Malsch (Landkreis Karlsruhe)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Malsch
Malsch (Landkreis Karlsruhe)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Malsch hervorgehoben
48.8808333333338.3341666666667145Koordinaten: 48° 53′ N, 8° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 145 m ü. NHN
Fläche: 51,24 km²
Einwohner: 14.011 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 273 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76316
Vorwahlen: 07246 (für OT Völkersbach: 07204)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 046
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 71
76316 Malsch
Webpräsenz: www.malsch.de
Bürgermeister: Elmar Himmel
Lage der Gemeinde Malsch im Landkreis Karlsruhe
Karlsdorf-Neuthard Malsch (Landkreis Karlsruhe) Malsch (Landkreis Karlsruhe) Bretten Bruchsal Bruchsal Ettlingen Forst (Baden) Gondelsheim Hambrücken Kronau Kürnbach Marxzell Oberderdingen Östringen Philippsburg Sulzfeld (Baden) Ubstadt-Weiher Walzbachtal Weingarten (Baden) Zaisenhausen Karlsbad (Baden) Kraichtal Graben-Neudorf Bad Schönborn Pfinztal Eggenstein-Leopoldshafen Linkenheim-Hochstetten Waghäusel Oberhausen-Rheinhausen Rheinstetten Stutensee Waldbronn DettenheimKarte
Über dieses Bild

Malsch ist eine Gemeinde im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Malsch liegt etwa 20 km südlich von Karlsruhe in Baden. Der Kernort Malsch ist in der Rheinebene am Rand des Schwarzwaldes gelegen. In Malsch entspringt der Federbach.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Malsch gehören die ehemaligen Gemeinden Sulzbach, Völkersbach und Waldprechtsweier. Zur Gemeinde Malsch in den Grenzen vom 31. Dezember 1970 gehören das Dorf Malsch, der Weiler Neumalsch, das Gehöft Hardteck und die Häuser Am Bergwald und Waldhaus. Zur ehemaligen Gemeinde Sulzbach gehört das Dorf Sulzbach. Zur ehemaligen Gemeinde Völkersbach gehören das Dorf Völkersbach, das Gehöft Rimmelsbacherhof und die Häuser Moosalbtal. Zur ehemaligen Gemeinde Waldprechtsweier gehören das Dorf Waldprechtsweier und die Häuser Waldprechstal.
In der Gemeinde Malsch im Gebietsstand vom 31. Dezember 1970 liegen die Wüstungen Lindenhart und Ziegelhof, das wahrscheinlich jedoch in Malsch aufgegangen ist.[2]

In den ehemaligen Gemeinden Sulzbach, Völkersbach und Waldprechtsweier sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Kugeln aus der Schlacht bei Malsch

Erste urkundliche Erwähnung[Bearbeiten]

Malsch wird Ende des 11. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt, und zwar im Zusammenhang mit einer Schenkung, die Abt Samuel von Weißenburg vornahm.[3] Die Originalurkunde über diesen Vorgang ist verloren, es sind aber zwei, etwas voneinander abweichende Zeugnisse darüber erhalten. Nach der im Nekrologium des Klosters Weißenburg[4] enthaltenen Notiz handelte es sich um anderthalb Höfe in „Malsca“, die auf das Fest der Heiligen Sergius und Bacchus zinspflichtig waren, sowie weitere Höfe in „Adelbreddesuuilare“ und „Bugcheneshem“. Nach einem rund 200 Jahre jüngeren Text, dem Liber Possessionum des Abtes Edelin,[5] war es 1 Hof in „Malsche“, der auf das Fest Mariä Geburt Abgaben liefern musste. Da der erstgenannte Text nicht nur älter ist, sondern auch detailliertere Angaben enthält, ist er textkritisch vorzuziehen. Die hier gebrauchte, sprachlich ältere, Form des Namens „Malsca“ stimmt auch mit anderen frühen Bezeugungen dieses Ortes überein, die „Malsca“, „Malska“ oder „villa malsc“ lauten.[6] Allerdings enthält die ältere urkundliche Bezeugung kein exaktes Jahr, in dem sich die Schenkung Samuels zugetragen hat. Das in der ortskundlichen Literatur häufig genannte Jahr 1065 beruht auf dem wesentlich jüngeren Liber Possessionum, der unter Historikern freilich als wenig verlässlich gilt.[7] Eine genauere Einschränkung als die Amtszeit des Abtes Samuel, d.h. die Jahre 1055 bis 1097, wird für die urkundliche Ersterwähnung daher nicht möglich nicht sein.

