Manavgat (Fluss)

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Manavgat
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Manavgatwasserfall

Manavgatwasserfall

DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage Provinz Antalya, Türkei
Flusssystem ManavgatVorlage:Infobox Fluss/QUELLE_fehlt
Mündung Titreyengöl (südöstlich von Manavgat) ins Mittelmeer36.73672431.493826Koordinaten: 36° 44′ 12″ N, 31° 29′ 38″ O
36° 44′ 12″ N, 31° 29′ 38″ O36.73672431.493826
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Länge 93 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 928,4 km²[1]
Durchflossene Stauseen Oymapınar-Talsperre und Manavgatstausee
Großstädte Manavgat
Gemeinden Kuyucak, Gümüşdamla, Üzümdere, Sinanhoca, Oymapınar, Titreyengöl

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Manavgat türkisch Manavgat Nehri ist ein Fluss in der türkischen Provinz Antalya. Sein antiker griechischer Name ist Melas.

Geographie[Bearbeiten]

Er entspringt mit zwei kleinen Quellbächen im westlichen Taurusgebirge im Landkreis Akseki. Der westliche Arm entspringt bei Kuyucak am Kıraca Dagı in circa 1.500 m Höhe, der östliche in circa 1.200 m Höhe am Teke Geçidi (auf Deutsch: Ziegenpass). Unterhalb von Kuyucak vereinigen sich die Quellbäche und wird ab hier Manavagat Çayı genannt. Er enthält wenig Wasser, das vom Winterschnee, Regen und Karstquellen gespeist wird, so dass er nie austrocknet. Der Fluss fließt fast exakt von Norden nach Süden; auf seinen Weg zum Mittelmeer wird er zweimal aufgestaut: als erstes durch die Talsperre von Oymapınar, die den Oymapınar-Stausee (auf Türkisch Oymapınar Barajı) bildet, und wenige Kilometer weiter südlich durch den Manavgat-Staudamm (auf Türkisch Manavagat Barajı). Nach dem zweiten Staudamm ist der Manavgat durchschnittlich 3,5 m tief und hat ein circa 50 m breites Flussbett.[2] Hinter Manavgat mündet er nach 93 km bei der Ortschaft Titreyengöl südlich der Stadt Manavgat in den Golf von Antalya.

Die alluvial (von Ablagerungen) geprägte Flussmündung wächst seit Erbauung der Staudämme nicht mehr, da durch diese die Sedimente zurückgehalten werden. Auf Grund der vorherrschenden Westwinde verschob sich die Mündung des Flusses immer weiter nach Osten, parallel zur Küste, deswegen wurde die Mündung mit Stahlspundwänden geschützt, um sie dauerhaft zu stabilisieren.[3] Nach erfolgreicher Stabilisierung wurde bis 1998 eine Landungsbrücke gebaut. Bei Sturm auf dem Mittelmeer kann es vorkommen, dass die Mündung vom Meer blockiert wird und das Wasser sich bis Manavgat-Stadt zurückstaut und dort Überflutungen erzeugt.

Ungefähr drei Kilometer südlich des Manavgat-Stausees befinden sich die kleinen Wasserfälle, auf Türkisch küçük şelale, bei denen es sich aber eher um Stromschnellen handelt. Am nördlichen Stadtrand von Manavgat liegt der große Manavgat-Wasserfall, auf Türkisch büyük şelale, mit einer Fallhöhe von circa 1,5 m.

Manavgat Stromschnellen (küçük şelale; "kleiner Wasserfall") nördlich der Stadt Manavgat.

Das meiste Wasser bezieht der Fluss aus einer unterirdischen Quelle, die Dumanlı (türkisch: "die Rauchige") genannt wird. Seit dem Bau des Oymapınar-Stausee liegt diese Quelle mitten im See. Sie wird von einem unterirdischen Flusssystem gespeist, das zu den längsten der Welt gehört.[4] Die Dumanlı-Quelle gilt als die ergiebigste Karstquelle weltweit; selbst in Trockenzeiten sprudeln hier über 35,6 m³/sec. Der durchschnittliche Quellwasserausstoß beträgt ungefähr 50 m³/sec.[5]

Ab da kann man von einem „richtigen Fluss“ sprechen, er wird ab hier Manavgat Nehri genannt.

Die durchschnittliche Wassermenge des Flusses beträgt im Hochsommer 20 m³/sec und im Frühling 1000 m³/sec. Im Jahresdurchschnitt sind es 147 m³/sec.[6]

Das Einzugsgebiet des Manavgat-Flusssystems beträgt circa 928,4 km².[7] Der Fluss besitzt keine nennenswerte Nebenflüsse.

