Malia

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Malia (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ruinen der Palastanlage, 1994
Kreta, minoische Kultur

Malia (griechisch Μάλια, auch Mallia) ist eine Palastanlage aus minoischer Zeit auf Kreta an der Nordküste, etwa 30 km östlich von Iraklio. Der Palast von Malia ist neben Knossos und Phaistos die größte Palastanlage auf Kreta. Der antike Name des Palastes ist unbekannt. Er befindet sich etwa drei Kilometer östlich der heutigen Stadt Malia nahe dem Meer in der Küstenebene. Das Palastgebiet hat einen Durchmesser von ca. 600 m. Die Ausdehnung der Stadt insgesamt wird auf etwa 80 ha geschätzt. Kein Bach ist in der Nähe. Auch Malia besaß wie Knossos zwei Häfen. Vom Westhafen kann man noch einen in den Felsen geschlagenen Zufahrtskanal erkennen.

Archäologische Stätte[Bearbeiten]

Der erste Palast Malias dürfte etwa 1900 v. Chr. errichtet worden sein. An der Nordwestseite der Gesamtanlage befinden sich Reste des ersten Palastes. Anzeichen für eine noch ältere Bebauung wurden gefunden. Malia wurde zwischen 1750 und 1700 v. Chr. durch ein schweres Erdbeben zerstört. Die Palastanlage wurde schon wenige Jahrzehnte später an derselben Stelle noch größer wieder aufgebaut. Die meisten, der heute sichtbaren Ruinen stammen aus dieser zweiten Periode.

Modell der Anlage
Stadtviertel „Mu“, Zonen A und B

Malia ist nicht befestigt. Die Ausstattung des Palastes ist weniger aufwändig als in Knossos. Anders als in Knossos gibt es in Malia, wie in Phaistos, keine figürlichen Wandbilder oder Fresken. Orange-ocker-braune Farbtöne der meist noch kniehohen Mauern dominieren.

Der Palast ist, wie die anderen minoischen Palastanlagen auch, um einen großen Zentralhof von 48 m x 23 m errichtet, zu dem neben einem Prozessionsweg im Westen vorbei an acht gigantischen Getreidesilos verwinkelte, vergleichsweise schmale Korridore aus 4 Richtungen, aufwändig gepflasterte Treppen und Räume führen. In der Mitte des Hofes liegt ein Brandopferaltar: Vier Ziegelsteinpfeiler umgeben eine Grube, in der Asche gefunden wurde, die tierische Brandopfer belegt. Die Pfeiler dürften einst Roste gehalten haben, auf die das Brandopfer gelegt wurde. An der Westseite befinden sich eine Vielzahl kleiner Räume sowie zwei monumentale Treppenanlagen, die belegen, dass die Palastanlage mindestens zwei Stockwerke hatte. Hier befanden sich auch ausgedehnte Lagerräume und Schreine. Die Räumen im Nordwesten werden als königliche Gemächer gedeutet. Hier befand sich auch ein Bad. In diesem nordwestlichen Abschnitt befindet sich ein weiterer Platz, der einem griechisch-römischen Marktplatz ähnelt, weshalb er von den Archäologen Agora genannt wird. Aus der mykenischen Nachpalastzeit rührt ein schräg zur übrigen Bebauung stehende Gebäuderest im Norden. Auch an der Südseite befindet sich eine Treppe.

An der Südwestseite befindet sich ein ungewöhnlich bearbeiteter Stein von etwa 90 cm Durchmesser, der Kernos, einem Mühlstein nicht unähnlich, mit einem Zapfenloch im Zentrum und 34 kranzartig verteilten, napfartigen Vertiefungen sowie einer seitlich herausragenden Vertiefung. Es wird angenommen, dass es ein Opferstein war. An der Ostseite des Zentralhofs befinden sich Lagerräume mit irdenen pithoi von bis zu 2 m Höhe. Sie wurden vermutlich zur Aufbewahrung von Olivenöl und anderen Flüssigkeiten genutzt. Der Boden dieser Räume weist ein komplexes Drainagesystem auf, um verschüttete Flüssigkeiten abzuleiten.

Nekropole[Bearbeiten]

Bienen von Malia

500 m nördlich der Palastanlage in Richtung Küste befindet sich die minoische Nekropole Chrysolakkos (griechisch Goldgrube) aus der älteren Palastzeit. Das Bauwerk hat eine Ausdehnung von etwa 30 m x 38 m. Hier befinden sich Königsgräber aus dem 19. und 18. Jahrhundert v. Chr., die ohne Türen nur von oben durch eine Steinplatte verschlossen wurden. Obwohl die Gräber bei ihrer Freilegung bereits geplündert waren, wurden in den Grabkammern reiche Funde gemacht, darunter die Bienen von Malia, die im Archäologischen Museum in Iraklio ausgestellt werden. Andere Funde werden in Agios Nikolaos gezeigt.

Zerstörungen[Bearbeiten]

Nach dem Erdbeben zwischen 1750 und 1700 v. Chr. wurde Malia etwa 1650 v. Chr. wieder aufgebaut. Malia wurde um 1450 v. Chr. erneut zerstört. Ob es der Flutwelle des Vulkanausbruchs von Thera/Santorin oder einem Erdbeben zum Opfer gefallen ist, lässt sich nicht eindeutig klären. Ein Erdbeben gilt mittlerweile jedoch als wahrscheinlich, da der Palast von Phaistos zur selben Zeit zerstört wurde und eine Flutwelle die Südseite der Insel nicht hätte erreichen können. Eine Flutwelle würde außerdem nicht die Brandspuren an den Mauern des Palastes von Malia erklären. Nach dieser Zerstörung wurde Malia nur noch kurze Zeit genutzt.

Entdeckungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Palastanlage von Malia wurde 1915 durch J. Hadzidakis entdeckt, einem griechischen Archäologen. Ab 1921 begannen französische Gelehrte der école Archéologique française d’Athènes mit den umfangreichen Ausgrabungsarbeiten. Die Ausgrabungen sind seitdem – ausgenommen während des Zweiten Weltkriegs – noch immer im Gange. Anders als Arthur Evans verzichteten die Franzosen auf Rekonstruktionen. Die meisten der jüngeren Ausgrabungen sind durch riesige, transparente, auf Stahlstützen stehende Dächer überwölbt, die sie vor Regen schützt.

Besichtigungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

Die Ausgrabungsstätten können gegen Gebühr besichtigt werden. In der Tourismussaison finden regelmäßige Führungen in englischer, französischer und deutscher Sprache statt. In einem Nebengebäude werden Fundstücke ausgestellt. An einigen Stellen kann der Besucher die Ruinen betreten, an anderen erlauben Holzwege nur eine Annäherung. Es gibt Räume, die als Metallwerkstätten, Keramikwerkstätten und Versammlungsräume identifiziert wurden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Henri van Effenterre: Le palais de Mallia et la cité minoenne. Etude de synthese. 2 Bände. Edizioni dell'Ateneo, Rom 1980, (Incunabula Graeca 76, ISSN 0073-5752).
  • Jean-Claude Poursat: Guide de Malia au temps des premiers palais. Le quartier Mu. École Française d'Athènes u.a., Athen 1992, ISBN 2-86958-054-1, (Sites et monuments 8).
  • J. Wilson Myers u.a. (Hrsg.): The Areial Atlas of Ancient Crete. Thames and Hudson, London 1992, ISBN 0-500-05066-X.
  • Claire Tiré / Henri van Effenterre: Guide des fouilles françaises en Crète. 2. Edition revue et complétée. Boccard, Paris 1983, (Sites et monuments 2).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

35.29249625.491943Koordinaten: 35° 17′ 33″ N, 25° 29′ 31″ O