Maliana

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Dieser Artikel behandelt die Stadt und den Subdistrikt Maliana in Osttimor. Für die gleichnamige Stadt auf Alor/Indonesien siehe Maliana (Alor).
Subdistrikt Maliana
Maliana (Osttimor)
Red pog.svg
Reisfelder bei Maliana
Hauptstadt Maliana
Fläche 239,35 km²[1]
Einwohnerzahl 25.234 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Holsa 5.520
Lahomea 3.086
Odomau 3.831
Raifun 2.011
Ritabou 5.441
Saburai 1.107
Tapo/Memo 4.238
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Bobonaro
Lage des Distrikts Bobonaro

Maliana (Vila de Ainaro) ist die Hauptstadt des osttimoresischen Distrikts Bobonaro und des Subdistrikts Maliana.

Der Ort[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Zentrum des Subdistrikts, etwa 30 km von der Küste entfernt im Nordwesten des Landes. Zur Landeshauptstadt Dili sind es in Luftlinie etwa 60 km nach Osten, auf der Straße sind es 149 km, da die besser ausgebaute Straße erst entlang der Küste zur Grenzstadt Batugade führt und dann über Balibo nach Maliana führt. Kürzer ist die Verbindung nach Dili über die Straße nach Ermera und Gleno, jedoch ist diese Straße nicht so gut ausgebaut. Zur Grenze nach Indonesien sind es nur wenige Kilometer. In Maliana leben 15.800 Einwohner (2010).[3] Das Zentrum liegt im Suco Lahomea, die Stadt breitet sich aber über dessen Grenzen bis nach Holsa und Odomau aus. Weitere Vororte liegen im Suco Raifun. Dort befindet sich auch das Flugfeld von Maliana und die Polizeistation. Der lebendige Markt der Stadt hat überregionale Bedeutung. Außerdem befinden sich in Maliana und seinen Vororten zwei Hubschrauberlandeplätze, ein kommunales Gesundheitszentrum, ein Krankenhaus, sechs Grundschulen, eine vorbereitende Schule für die Sekundärschule und zwei Sekundärschule, darunter das Gimnasio Maliana.[4] [5]

Am 30. Januar 2010 wurde Maliana zum Sitz der dritten Diözese Osttimors erklärt, dem Bistum Maliana.[6] Kathedrale ist die aus der portugiesischen Zeit stammende Kirche Sagrado Coraçao de Jesus (Herz Jesu). Außerdem befindet sich hier das katholische Hochseminar Maliana Colegio Infante de Sagres.

Der Subdistrikt[Bearbeiten]

Geographie[Bearbeiten]

Flüsse und Orte von Maliana

Südwestlich des Flusses Malibaka liegt das indonesische Westtimor. Der Malibaka vereinigt sich mit dem Talau und bildet nun als Nunura im Westen die Grenze zu den osttimoresischen Subdistrikten Balibo und Atabae. Der Fluss Bulobo entspringt nahe dem Ort Maliana und bildet ein Stück der Grenze zum Subdistrikt Cailaco im Norden, bis er in den Nunura mündet. Südöstlich von Maliana liegt der Subdistrikt Bobonaro und an der Südspitze der Subdistrikt Lolotoe.

Der Subdistrikt Maliana teilt sich in sieben Sucos: Holsa, Lahomea, Odomau (Odamau, Oromau), Raifun (Rai Fun), Ritabou, Saburai (Sebura) und Tapo/Memo (Tapo Memo). Die Sucos Holsa und Ritabou sind als „urban“ klassifiziert.

Der Leolaco dominiert als höchster Berg der Region (1929 m)[7] die Landschaft.

In Lahomea befindet sich ein Wiederaufforstungsprojekt.

Die Zugehörigkeit eines Gebietes von 37 Hektar zwischen Memo (Suco Tapo/Memo) und dem indonesischen Dilumi (Regierungsbezirk Belu) war längere Zeit umstritten.[8] Erst im März 2013 konnte eine Einigung zur Grenzziehung zwischen den beiden Ländern erzielt werden.[9]

Einwohner[Bearbeiten]

Jungen in Maliana

Im Subdistrikt Maliana leben 25.234 Menschen (2010,[1] 2004: 21.763[10]). Der Altersdurchschnitt beträgt 19,1 Jahre (2010,[1] 2004: 18,5 Jahre[11]). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Kemak. In Tapo/Memo, Seburai, Holsa und Odomau wird aber Bunak gesprochen.[12] Als Zweitsprache ist die Amtssprache Tetum weit verbreitet. Bahasa Indonesia wurde während der Besatzungszeit verwendet, die Älteren sprechen noch Portugiesisch. Dieses wird auch in den Schulen unterrichtet.[13]