Mythologie[Bearbeiten]

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Side war die Tochter von Taurus und Kimolos und die pamphylische Göttin der Fruchtbarkeit. Eines Tages ging Side mit ihrer Tochter am Melas spazieren um mit den Nymphen des Melas Blumenkränze zu binden. Während sie so am Flussufer tanzten und Kränze mit den Nymphen banden, bemerkte Side einen wunderschönen Baum mit dünnen Ästen, glänzenden Blättern und voller Blüten, einen Baum, den sie nie zuvor gesehen hatte. Sie ging zu dem Baum und brach den schönsten Zweig, um ihn ihrer Tochter als Geschenk zu geben. Doch plötzlich begannen Zweig und Baum zu bluten, und Side erkannte, dass es sich bei dem Baum um eine Nymphe handelte, die sich in einen Baum verwandelte, um den Nachstellung durch böse Menschen zu entgehen. Side wollte vor Kummer weglaufen, aber sie konnte nicht mehr. Sie fühlte, wie ihre Beine in den Boden wuchsen und zu Wurzeln wurden. Ihre Haut formte sich langsam zu einer Rinde und Side wurde zu einem Baum verwandelt. Die Nymphen weinten bitterlich und ihre Tränen speisen noch heute die (Dumanlı-) Quelle.

Wasseranalyse[Bearbeiten]

Beim Wasser des Manavgat handelt es sich um Trinkwasser im Rahmen der Türkischen Norm, der EU-Norm und der WHO-Norm. Der ph-Wert liegt im langjährigen Mittel bei 7,7; die Temperatur im Schnitt bei 16,5 °C und die mittlere Fließgeschwindigkeit bei 36 m³/sec. Es wurden keine Koli-Bakterien im Wasser gefunden. Die Nitrit- und Nitratbelastung ist äußerst gering; sie liegt bei 0,01 NO2 mg/l bzw. 0,4 – 2,3 NO3N mg/l. Wegen seiner vielen Mineralien (u.a. Kalzium, Magnesium, Sulfate und Eisen) hat das Wasser den deutschen Härtegrad „drei = hart“.[8]

Fauna und Flora[Bearbeiten]

Fauna[Bearbeiten]

Der Fluss und seine beiden Stauseen mit ihrem kalten sauerstoffreichen Wasser ist reich an Fischen, vor allem Forellen Salmo trutta, Karpfen Cyprinus carpio, Meeräschen Mugilidae, Barsche Perciformes und Schwarzfische Centrolophus niger. Im Uferbereich leben und nisten zahlreiche Vögel, wie wilde Enten Anatidae und Gänse Anserinae, Eisvögel Alcedo atthis, Graureiher Ardea cinerea und Rebhühner Perdix perdix. Auch leben viele Süßwasserschildkröten im Fluss. Am Fluss leben wilde Ziegen, Wildschweine und viele Kaninchen.

Flora[Bearbeiten]

Der Fluss wird von typisch mediterranen Gewächsen umgeben. Im Oberlauf ist der Bach von Pappeln, Weiden, Ulmen, Platanen und Maulbeerbäumen gesäumt. Am Unterlauf befinden sich Zitrusplantagen.

Besiedlung[Bearbeiten]

Am Oberlauf des Manavgat befinden sich von Nord nach Süd die Dörfer Kuyucak, Gümüşdamla und Üzümdere, alle zum Landkreis Akseki gehörig. Sinanhoca, Oymapınar, Dikmen und Titreyengöl am Unterlauf gehören zum Landkreis Manavgat. Die einzige größere Stadt am Fluss trägt seinen Namen und hat etwa 100.000 Einwohner.

Tourismus[Bearbeiten]

Der untere Flussteil bei der Stadt Manavgat sowie die beiden Stauseen werden touristisch genutzt. Zahlreiche Ausflugsboote stehen zur Verfügung und viele Cafés und Restaurant sind am Ufer beziehungsweise auf dem Fluss aufgebaut. In den Sommermonaten ist der große Manavgat-Wasserfall ein sehr stark besuchtes Ziel von Touristen und Einheimischen. Am Ende des Manavgat-Stausee, wo der Fluss den See verlässt, gibt es die Möglichkeit zum Canyoning und Rafting, der hier besonders schöne Flussabschnitt wird „Grüner Canyon“, türkisch yeşil kanyon, genannt. Ab dem Oymapınar werden bis zur Mündung Boots- und Kanufahrten angeboten.

Ungefähr 20 km vor dem Oymapınar-Stausee befindet sich auf Höhe des Dorfes Ürünlü eine Karsthöhle, die sehenswerte Düdensuyu Mağarası, auf Deutsch: Dolinenwasser-Höhle, welche erst 1966 entdeckt wurde. Sie ist reich an Stalagmiten und Stalaktiten. In der Höhle befindet sich ein unterirdischer See und die Wasserläufe stehen mit der Dumanlı-Quelle in Verbindung.

Etwa fünf Kilometer westlich des Oymapınar-Stausee liegt die antike Ruinenstätte Seleukia.

Wirtschaftliche Nutzung[Bearbeiten]

Das Wasser des Flusses dient zur Energieversorgung (Turbinenkapazität der beiden Staudämme: knapp 600 MW)[9] und als Trinkwasserquelle für den Landkreis Manavgat. Die Wassermenge variiert jedoch stark mit den Jahreszeiten und beträgt durchschnittlich 147 m³ pro Sekunde. Im Frühjahr werden bis zu 1000 m³ pro Sekunde erreicht.

In römischer Zeit wurde in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts ein 25 m hohes Aquädukt errichtet, das Wasser von der Dumanlı nach Side brachte; teilweise wurde die Leitung in den Felsen gehauen. Reste des Bauwerkes stehen noch in der Nähe der Stadt Manavgat. Die technisch interessantesten Teilstücke sind vom Oymapınar-Stausee geflutet worden.

Manavgat Wasser Projekt, Manavgat suyu projesi[Bearbeiten]

1992 wurde erstmals geplant, Wasser des Manavgat zu verkaufen. Die DSİ, die türkische Wasserbehörde, wurde beauftragt, Pläne für Pipelines und Pumpanlagen auszuarbeiten.[10] Seit 1998 wird Wasser in Städte nördlich von Manavgat gepumpt. Ebenfalls 1998 wurde begonnen, Wasser in Plastikbehältern, den sogenannten Medusa-Bags (große aufblasbare Plastikcontainer) an die Türkische Republik Nordzypern zu verkaufen. Bis 2002 wurden so bis zu sieben Millionen Kubikmeter verkauft, bei einem Kubikmeter-Preis von 0,55 US-Dollar, danach wurde das Projekt abgebrochen – ob dies wegen mangelnder Rentabilität oder wegen den unzuverlässigen Behältern geschah, blieb unklar.

2004 wurde nach langen Verhandlungen ein Vertrag zwischen der Türkei und Israel über das Manavgat-Wasser geschlossen. 50 Millionen Kubikmeter sollten für die nächsten 20 Jahre von der Türkei mit großen Tankern nach Askalon geliefert werden. Die Türkei investierte daraufhin 147 Millionen US-Dollar in Verlade- und Wasseraufbereitungsanlagen und baute eine Anlegestelle an der Manavgat-Mündung. Seit Mai 2006 ruht der Vertrag, angeblich weil die Nutzung von Tankschiffen zu teuer gekommen wäre. Politische Gegner der AKP behaupten, dass Erdoğan keine Geschäfte mehr mit Israel tätigen wollte. Als alternative Abnehmerländer werden mit Malta, Marokko, Algerien und Saudi-Arabien Gespräche geführt, bisher ohne konkretes Ergebnis.[11]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Melas war schon in der Antike ein Verkehrshindernis an der Küstenstraße von Attaleia (heute Antalya) nach Korakesion (heute Alanya). Quellen über eine römische Brücke über den Fluss sind sehr unsicher; bisher wurden noch keine Spuren davon entdeckt. Die erste Brücke über den Manavgat wurde als Stahlkonstruktion von 1931 bis 1938 durch die deutsche Firma Krupp errichtet. Sie wurde 2012 nach Rauf Denktaş, dem ersten Präsidenten der Republik Nordzypern, umbenannt. In den 1990er Jahren wurde eine Autobahnbrücke südlich von Manavgat über den Fluss geschlagen und eine weitere Brücke im Norden der Stadt Manavgat errichtet, die yenı köprü, die "neue Brücke". Zeitgleich mit dem Bau des Manavgat-Staudamms 1986 wurde südlich davon ebenfalls eine Brücke errichtet, so dass der Fluss in seinem unterem Abschnitt kein Verkehrshindernis mehr darstellt. Nördlich des Manavgat-Stausees gibt es aber keine Brücken mehr über den Fluss.

Literatur[Bearbeiten]

Hillel Shuval, Hassan Dweik (Herausgeber): Water Resources in the Middle East: Israel-Palestinian Water Issues; Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. I. Simmers (Herausgeber): Estimation of Natural Groundwater Recharge, D. Reidel Publishing Company, Dordrecht, Nederland, 1987; Seite 409
  2. http://www.yukselproje.com.tr/down/makaleler/16.pdf
  3. http://www.yukselproje.com.tr/down/makaleler/16.pdf
  4. http://www.side-manavgat.com/tr/manavgat/nehir.html
  5. N. Kresic, Z. Stefanovic (Herausgeber): Groundwater Hydrology of Springs; Butterworth Heinemann, Burlington, USA 2010; Seite 482
  6. http://www.yukselproje.com.tr/down/makaleler/16.pdf
  7. I. Simmers (Herausgeber): Estimation of Natural Groundwater Recharge, D. Reidel Publishing Company, Dordrecht, Nederland, 1987; Seite 409
  8. Hillel Shuval, Hassan Dweik (Herausgeber): Water Resources in the Middle East: Israel-Palestinian Water Issues; Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 2007, Seite 181f
  9. http://www.dsi.gov.tr
  10. Hillel Shuval, Hassan Dweik (Herausgeber): Water Resources in the Middle East: Israel-Palestinian Water Issues; Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 2007, Seite 175
  11. Hillel Shuval, Hassan Dweik (Herausgeber): Water Resources in the Middle East: Israel-Palestinian Water Issues; S. 178, Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manavgat (Fluss) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien