Mairitterling

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Mairitterling
Calocybe gambosa 080420wa cropped.jpg

Mairitterling (Calocybe gambosa)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Raslingsverwandte (Lyophyllaceae)
Gattung: Schönköpfe (Calocybe)
Art: Mairitterling
Wissenschaftlicher Name
Calocybe gambosa
(Fr.) Donk

Der Mai- oder Georgsritterling (Calocybe gambosa), auch Maipilz genannt, ist eine Pilzart aus der Gattung der Schönköpfe. Er gilt als guter Speisepilz, der jedoch mit dem stark giftigen Ziegelroten Risspilz (Inocybe erubescens) oder dem giftigen Riesen-Rötling (Entoloma sinuatum) verwechselt werden kann.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

In bodensauren Fichtenforsten kommt der Mairitterling entlang geschotterter Wege vor.

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Der 3–10, selten bis zu 15 cm breite Hut ist jung halbkugelig geformt, später ausgebreitet und oft unregelmäßig verbogen. Die matte und trockene Oberfläche zeigt meist eine weiße bis cremeweiße, bei einigen Varietäten auch gelbliche oder bräunliche Färbung. Die schmalen und dicht gedrängt stehenden Lamellen sind am Stiel gerade oder ausgebuchtet angewachsen. Das Sporenpulver ist weiß. Der 3–10 cm lange und bis zu 4 cm breite Stiel hat eine feste Konsistenz und ist weiß gefärbt. Markant ist der aufdringliche mehlartige Geruch (wie Salatgurke oder kieniges Holz[2]) des Fleischs.[3][1]

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die elliptischen und glattwandigen[3] Sporen zeigen keine Jod-Farbreaktion. Ihre Maße betragen 4–7 × 2–3,5 Mikrometer. Die Basidien, an denen die Sporen heranreifen, weisen eine siderophile Granulation auf. Zystiden fehlen hingegen völlig. An den Trennwänden der Hyphen sind meist Schnallen vorhanden. Anders als bei den Raslingen mit inkrustierten Pilzfäden ist das Pigment bei den Hyphen des Mairitterlings intrazellulär im Zellsaft gelöst.[2]

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Junge Exemplare des Ziegelroten Risspilzes können durchaus mit dem Mairitterling verwechselt werden.

Der stark giftige Ziegelrote Risspilz (Inocybe erubescens), dessen Fruchtkörper zur gleichen Zeit wachsen, ist der klassische Doppelgänger des Mairitterlings. Markant sind das rötende Fleisch, der radialfaserige Hut und die im Alter schmutzig bräunlichen Lamellen. Außerdem riecht das Fleisch junger Fruchtkörper manchmal angenehm obstartig, ältere Exemplare entwickeln später einen unangenehmen süßlich-spermatischen Geruch.[3]

Der wärmeliebende, giftige Riesen-Rötling (Entoloma sinuatum) riecht im Schnitt zwar auch nach Mehl, bildet aber erst ab August Fruchtkörper aus. Ansonsten können junge Exemplare bei flüchtiger Draufsicht durchaus dem Mairitterling ähnlich sehen. Die Lamellen sind jedoch nicht weiß sondern gelblich gefärbt. Im Alter wechselt die Farbe durch das Sporenpulver zu schmutzig-rosa.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Maipilz wächst gerne in Gruppen oder Hexenringen auf Wiesen.

Der Mairitterling gilt als standorttreu und lebt saprob im Boden. Seine Fruchtkörper wachsen in Nestern oder Trupps, dicht besetzten Bogen und Hexenringen. Je nach Höhenlage fruktifiziert der Pilz von April bis Juli, häufig in zwei Schüben: zuerst von Ende April bis Mitte Mai, danach von Juni bis Anfang Juli. Gelegentlich sollen im August und September noch vereinzelte Nachzügler auftauchen.

Als Habitat bevorzugt der Blätterpilz sonnige, grasige Stellen in Buchen- und Buchen-Tannenwäldern, seltener Hainbuchen-Eichenwäldern sowie Edellaubbaum- und Auwäldern. Ebenso sind Vorkommen in Waldrandgesellschaften wie Prunetalia-Hecken und Hasel-Vorwälder belegt. Darüber hinaus besiedelt der Pilz auch Sekundärhabitate wie Waldwiesen, Grünanlagen sowie Waldweg- und Straßenränder. Selbst vor Halbtrockenrasen beziehungsweise Wacholderheiden, Triften und Ackerrainen und Streuobstwiesen macht der Maipilz nicht halt. Gleiches gilt für sporadisch beziehungsweise mäßig gedüngte, extensiv bewirtschaftete Bergwiesen und Weiden. Dagegen fehlt die Art – von vereinzelten Funden in standortfremden Fichten- und Kiefernaufforstungen abgesehen – in bodensauren Eichen-, Fichten-Tannen- und Fichtenwäldern.

Maipilz-Hexenring im Laubwald in der Nähe eines Schotterweges

Geeignete Böden sind frisch, allenfalls mäßig trocken bis mäßig feucht und vorwiegend alkalisch bis neutral. Wesentlich seltener wählt der Mairitterling mäßig saure bzw. oberflächlich schwach abgesauerte, mäßig nährstoffhaltige und gut bis reichlich mit Basen versorgte sowie unterschiedlich gründige Böden. Dazu zählen hauptsächlich Braunlehm-Rendzinen, Terra fusca, basenreiche sowie sandige bis anlehmige Braunerden über Kalksanden, -schottern und -lehmen, Mergeln, hin und wieder auch basenreichere Plutoniten. Die Vorkommen auf stark sauer verwitternden Bunt- und Keuper-Sandsteinen, stark quarzhaltigen Silikaten und Torf nur begründen auf geschotterte Waldstraßen und -wege. Sporadisch können Fruchtkörper auch nach der Kalkung von Waldböden gefunden werden.[4]

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Mairitterling ist meridional bis boreal in der Holarktis verbreitet. In Nord- und Mittelasien kann die Art in ganz Sibirien, Korea und Japan gefunden werden. Vom nordamerikanischen Subkontinent existiert nur eine einzige Aufsammlung im Südwesten Kanadas. Von Nordafrika wurden Funde aus Marokko berichtet, auch auf den Kanarischen Inseln kann der Pilz gefunden werden. In Südeuropa gibt es Fundmeldungen aus Bulgarien, Italien, Rumänien und Spanien. Auf dem westlichen Subkontinent wurde der Mairitterling in den Benelux-Ländern, Frankreich, Großbritannien nordwärts bis zu den Shetland-Inseln und sehr selten in Irland nachgewiesen. In Mitteleuropa ist die Art aus Deutschland, Lichtenstein, Österreich, Polen, der Schweiz, Slowakei, Tschechien und Ungarn bekannt. Im Osten Europas ist der Pilz in Russland wie zum Beispiel Baschkortostan, und im Nordosten in Estland heimisch. Das Vorkommen in Nordeuropa reicht vom südlichen bis mittleren Fennoskandinavien, der Fund aus Island ist jedoch ungesichert. In Deutschland ist die Art verstreut von der dänischen Grenze, Helgoland und den Küstengebieten der Nord- und Ostsee bei regionalen Verdichtungs- und Auflockerungsgebieten bis zum Hochrhein und den Nordalpen verbreitet.[4]

Bedeutung[Bearbeiten]

Bereits früh im Jahr bereichert der ergiebige Maipilz den Speiseplan.

Der Maipilz ist ein ergiebiger Speisepilz, der bereits früh im Jahr gesammelt werden kann und blutzuckersenkend wirkt. Er soll jedoch nur kurz geschmort werden, weil die Fruchtkörper sonst zäh werden. Der Speisewert wird indes kontrovers beurteilt. Der aufdringliche Geruch und Geschmack, die sich auch bei der Zubereitung nicht ganz verlieren[3], können bei entsprechender Veranlagung eine Idiosynkrasie auslösen.[2]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jean-Marie Polese: Pocket Guide – Pilze. Tandem Verlag, Potsdam. 2005. Seite 153. ISBN 3-833-11314-6.
  2. a b c Erhard Ludwig: Pilzkompendium, Band 1: Beschreibungen. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. Fungicon Verlag, Berlin. 2001. ISBN 3-930-16743-3.
  3. a b c d Ewald Gerhardt: BLV Handbuch Pilze. BLV Verlag, München. 2002. ISBN 3-405-14737-9.
  4. a b German Josef Krieglsteiner: Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 3. Ständerpilze: Blätterpilze I (Hellblättler). Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart. 2001. Seiten 141–142. ISBN 3-800-13536-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Calocybe gambosa – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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