Manfred von Killinger

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Manfred von Killinger 1940

Manfred Freiherr von Killinger (* 14. Juli 1886 auf Gut Lindigt bei Nossen; † 2. September 1944 in Bukarest) war ein deutscher Marineoffizier, Freikorpsführer, Militärschriftsteller, Reichstagsabgeordneter und hoher SA-Führer, Diplomat und Fememörder.

Leben[Bearbeiten]

Der einer schwäbisch-fränkischen Adelsfamilie des Ritterkantons Kraichgau entstammende Killinger begann eine militärische Laufbahn in der Kaiserlichen Marine. Als Kommandant eines Torpedobootes war er 1916 Teilnehmer an der Skagerrakschlacht. Der Kapitänleutnant schloss sich nach dem Ersten Weltkrieg der Brigade Ehrhardt an und war als Chef der Ehrhardtschen Sturmkompanie 1919 an der Niederschlagung der linksgerichteten Münchner Räterepublik, 1920 am rechtsgerichteten Kapp-Putsch gegen die demokratisch gewählte deutsche Reichsregierung und 1921 am Sturm auf den St. Annaberg beteiligt. Kurz darauf war der Antisemit Killinger Führer des Germanenordens, der die Ermordung des Reichsfinanzministers Matthias Erzberger in die Wege leitete. Im September 1921 wurde er wegen Beteiligung an dem Mordkomplott verhaftet und im Mai 1922 wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Am 13. Juni 1922 wurde er trotz belastender Beweismittel – Killinger hatte den Befehl für die Mordaktion selbst erteilt, sein Chef Kapitän Ehrhardt kannte diesen Befehl – freigesprochen. Alle Bemühungen der Regierung und der demokratischen Presse, eine Verurteilung Killingers zu erreichen, blieben erfolglos. Er konnte sich mit Hilfe des Gerichts herausreden. Es wurden nur die Täter mit niedrigen Dienstgraden verurteilt. 1932 warb Killinger für eine Wahlveranstaltung in Freiburg mit folgendem Text: Heute abend spricht der Fememörder und Reichstagsabgeordnete Manfred Killinger. [1]

Innerhalb der Organisation Consul und der – nach ihrem Verbot – gegründeten Nachfolgeorganisation Bund Wiking gehörte Killinger zu den Führungskräften. Nach dem Verbot des Wiking-Bundes trat Killinger im Jahre 1927 der NSDAP bei. Aufgrund seines Renommees auf der Rechten brachte er es bei dieser Partei zum Reichstagsabgeordneten. Bald war er Fraktionsvorsitzender der NSDAP im Sächsischen Landtag, dem er von 1929 bis 1934 angehörte. 1928 trat er der SA bei und fungierte dort als Obergruppenführer.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Killinger am 10. März 1933 als Reichskommissar für Sachsen eingesetzt, damit übernahm er auch die Leitung des sächsischen Innenministeriums und damit der Polizei. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörten die Absetzung des Dresdner Oberbürgermeisters Wilhelm Külz und die Entlassung von Otto Dix, Professor an der Dresdner Kunstakademie, die deren Rektor, der Grafiker Richard Müller, unterstützte. Seine Führungsposition in Sachsen musste Killinger jedoch sehr rasch für den sächsischen NSDAP-Gauleiter Mutschmann räumen, der im April 1933 zum „Reichsstatthalter“ ernannt wurde. Am 6. Mai 1933 ernannte Mutschmann im Gegenzug seinen Vorgänger und Rivalen Killinger, den er noch nicht völlig verdrängen konnte, zum ihm unterstellten Ministerpräsidenten von Sachsen.

Die Ermordung fast des gesamten Führerkorps der SA durch Göring und Himmler anlässlich des „Röhm-Putschs“ im Juni/Juli 1934 zerstörte auch die sächsische SA-Machtbasis Killingers. Er überlebte diese Mordaktion nur mit knapper Not. Reichsstatthalter Mutschmann nutzte die neue Situation, um Killinger faktisch umgehend zu entmachten. Am 28. Februar 1935 entließ er ihn auch formell als sächsischen Regierungschef und ließ sich selbst aufgrund des Reichsstatthaltergesetzes vom 30. Januar 1935 durch Hitler zum Nachfolger ernennen. Eine Veröffentlichung Killingers zur SA verschwand bis zu ihrer „Neubearbeitung“ vom Buchmarkt.

Killingers Karriere ging trotzdem weiter. 1935 wurde er zum Mitglied des neu geschaffenen Volksgerichtshofes ernannt. Zugleich eröffnete sich ihm eine neue Tätigkeit im Auswärtigen Dienst: Zwischen 1936 und 1938 war er zunächst deutscher Generalkonsul in San Francisco. Gemeinsame Anstrengungen des Deutsch-Amerikanischen Kulturverbandes und der Seeleute- und Hafenarbeitergewerkschaft Maritime Union of Pacific erwirkten jedoch seine dortige Abberufung.[2] Vom 29. Juli 1940 bis 19. Januar 1941 wirkte Killinger als deutscher Gesandter im 1939 geschaffenen Vasallenstaat Slowakei. Hier forderte er einen Judenreferenten an, der sich um die Judenverfolgung kümmern sollte. Im Januar 1941 wurde er nach Rumänien geschickt, wo er als Gesandter bis Sommer 1944 ebenfalls mit der Judenverfolgung befasst war. Nachdem die Rote Armee in Bukarest eingerückt war, beendete der isolierte NS-Diplomat Killinger kurz vor der Verhaftung sein Leben durch Suizid.[3] Hitler gewährte der Witwe eine Dotation in Höhe von 250.000 Reichsmark.[4]

Carl August Clodius hatte Killingers Funktion in Bukarest faktisch bereits seit Mai 1944 übernommen.

Seine Erlebnisse als Kriegsteilnehmer und Freikorpskämpfer verarbeitete Killinger autobiografisch als Schriftsteller, allerdings auf literarisch wenig gehaltvolle und gewaltverherrlichende Weise. Die größte Verbreitung fand Ernstes und Heiteres aus dem Putschleben, das seit 1931 im Franz-Eher-Verlag, dem Zentralverlag der NSDAP bis in die Jahre des Zweiten Weltkrieges in zehn Auflagen erschien. In der Sowjetischen Besatzungszone wurden Killingers sämtliche Schriften 1946 auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[5]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Heiteres aus dem Seemannsleben. Beutelspacher (Hinzmann), Dresden 1923
  • Ernstes und Heiteres aus dem Putschleben. Mit Zeichnungen von A. Paul Weber, Vormarsch, Berlin 1928
  • Die SA in Wort und Bild. Reihe: Männer und Mächte. R. Kittler, Leipzig 1933 [1934 vom Verlag zurückgezogen]
    • Umgearb., erg. Ausgabe. ebd. 1934
  • "Geleitwort" zu Rudolf Schricker: Rotmord über München, Zeitgeschichte-Verlag, Berlin o. J. (1934)
  • Kampf um Oberschlesien 1921. Bisher unveröffentlichte Aufzeichnungen des Führers der Abteilung von Killinger. K. F. Köhler, Leipzig 1934
  • Der Klabautermann. Eine Autobiographie, Franz-Eher-Verlag, München 1936
  • Das waren Kerle! Bücherei des Soldatenbundes, 1. Wilhelm Limpert, Berlin 1937

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Käthe Vordtriede: "Es gibt Zeiten, in denen man welkt". Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen v. Detlef Garz, Lengwil 1999. S. 48
  2. Dieter Nelles: „‚Dass wir den Kopf hoch halten, auch wenn er mal abgeschlagen werden sollte‘ – Wuppertaler Seeleute im Widerstand“. In: „… Se krieje us nit kaputt.“ Gesichter des Wuppertaler Widerstands. Hrsg. v. d. Forschungsgruppe Wuppertaler Widerstand. Essen 1995. S. 168
  3. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-596-16048-8 sowie Das Auswärtige Amt im Dritten Reich. Diplomatie im Schatten der Endlösung. Berlin 1987, Seite 246.
  4. Gerd R. Ueberschär, Winfried Vogel: Dienen und Verdienen. Hitlers Geschenke an seine Eliten. Frankfurt 1999, ISBN 3-10-086002-0.
  5. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-k.html