Malcolm Fraser

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Malcolm Fraser, 1982

John Malcolm Fraser, CH (* 21. Mai 1930 in Melbourne, Victoria, Australien) ist ein australischer Politiker der Liberal Party of Australia und war vom 12. November 1975 bis zum 11. März 1983 australischer Premierminister.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Malcom Fraser wurde im wohlhabenden Melbourner Vorort Toorak als das jüngste von zwei Kindern von Una Woolf und dem Juristen John Neville Fraser geboren.

Sein in Kanada als Sohn eines schottischen Bauern und Sägemüllers geborener Großvater Sir Simon Fraser (1832 - 1919), der vom Goldrausch in Bendigo nach Australien angezogen wurde, kam schließlich vor allem als Zulieferer beim Eisenbahnbau zu Wohlstand und erwarb vornehmlich im Westen Victorias beachtlichen Landbesitz wo er Schafe für deren Wolle weidete. Später wurde er Mitglied des Parlaments von Victoria und von 1901 bis 1913 auch des ersten australischen Senates wo er für die Protektionistische Partei, die in jenen Jahren über die Anti-Sozialisten in die Commonwealth Liberalen mutierte, saß. 1918 wurde er in den Ritterstand erhoben.

Der junge Malcolm wuchs auf den Schaffarmen der Familie bei Deniliquin im Riverina-Distrikt in New South Wales, das der Vater ererbte, und auch auf "Nareen" im Südwesten Victorias auf. Seine Schulausbildung erhielt er in der Glamorgan-Schule von Toorak und der Melbourne Grammar School. Auf dem Magdalen College in Oxford, England graduierte er 1952 in Philosophie, Politik und Wirtschaft.

1956 heiratete er Tamara "Tamie" Beggs, die Tochter eines Viehzüchters, der er vier Kinder schenkte.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Der Sitz von Wannon (2007)

1954 kandidierte Fraser erstmals für den ländlichen Sitz Wannon im Westen Victorias. Fraser musste sich aber mit nur 17 Stimmen geschlagen geben. Bereits im Jahr darauf konnte er sich aber mit einer Mehrheit von über 5000 Stimmen durchsetzen und wurde mit 25 Jahren jüngster Abgeordneter. Er behielt seinen Sitz bis zu seinem Rückzug aus dem Parlament 1983.

1966 wurde Fraser Armeeminister unter Premierminister Harold Holt und war maßgeblich an der Einführung der Konskription, der zwangsweisen Rekrutierung von Soldaten für das australische Kontingent im Vietnamkrieg, beteiligt.

Nachdem Holt 1968 im Meer ertrunken oder von Haifischen aufgefressen worden war, zählte Fraser zu den Hauptunterstützern der Ambitionen von Bildungs- und Wissenschaftsminister Senator John Gorton, Holts Nachfolger zu werden. Nachdem dieser Premierminister geworden war, übernahm er zunächst bis 1969 dessen Ministeramt. 1969 wurde er Verteidigungsminister bis 1971, als er vom Amt zurücktrat. Er beklagte sich dabei über die Einmischung in seine Amtsführung durch den Premierminister. Im Parlament erklärte Fraser, Gorton sei ungeeignet für das Amt des Premierministers.

Dies war einer der Höhepunkte der Krise, in der sich die Regierungskoalition damals befand. Gorton wurde schließlich von William „Billy“ McMahon abgelöst, unter dem Fraser wieder das Bildungs- und Wissenschaftsportfolio übernahm. Die Wahlen im Dezember 1972 sahen schließlich das Ende der über 23 Jahre regierenden und zuletzt durch Vietnamkrieg, Inflation und inneren Zerwürfnissen belasteten Koalition, als die reformeifrige Australian Labor Party unter deren charismatischem Führer Gough Whitlam überzeugend ins Amt gewählt wurde.

Als 1974 auch der neue Anführer der Liberalen, Billy Snedden, bei den Bundeswahlen gegen Labor verlor, bewarb sich Fraser im Jahr darauf erfolgreich um dessen Nachfolge als Parteiführer. Zuvor war er Sprecher der Opposition zunächst für Primärindustrie und danach für Arbeit.

Noch im selben Jahr entließ Generalgouverneur John Kerr während der Australischen Verfassungskrise von 1975 Gough Whitlam und dessen Regierung unter umstrittenen Umständen und ernannte Fraser interimsmäßig zum Premierminister.

