Manatuto

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Manatuto (Begriffsklärung) aufgeführt.
Manatuto
Manatuto (Osttimor)
Manatuto
Manatuto
Koordinaten 8° 31′ S, 126° 1′ O-8.5113888888889126.01305555556Koordinaten: 8° 31′ S, 126° 1′ O
Manatuto subdistricts.png
Basisdaten
Staat Osttimor

Distrikt

Manatuto
Subdistrikt Manatuto
Suco Ma'abat, Sau
Höhe 0 m
Einwohner 9022
Luftbild von Manatuto (2009)
Luftbild von Manatuto (2009)

Manatuto (Vila de Manatuto, Manaluto, tetum Manatutu) ist die Hauptstadt des gleichnamigen osttimoresischen Distrikts und Subdistrikts.

Geographie[Bearbeiten]

Der Ort Manatuto liegt an der Nordküste Timors, an der Straße von Wetar. Westlich der Stadt mündet der Nördlichen Lacló, einer der größten Flüssen Osttimors, in das Meer. Die Landeshauptstadt Dili ist in Luftlinie knapp 50 km entfernt. Auf der der verhältnismäßig gut ausgebauten Küstenstraße sind es 87 km bis Dili und 60 km nach Baucau im Osten. Die Stadt liegt beiderseits der Grenze der Sucos Ma'abat und Sau. Die Stadt besteht aus mehreren Ortschaften, die eng beianander liegen.[1]

In der Stadt gibt es eine Vorschule, zwei Grundschulen, zwei präsekundäre Schulen und drei Sekundärschulen. Außerdem einen Hubschrauberlandeplatz, ein kommunales Gesundheitszentrum und einen Posten der Nationalpolizei Osttimors. Vier Überlandstraßen treffen in Manatuto zusammen: Aus Laclubar, Laclo, Dili und Vemasse.[1] Die Kirche des Ortes ist im kolonialen, portugiesischen Stil gehalten. Zwei rechteckige Türme umrahmen die Fassade des Eingangs. Auf dem dazwischen gelegenen Giebeldach thront über den Eingang ein Kreuz. Der Grundstein der Kirche wurde am 20. September 1880 durch Pater Gracez gelegt. Eingeweiht wurde sie im Januar 1886. 1936 wurde die Kirche unter Padre Ave Maria de Almeida und in den Jahren 1950, 1986 und 2009 renoviert.

Ortsteile von Manatuto
Orte Position[2] Höhe Orte Position Höhe
Ailili 8° 31′ S, 126° 1′ O-8.5119444444444126.011666666670 m Aiteas 8° 31′ S, 126° 1′ O-8.5105555555556126.015833333330 m
Aitehen 8° 31′ S, 126° 2′ O-8.5127777777778126.0305555555621 21 m Berato 8° 31′ S, 126° 1′ O-8.5144444444444126.0229 29 m
Iun 8° 31′ S, 126° 1′ O-8.5138888888889126.0158333333329 29 m Ma'abat 8° 31′ S, 126° 1′ O-8.5125126.0205555555629 29 m
Manatuto 8° 31′ S, 126° 1′ O-8.5113888888889126.013055555560 m Sau 8° 31′ S, 126° 1′ O-8.51126.011111111110 m

Manatuto ist mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von nur 565 mm einer der trockensten Orte Timors.[4]

Einwohner[Bearbeiten]

In Manatuto leben 9.022 Menschen (2010).[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche von Manatuto (Juni 1970)
Zerstörte Mission der Canossianerschwestern in Manatuto (Oktober 1999)

Manatuto war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[6][7] Schon früh hatten die Dominikaner hier eine Mission gegründet, doch noch bis 1668/69 hatten Händler aus Makassar hier einen großen Einfluss.[8] Dem Dominikaner Manuel de Santo António gelang um 1700 die Bekehrung des Liurais von Manatuto.[9]

1730 schloss Gouverneur Pedro de Melo mit dem Liurai ein Bündnis. 85 Tage lang war Melo von 15.000 feindlichen Kriegern in Manatuto belagert, bis ihm der Ausbruch am 13. Januar 1731 gelang. Gouverneur Pedro de Rego Barreto da Gama e Castro errichtete in Manatuto im selben Jahr eine Garnison. 1738 entstand hier das zweite Priesterseminar Timors nach dem Seminar in Oecusse. Von 1769 bis 1877 hatte der Bischof für die Kolonie seinen Sitz in Manatuto anstatt in der Hauptstadt Dili.

Gouverneur Feliciano António Nogueira Lisboa (1788 bis 1790) geriet in Streit mit dem Mönch Francisco Luis Francisco da Cunha, dem Vertreter der katholischen Kirche in Manatuto. Beide beschuldigten sich gegenseitig unter anderem der Raubüberfälle und dem Diebstahl von Zolleinnahmen. Um den Gouverneur loszuwerden, wiegelte der Mönch die Einwohner Manatutos zur Rebellion auf. Christianisierte Timoresen drohten die Revolte auf ganz Belu auszudehnen. Schließlich griff der Vizekönig von Goa durch, ließ beide Männer verhaften und von Timor ausweisen. Der neue Gouverneur Joaquim Xavier de Morais Sarmento (1790 bis 1794) brachte die Lage wieder unter Kontrolle.[10][11]

Am 31. Dezember 1975 landeten während der Invasions Osttimors indonesische Truppen in Manatuto. In der Stadt gab es Ende 1979 ein indonesisches Umsiedlungslager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den indonesischen Besatzern umgesiedelt werden sollten.[12] In der Krise von 1999 blieb auch Manatuto nicht von Zerstörungen verschont.

Am 5. April 2007 kam es in den Außenbezirken Manatutos im Vorfeld der Präsidentenwahl zu einem schweren Zwischenfall. Etwa tausend FRETILIN-Anhänger wurden auf einer 300 m langen Brücke von 20 UN-Polizei und 25 neuseeländischen Soldaten der ISF gestoppt, da sich unter den Parteianhängern etwa 50 mit Macheten Bewaffnete befanden. Sie wurden entwaffnet, doch als sie passiert hatten, wurden sie von etwa 600 Oppositionsanhängern gestoppt, die eine Straßenbarrikade errichteten. Diese beschossen die FRETILIN-Anhänger mit Stahlpfeilen und warfen Steine. Die Polizeikräfte zogen sich daraufhin aufgrund der zu großen Gefahr in ihre Fahrzeuge zurück, während die FRETILIN-Anhänger auf der Brücke zwischen den Angreifern auf der einen Seite und den eigenen Fahrzeugen auf der anderen Seite auf der Brücke eingekeilt waren. Die Polizei feuerte Warnschüsse ab, während sich 16 Soldaten zwischen die Gruppen stellte. Auch Tränengas wurde eingesetzt. Nach zwei bis drei Stunden kamen australische Soldaten und portugiesische Polizisten als Verstärkung und räumten die Straßensperre, so dass die FRETILIN-Anhänger passieren konnten.[13]

Kultur[Bearbeiten]

Am 13. Juni findet jährlich in Manatuto das Fest des heiligen Antonius statt. Männer verkleiden sich als Vogelscheuchen mit einfachen Masken aus Pappe, Stoff oder Plastik und tragen Gewänder, die mit Stroh ausstaffiert sind. Teil des Festes sind auch Reiterspiele mit prächtig geschmückten Timor-Ponys. Außerdem treten Moradores und Schulkapellen auf.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manatuto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 581 kB)
  2. Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  3. Seeds of Life
  4. Asian Development Bank: TIM: District Capitals Water Supply Project – Rehabilitation of Lake Lehumo, September 2011, abgerufen am 23. Februar 2014.
  5. Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,2 MB)
  6. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  7. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  8. Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650-1769
  9. Artur Teodoro de Matos: D. Frei Manuel de Santo António: missionário e primeiro bispo residente em Timor. Elementos para a sua biografia (1660-1733) (portugiesisch)
  10. History of Timor, S. 50 – Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB)
  11. Chronologie de l’histoire du Timor (1512-1945) suivie des événements récents (1975-1999) (französisch; PDF; 887 kB)
  12. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  13. NZ Herald, 31. Dezember 2007, New Year Honours: Ambush on bridge put platoon in rough spot
  14. Festival St. Antonio (Manatuto)