Wirtschaft[Bearbeiten]

39 % der Haushalte in Maliana bauen Kokosnüsse an, 48 % in der fruchtbaren Ebene des Nunura Reis, 40 % Maniok, 49 % Mais, 31 % Gemüse und 10 % Kaffee.[2]

Am 4. Juli 2012 wurde die Maliana power substation eröffnet, die den Subdistrikt nun 24 Stunden am Tag mit Strom versorgt.[14]

Geschichte[Bearbeiten]

Fest in Maliana (1969)
Fest in Maliana (1969)

Der heutige Subdistrikt Maliana gehörte früher zum Bunak-Reich von Lamaquitos (Lamakitu), dass ein Gebiet zwischen Cailaco im Norden und Maucatar im Süden beherrschte.[15][16]

1719 vereinbarten mehrere timoresische Herrscher (Liurai) ein Bündnis gegen die Portugiesen; der Beginn der Cailaco-Rebellion. Das Lamaquitos benachbarte Cailaco wurde zum Hauptquartier der Rebellen. Im Marobotal mit den Flüssen Marobo und Lóis lebten damals relativ isoliert 40.000 Menschen. 1726 entsandte der portugiesische Gouverneur António Moniz de Macedo Truppen aus Dili und Batugade gegen die Pedras de Cailaco (Felsen von Cailaco). Die Steilwände des Leolaco boten dem Reich von Cailaco eine natürliche Festung und galten als uneinnehmbar. Am 23. Oktober versammelten die Portugiesen am Fuße des Berges insgesamt 4.000 Mann, zu denen auch Topasse und verbündete Timoresen gehörten. Nach 40 Tagen mussten sie aber im Dezember die Belagerung aufgeben, auch wegen schwerer Regenfälle.[17]

Im Vertrag von Lissabon (1859) legten die Kolonialmächte die Grenze zwischen ihren Herrschaftsgebieten auf Timor fest. Lamaquitos bildete die Grenze des portugiesischen Territoriums. 1897 kam es zum Krieg zwischen Lamaquitos und dem südlich gelegenen Bunak-Reich Lakmaras um Gebiete im dazwischen liegenden Lamaknen.[18] Da Lamaquitos zum portugiesischen Herrschaftsbereich gehörte, Lakmaras und Lamaknen aber zum niederländischen, kam es in Lakmaras auch zu Scharmützeln mit Toten zwischen den beiden Kolonialtruppen. Zudem stellte Lakmaras die einzige Verbindung zur niederländischen Region Maucatar dar, das nun als Enklave in portugiesischen Gebiet lag.[19][16][20] 1902 versuchten sich die beiden Kolonialmächte durch Verhandlungen zu einigen. Mit der Den Haag-Konvention vom 1. Oktober 1904 wurde ein Kompromiss geschlossen. Portugal sollte Maucatar erhalten und verzichtete dafür auf Lamaknen. Doch erst 1916 wurde die Grenze endgültig festgelegt. Lakmaras blieb dadurch auf der niederländischen Seite.[21]

Erst vor wenigen Generationen wurden von Bunak aus dem Osten Dörfer im Flachland um Maliana gegründet, so zum Beispiel Tapo/Memo. Noch heute haben diese Dörfer rituelle Beziehungen zu ihren Stammdörfern im Hochland.[22]

Während der Entkolonisierung Portugiesisch-Timors kam es 1975 zum Bürgerkrieg zwischen UDT und FRETILIN. Ehemalige Soldaten des 5. portugiesischen Kavallerieschwadrons in Bobonaro, die die FRETILIN unterstützten, kamen nach Maliana und zwangen Anhänger von UDT und APODETI, unter anderem auch den Liurai von Memo und Einwohner aus Odomau, Holsa und Raifun, zur Flucht nach Westtimor. Einige Einwohner wurden auch vom Liurai und der UDT gezwungen nach Westtimor mitzugehen, um dort von den indonesischen Streitkräften rekrutiert zu werden. Am Ende floh die gesamte Bevölkerung aus Memo, Odomau und 500 Menschen aus Raifun nach Westtimor.[23] Ab Mitte 1975 begann Indonesien mit der Besetzung der Grenzregionen Portugiesisch-Timors. Am 16. Oktober drangen indonesischen Truppen in Maliana ein. Erst am 7. Dezember begann Indonesien die Invasion offiziell.

