Manhunt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Manhunt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Manhunt
Manhunt logo.PNG
Studio Rockstar North
Publisher Rockstar Games
Erstveröffent-
lichung
18. November 2003 (PS2)
23. April 2004 (Xbox, PC)
Plattform PlayStation 2, Xbox, PC (Windows)
Genre Actionspiel
Thematik Snuff, Survival Horror, Stealth
Spielmodus Einzelspieler
Steuerung Gamepad; Tastatur, Maus
Systemvor-
aussetzungen
GHz CPU, 192 MB RAM, 32 MB Grafikkarte, Soundkarte, DirectX 8.1, 2,3 GB Festplattenplatz, 16× CD-/DVD-ROM-Laufwerk
Medium 1 DVD-ROM (PS2, Xbox); 3 CD-ROMs, Download (PC)
Sprache Englisch mit deutschen Untertiteln
Altersfreigabe
PEGI ab 18+ Jahren empfohlen
Information Beschlagnahmt nach § 131 StGB in Deutschland.

Manhunt (englisch für „Fahndung“, „Verbrecherjagd“; wörtlich „Menschenjagd“) ist eine Computerspielserie, die wegen ihrer deutlichen und extremen Gewaltdarstellungen sehr kontrovers diskutiert wurde.

Manhunt[Bearbeiten]

Der erste Teil wurde im November 2003 für PlayStation 2 und im April 2004 für Xbox und Windows-PCs von Rockstar Games herausgebracht. Entwickelt wurde Manhunt von Rockstar North.

Handlung[Bearbeiten]

Der Spieler übernimmt die Rolle von James Earl Cash, einem verurteilten Verbrecher, der auf seine Hinrichtung wartet. Jedoch hat ein reicher, einflussreicher ehemaliger Hollywood-Regisseur namens Lionel Starkweather die örtliche Justiz bestochen, so dass die Hinrichtung nur vorgetäuscht und Cash dem Regisseur übergeben wird. Dieser setzt Cash ein, um mit seiner Hilfe Snuff-Filme zu drehen, in denen Cash die Mitglieder diverser Gangs vor laufender Kamera auf möglichst brutale Art und Weise umbringen soll.

Das Spiel wird von einigen als Parodie und Kritik auf einige Aspekte der modernen Medienlandschaft betrachtet. Es wird als Satire auf die eskalierenden Reality Shows gesehen. Der Film- und Medienbezug wird auch durch die Bezeichnung der einzelnen Levels als „Szenen“ nochmals verdeutlicht.

Kontroverse[Bearbeiten]

Die deutliche, brutale Gewaltdarstellung, besonders die Exekutionen, die nach erfolgreichem Anschleichen erfolgen, sorgten für einige Kontroversen. In fast ganz Europa wurde das Spiel aus dem Handel genommen.

Durch die Berichterstattung der RTL-Sendung Stern TV am 2. Juni 2004 mit Elke Monssen-Engberding, der Leiterin der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), die das Spiel indiziert hatte, sorgte das Spiel für Aufsehen. Nach Angaben von Branchenkennern stieg daraufhin der Absatz des Spiels rapide an.

Mit Beschluss vom 19. Juli 2004 hat das Amtsgericht München die bundesweite Beschlagnahme des Titels nach § 131 StGB (Gewaltverherrlichung) für alle Systeme angeordnet. Im Sommer 2005 folgte ein Einziehungsbeschluss (ebenfalls vom AG München). In amtlichen Mitteilungen ist der Einziehungsbeschluss allerdings erst seit dem November 2005 gelistet. Die Einziehung hat eine Vernichtung der beschlagnahmten Träger zur Folge.

In Großbritannien wurde das Spiel von Giselle Pakeerah, der Mutter des Opfers, für den Mord des 17-jährigen Warren Leblanc am 14-jährigen Stefan Pakeerah verantwortlich gemacht. Die Polizei fand das Spiel jedoch beim Opfer, nicht beim Täter, der durch den Raubmord seine Drogensucht finanzieren wollte.

Manhunt 2[Bearbeiten]

Manhunt 2
Studio R* Vienna (erste Version)[1]
Rockstar London (PS2, PC)
Rockstar North (PS2)
Rockstar Leeds (PSP)
Rockstar Toronto (Wii)
Publisher Rockstar Games
Erstveröffent-
lichung
30. Oktober 2007 (USA)
31. Oktober 2008 (EU)
6. November 2009 (PC-Version; Nordamerika)
Plattform PlayStation 2, PlayStation Portable, Wii, PC (Windows)
Genre Actionspiel
Thematik Survival Horror, Stealth
Spielmodus Einzelspieler
Steuerung Gamepad; „Wiimote“; Tastatur & Maus
Systemvor-
aussetzungen
Pentium4 1,8 GHz, 512 MB RAM, 128 MB 3D-Grafikkarte, DirectX 9.0c, 3.8 GB Festplattenspeicherplatz
Medium 1 DVD-ROM bzw. UMD; Downloadvertrieb (PC-Version)
Altersfreigabe
PEGI ab 18+ Jahren empfohlen
Information Nach Carmageddon das zweite Spiel, dem eine Altersklassifizierung des BBFC verwehrt wurde. Manhunt 2 ist in Deutschland indiziert (Liste B) und wurde 2010 bundesweit beschlagnahmt.[2]

Am 6. Februar 2007 wurde die Entwicklung eines zweiten Teiles offiziell bestätigt. Angekündigt wurde Manhunt 2 für Sonys PlayStation 2 und PlayStation Portable sowie die Nintendo Wii und erschien zuletzt auch für PC. Entwickelt wurde das Spiel ursprünglich von Rockstar Vienna. Nach der Schließung des Studios wurde das Spiel vom Londoner Rockstar-Studio in Zusammenarbeit mit Rockstar North fertig entwickelt. Rockstar Leeds und Rockstar Toronto zeichnen sich für die PSP- respektive Wii-Version verantwortlich.

Das Spiel sollte ursprünglich im Sommer 2007 veröffentlicht werden, allerdings wurde der Release-Termin mehrfach verschoben (siehe „Alterseinstufungen und Verbote“), so dass das Spiel erst am 29. Oktober 2007 in den USA und am 31. Oktober 2008 im Vereinigten Königreich bzw. in anderen Teilen Europas erschien. In einigen Ländern, darunter Deutschland, wurde das Spiel nie offiziell veröffentlicht. Gut zwei Jahre nach US-Veröffentlichung der Konsolenversion erschien über IGNs Direct2Drive eine PC-Fassung, die allerdings nur für die USA, Kanada und Mexiko zugänglich ist.

Handlung[Bearbeiten]

In einer geheimen Forschungsstation werden abscheuliche Experimente an Menschen vorgenommen, in deren Rolle der Spieler schlüpft. Daniel Lamb und Leo Kasper sind die letzten beiden Überlebenden und schaffen nach sechs Jahren Gefangenschaft die Flucht. Natürlich setzen die Verantwortlichen des Pickman Projects, so der Name des Forschungsprojektes, alles daran, die beiden Versuchsobjekte am Entkommen und Reden zu hindern. Zunächst flüchten die beiden in Daniels altes Haus. Dort warten bereits einige Leute des Pickman Projects auf die beiden. Nach der von Leo angeordneten „Entsorgung“ der Wachleute bekommt Daniel einen Ohnmachtsanfall. In dieser Zeit träumt er von Bildern seiner Kindheit bis in die Jugend, in denen er von seinem Vater brutal zusammen geschlagen wird. Als er wieder aufwacht, bereut er die Morde an den Pickmans, allerdings nur für kurze Zeit, da er von Leo ein Mittel gespritzt bekommt, das dieser im Wandschrank von Daniels altem Zimmer gesucht und gefunden hat. Dieses versetzt ihn in einen gewalttätigen Zustand, in dem er ohne Reue foltert und tötet. Sie beschließen, in den Schwulen/BDSM-Club „Elefant“ zu gehen, um dort den Chef der Forschungsstation zu töten und die Machenschaften der Station der Öffentlichkeit preiszugeben. Als sie dort ankommen, treffen sie jedoch lediglich den Kontaktmann von Leo. Dieser verkauft Leo zwei Kisten mit dem „Aggro-Virus“, den Daniel in der vorherigen Szene Leo verabreichte. Nun stellt sich heraus, dass Daniel nur ein Versuchskaninchen für Leo war, um das Mittel zu testen. Der Kontaktmann und Leo versuchen, in einem Lieferwagen zu flüchten. Daniel verfolgt die beiden, kann aber nur Leos Kontaktmann erwischen. Nach einem langen Gespräch verrät der Kontaktmann Leos Plan. Nämlich, dass sie vorhaben, das Staatsgefängnis von Washington als Essenslieferanten verkleidet mit dem Mittel zu beliefern, damit es dort zu einem Aufstand kommt und die beiden sich in den Todestrakt schleichen können, und von einem „alten Kumpel“ das Versteck eines Koffers mit 60.000 Dollar Inhalt zu verraten. Daraufhin tötet Daniel den Kontaktmann auf dessen Wunsch mit der Begründung, dass er alles bereue und so nicht weiterleben kann. Daniel beginnt die Verfolgung erneut, kommt jedoch zu spät im Gefängnis an. Eine riesige Schlacht zwischen Wärtern und Gefangenen ist bereits im Gange. Allerdings verlieren die Gefangenen den Kampf schnell, nachdem das Militär anrückt. Als Daniel in der Zelle des Dealers ankommt, ist dieser bereits tot und Daniel findet eine Nachricht von Leo, in der steht, er sei am „Eltern-Friedhof“. Daniel macht sich auf zum Friedhof, auf dem seine Mutter liegt, die vom Vater eines Tages totgeprügelt wurde. Dort angekommen sieht Daniel einige „Pickmans“, die mit Leo reden, und ihren Chef, der ihn für seine gute Arbeit lobt und bezahlt. Daniel folgt dem Chef und tötet ihn (mit einem Messer, das er ihm in die Mitte der Wirbelsäule rammt) und die letzten Pickmans. Der Chef stirbt mit den Worten auf den Lippen: „Es war nur ein Unfall und es tut mir leid.“ Daniel findet Leo und kämpft gegen ihn. Als Leo am Ende des Kampfes zu Boden fällt, schnappt sich Daniel eine Schaufel und schlägt im Blutrausch (ausgelöst durch die Beleidigungen Leos) seinen Kopf in eine breiige Masse. Während der Bildschirm weiß wird, sagt Daniel, dass er nun frei ist. Nun sieht man, wie Daniel mit einer Platzwunde am Kopf auf einer Straße vor einem Auto steht. Er öffnet die Fahrertür und hinaus fällt ein Mann, der wie der Chef der "Pickmans" aussieht und eine Blechstange vom Auto in der Mitte der Wirbelsäule stecken hat. Daniel beginnt zu lachen und merkt, dass es nur ein Traum war. Das Spiel endet damit, dass Daniel mit einem Bild seiner Eltern in der Hand die Straße zu seinem Haus entlang läuft.

