Mandapa

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Shankara-Madha-Tempel, Kunda, Madhya Pradesh (um 420) – Tempel ohne Fenster, Außenwandgliederung, Vorhalle (mandapa) oder Turmaufbau (shikhara); der Pfeilerstumpf im Vordergrund könnte auf das ehemalige Vorhandensein einer hölzernen Vorhalle hinweisen.
Kankali-Devi-Tempel, Tigawa, Madhya Pradesh (um 420) – Tempel ohne Außenwandgliederung, Fenster oder Turmaufbau (shikhara) aber mit Vorhalle (mandapa)
Hoysalesvara-Tempel in Halebidu, Karnataka (um 1120) – Tempel mit weiträumiger Vorhalle
Pattabhirama-Tempel, Hampi, Karnataka (um 1450) – Tempel mit weiträumiger Vorhalle

Der Begriff Mandapa (Sanskrit: मंडप; auch als Mantapa oder Mandapam bekannt) bezeichnet in der indischen Architektur eine seitlich offene Säulenhalle, die einem buddhistischen, hinduistischen oder jainistischen Tempel vorgelagert ist.

Entstehung[Bearbeiten]

Obwohl sich keine indischen Tempelbauten aus der Zeit vor Christi Geburt erhalten haben, muss man doch davon ausgehen, dass solche existierten. Es waren wahrscheinlich einräumige und fensterlose Bauten aus Schilf, Holz und Lehm – vergleichbar den in vielen ländlichen Gegenden Indiens immer noch anzutreffenden Wohnhütten. Die Belichtung und Belüftung dieser Bauten erfolgte ausschließlich über den stets unverschlossenen und geöffneten Eingang. Eine Vorhalle aus Holzstützen und mit einer Abdeckung aus Ästen und Blättern sorgte wahrscheinlich bei vielen dieser Bauten für einen gewissen Wetterschutz.

Entwicklung[Bearbeiten]

Einige der frühen buddhistischen Kult- oder Wohnhöhlen verfügten über Vorräume in Gestalt eines etwa zwei Meter tiefen und bis zu zehn Meter breiten Portikus (mandapa). Erst in der Zeit des Gupta-Reiches (ca. 350–550) erhielten auch hinduistische Höhlentempel (Udayagiri) freistehende Vorhallen aus Stein. Gleichzeitig wurden die ersten (erhaltenen) freistehenden Tempel Indiens (Gupta-Tempel) errichtet, von denen die meisten seitlich geschlossene Vorräume (antaralas) (z. B. Amrol) oder seitlich offene Vorhallen (mandapas) hatten, die auch im 5./6. Jahrhundert – vor allem bei überdachten Umgängen – immer noch aus Holz gefertigt sein konnten (z. B. beim Dashavatara-Tempel in Deogarh).

Mit dem Bau des Kalika-Mata-Tempels im Fort von Chittaurgarh begann – nach heutigem Kenntnisstand – eine Entwicklung, die für die späteren nordindischen Tempel wegweisend sein sollte: Vorhalle (mandapa) und Sanktumsbereich (garbhagriha) wurden in Größe und Form annähernd gleich gestaltet und so miteinander verbunden, dass von außen nur noch anhand des Shikhara-Turms erkennbar ist, um welchen Bauteil es sich handelt. Die hier entwickelten baulichen Prinzipien finden ihren Höhepunkt in den Bauten von Khajuraho (z. B. Lakshmana-Tempel, Kandariya-Mahadeva-Tempel u. a.).

In den meisten Regionen Mittel- und Südindiens fand eine derartige Harmonisierung und Verschmelzung der Bauteile nicht statt. Die Mandapas blieben dort architektonisch weitgehend eigenständige Bauteile, die aber riesige Ausmaße annehmen konnten.

Platzierung[Bearbeiten]

Ein kleiner Vorraum (antarala) oder eine Vorhalle (mandapa) befindet sich regelmäßig vor dem Eingang zur garbhagriha („Mutterschoßkammer“, dem Allerheiligsten eines Tempels).[1] In der Blütezeit der nordindischen Tempelbaukunst (Khajuraho, Bhubaneshwar) wurden mehrere Mandapas (mukhamandapa oder ardhamandapa = Eingangshalle; mahamandapa = große Halle, oft auch als ‚Tanzhalle‘ bezeichnet) hinzugefügt, so dass der größere Teil der Tempelfläche aus Mandapas bestand.

Funktion[Bearbeiten]

Die Mandapa diente wohl ursprünglich hauptsächlich als überdachter Schutzraum für die Gläubigen, da diese den Sanktumsbereich des Tempels – auch bei starker Sonneneinstrahlung oder bei Gewitter- oder Monsunregen – nicht betreten durften. In späterer Zeit wird die Mandapa als ein Ort der Meditation betrachtet, in welchem sich der Gläubige geistig sammelt, bevor er – unter der Leitung von Brahmanen – die Puja im eigentlichen Heiligtum vollzieht. Das Hintereinanderschalten mehrerer – zusätzlich noch in der Bodenhöhe abgestufter – Mandapas verlängerte und steigerte den Weg des Gläubigen von der Außenwelt zur garbhagriha, d. h. zum Kultbild oder Lingam.

Indonesien[Bearbeiten]

Die Mandapa unterscheidet sich vom verwandten Mondop, einem würfelförmigen Gebäude innerhalb eines buddhistischen Wat. Von Mandapa leitet sich auch das Wort Pendopo für Pavillons in der javanischen Architektur ab.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volwahsen, Andreas (1993): Indien: Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains, Köln: Taschen, S. 141.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mandapa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien