Maliana

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Maliana (Begriffsklärung) aufgeführt.
Maliana
Maliana (Osttimor)
Maliana
Maliana
Koordinaten 9° 0′ S, 125° 13′ O-8.9916666666667125.21972222222Koordinaten: 9° 0′ S, 125° 13′ O
Maliana Subdistrikt.png
Basisdaten
Staat Osttimor

Distrikt

Bobonaro
Subdistrikt Maliana
Suco Lahomea, Holsa, Odomau, Raifun
Höhe 177 m
Einwohner 15.800
Jungen in Maliana
Jungen in Maliana

Maliana (Vila de Ainaro) ist die Hauptstadt des osttimoresischen Distrikts Bobonaro und des Subdistrikts Maliana.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Zentrum des Subdistrikts, etwa 30 km von der Küste entfernt im Nordwesten des Landes. Zur Landeshauptstadt Dili sind es in Luftlinie etwa 60 km nach Osten, auf der Straße sind es 149 km, da die besser ausgebaute Straße erst entlang der Küste zur Grenzstadt Batugade führt und dann über Balibo nach Maliana führt. Kürzer ist die Verbindung nach Dili über die Straße nach Ermera und Gleno, jedoch ist diese Straße nicht so gut ausgebaut. Zur Grenze nach Indonesien sind es nur wenige Kilometer.

Das Zentrum liegt im Suco Lahomea, die Stadt breitet sich aber über dessen Grenzen bis nach Holsa und Odomau aus. Weitere Vororte liegen im Suco Raifun. Dort befindet sich auch das Flugfeld von Maliana und die Polizeistation. Der lebendige Markt der Stadt hat überregionale Bedeutung. Außerdem befinden sich in Maliana und seinen Vororten zwei Hubschrauberlandeplätze, ein kommunales Gesundheitszentrum, ein Krankenhaus, sechs Grundschulen, eine vorbereitende Schule für die Sekundärschule und zwei Sekundärschule, darunter das Gimnasio Maliana.[1] [2]

Am 30. Januar 2010 wurde Maliana zum Sitz der dritten Diözese Osttimors erklärt, dem Bistum Maliana.[3] Kathedrale ist die aus der portugiesischen Zeit stammende Kirche Sagrado Coraçao de Jesus (Herz Jesu). Außerdem befindet sich hier das katholische Hochseminar Maliana Colegio Infante de Sagres.

Einwohner[Bearbeiten]

In Maliana leben 15.800 Einwohner (2010).[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Fest in Maliana (1969)

Der heutige Subdistrikt Maliana gehörte früher zum Bunak-Reich von Lamaquitos (Lamakitu), dass ein Gebiet zwischen Cailaco im Norden und Maucatar im Süden beherrschte.[5][6]

Während der Entkolonisierung Portugiesisch-Timors kam es 1975 zum Bürgerkrieg zwischen UDT und FRETILIN. Ehemalige Soldaten des 5. portugiesischen Kavallerieschwadrons in Bobonaro, die die FRETILIN unterstützten, kamen nach Maliana und zwangen Anhänger von UDT und APODETI, unter anderem auch den Liurai von Memo und Einwohner aus Odomau, Holsa und Raifun, zur Flucht nach Westtimor. Einige Einwohner wurden auch vom Liurai und der UDT gezwungen nach Westtimor mitzugehen, um dort von den indonesischen Streitkräften rekrutiert zu werden.[7] Ab Mitte 1975 begann Indonesien mit der Besetzung der Grenzregionen Portugiesisch-Timors. Am 16. Oktober drangen indonesischen Truppen in Maliana ein. Erst am 7. Dezember begann Indonesien die Invasion offiziell.

1995 kam es in Osttimor zu gewaltsamen Ausschreitungen, nachdem sich ein indonesischer Beamter abfällig über den katholischen Glauben geäußert hatte. In Maliana wurde der Marktplatz fast völlig niedergebrannt.[8]

Während der Unruhen vor und nach dem Unabhängigkeitsreferendum von Osttimor 1999 kam es noch am Tag der Abstimmung auch zu Gewalttätigkeiten in Maliana. Pro-indonesische Milizen stürmten die Stadt, so dass 54 UN-Helfer nach Dili evakuiert werden mussten. Hunderte von Unabhängigkeitsgegnern belagerten die UN-Vertretung. Die UN-Helfer und ihre Familien flüchteten sich am 3. September 1999 in die Polizeiwache. Als am nächsten Tag das Ergebnis des Referendums bekannt wurde, bedrohten die Milizen mehrere hundert Flüchtlinge. Am Nachmittag des 8. Septembers wurden Milizionäre der Dadurus Merah Putih in Holsa, Lahomea und Ritabou vom indonesischen Militär auf den Angriff auf die Polizeistation vorbereitet. Die Milizen wurden vom regionalen Milizenchef João Tavares und dem indonesischen Leutnant Sutrisno angeführt. In Ritabou erhielten sie eine Todesliste. Die Milizen, darunter auch die Halilintar Miliz und indonesische Soldaten, drangen am Abend des 8. Septembers in den Komplex der Polizeistation ein und begannen die Flüchtlinge mit Messern, Macheten und Schwertern anzugreifen, während die Polizisten untätig blieben. Sie schlossen nur die Tür zu ihrem Büro. Insgesamt wurden 14 Menschen ermordet, darunter Julio Barros, ein ehemaliger Administrator des Subdistrikts Maliana und Domingos Gonçalves Pereira, der Chefe de Suco von Ritabou. Das Opfer José Barros Soares war erst zwölf Jahre alt. Die Leichen der Opfer wurden nach Batugade gebracht und dort im Meer versenkt.[9][10] Andere Quellen berichten von 47 Toten.[11] Weitere 13 Personen, denen zunächst die Flucht aus der Station gelang, wurden am nächsten Tag in der Nähe von Maliana umgebracht. Insgesamt wurden zwischen dem 2. und dem 29. September 71 Menschen im Subdistrikt Maliana ermordet.[12] Außer der Kirche wurde der gesamte Ort Maliana durch die Milizen niedergebrannt.

2001 kämpften Martial Arts-Gruppen auf dem Markt von Maliana gegeneinander. Dabei gab es Tote.[13]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 535 kB)
  2. Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB)
  3. 30.Januar 2010, Catholic News Agency, Benedict XVI erects new diocese in East Timor
  4. Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,2 MB)
  5. Timorlorosae2000
  6. Hague Justice Portal: Island of Timor: Award, 25. Juni 1914 (englisch)
  7. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  8. TAZ: Suharto droht Osttimor, 12. September 1995
  9. „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,5 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  10. Master of Terror, Natalino Monteiro
  11. Master of Terror: Maliana - 8/09/1999 - Maliana police station massacre
  12. 1999 East Timor Crimes Against Humanity: Maliana Police Station Massacre, 8. September 1999
  13. Fundasaun Mahein: Victims of Independence, abgerufen am 26. Mai 2012
  14. Webseite des Außenministeriums Osttimors