Weitere geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Um das Jahr 1100 baute der damalige Ufgaugraf Reginbodo die Burg Waldenfels, von der auch heute noch Reste in den „Spielfinken“ im Malscher Bergwald zu sehen sind. Im 12. Jahrhundert erwarb die Markgrafschaft Baden den Ort, verkaufte ihn aber bereits 1318 an das Kloster Herrenalb. Als dieses im Zuge der Reformation 1535 aufgelöst wurde, fiel der Ort an Württemberg, das ihn 1603 im Tauschwege an Baden zurückgab.

Neben Kriegs-, Hunger- und Pestjahren fügte vor allem der große Kroatenbrand im Jahre 1623 der Gemeinde großen Schaden zu. Der größte Teil des Dorfes Malsch wurde niedergebrannt. Die Einwohnerzahl schrumpfte von 1.400 auf 300. Im Jahr 1796 fand hier die Schlacht bei Malsch im Rahmen des Ersten Koalitionskrieges statt.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden drei bis dahin selbstständige Gemeinden nach Malsch eingemeindet. Am 1. Januar 1971 erfolgte die Eingemeindung von Sulzbach, am 1. April 1972 die von Waldprechtsweier, das zuvor zum Landkreis Rastatt im Regierungsbezirk Südbaden gehört hatte und am 1. Januar 1973 erfolgte die Eingemeindung der Gemeinde Völkersbach.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1623: 1.400
  • 1648: 300
  • 2006: 14.107
  • Januar 2008: 14.356, davon in den Ortsteilen Malsch 10.042, Sulzbach 961, Völkersbach 1.874, Waldprechtsweier 1.479
  • August 2010: 14.519, davon in den Ortsteilen Malsch 10.223, Sulzbach 954, Völkersbach 1.905, Waldprechtsweier 1.437

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Denkmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem Friedhof von Malsch. Links Cyriakuskirche und St.-Peter-Kapelle.
  • St. Peter Kapelle: An der St.-Peter-Kapelle auf dem Friedhof von Malsch befindet sich ein Tympanon aus dem 12. Jahrhundert.
  • Kirche St. Cyriak: 1458 errichtete Pfarrkirche, zwischen 1823 und 1827 erweitert, Renovation im Jahre 1972
  • Modellbau zu Malsch: begehbarer Modellbau eines Planetensäulenraumes nach Raum- und Gewölbeangaben von Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie und Architekt des Goetheanums
  • Stadtmühle Malsch: die Mühle wird 1511 als „Untere Mühle“ erstmals urkundlich erwähnt, scheint aber als markgräfliches Konkurrenzunternehmen zur herrenalbischen „Oberen Mühle“ weit vor dieser Zeit bestanden zu haben. 1980 wurde die Mühle stillgelegt und 1994 von der Gemeinde renoviert. Sie wird seither als Museum und Begegnungsstätte betrieben. Das Mahlwerk ist nach wie vor voll funktionsfähig.
  • Heimatmuseum Völkersbach mit Schneiderstube: 1939 gab es in Völkersbach nahezu 70 Schneider bei 913 Einwohnern. Aus zugeschnittenem Tuch wurden alle Arten von Uniformen angefertigt.
  • Schindlermuseum: Der Maler und Pädagoge Theodor Schindler wurde 1870 in Malsch geboren. Das Wohnhaus, das heute als Museum und Begegnungsstätte dient, ließ er 1932 erbauen. Es ist weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Seit 1985 erinnert an ihrem ehemaligen Standort in der Hauptstraße 26 eine Gedenktafel an die Synagoge der Jüdischen Gemeinde.[8] Die letzten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Malsch wurden am 22. Oktober 1940 gemeinsam mit anderen badisch-pfälzischen Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs am Fuße der Pyrenäen deportiert.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Am 9. Juni 2013 wurde der amtierende Bürgermeister Elmar Himmel mit 50,24 % der Stimmen für eine zweite Amtszeit mit nur 16 Stimmen Vorsprung gegenüber seinem Herausforderer Gerhard Schmidt wiedergewählt,[9] das Verwaltungsgericht Karlsruhe erklärte die Wahl allerdings am 16. Oktober 2013 für ungültig.[10] Eine Wiederwahl ist für den 8. Dezember 2013 angesetzt.

