Manesse Verlag

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Manesse Verlag
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Gründung 1944
Sitz München[1]
Verleger Horst Lauinger[2]
Verlagsnummer 3-7175[3]
Verlagsgruppe Random House
Gattung klassische Literatur
Website www.manesse.ch

Der Manesse Verlag ist ein deutscher Verlag für klassische Literatur, der 1944 in Zürich gegründet wurde und heute zur Verlagsgruppe Random House mit Sitz in München gehört.[1] Der Verlag ist vor allem für seine Bibliothek der Weltliteratur bekannt[4], veröffentlicht heute aber auch Erst- und Neuübersetzungen klassischer Werke außerhalb dieser Reihe.[5] Manesse wird von Horst Lauinger geleitet.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Walther Meier gründete den Manesse Verlag 1944 in Zürich. Bereits zwei Jahre zuvor war er an das Druckhaus Conzett & Huber herangetreten, um seine Idee einer „weltliterarischen Bibliothek“ für klassische Literatur zu diskutieren.[6] Für die Bezeichnung des Verlags orientierte man sich am Codex Manesse.[7] Die ersten beiden Werke, die 1944 im Manesse Verlag erschienen, waren „Moby Dick“ von Herman Melville in einer Übersetzung von Fritz Güttinger sowie „Goethe im Gespräch“ von Eduard Korrodi.[8] Mitte der 1950er Jahre erschien mit dem Titel „Deutsche Lyrik des Mittelalters“ von Max Wehrli der 100. Band der sogenannten Manesse Bibliothek der Weltliteratur[9], 2004 mit Henry Fieldings „Tom Jones“ der 600. Band.[10] Nachdem Walther Meier bereits Anfang der 1970er Jahre die Leitung des Verlags an Federico Hindermann übergeben hatte, trennte sich 1983 Conzett & Huber vollständig von Manesse.[11] Der Verlag wurde ein selbstständiges Unternehmen und von der Deutschen Verlags-Anstalt übernommen.

Nach der Jahrtausendwende folgte Horst Lauinger auf Anne Marie Wells als Leiter des Verlags.[12] Im September 2005 wurde bekannt, dass die Verlagsgruppe Random House die Buchverlage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung übernehmen wollte, wozu neben Manesse auch die DVA und der Kösel-Verlag zählten.[13] Der Kaufpreis lag nach Medienberichten im unteren zweistelligen Millionenbereich.[14] Von Beobachtern wurde die Transaktion als „Spätfolge der Zeitungskrise“ eingestuft[15], Verleger konkurrierender Unternehmen warnten vor einer weiteren Konzentration der Branche.[16] Man befürchtete insbesondere, die Vielfalt des deutschen Buchmarkts würde gefährdet.[17] Die Verlagsgruppe Random House übernahm sämtliche Anteile an der Manesse Verlag GmbH und war damit alleinige Gesellschafterin.[18] Manesse ist heute ein programmatisch und verlegerisch eigenständiger Verlag des Unternehmens[19], die entsprechende Gesellschaft wurde aus dem Handelsregister gelöscht.[20]

Programm[Bearbeiten]

„Eine Frage der Schuld“ (2008)

