Manfred (Byron)

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Johann Peter Krafft: Manfreds Sterbestunde, Öl auf Leinwand, 1825

Manfred ist der Titel eines dramatischen Gedichts in drei Akten von George Gordon Lord Byron aus dem Jahre 1817. Es zählt zu den wichtigsten Werken nicht nur Byrons, sondern der ganzen Romantik.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Werk entstand zwischen 1816 und 1817 und ist sichtlich inspiriert von Byrons Aufenthalt in der Schweiz 1816, während dessen er zahlreiche Wanderungen in die Hochalpen unternahm. Byrons Werk entstand in der Tradition der Gothic Novel und zählt zusammen mit dem Roman Frankenstein von seiner Bekannten Mary Shelley zu den wichtigsten Werken der Schauerliteratur in der englischen Romantik.

Handlung[Bearbeiten]

Erster Akt[Bearbeiten]

Der Protagonist Manfred befindet sich auf einer gotischen Galerie mitten in einer Geisterbeschwörung. Von den nun erscheinenden Elementargeistern begehrt er Vergessenheit. Da ihm dieser Wunsch durch die Geister nicht erfüllt werden kann, stürzt Manfred nieder. Am nächsten Morgen erwacht er auf dem Gipfel der Jungfrau im Berner Oberland. Er will sich in den Tod stürzen, wird aber von einem einfachen Gemsjäger davon abgehalten.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Manfred verlässt den Gemsjäger und trifft an einem Wasserfall eine Fee, der er sein Leid klagt. Hier werden erstmals die Gründe für Manfreds Weltschmerz deutlich: Unzureichende Welt-Erkenntnis und der Tod seiner Geliebten Astarte. Danach kehrt er zurück auf den Jungfraugipfel, und begegnet dort Geistern und der Göttin Nemesis. Nemesis willigt auf Manfreds Flehen ein, seine Geliebte Astarte aus dem Reich der Toten zu rufen, damit er sie sprechen könne. Astarte sagt jedoch nur seinen Namen und, dass sein Leiden am kommenden Tag enden würde. Manfred will weiter von ihr wissen, ob ihm seine Sünden vergeben seien, doch darauf erhält er keine Antwort.

Dritter Akt[Bearbeiten]

Manfred wird auf seinem Schloss von einem Abt aufgesucht, dem Manfreds Verbindungen zu finsteren Mächten zu Ohren gekommen sind. Manfred weist die Versuche des Abtes, ihn zur Buße zu bewegen, dankbar aber dezidiert zurück. Abends unterhalten sich die Diener Hermann und Manuel über frühere geheimnisvolle Experimente ihres Herrn Manfred. Diese Zusammenhänge werden jedoch im Laufe des Dramas nicht aufgeklärt. In der letzten Szene erscheint der Abt erneut und findet Manfred, dem Tode nah, in seinem Zimmer vor. Manfred weist jedoch die erneuten Versuche des Abts, ihn zur Buße und damit zur Errettung seiner Seele zu bewegen, zurück. Gleichfalls trotzt er aber auch finsteren Geistern, die ihn im Todeskampf bereits als ihr Eigentum ansehen. Er sei dem Tod verfallen, aber nicht der Hölle. Die Dämonen verschwinden, Manfred stirbt. Der Abt beschließt das Drama, indem er seiner bangen Ungewissheit, wo die Seele Manfreds nun hingelangen würde, Ausdruck verleiht.

Interpretation[Bearbeiten]

Die Geisterbeschwörungsszene zu Beginn legt auffällig wenig Wert auf die Einführung des Protagonisten. Erst im Verlauf des Dramas werden die Vergangenheit und die Handlungsmotive Manfreds ersichtlich.

Die Szene weist bezeichnende Parallelen zu Goethes Faust I auf, wo der Protagonist ebenfalls aufgrund unzureichender Erkenntnis einen Geist beschwört, dem er gleichen will. Byron wollte sein Drama auch als Antwort auf Goethes Faust verstanden wissen.

Manfred ist ein Musterbeispiel für den tragischen Figurentypus des Byronic Hero. Er ist zwar emotional verwirrt und seelisch labil, ist aber bereit, für alle seine Taten die Konsequenzen zu tragen. Dass er zuletzt sowohl die Drohungen der Geister als auch die Segnung des Abtes zurückweist, hebt seinen Anspruch auf völlige Individualität hervor.

Neben dieser Betonung der Individualität können auch die wildromantisch-alpine Szenerie und die Präsenz von Geistern und mittelalterlichen Gebäuden als typische Elemente der Romantik erkannt werden.

Rezeption[Bearbeiten]

Gustave Doré: Manfred und der Gemsjäger, Holzstich, 1853

Literatur[Bearbeiten]

Byrons Werk beeinflusste Dichter wie Edgar Allan Poe und hatte mit seiner bildgewaltigen Schilderung auch auf den Film prägenden Einfluss.

Hörspiele[Bearbeiten]

Byrons Werk wurde in Deutschland zweimal für den Hörfunk adaptiert.

Beide Tondokumente sind erhalten.

Musik[Bearbeiten]

Das Werk wurde von verschiedenen Musikern verarbeitet. Robert Schumann kürzte das Stück von 1336 auf 975 Verse und vertonte es 1848 unter dem Namen Manfred - dramatisches Gedicht mit Musik Op. 115. Fälschlicherweise wird häufig allein die Ouvertüre als Op. 115 angesehen. Friedrich Nietzsche schuf 1872 eine Manfred-Meditation für Klavier und Louis Lacombe komponierte eine dramatische Symphonie über Byrons Stück. Von Peter Iljitsch Tschaikowski stammt eine Manfred-Sinfonie. Diese Symphonische Dichtung in vier Bildern von 1886 zählt zu den bekanntesten Rezeptionen von Byrons Werk.

Malerei[Bearbeiten]

Der romantische Maler Johann Peter Krafft stellte verschiedene Szenen aus Manfred in Ölgemälden dar. Ebenso nahmen sich die englischen Spätromantiker Thomas Cole und John Martin des Themas an. Von Gustave Doré existieren Druckgrafiken, die Szenen aus dem Stück schildern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lord Byrons poetische Werke in acht Bänden – 5. Band – Dramen I. J. G. Cottasche Buchhandlung, Stuttgart.