  • 1982–2005: Dieter Süß, SPD († 11. Juli 2006)
  • seit 2005: Elmar Himmel

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[11]
 %
40
30
20
10
0
34,4 %
31,4 %
17,3 %
16,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,1 %p
+0,7 %p
-0,1 %p
+2,6 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Bürgerliste für Umweltschutz/Bündnis 90/Die Grünen

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgender Verteilung der 31 Sitze (+2) im Gemeinderat:[12]

  • CDU: 34,4 % – 11 Sitze (±0)
  • FW: 31,4 % – 10 Sitze (+1)
  • SPD: 17,3 % – 5 Sitze (±0)
  • BfU/GRÜNE: 16,9 % – 5 Sitze (+1)

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Malsch liegt an der Bundesstraße 3 sowie an der Bahnstrecke Karlsruhe–Ettlingen-West–Rastatt und hat dort einen Bahnhof (heute Hausbrauerei), der auch als Haltestelle des Karlsruher Stadtbahnnetzes dient.

Bildung[Bearbeiten]

Mit der Hans-Thoma-Schule (Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule), der Johann-Peter-Hebel-Schule, der Mahlbergschule Völkersbach und der Schule Waldprechtsweier (jeweils Grundschulen) gibt es gleich vier allgemeinbildende Schulen am Ort. Außerdem besteht mit der Waldhausschule noch eine Schule für Erziehungshilfe. Daneben gibt es noch sieben Kindergärten (vier kommunale, zwei römisch-katholische, einen evangelischen).

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst, Lore: Die Geschichte des Dorfes Malsch. Malsch, 1954.
  • Louis Maier: Schweigen hat seine Zeit, Reden hat seine Zeit – Ein Sohn spricht vom Leben und Schicksal der Jüdischen Gemeinde in Malsch, verlag regionalkultur, ISBN 3-89735-133-1.
  • Louis Maier: Empfänger unbekannt verzogen. Die Odyssee eines jungen Flüchtlings auf den Spuren des Schicksals seiner Eltern. verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2008, ISBN 978-3-89735-543-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malsch (Landkreis Karlsruhe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 102–104.
  3. Vgl. zur Frage der Ersterwähnung Martin Burkart: Zur urkundlichen Ersterwähnung von Albersweiler. In: Pfälzer Heimat 64 (2013) 54-58.
  4. Spätes 11. Jahrhundert; als „Codex Weissenburgensis 45“ heute in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; fol. 182. Ediert von Ernst Friedrich Mooyer: Nekrologium des Klosters Weißenburg, mit Erläuterungen und Zugaben. In: Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffenburg 13 (1855) 1-67.
  5. Heute im Landesarchiv Speyer, Signatur F 2 Nr. 147, fol. 55. Ediert von Johann Kaspar Zeuß: Traditiones possessionesque Wizenburgenses. Speyer, 1842.
  6. Vgl. Württembergisches Urkundenbuch I, 279; II, 181 und 408
  7. Landesarchivdirektor Anton Doll, ein profunder Kenner der Weißenburger Geschichte, charakterisiert ihn als „zum Teil sehr unzuverlässige späte Kompilation von älteren Besitzlisten“ und warnt geradezu vor seiner Verwertung als Quelle für die Frühzeit von Ortsgeschichten (ders: Neuere pfälzische Ortsgeschichten. In: Pfälzer Heimat 15 (1964) 34-36. Hier: S. 36.)
  8. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. I, Bonn 1995, S. 57, ISBN 3-89331-208-0.
  9. http://www.malsch.de/wahldat/215046m-090613.htm
  10. Gericht: Bürgermeisterwahl in Malsch ungültig, Südwest Presse, Artikel vom 17. Oktober 2013
  11. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Kommunalwahlen_2009/GTabelle.asp?G=GE215046
  12. http://www.malsch.de/wahldat/215046g.htm