Malteserkirche (Wien)

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Hauptfront der Malteserkirche
Relief mit osmanischer Belagerung von Malta 1565 auf dem Denkmal für den Großmeister Jean Parisot de la Valette
Altarraum der Malteserkirche

Die Malteserkirche (eigentlich: Kirche des heiligen Johannes des Täufers, gelegentlich auch Johanniterkirche) ist eine dem heiligen Johannes dem Täufer geweihte gotische römisch-katholische Kirche des Malteserordens in der Kärntner Straße im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Grund der heutigen Malteserkirche 1217 bereits vor dem Kirchenbau als Platz des „Haus der Prueder des Ordens von Sand Johannis“, das sich als Kommende der Seelsorge, Betreuung der Armen und Unterstützung von Kreuzzüglern widmete. Wahrscheinlich zwischen 1205 und 1217 ließen sich die Johanniter in der damaligen St.-Johannes-Straße (heute Kärntnerstraße 35 / Johannesgasse 2) nieder.[1] Der vierte Kreuzzug war 1204 beendet worden. Wien lag an der für Kreuzzüge wichtigen Straße, welche entlang der Donau den Westen mit dem Osten verband. Die Kärntnerstraße war weniger eine Kreuzfahrer- als eine wichtige Handelsroute.

Nach der Wiener Feuersbrunst von 1258, die weite Teile der mittelalterlichen Stadt zerstörte, baute der Orden um 1265 eine dem Hl. Johannes dem Täufer geweihte Kapelle.[2]

Mitte des 15. Jahrhunderts (1446[3]) wurde dann der heutige Kirchenbau errichtet. Im 17. Jahrhundert war die Kirche mehrfach Predigtstätte von Abraham a Santa Clara. Im Barock wurde die Kirche dem Zeitgeschmack entsprechend umgebaut, erhielt während der Renovierung von 1806 bis 1808[2] eine Empire-Fassade mit korinthischen Pilastern, Tympanon, Attika und einem kleinen, seit ca. 2007 wieder glockentragenden Turm. Oberhalb des Haupteinganges befindet sich die Bauinschrift: "Aedes vetustate squalens / sacra Joanni Baptistae / ordinis hierosoly mitanae coelesti patrono / erecta et ornata Anno MDCCCVIII".[2]

Um 1750 erhielt die Kirche von einem unbekannten Orgelbaumeister eine einmanualige Brüstungsorgel mit Haupt- und Pedalwerk und acht Registern (I/P/8).[4] Die Orgel wurde 1950 von der Orgelbaufirma Pirchner aus Steinach am Brenner in Tirol, Österreich, unter Verwendung historischen Gehäuse- und Pfeifenmateriales neu gebaut und weist 16 Register auf, die auf Pedal-, Haupt- und Brustwerk verteilt sind (II/P/16).[4][5]

1839 wurde der Johanneshof in Höhe Kärntnerstraße 35 / Johannesgasse 2 als Kommendenhaus errichtet, 1893 erbaute der Orden ein zweites Haus in Höhe Kärntnerstraße 37[6], das auf mehreren Ebenen Zugänge zur Kirche aufwies. Beide Gebäude umschließen jeweils seitlich die Kirche mit Ausnahme ihres Daches und ihres Chores; dabei wird die Kirchenfassade in die Fassaden der beiden Häuser gleichsam integriert. 1857 wurde die Kirche teilweise mit Buntglasfenstern ausgestattet.[7]

1933 geriet der Orden noch als Folge der finanziellen Belastungen aus dem Ersten Weltkrieg in eine finanzielle Krise und musste die Kirche, den Johanneshof und das Haus Kärntnerstraße 37 verkaufen, durfte die unter Denkmalschutz stehende Kirche jedoch weiter unentgeltlich benutzen. 1960 konnte die Kirche dann wieder zurückgekauft werden.[7]

1968, 1972 sowie von 1983 bis 1984 wurde die Kirche in mehreren Schritten restauriert, 1998 erfolgte eine Generalsanierung.[7]

Das Gemälde des 1806/1808 empirisierten Hochaltars wurde 1730 von Johann Georg Schmidt gemalt und stellt die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer dar. Kunst- und ordensgeschichtlich sind ferner interessant: der gotische Schlußstein im Kreuzgewölbe (ein Löwe, der seine Jungen anbrüllt, sinnbildlich für Jesus, der seine Gemeinde erweckt), das klassizistische Denkmalrelief für den Großmeister Jean 'Parisot' de La Valette, die zwei Holzstatuen der Apostel Peter (mit Schlüssel) und Paul (mit Schwert; beide aus der Empirezeit), die barocke Kopie des Marienikone "Unsere Liebe Frau von Philermos" (über dem Tabernakel), die zwei Holzstatuen der Heiligen Antonius und Thaddäus (jeweils rechts bzw. links unter der Orgelempore), die empiristische Kanzel, über 40 Wappenschilder einzelner Ordensmitglieder.[7] Das Innere der Kirche ist schlicht und schnörkellos.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malteserkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter CSENDES, Ferdinand OPLL (Hrsg.): Wien – Geschichte einer Stadt; Band 1; Wien-Köln-Weimar: Böhlau, 2001, SS. 100 und 236
  2. a b c Kirchen in Wien: Malteserkirche, abgerufen am 17. September 2012.
  3. Eugen MESSNER: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des 1. Wiener Gemeindebezirkes. Wien-Leipzig: Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, 1928, S. 103
  4. a b Günter LADE: Orgeln in Wien. Wien 1990, ISBN 3-9500017-0-0, S. 54
  5. Orgelbau Pirchner: Werke in Auswahl, abgerufen am 17. September 2012.
  6. vgl. dazu die steinerne Erinnerungstafel gleich links hinter dem Hauseingang Kärntnerstraße 37
  7. a b c d Website des Malteserordens: Informationen zur Kirche, abgerufen am 17. September 2012

48.20516.371111111111Koordinaten: 48° 12′ 18″ N, 16° 22′ 16″ O