Malmedy

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Malmedy
Coats of arms of None.svg Flag of Malmedy.svg
Malmedy (Lüttich)
Malmedy
Malmedy
Staat Belgien
Region Wallonien
Provinz Lüttich
Bezirk Verviers
Koordinaten 50° 26′ N, 6° 2′ O50.4255555555566.0333333333333Koordinaten: 50° 26′ N, 6° 2′ O
Fläche 99,96 km²
Einwohner (Stand) 12.336 Einw. (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 123 Einw./km²
Postleitzahl 4960
Vorwahl 080
Bürgermeister Jean-Paul Bastin
Adresse der
Kommunalverwaltung
Rue Jules Steinbach, 1
4960 Malmedy
Webseite www.malmedy.be

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Malmedy (wallonisch: Måmdey, deutsch veraltet: Malmünd) ist eine Stadt in Belgien in der Provinz Lüttich. Sie ist namensgebend für den Kanton Malmedy.

Malmedy hat 12.336 Einwohner (Stand 1. Januar 2012), eine Fläche von 100,62 km² und besteht aus den Ortsteilen Bellevaux-Ligneuville (dt.: Schönenthal-Engelsdorf) und Bévercé (dt.: Wywertz). Malmedy ist ebenfalls Sitz des Bezirkskommissariats. Die Stadt gehört zu den Fazilitäten-Gemeinden mit Spracherleichterungen für Deutschsprachige.

Geschichte[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Gründung der Stadt geht auf den Heiligen Remaclus zurück, der hier im Jahre 648 eine Abtei, das Kloster Malmedy, gründete. Nachdem es jahrhundertelang Teil eines geistlichen Territoriums im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, der Reichsabtei Stablo-Malmedy, gewesen war, gehörte Malmedy von 1795 bis 1815 als Arrondissement Malmedy zum französischen Département Ourthe. Von 1815 (Wiener Kongress) bis 1920 (Versailler Vertrag) war Malmedy Teil der preußischen Rheinprovinz und Sitz der Kreisverwaltung Landkreis Malmedy. 1920 kam Malmedy zusammen mit Eupen und Sankt Vith als Ostbelgien zu Belgien. Zur Zeit der Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich war die Amtssprache Deutsch, die Umgangssprache einer großen Minderheit von 28,7% (1900) jedoch Französisch bzw. Wallonisch, ein galloromanischer Dialekt. Es gab eine deutschsprachige Zeitung (Der Landbote)[1]

Malmedy war seit dem 18. Jahrhundert ein Zentrum der Papier- und Lederindustrie.

Kriegsvorkommnisse 1944–1945[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt von den Deutschen bis September 1944 besetzt gewesen. Dann hatten die US-Truppen sie befreit. Nach Beginn der Ardennen-Offensive am 16. Dezember gelang es deutschen Truppen, die Amerikaner zu überrennen und dabei Malmedy wieder zu erobern. Bei dem Gegenangriff auf die deutschen Truppen wurde Malmedy um Weihnachten 1944 dreimal durch alliierte US-Bomber angegriffen und größtenteils in Trümmer gelegt. Dabei kamen neben einer großer Anzahl US-Soldaten 200 Zivilisten aus der Stadt Malmedy ums Leben. Eine Gedenktafel in Malmedy erinnert an die Bombardierungen.

Im vier Kilometer südöstlich vom Malmedy gelegenen Vorort Baugnez wurden am 17. Dezember 1944 in der gleichen Offensive 82 US-amerikanische Soldaten gefangengenommen. Die Gefangenen wurden kurze Zeit nach der Festnahme durch Angehörige der Waffen-SS der Kampfgruppe Peiper getötet (Malmedy-Massaker).[2]

Verkehr[Bearbeiten]

Malmedy liegt an der Autobahn A 27 (E 42). Durch die Stadt führen die Nationalstraßen N 62, N 68 (E 421) und N 632. Letztere mündet in Baugnez in die N 62 ein.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Obelisk auf dem Place Albert I.
Innenstadt mit Blick auf das Villershaus
  • Kathedrale Saints-Pierre, Paul et Quirin: am Place du Châtelet, 1775–1784 als Abteikirche erbaut, Pfarrkirche seit 1819 und 1921 zur Kathedrale erhoben (siehe Bistum Eupen-Malmedy), schlichte Inneneinrichtung aus dem 18. Jahrhundert
  • Der 1728 auf Initiative des Kapuzinerpaters Albert von Dinant angelegte Kreuzweg von der Kathedrale auf den Kalvarienberg. Er führt über 13 Stationen zu einer Kapelle mit hexagonalem Grundriss, die den Heiligen Agathe und Appoline geweiht ist. Die derzeitigen Reliefs (seit 1913) wurden von dem Bildhauer Carl Burger geschaffen.
  • Die alte Innenstadt
  • Das Kloster von 1708
  • Die Auferstehungskapelle: am Place du Pont-Neuf, erbaut 1755–1757, Renaissance-Stil
  • Die Kapuzinerkirche: südlich der Kathedrale in der Ruelle des Capucins, 1626 fertiggestellt und 1631 eingeweiht, Inneneinrichtung aus dem 17. Jahrhundert
  • Die Krankenkapelle: eingeweiht 1188, wurde 1544 wieder errichtet und eingesegnet
  • Das Villers oder Cavenshaus: 1714–1724 erbaut vom Aachener Baumeister Laurenz Mefferdatis
  • Das Rathaus: liegt südlich unweit der Kathedrale und wurde 1900 von Jules Steinbach erbaut, 1904 gelangte es durch Schenkung in den Besitz der Stadt Malmedy
  • Villa Lang: liegt gegenüber dem Rathaus und wurde 1901 erbaut, Jules Steinbach ließ sie für seine Tochter Juliette errichten, der Name geht auf den Ehemann Juliettes, den Lederfabrikanten Hubert Lang zurück
  • Villa Steisel: befindet sich hinter der Villa Lang und wurde 1897 erbaut (ebenfalls von Jules Steinbach für seine Tochter Laure), Laure heiratete Louis Steisel, den Gründer der Papierfabrik, daher der Name der Villa, die auch Fliedervilla genannt wurde
  • Der Sitz der Baltia-Regierung
  • Der Naturpark Hohes Venn
  • Der Obelisk auf dem Place Albert I.: vom Fürstabt von Stavelot-Malmedy, Jacques de Hubin, 1781 errichtet
  • Die benachbarte Formel-1-Rennstrecke Spa-Francorchamps.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • FrankreichFrankreich Beaune (Frankreich), seit 1962
  • DeutschlandDeutschland Cochem (Deutschland), seit 1975

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Raymond Micha war Ehrenbürger von Malmedy und Stavelot.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Thomas, Michael Neumann-Adrian: Belgien - Luxemburg, Verlag C. J. Bucher GmbH, München 1996, ISBN 3-7658-1097-5
  • Reinhard Tiburzy: Belgien - Brüssel, Flandern und die Wallonie, Verlag DuMont, Köln 2004, ISBN 3-7701-6097-5
  • Autorenteam: Belgien, Verlag Karl Baedeker GmbH, Ostfildern 2004, ISBN 3-87504-417-7 (S. 303-304)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malmedy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte des GrenzEchos in Kurzfassung
  2. John M. Bausermann: The Malmédy Massacre. Shippensburg 1995, S. 94