1995 kam es in Osttimor zu gewaltsamen Ausschreitungen, nachdem sich ein indonesischer Beamter abfällig über den katholischen Glauben geäußert hatte. In Maliana wurde der Marktplatz fast völlig niedergebrannt.[24]

Während der Unruhen vor und nach dem Unabhängigkeitsreferendum von Osttimor 1999 kam es noch am Tag der Abstimmung auch zu Gewalttätigkeiten in Maliana. Pro-indonesische Milizen stürmten die Stadt, so dass 54 UN-Helfer nach Dili evakuiert werden mussten. Hunderte von Unabhängigkeitsgegnern belagerten die UN-Vertretung. Die UN-Helfer und ihre Familien flüchteten sich am 3. September 1999 in die Polizeiwache. Als am nächsten Tag das Ergebnis des Referendums bekannt wurde, bedrohten die Milizen mehreren hundert Flüchtlinge. Am Nachmittag des 8. Septembers wurden Milizionäre der Dadurus Merah Putih in Holsa, Lahomea und Ritabou vom indonesischen Militär auf den Angriff auf die Polizeistation vorbereitet. Die Milizen wurden vom regionalen Milizenchef João Tavares und dem indonesischen Leutnant Sutrisno angeführt. In Ritabou erhielten sie eine Todesliste. Die Milizen, darunter auch die Halilintar Miliz und indonesische Soldaten, drangen am Abend des 8. Septembers in den Komplex der Polizeistation ein und begannen die Flüchtlinge mit Messern, Macheten und Schwertern anzugreifen, während die Polizisten untätig blieben. Sie schlossen nur die Tür zu ihrem Büro. Insgesamt wurden 14 Menschen ermordet, darunter Julio Barros, ein ehemaliger Administrator des Subdistrikts Maliana und Domingos Gonçalves Pereira, der Chefe de Suco von Ritabou. Das Opfer José Barros Soares war erst zwölf Jahre alt. Die Leichen der Opfer wurden nach Batugade gebracht und dort im Meer versenkt.[25][26] Andere Quellen berichten von 47 Toten.[27] Weitere 13 Personen, denen zunächst die Flucht aus der Station gelang, wurden am nächsten Tag in der Nähe von Maliana umgebracht. Insgesamt wurden zwischen dem 2. und dem 29. September 71 Menschen im Subdistrikt Maliana ermordet.[28] Außer der Kirche wurde der gesamte Ort Maliana durch die Milizen niedergebrannt.

2001 kämpften Martial Arts-Gruppen auf dem Markt von Maliana gegeneinander. Dabei gab es Tote.[29]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Dorf im Subdistrikt Maliana

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maliana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  3. Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,2 MB)
  4. UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 535 kB)
  5. Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB)
  6. 30.Januar 2010, Catholic News Agency, Benedict XVI erects new diocese in East Timor
  7. Karte von 1989
  8. Vivanews, 7. November 2009, Indonesia - E Timor under Borderline Dispute
  9. Suara Timor Lorosae: Batugade and Suai borders have had agreement, 11. März 2013
  10. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  11. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  12. Friends of Balibo
  13. Bobonaro District Development Plan 2002/2003 (PDF-Datei; 566 kB)
  14. Gouvernment of Timor-Leste: Government Opening of the Maliana Power Substation, 16. Juli 2012, abgerufen am 29. Juli 2012
  15. Timorlorosae2000
  16. a b Hague Justice Portal: Island of Timor: Award, 25. Juni 1914 (englisch)
  17. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  18. Antoinette Schapper: Finding Bunaq: The homeland and expansion of the Bunaq in central Timor, S. 163–186, in: Andrew McWilliam, Elizabeth G. Traube: Land and Life in Timor-Leste: Ethnographic Essays, 2011, S. 171
  19. Antoinette Schapper: Crossing the border: Historical and linguistic divides among the Bunaq in central Timor, S.7–8.
  20. Schapper: Finding Bunaq, S. 174.
  21. Geoffrey C. Gunn: History of Timor., S. 77, Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB).
  22. Schapper: Finding Bunaq, S. 173.
  23. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  24. TAZ: Suharto droht Osttimor, 12. September 1995
  25. „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,5 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  26. Master of Terror, Natalino Monteiro
  27. Master of Terror: Maliana - 8/09/1999 - Maliana police station massacre
  28. 1999 East Timor Crimes Against Humanity: Maliana Police Station Massacre, 8. September 1999
  29. Fundasaun Mahein: Victims of Independence, abgerufen am 26. Mai 2012
  30. Webseite des Außenministeriums Osttimors

-8.9916666666667125.21972222222Koordinaten: 9° 0′ S, 125° 13′ O