In der darauf folgenden Wahl im Dezember 1975 wurde er in diesem Amt mit überwältigender Mehrheit bestätigt und die von ihm angeführte Koalition mit Einbindung der National Country Party (heute National Party of Australia) gewann auch die Mehrheit im Senat. Bereits bei den Wahlen 1980 ging diese aber wieder verlustig und auch die Mehrheit im Unterhaus schrumpfte. Bis zu den Wahlen im Februar 1983 erfolgte ein völliger Stimmungsumschwung - eine Rezession 1982 und innerparteiliche Streitigkeiten die unter anderem zum Rücktritt von Industrieminister Andrew Peacock führten, der auch einen Sturz Frasers betrieb, trugen dazu bei. Die Labour Party unter Führung des populären ehemaligen Gewerkschaftsführers Robert J. „Bob“ Hawke übernahm wieder die Regierungsgeschäfte.

In seiner über sieben Jahre andauernden Funktion als Premierminister setzte Fraser viele Reformen im Bereich der Menschenrechte um und engagierte sich in internationalen Bewegungen zur Unterstützung der schwarzafrikanischen Bewegungen, beispielsweise in Südafrika. Sein Eintreten für Multikulturalismus fand unter anderem in der Begründung des vielsprachigen Rundfunk- und Fernsehnetzwerkes Special Broadcasting Service (SBS) Ausdruck. Er setzte die traditionelle konservative Wirtschaftspolitik fort, entgegen dem weltweiten Trend zur stärkeren Deregulierung und Liberalisierung, wie in den USA unter Ronald Reagan oder im britischen Thatcherismus.

Spätere Jahre[Bearbeiten]

Malcolm Fraser nebst Gemahlin 2008 im Bundesparlament anlässlich der Entschuldigungsrede von Premierminister Kevin Rudd zum Thema Gestohlene Generationen

Nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament zog sich Malcolm Fraser auf seinen Besitz Nareen zurück, engagierte sich aber weiterhin in zahlreichen Fragen, wie Apartheid in Südafrika. 1985 wurde er Mitglied der „Eminent Persons Group“ des Commonwealth, die für einen Dialog der Konfliktparteien zur Beendigung der Rassentrennung eintrat.

Von 1987 bis 2002 war er Vorsitzender der australischen Untergliederung der internationalen Hilfsorganisation CARE. Für die konservativ orientierte landesweite Tageszeitung The Australian schrieb er über einige Jahre hinweg Beiträge.

Er engagierte sich auch für die Abschaffung der Monarchie in Australien und trat zu diesem Behufe gemeinsam mit seinem Nachfolger Bob Hawke und seiner vormaligen Nemesis Gough Whitlam in öffentlichen Diskursen und einem Fernsehwerbespot des Australian Republican Movement auf.

Einzug in die politische Folklore Australiens fand die Memphis-Trousers-Affäre. Im Oktober 1986 war Malcolm Fraser in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Commonwealth Eminent Persons Group in Memphis, Tennessee, USA. Dort wurde er zu vorgerückter Stunde in einem verwirrten Zustand, nur mit einem Handtuch bekleidet, seiner Hosen verlustig, im Foyer eines Hotels mit höchst einschlägiger Reputation angetroffen. Die genauen Hintergründe des Vorfalles wurden nie aufgeklärt. Da Malcolm Fraser selbst sich nie dazu äußerte, führte dies zu allerlei, meist unzweideutigen Spekulationen. In späteren Jahren meinte seine Frau einmal zum Thema, dass ihr Mann da wohl einem Streich seiner Kollegen aufgesessen sei und sie keinen Anlass für irgendwelche anderweitigen Befürchtungen habe. Noch 2005 bezog sich der Titel einer humoristischen Serie des ABC-Fernsehens, The Memphis Trousers Half Hour, auf diese Episode.

2000 wurde er mit der Australischen Menschenrechtsmedaille (Australian Human Rights Medal) ausgezeichnet. Im März 2010 veröffentlichte er das Buch Malcolm Fraser: The Political Memoirs, ein als Memoiren cum Biographie angesehenes Buch, bei dem Margaret Simons als Co-Autor wirkte.

Im Mai 2010 wurde bekannt, dass Malcolm Fraser bereits im Dezember des Vorjahres, kurz nach der Ablösung von Malcolm Turnbull als Oppositionsführer der Liberalen durch Tony Abbott, aus der Liberal Party ausgetreten war. Als Gründe wurden unter anderem ein Rechtsruck der Liberalen und rassistische Untertöne in deren Einwanderungspolitik angegeben. Insbesondere in humanitären und Menschenrechtsfragen äußerte Fraser in den letzten Jahren von der Parteilinie stark divergierende Meinungen. Zuletzt kritisierte er auch die laxe Haltung der Liberalen unter deren neuen Führer im Zusammenhang mit der Verwendung von gefälschten australischen Reisepässen durch Israel bei einem Mord an einem Hamas-Vertreter in Dubai.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malcolm Fraser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sydney Morning Herald, 26. Mai 2010: "Baillieu tells of sadness after Fraser quits Liberal Party"