Manfred Deix

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Manfred Deix (2012)

Manfred Deix (* 22. Februar 1949 in St. Pölten, Niederösterreich) ist ein österreichischer Karikaturist, Grafiker und Cartoonist. Darüber hinaus betätigt Deix sich als Musiker und Krimiautor.

Leben[Bearbeiten]

Geboren als zweites Kind von Johanna und Franz Deix im niederösterreichischen Sankt Pölten, wuchs Deix dort und später in Böheimkirchen auf, wohin seine Eltern übersiedelten, um dort das von ihnen gepachtete Gasthaus „Zur blauen Weintraube“ zu betreiben. Ab 1955 besuchte er die Daniel-Gran Volksschule, danach für ein Jahr die Hauptschule und dann von 1960 bis 1965 das Bundesrealgymnasium in St. Pölten. 1965 immatrikulierte er sich in Wien an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, wo er u. a. gemeinsam mit Gottfried Helnwein, Josef Bramer, und Bernhard Paul studierte. Die Ausbildung endete wegen „Schulschwänzen“ (Deix) nach zweieinhalb Jahren vorzeitig durch seinen Rauswurf. Daraufhin schrieb er sich 1968 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien ein. Das Kunst-Studium brach er 1975 nach 14 Semestern und ohne Abschluss ab.

1984 heiratete Deix seine langjährige Freundin Marietta in Las Vegas. Im Zuge dieses USA-Aufenthaltes kam es in Los Angeles zu einem ersten persönlichen Kontakt mit den von ihm sehr geschätzten Beach Boys. Später hat er eine CD mit Songs der Beach Boys im Wiener Dialekt aufgenommen (Deix & die Good Vibrations Band; vgl. Austropop).

1985 wird Deix in der ORF-TV-Sendung Ohne Maulkorb porträtiert. Im selben Jahr entstanden persönliche Kontakte zu den Titanic-Zeichnern Hans Traxler, Chlodwig Poth, F. K. Waechter und Robert Gernhardt.

Das 1987 von Peter Hajek im Auftrag von ORF und ZDF gedrehte 45-minütige TV-Filmporträt "Küß die Hand, Österreich - Manfred Deix und seine Bilder", wird 1988 bei der Berlinale vorgestellt und anschließend von vielen europäischen Fernsehanstalten ausgestrahlt.

1988 erlitt Deix – nicht zuletzt aufgrund seines exzessiven Lebenswandels („ich arbeite, zeichne, rauche, saufe“) – einen Lungeninfarkt und übersiedelte nach dem Klinikaufenthalt nach Weidling. Sieben Jahre später folgte ein weiterer, diesmal alkoholbedingter Zusammenbruch, der den Zeichner veranlasste, eine „brave Phase bis heute...“ einzulegen.

Billy Wilder bekannte sich 1989 als Deix-Fan und schrieb das Vorwort zum fünften Deix-Buch Augenschmaus. Bono, Frontman von U2, verglich 1993 in einem Interview die Texte seiner Band mit den Bildern von Deix. 2001 begegnete Deix in seiner Kremser Dauerausstellung seinem Vorbild Robert Crumb. Deix lebt heute mit seiner Frau und zahlreichen Katzen (zeitweise etwa 80 Tiere) in der Nähe von Wien. Am 22. Februar 2009 wurde im Karikaturmuseum Krems mit einem großen Festakt sein 60. Geburtstag gefeiert. In diesem Rahmen wurde ihm eine Sonderausstellung gewidmet[1], und das Buch Der goldene Deix präsentiert.

Werk[Bearbeiten]

Bereits als Sechsjähriger erregte Deix, wie er selbst schreibt, durch „erste Verkäufe von Nackertzeichnungen an die aufgeweckteren Mitschüler (Stückpreis 10–15 Groschen)“ Aufsehen. Als er mit elf an einem Zeichenwettbewerb des ORF teilnahm, wurde er mit der Begründung „Wir wollen Zeichnungen von Kindern, aber nicht von Erwachsenen und Profis.“ disqualifiziert. Deix hatte zum Thema „Der Rattenfänger von Korneuburg“ sein Bild eingeschickt. Bemerkenswerterweise war es sein Religionslehrer, der ihm 1960 – trotz der immer anstößiger werdenden Bilder – die Chance gab, erste Cartoons in der Niederösterreichischen Kirchenzeitung zu veröffentlichen. Nachdem er anfänglich seine Blätter von seiner Freundin Marietta auf dem Flohmarkt verkaufen ließ, veröffentlichte er ab 1972 in den Magazinen Profil, Trend und Economy. Ab 1978 folgten auch Titelblätter und Zeichnungen für Stern, Der Spiegel, Pardon, Titanic und den Playboy. Seit 1992 veröffentlicht Deix jede Woche einen Cartoon im Nachrichtenmagazin News. Mit den Honoraren buchte Deix die erste USA-Reise, in der er vor allem Kalifornien besuchte und seine Freundin Marietta in Las Vegas heiratete. 1987 gestaltete Deix ein Bühnenbild für Bert Brechts Arturo Ui am Wiener Burgtheater und die Fassade des „Palastes der Winde“ für André Heller. Unter der Regie von Peter Hajek entstand 1988 das Fernsehfilmporträt Küss die Hand Österreich – Manfred Deix, das in ORF, SRG, ZDF, 3sat gesendet wurde. 1987 bot die Hamburger Fachhochschule für Gestaltung Deix eine Professur an. Beim Wiener Donauinselfest stand Deix 1999 mit den Beach Boys live auf der Bühne.

1997 stand Deix in dem Film Blutrausch unter der Regie von Thomas Roth vor der Kamera.

Arbeitsweise und Stil[Bearbeiten]

Als Graphiker arbeitet Deix vorzugsweise in Aquarell. Die Wahl feiner gestalterischer Mittel wird kontrastiert durch Bildinhalte, die in Themenwahl und Deutlichkeit oft Tabugrenzen überschreiten. Dabei sind die Werke allerdings stets getragen von einem hohen moralischen Impetus, da Ironie und Sarkasmus stets im Dienste der Gesellschaftskritik oder der Aufdeckung institutionellen oder persönlichen Fehlverhaltens stehen.

Zielscheibe des teilweise ätzenden Spottes sind zum einen österreichische, aber auch internationale Politiker, sowie zum anderen das gemeine Volk. Besonders hart wurde oftmals der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider attackiert. Darstellungen Haiders u. a. als Kampfhund, Hannibal Lecter oder Tiger (siehe Der Dicke Deix, Seiten 112, 212, 249) führten zu diversen Klagen Haiders. Ebenfalls augenfällig sind Deix’ Volks-Darstellungen: Zechgelage, (Kinder-)Pornokonsumenten oder sich sexuell betätigende Kleriker werden zum Thema einer tabulosen Ironisierung. Gleichzeitig praktiziert Deix große Volksnähe, die ihm erlaubt, den von ihm reklamierten „liebevollen Blick auf die Österreicher“ aus einer Haltung der Empathie heraus zu entwickeln und sich selbst als Gegenstand der Ironisierung nicht auszusparen. Selbstporträtierungen und Autobiografisches sind daher nicht weniger ironisch-sarkastisch als andere Arbeiten.

Zahlreiche Karikaturen Deix’ sind mit von ihm selbst verfassten Texten versehen, welche häufig die Form durchaus eigenständiger Gedichte haben. Analog zur Kontrastierung zwischen feinen Gestaltungsmitteln und explizit Dargestelltem im Grafischen verwendet er im Text einen witzigen, mitunter fast kindlichen Ton, dem in der Wortwahl die explizite Benennung von Sexualpraktiken, Fäkalien und Vulgärausdrücken entgegengestellt werden.

Aufgrund seines provozierenden Stils und der – oft auch kirchenkritischen – Inhalte sind die Arbeiten Deix’ durchaus umstritten, werden aber auch gerade wegen dieser Eigenschaften hoch geschätzt. Seitens der Kunstkritik ist Deix inzwischen anerkannt, viele seiner Karikaturen sind Klassiker und gelten als stilprägend. Dabei hat sich in Österreich sogar sein Name als Synonym für einen bestimmten Menschentyp eingebürgert, der in Verhalten und Aussehen an seine Karikaturen erinnert: die „Deixfigur“.

2001 eröffnete in Krems das nach einem Entwurf Gustav Peichls erbaute Karikaturmuseum Krems. Es hält eine Dauerausstellung zu Deix’ Werk vor (aktueller Titel seit Neueröffnung 2006: „Deix in the city“, davor 2001 bis 2005 „Die Welt des Manfred Deix“). Die Auswahl von etwa 250 Exponaten wird regelmäßig unter Mitwirkung des Künstlers aktualisiert.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Deix mit dem Österreichischen Kabarettpreis 2012

Werke/Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • 1980: Cartoons von Manfred Deix, Trend Verlag
  • 1983: Cartoons de Luxe, Orac Verlag
  • 1985: Satiren aus Wien
  • 1985: Mein böser Blick
  • 1986: Mein Tagebuch, Jugend & Volk-Verlag
  • 1989: Augenschmaus, Diogenes-Verlag
  • 1991: Der Männer-Report mit einem Vorwort von Thomas Gottschalk, Diogenes-Verlag
  • 1993: Küss' die Hand
  • 1993: Geisterfahrer, Diogenes-Verlag
  • 1993: Musikvideo mit Manfred Deix und der Popgruppe »Espresso«
  • 1994: Musik-CD »Manfred Deix Best of Vol.1«
  • 1995: Deix am Sonntag, Diogenes-Verlag
  • 1995: Musik aus Ameriga - Deix & The Good Vibrations Band (Beach Boys Coverversionen)
  • 1998: Das neue Deixbuch, Libro, Wien
  • 1999: Gestaltung von 14 Bildern auf 1600 m² Fassadenfläche des Grazer Rathauses
  • 2000: Ausstellung »Good Vibrations«, Kunsthaus Wien
  • 2002: Illustrierte Gedichte, Zweitausendeins, ISBN 3-86150-456-1
  • 2003: Die Welt des Manfred Deix ISBN 3-902407-01-8
  • 2004: Der dicke Deix ISBN 3-8000-7059-6 Ueberreuter Verlag
  • 2005: Deix in the City ISBN 3-902407-03-4
  • 2006: Deix in the City CD-ROM, interactive:visit / a:xperience ISBN 3-902491-10-8
  • 2006: Der Dichter Deix - Gedichte, Bilder und Privates ISBN 3-8000-7283-1 Ueberreuter Verlag
  • 2007: Arnold Schwarzenegger. Die nackte Wahrheit, ISBN 978-3-8000-7060-2 Ueberreuter Verlag (ET Juli)
  • 2007: Manfred Deix zu Gast bei Das Blaue Sofa im Rahmen der Frankfurter Buchmesse
  • 2009: Der goldene Deix: Arbeiten von 2000 bis 2008
  • 2013: Der heilige Deix, ISBN 978-3-7110-0043-9, Ecowin Verlag

Seit 1977 veröffentlicht Deix außerdem Zeichnungen (auch Titelblätter) und andere Werke in den Magazinen Titanic,stern, Spiegel, Playboy, profil, News und Extrablatt.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das ist Deix. Auf: karikaturmuseum.at