Manesse ist ein Klassikerverlag, der vor allem Neu- und Erstübersetzungen veröffentlicht.[2] Im Verlag erschienen Werke von Autoren wie zum Beispiel Jane Austen, Herman Bang, Tania Blixen, Elizabeth Gaskell, Eduard von Keyserling, Joaquim Maria Machado de Assis, Nizami, Italo Svevo und Tanizaki Jun’ichirō.[21] 1994 gab Manesse „Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts“ von Marcel Reich-Ranicki heraus.[22] Größere Bekanntheit erreichte der Verlag 2001 mit „Eine Bluttat, ein Betrug und ein Bund fürs Leben“ von Mark Twain. Die Erzählung wurde in einer Übersetzung von Frank Heibert und einem Nachwort von Georg Klein zeitgleich mit dem amerikanischen Original veröffentlicht.[23] Zu den bekannteren Werken des Verlags zählen außerdem Sofja Andrejewna TolstajasEine Frage der Schuld“ und „101 Nacht“.[24][25] Alle Bände der Bibliothek der Weltliteratur sind fadengeheftet, in Leinen gebunden und mit einem Leseband versehen.[26] Der Name des Autors sowie der Titel des Buches befinden sich üblicherweise in goldener Farbe auf dem Buchrücken.[27] Jeder Band enthält ein Nachwort eines zeitgenössischen Autors, Literaturkritikers oder Literaturwissenschaftlers.[28]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Geschichte des Manesse Verlags. Verlagsgruppe Random House, abgerufen am 16. Juni 2014.
  2. a b c Christoph Schröder: Plötzlich fing der Kanon zu tanzen an. In: Zeit Online, 8. März 2013, abgerufen am 16. Juni 2014.
  3. Profilansicht: Manesse Verlag GmbH. In: Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel. MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, abgerufen am 10. November 2014.
  4. Rolf Hochhuth: Geschichte zum Lesen. In: Die Zeit, 25. Januar 1985, abgerufen am 16. Juni 2014.
  5. Verlagsgruppe Random House: Der Verlag, abgerufen am 4. Juli 2014.
  6. Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse, Zürich 2004, ISBN 3-7175-2052-0, S. 12.
  7. Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse, Zürich 2004, ISBN 3-7175-2052-0, S. 255.
  8. Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse, Zürich 2004, ISBN 3-7175-2052-0, S. 13.
  9. Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse, Zürich 2004, ISBN 3-7175-2052-0, S. 256.
  10. Manesse grüßt Fielding mit seinem 600. Band. In: boersenblatt, 22. September 2004, abgerufen am 31. Juli 2014.
  11. Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse, Zürich 2004, ISBN 3-7175-2052-0, S. 258.
  12. Wechsel bei Manesse. In: Der Bund, 6. Oktober 2000, S. 8.
  13. Random House übernimmt DVA. In: boersenblatt, 13. September 2005, abgerufen am 16. Juni 2014.
  14. Hans-Peter Siebenhaar: Random House kauft Buchverlage der FAZ. In: Handelsblatt Online, 14. September 2005.
  15. Joachim Güntner: Wachstumszwänge einer Branche. In: Neue Zürcher Zeitung, 23. September 2005, S. 44.
  16. DVA-Verkauf: Verleger warnen vor Konzentration. In: Die Welt, 15. September 2005, S. 28.
  17. Thomas Maier: Verlagsfusionen gefährden Vielfalt. In: Nürnberger Nachrichten, 16. September 2005.
  18. Handelsregister des Kantons Zürich, Firmennummer CHE-101.583.585 (Zentraler Firmenindex).
  19. Verlagsgruppe Random House: Unsere Verlage, abgerufen am 20. Juni 2014.
  20. Handelsregister des Kantons Zug, Firmennummer CHE-101.583.585 (Zentraler Firmenindex).
  21. Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse, Zürich 2004, ISBN 3-7175-2052-0, S. 263 ff. (Chronologisches Verzeichnis, Manesse Bibliothek der Weltliteratur).
  22. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 4. Juli 2014.
  23. Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse, Zürich 2004, ISBN 3-7175-2052-0, S. 260.
  24. Karla Hielscher: Ein Leben an Tolstojs Seite. In: Deutschlandfunk, 6. August 2009, abgerufen am 30. Juli 2014.
  25. 101 Nacht. In: Zeit Online, abgerufen am 21. Juli 2014.
  26. Jochen Kürten: Comeback von Leinen und Lesebändchen. In: Deutsche Welle, 22. November 2013, abgerufen am 30. Juli 2014.
  27. In der Druckerei und Binderei. Verlagsgruppe Random House, abgerufen am 30. Juli 2014.
  28. Gesamtverzeichnis. Verlagsgruppe Random House, abgerufen am 30. Juli 2014.

48.13194444444411.621666666667Koordinaten: 48° 7′ 55″ N, 11° 37′ 18″ O