Maison de George Sand

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Maison de George Sand
Teil des Gartens
Dorfplatz mit kleiner Kirche vor dem Anwesen

Das Maison de George Sand ist ein Anwesen in Nohant-Vic, Frankreich. Es wurde im 18. Jahrhundert für den Gouverneur von Vierzon auf den Überresten eines mittelalterlichen Herrenhauses erbaut. 1793 erwarb die Großmutter der Schriftstellerin, Madame Dupin de Francueil, das Anwesen. George Sand verbrachte hier ihre Kindheit und Jugend und schrieb in Nohant ein Großteil ihres Werkes. 1953 vermachte ihre Enkelin dem Staat den Landsitz, der heute der nationalen Denkmalsverwaltung untersteht.

Ländliches Schlossleben[Bearbeiten]

Das in dem regional verbreiteten Stil errichtete, am Rande des Dorfplatzes gelegene Gebäude weist nach den Worten der Schriftstellerin „keinen größeren Pomp auf als jedes andere dörfliche Wohnhaus“. Die Einrichtung des Hauses zielte darauf ab, eine Atmosphäre des gemeinschaftlichen und freien Zusammenlebens zu schaffen. George Sands Freunde, die sich auf die Reise nach Nohant begaben, sollten angeregt und der Austausch untereinander gefördert werden. Zu den Schriftstellern und Künstlern, die sie um sich sammelte und die zeitweise in Nohant wohnten, gehörten Balzac, Delacroix, Liszt, Chopin und Flaubert.

Für Delacroix hatte George Sand im Gesindetrakt auf dem Hängeboden eigens ein Atelier einrichten lassen. Der Maler schreibt:

„Das Haus ist sehr angenehm und die Gastgeber überbieten sich mir gegenüber in Liebenswürdigkeiten. Wenn man nicht gemeinsam zu Mittag oder zu Abend isst, Billard spielt oder spazierengeht, bleibt man in seinem Zimmer, liest oder macht sich’s auf dem Kanapee bequem. Ab und zu trägt der Wind durch das zum Garten hin offene Fenster Klänge vom Spiel Chopins herein, dazu den Gesang der Nachtigallen und den Duft der Rosen.“

Interieur[Bearbeiten]

Die heutige Einrichtung des Hauses entspricht der zu George Sands Zeiten. Die Spuren der familiären und gesellschaftlichen Aktivitäten sind nicht zu übersehen. Dazu gehört das von George Sands Sohn, Maurice, in Pastelltönen ausgestaltet Vestibül. Ebenso der mit dem von George Sand bevorzugtem Porzellan der Manufaktur Creil-Montereau eingedeckte Tisch im Esszimmer, beleuchtet von einem prunkvollen Lüster aus venezianischem Glas.

Im Salon, an dessen Wänden Porträts der Vorfahren und Nachkommen George Sands hängen, wurde abends gespielt oder es wurden Marionettenstücke aufgeführt. Die Puppenbühne wurde in der ersten Zeit mit einfachen Mitteln improvisiert. Später richtete George Sand im Erdgeschoss einen Theaterraum ein und ließ dort ihre Theaterstücke probeweise aufführen, ehe sie in Paris gespielt wurden. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Marionettentheater, häufig traten jedoch auch Schauspieler und auch die Gäste selbst auf.

Zu sehen ist auch das Schreibkabinett, in dem George Sand ihre ersten Romane schrieb, sowie das sogenannte blaue Gemach, eingerichtet im Louis-seize-Stil, in dem sie am 8. Juni 1876 verschied.

Das größte Zimmer im Haus ist das 1998 restaurierte, im Art-déco-Stil eingerichtete Gemach Aurora Lauth-Sands. Hier lebte die Enkelin George Sands bis zu ihrem Tode im Jahre 1961.

Garten[Bearbeiten]

Auf dem 6 Hektar großen Gelände des Anwesens befinden sich ein anmutiger Französischer Garten mit blumengefülltem Buchsparterre, ein Rosengarten, ein Waldstück, ein Obstgarten sowie einen Parkteil mit Teich. Zwei große Zedern erinnern an George Sands Kinder, jeweils eine bei der Geburt von Maurice und Solange gepflanzt.

Heutige Nutzung des Anwesens[Bearbeiten]

Der Schafstall wurde zum Konzertsaal umgebaut. Jedes Jahr finden hier das „Festival der Romantik“ und die internationalen Chopin-Tage statt. Außerdem gibt es ein jährliches Freiluft-Filmfestival, das filmischen Adaptationen großer Romane gewidmet ist. Das Empfangsgebäude im Ehrenhof beherbergt im Dachgeschoss den „literarischen Speicher“, ein Platz für Lesungen, Schreibwerkstätten und Treffen mit Autoren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Marie Pérouse Montclos (Herausgeber): Le Guide du Patrimoine - Centre, Val de Loire. Hachette Livre, 1995, S. 473.
  • Camille Bourniquel: Frédéric Chopin. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Hamburg 1959, S. 93, ISBN 3-499-50025-6.
  • Enzo Orlandi (Herausgeber): Chopin und seine Zeit. Emil Vollmer Verlag, Wiesbaden 1972.

46.6250833333331.9753888888889Koordinaten: 46° 37′ 30″ N, 1° 58′ 31″ O

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Domaine de Nohant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien