Malcolm Lowry

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Clarence Malcolm Lowry (* 28. Juli 1909 in Birkenhead; † 27. Juni 1957 (Suizid) in Ripe, East Sussex)[1] war ein britischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Malcolm Lowry war der vierte Sohn des Baumwollhändlers Arthur Osborn Lowry (1870–1945) und seiner Ehefrau Evelyn Lowry, geb. Boden (1873–1950). Wegen einer chronischen Augenentzündung musste das Kind bis zum vierzehnten Lebensjahr isoliert leben; es durfte weder spielen, noch lesen und schreiben. Erst von 1923 an besuchte Lowry in Cambridge die Leys School. Während der Schulzeit wurde Lowry Jugendmeister im Golfspiel und von seinem Bruder Stuart Lowry in die Werke der Autoren Honoré de Balzac, Eugene O’Neill und James Joyce eingeführt.[2] Von Mai bis Oktober 1927 heuerte Lowry als Kammersteward auf der S.S. Pyrrhus an, die in den Fernen Osten fuhr. 1928 hatte er acht Wochen lang Unterricht an der Weber´s School of Modern German in Bonn, Koblenzer Straße 100 (umbenannt in Adenauerallee), wo Karlheinz Schmidthüs einer seiner Lehrer war.[3] Im Sommer 1929 war Lowry im amerikanischen Cambridge ein Schüler des zwanzig Jahre älteren Schriftstellers Conrad Aiken. Gemeinsam arbeiteten sie an Lowrys Manuskript zu Ultramarine. Aus dieser Begegnung entwickelte sich für Aiken eine väterliche Rolle, über die er schreibt: Ich wurde sein Vater.[4] Im Oktober 1929 begann Lowry ein Studium am St Catharine’s College im englischen Cambridge. Von Juli bis September 1930 unternahm er eine Schiffsreise nach Norwegen, wo er dem Schriftsteller Nordahl Grieg begegnete. Im Mai 1932 machte Lowry sein Abschlussexamen.[1]

Nach dem Studium hielt sich Malcolm Lowry in Frankreich und Spanien auf. Im Sommer 1933 lernte er in Granada die Spanierin Jan Gabrial kennen. Am 6. Januar 1934 heirateten Malcolm Lowry und Jan Gabrial in Paris. Wenige Wochen später reiste seine Ehefrau allein in USA. Erst im Herbst 1934 trifft sich das Ehepaar wieder in New York. Im Juni 1935 hielt sich Lowry für zehn Tage in der Psychiatrischen Abteilung des Bellevue Hospital Center auf. Im September 1936 ging das Ehepaar zunächst nach Los Angeles, im Oktober bis Dezember 1936 per Schiff von San Diego nach Acapulco und dann nach Cuernavaca (Mexiko). Hier schrieb Malcolm Lowry bis in das Jahr 1937 hinein an der ersten Fassung seines Romans Unter dem Vulkan. Im Dezember trennte sich das Ehepaar endgültig; die Ehe wurde am 1. November 1940 geschieden.[1]

Satellitenfoto von Vancouver mit dem Burrard Inlet am oberen Bildrand

Im Juli 1938 verließ Malcom Lowry Mexiko und reiste über Nogales wieder nach Los Angeles. In dieser Stadt begann er mit der zweiten Fassung von Unter dem Vulkan. Am 7. Juni 1939 lernte er Margerie Bonner kennen. Einen Monat später fuhr Lowry nach Vancouver, im Südwesten der Provinz British Columbia an der Westküste Kanadas gelegen. Margerie Bonner folgte ihm im August 1939. Lowry arbeitete an der dritten Fassung des Romans Unter dem Vulkan. Im August 1940 zog das Paar in eine Squatter-Hütte in Dollarton am Fjord Burrard Inlet. Am 2. Dezember 1940 heirateten Macolm Lowry und Margerie Bonner. Der Schriftsteller schickte die dritte Romanfassung an seinen Agenten Harold Matson. Trotzdem begann Lowry 1941 eine vierte Fassung, die er am Heiligabend 1944 beendete. Am 7. Juni 1944 brannte die Hütte nieder, die im Frühjahr 1945 wieder aufgebaut wurde. Zwei Wochen nach dem Brand fuhr das Paar nach Oakville (Ontario) und nach Niagara-on-the-Lake. In den Jahren von Ende 1945 bis Ende 1947 unternahmen sie viele Reisen auf dem amerikanischen Kontinent. Im Winter 1947 reiste das Ehepaar gemeinsam nach Europa, wo es bis Januar 1949 blieb. Von 1949 bis Mitte 1955 lebten die Lowrys wieder in Kanada und den USA. Im Juni 1955 kehrten sie nach England zurück. Wenige Tage nach einer Reise durch den Lake District starb Malcolm Lowry an einer Überdosis Schlaftabletten.[1]

Werke[Bearbeiten]

Das Hauptwerk von Malcolm Lowry ist sein Roman Under the Volcano. Die Themen, die in Lowrys Romanen zum Ausdruck kommen, sind die verzweifelte Suche nach Identität, die Verlockung der Ferne, insbesondere das Seemannsleben, sein Interesse für die Kabbala, von deren Symbolik die Bücher durchzogen sind, und der Alkohol als eine Passion seines Lebens. Für das deutschsprachige Publikum wurde der Autor durch Wolfgang Rohner-Radegast während seiner Tätigkeit als Lektor im Ernst Klett Verlag propagiert.

Bibliografie[Bearbeiten]

  • Ultramarine. Cape, London 1933 u. revidierte Fassung bei Lippincott, Philadelphia 1962
    • Deutsche Ausgabe: Ultramarin. Vorwort von Magerie Lowry. Übersetzt aus dem Englischen von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1982, ISBN 3-499-25167-1
  • Under the Volcano. Reynal and Hitchcook, New York 1947
    • Erste deutsche Ausgabe: Unter dem Vulkan. Übersetzt von Clemens ten Holder. Klett, Stuttgart 1951
    • Zweite deutsche Ausgabe: Unter dem Vulkan. Vorwort des Autors von 1948. Übersetzt aus dem Englischen von Susanna Rademacher u. durchgesehen von Karin Graf. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, ISBN 3-498-03828-1 u. 1994 ISBN 3-499-13510-8
  • Selected Poems. City Light Books, San Francisco 1961
    • Deutsche Ausgabe: Fünfunddreißig Mezcals in Cuautla. Übersetzt aus dem Englischen von Joachim Sartorius. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1983
  • Lunar Caustic. The Paris Review VIII/29, Paris 1963
  • Dark as the Grave Wherein my Friend is Laid. New American Library, New York 1968
    • Deutsche Ausgabe: Dunkel wie die Gruft, in der mein Freund begraben liegt. Übersetzt aus dem Englischen von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, ISBN 3-499-25178-7
  • October Ferry to Gabriola. World, New York 1970
    • Deutsche Ausgabe: Oktoberfähre nach Gabriola. Einleitung von Wolf Wondratschek. Übersetzt aus dem Englischen von Susanna Rademacher. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 3-499-25157-4.
Adaption von Under the Volcano

Literatur[Bearbeiten]

  • Frederick Asals: The making of Malcolm Lowry "Under the volcano". University of Georgia Press, Athens, Ga. 1997, ISBN 0-8203-1826-4
  • Gordon Bowker: Pursued by furies. A life of Malcolm Lowry. St. Martin'S Press, New York 1997, ISBN 0-312-16356-8
  • Douglas Day: Lowry. A biography. OUP, New York 1984, ISBN 0-19-503523-2
  • Jan Gabrial: Inside the volcano. My life with Malcolm Lowry. St. Martin's Press, New York 2000, ISBN 0-312-23277-2
  • Andreas Höfele: Malcolm Lowry. Aber der Name dieses Landes ist Hölle. Piper, München 1988, ISBN 3-492-10893-8
  • Heribert Hoven: Malcolm Lowry. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1988, ISBN 3-499-50414-6
  • Joachim Sartorius (Hrsg.): Spinette der Finsternis. Über Malcolm Lowry. Rowohlt, Reinbek 1984, ISBN 3-499-25177-9
  • Norbert Wehr (Hrsg.): Malcolm Lowry/Clemens ten Holder. Briefwechsel. Mit einem Essay von Wolfgang Rohner-Radegast. Sonderdruck Nr. 1 aus Schreibheft Nr. 23/1984, Rigodon-Verlag, Essen 1985
  • J. Howard Woolmer: Malcom Lowry. A bibliography. Brotherson, Revere, Pa. 1983, ISBN 0-913506-12-5
  • Alexander Kupfer: "Something New about Hell Fire" Rausch und Erkenntnis im Werk M. Lowrys. In: Alexander Kupfer: Die künstlichen Paradiese. Rausch und Realität seit der Romantik. Ein Handbuch. Metzler, Stuttgart 2006 (Dissertation Universität 1994), S. 593-625 u. passim, ISBN 3-476-02178-5 (zuerst 1996: ISBN 3-476-01449-5)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Chronik. In: Joachim Sartorius (Hrsg.): Spinette der Finsternis. Über Malcolm Lowry. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, S. 277-279.
  2. Wolfgang Koeppen: Malcolm Lowry. Ein Schriftstellerporträt. In: Joachim Sartorius (Hrsg.): Spinette der Finsternis. Über Malcolm Lowry. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, S. 192-197.
  3. Norbert Wehr (Hrsg.): Malcolm Lowry/Clemens ten Holder. Briefwechsel. Sonderdruck Nr. 1 aus Schreibheft Nr. 23/1984, Rigodon, Essen 1985, S. 31 u. 36.
  4. Conrad Aiken: Malcolm Lowry: Eine Anmerkung. In: Joachim Sartorius (Hrsg.): Spinette der Finsternis. Über Malcolm Lowry. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, S. 13-14.