Makgadikgadisee

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Teil der Region des ehemaligen Makgadikgadisee auf einer Aufnahme eines SPOT-Satelliten

Der Makgadikgadisee ist ein ehemaliger See (Paläosee), der im heutigen Botswana nördlich der Kalahari existierte und im Holozän austrocknete. An seiner Stelle befinden sich heute die Makgadikgadi-Salzpfannen und das Okavangodelta. Der See hatte eine mittlere Ausdehnung von etwa 60.000 km², war also nur wenig kleiner als die Fläche des größten heutigen Sees Afrikas, des Victoriasees. Der Makgadikgadisee entstand im Pleistozän vor 315.000 bis 460.000 Jahren, als tektonische Vorgänge den Lauf des Cuando, des oberen Sambesi und des Kafue vom unteren und mittleren Sambesi abschnitten, und in ein abflussloses Becken lenkten. Klimaveränderungen bewirkten starke Änderungen von Wasserstand und Ausdehnung des Makgadikgadisee. Auf dem Höhepunkt der Letzten Kaltzeit vor 18.000 Jahren als auch die Seespiegel von Tanganjika- und Malawisee 500 bis 600 Meter tiefer lagen, war er möglicherweise ausgetrocknet. Zur Zeit seiner größten holozänen Ausdehnung war er 50 Meter tief. Die heute von Seesedimenten aus dieser Zeit bedeckten Gebiete umfassen 120.000 km². Im Verlauf des Holozän bildete sich im Nordosten des Sees ein Abfluss in Richtung mittlerer Sambesi und der See begann auszulaufen. Etwa um 2000 vor unserer Zeitrechnung blieben nur noch die Makgadikgadi-Salzpfannen, der Ngamisee und das Okavangodelta als Relikte des Sees übrig.

Trotz seiner relativ kurzen Existenz war der Makgadikgadisee ein wichtiges Zentrum einer Adaptiven Radiation haplochrominer Buntbarsche. Eine Untergruppe dieser Cichliden, die informell als „Serranochromini“ bezeichnet wird, kommt mit 43 % ihrer Arten im Okawango, mittleren und oberen Sambesi vor. Weitere 28 % leben im oberen Kongo, 20 % im oberen Kasai, während im unteren Kongo keine Serranochromini vorkommen. Ähnliche Verteilungen zeigen sich bei Karpfenfischen der Gattungen Barbus und Labeo, bei afrikanischen Salmlern (Alestidae) und Welsen der Gattung Chiloglanis. Die Verteilung der Arten lässt eine Artentstehung im Makgadikgadisee vermuten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joyce, D.A., Lunt, D.H., Bills, R., Turner, G.F., Katongo, C., Duftner, N., Sturmbauer, C. & O. Seehausen (2005): An extant cichlid fish radiation emerged in an extinct Pleistocene lake. Nature. 2005 May, 435: 90-95.

Weblinks[Bearbeiten]