Malu Dreyer

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Malu Dreyer, 2014
Dreyer bei einer Rede im August 2013

Maria Luise Anna „Malu“ Dreyer[1][2] (* 6. Februar 1961 in Neustadt an der Weinstraße) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Seit dem 16. Januar 2013 ist sie Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und damit die erste Frau, die dieses Bundesland regiert.

Der rheinland-pfälzischen Landesregierung hatte sie bereits ab März 2002 als Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie angehört.

Werdegang[Bearbeiten]

Herkunft, Ausbildung und berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Dreyer wurde als zweites von drei Kindern einer Erzieherin und eines Schulleiters geboren.[3] Nach einem Auslandsschuljahr im kalifornischen Claremont 1977[4] und dem Abitur 1980 am Käthe-Kollwitz-Gymnasium Neustadt begann sie ein Studium der Anglistik und Katholischen Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Jahr darauf wechselte sie zur Rechtswissenschaft. Sie absolvierte sowohl 1987 die Erste als auch drei Jahre später die Zweite Juristische Staatsprüfung mit einem Prädikatsexamen.[3]

Ab 1989 arbeitete Dreyer an der Mainzer Universität als Wissenschaftliche Assistentin von Hans-Joachim Pflug.[5] 1991 wurde sie zur Richterin auf Probe ernannt und erhielt einen Dienstleistungsauftrag als Staatsanwältin in Bad Kreuznach.[4]

Politische Laufbahn auf lokaler und Landesebene[Bearbeiten]

Dreyer ist Mitglied der SPD. Von 1995 bis 1997 war sie hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt Bad Kreuznach. Ab 1997 leitete sie als Dezernentin den Bereich Soziales, Jugend und Wohnen der Stadt Mainz.

Am 15. März 2002 berief sie der damalige Ministerpräsident Kurt Beck als Nachfolgerin von Florian Gerster in sein Kabinett. Dreyer war dann bis Januar 2013 rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demografie. Heftig kritisiert durch die Opposition im Landtag wurde sie im Zuge der so genannten „Rodalben-Affäre“. In der südwestpfälzischen Stadt war im November 2003 eine Erzieherin von zwei 16- und einem 17-jährigen Insassen eines Jugendheims erstochen worden. Die Opposition warf der Sozialministerin schwere Versäumnisse bei der Planung und Umsetzung des Projekts „Heimunterbringung statt Untersuchungshaft“ vor und forderte 2004 ihren Rücktritt.[6]

Seit dem 15. Januar 2005 ist Dreyer Vorsitzende der SPD Trier. Bei der für die SPD äußerst erfolgreichen Landtagswahl vom 26. März 2006 trat Dreyer als Nachfolgerin des ausscheidenden Landtagspräsidenten Christoph Grimm als Kandidatin für den Wahlkreis Trier an; sie setzte sich dabei unter anderem gegen den CDU-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Christoph Böhr durch, der nach der Wahl sämtliche Parteiämter niederlegte. Bei der Landtagswahl 2011 gewann sie mit 40,6 Prozent der Erststimmen erneut das Direktmandat im Wahlkreis Trier.[7]

Nachdem Kurt Beck am 28. September 2012 seinen Rücktritt als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz für Anfang 2013 angekündigt hatte,[8][9][10] wurde Dreyer am 16. Januar 2013 vom Landtag mit 60 der insgesamt 100 Stimmen zur Regierungschefin gewählt. Damit war sie die vierte amtierende Ministerpräsidentin in Deutschland.[11] Dreyer übernahm von Kurt Beck zudem den Vorsitz der Rundfunkkommission der Länder.[12]

Kabinette[Bearbeiten]

  • Kabinett Beck III (März 2002 – Mai 2006): Ministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit
  • Kabinett Beck IV (Mai 2006 – Mai 2011): Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familien und Frauen
  • Kabinett Beck V (Mai 2011 – Januar 2013): Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie
  • Kabinett Dreyer (seit 16. Januar 2013): Ministerpräsidentin

Privates[Bearbeiten]

Malu Dreyer ist seit Juli 2004 mit Klaus Jensen, damals Staatssekretär, heute Oberbürgermeister von Trier, verheiratet.[13] Die bekennende Katholikin lebt mit ihrem Ehemann im Schammatdorf,[14] einem inklusiven und generationenübergreifenden Wohnprojekt nahe der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier. Seit 1994 ist Dreyer an Multipler Sklerose[15][16] erkrankt, daher ist sie zur Fortbewegung auf längeren Wegstrecken auf einen Rollstuhl angewiesen.[17] Sie ist unter anderem Schirmherrin von TAG Trier, einem Projekt von Multiple-Sklerose-Betroffenen für MS-Betroffene.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malu Dreyer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Jung & Naiv“ – mit Maria Luise Anna Dreyer
  2. Glücksmomente jenseits des Stress. In: volksfreund.de. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  3. a b Malu Dreyer – Eine starke Frau wird Landesmutter. In: rhein-zeitung.de. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  4. a b Gesundheit für Kinder und Familien (PDF; 1,2 MB) In: vivafamilia.de. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  5. Die Abgeordneten des Landtags Rheinland-Pfalz: 16. Wahlperiode 2011–2016. In: landtag.rlp.de. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  6. Thomas Struk: CDU fordert Rücktritt der Sozialministerin. General-Anzeiger (Bonn) vom 2. Juni 2005, S. 5
  7. Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz, abgerufen am 28. März 2011
  8. Beck zieht den letzten Trumpf, Stuttgarter Zeitung, abgerufen am 28. September 2012
  9. Regierungschef Beck geht nach 18 Jahren, Berliner Morgenpost, abgerufen am 28. September 2012
  10. Dreyer plant als Ministerpräsidentin über 2016 hinaus, swr.de, abgerufen am 1. Oktober 2012
  11. Wechsel an der Regierungsspitze in Rheinland-Pfalz, Dreyer zur neuen Ministerpräsidentin gewählt, swr.de, abgerufen am 16. Januar 2013
  12. Verband Privater Rundfunk und Telemedien e. V. vom 1. Februar 2013: Vorsitz der Rundfunkkommission der Länder bleibt bei Rheinland-Pfalz, abgerufen am 25. Juni 2013
  13. Beck erster Gratulant. In: volksfreund.de. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  14. Im Trierer Schammatdorf lebt das Miteinander – Malu Dreyer mittendrin, In: rhein-zeitung.de, abgerufen am 19. Oktober 2014
  15. Malu Dreyer: Kandidatin der Herzen. In: faz.net. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  16. Glauben und Wissen 11/2013, Seite 74–79, Interview mit Malu Dreyer
  17. Malu Dreyer trotzt ihrer Krankheit, rp-online.de, 2. Oktober 2012, abgerufen am 3. Oktober 2012