenannten Ankergeschäfte[11] oder Magnetbetriebe verbindet, die dem Einkaufszentrum die meisten Kunden einbringen. Von außen zeigt sich ein geschlossener, industriell wirkender und autarker Komplex mit verputzten oder verkleideten Außenwänden, im Inneren die offene, teilweise überdachte Einkaufsstraße, die natürliches Licht einlässt. Der Komplex verfügt über einen Busbahnhof und offene Parkanlagen. Mit Veranstaltungsangeboten und einem Multiplex-Kino der Kinopolis-Kette sind Aspekte eines Urban Entertainment Center vorhanden.[1] Neben dem Einkaufszentrum liegt ein ehemaliges Autokino, auf dessen Gelände regelmäßig Flohmärkte und japanische Autotreffen (geduldet, nicht offiziell) [12] stattfinden.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Sicht von Süden, direkt neben der Bundesautobahn 66 (2008)

Das Main-Taunus-Zentrum liegt an der A 66 und der B 8. Es lässt sich mit dem Pkw und verschiedenen Buslinien des Rhein-Main-Verkehrsverbundes direkt erreichen. Es besitzt keinen Anschluss an die S-Bahn oder eine andere Schienenbahn.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Main-Taunus-Zentrum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Christian Seemann: Analyse und Planung von Shopping-Centern, S. 64–67. Igel Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86815-038-4. Online: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2.  Jeremy Rifkin: Access- Das Verschwinden des Eigentums: Warum wir weniger besitzen und mehr ausgeben werden, S. 208. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 9783593383743. Online: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. „Das von einem kanadischen Unternehmen geplante und gebaute und von der Intershop Holding AG übernommene Main-Taunus-Zentrum...“; in:  Bruno Tietz: Konsument und Einzelhandel: Strukturwandlungen in der Bundesrepublik Deutschland von 1960 bis 1985, S. 646. University of Michigan; Lorch Verlag, 1973, ISBN 9783871500619.
  4. Reinhard A. Bölts: Main-Taunus-Portraits, 1976, Kapitel „Ziel von 8 Millionen Käufern – Das Main-Taunus-Zentrum“, Seite 87-89
  5. a b c FAZ am 17. November 2011: Neue Ladenstraße für das älteste Einkaufszentrum. Abgerufen am 19. November 2011.
  6. Immobilien-Zeitung am 9. April 1998: Intershop trennt sich von Centern. Deutsche Bank und ECE als Übernahmepartner. Abgerufen am 19. November 2011. (Abstract)
  7. Textilwirtschaft online am 15. Dezember 2010: Deutsche Euroshop sichert sich Mehrheit an Main-Taunus-Zentrum. Abgerufen am 19. November 2011.
  8. a b FAZ am 13. November 2008: Main-Taunus-Zentrum – Ausbau wieder offen. Abgerufen am 19. November 2011.
  9. FAZ am 14. Dezember 2007: Main-Taunus-Zentrum darf vorerst nicht erweitert werden. Abgerufen am 19. November 2011.
  10. Echo-Online: Verdi: „Unmenschliche“ Öffnungszeiten im Main-Taunus-Zentrum
  11. Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen: Arbeitshilfe zum Umgang mit großen innerstädtischen Einkaufscentern, Januar 2011. Abgerufen am 19. November 2011.
  12. Claudia Horkheimer: Zoff um den Flohmarkt. Frankfurter Rundschau, 9. April 2009, abgerufen am 29. März 2014.

50.1186111111118.5269444444444Koordinaten: 50° 7′ 7″ N, 8° 31′ 37″ O