Alterseinstufungen und Verbote[Bearbeiten]

Im Vereinigten Königreich wurde dem Spiel bereits vor der Veröffentlichung eine Altersklassifizierung durch das BBFC verwehrt. Dies kommt einem Verbot gleich, da ein Medium ohne BBFC-Freigabe im Vereinigten Königreich nicht vertrieben werden darf. Zwar hätten Rockstar Games die Möglichkeit, das Spiel um kritische Stellen zu kürzen, jedoch kann das BBFC keine Empfehlung dafür aussprechen.[3] Verkaufsverbote wurden auch in Irland, Australien und Neuseeland erlassen. Sogar in der Schweiz, die ansonsten als tolerant in Bezug auf Videospiele gilt, haben die Videospielhändler freiwillig auf den Verkauf verzichtet. Der italienische Telekommunikationsminister Paolo Gentiloni sprach eine Bitte an Take 2 aus, Manhunt 2 nicht zu veröffentlichen. Da in Italien Spiele nicht verboten werden können, wird es wohl bei der Bitte bleiben.

Fast zeitgleich mit dem BBFC entschied sich das US-amerikanische ESRB, dem Spiel eine „Adults only“-Klassifizierung zu vergeben.[4] Dies bedeutet zwar nicht, dass das Spiel in den USA nicht vertrieben werden könne, da die ESRB-Einstufungen nicht verbindlich sind. Jedoch weigern sich viele große Handelsketten (z. B. Wal-Mart), „Ao“-bewertete Spiele in ihr Sortiment aufzunehmen, so dass sich die Vermarktung der ursprünglichen, ungeschnittenen Version sehr schwierig gestalten dürfte. Außerdem wollen weder Sony noch Nintendo Spiele auf ihren Konsolen veröffentlichen, welche das „Ao“-Siegel tragen. Take 2/Rockstar kündigten an, gegebenenfalls gegen die Entscheidungen des BBFC und des ESRB vorzugehen bzw. auf deren Bedenken einzugehen.[4][5] Als Reaktion darauf wurde beiden Gremien eine geänderte Version vorgelegt. Am 24. August 2007 konnten Take 2/Rockstar vermelden, dass diese Version des Spieles vom ESRB eine „Mature“-Einstufung erhalten hätte.[6] Das BBFC verweigerte dieser Version erneut eine Freigabe.[7] Die Entwickler von Rockstar legten daraufhin wiederholt Einspruch ein und dies mit Erfolg. Das Video Appeals Committee des BBFC hat sich mit vier zu drei Stimmen der Meinung von Rockstar angeschlossen und festgestellt, dass die Prüfungsbehörde dem Spiel keine Alterseinstufung vorenthalten darf.[8] Nach einigem Hin und Her erschien Manhunt 2 in veränderter Fassung am 31. Oktober 2008 aber auch in Europa.[9]

Anfang November 2009 erschien über den Download-Anbieter Direct2Drive eine PC-Fassung von Manhunt 2. Diese erhielt vom ESRB im Gegensatz zur Konsolenfassung, die mit „Mature“ eingestuft wurde, eine „Adults only“-Freigabe. Allerdings ist der Erwerb nur mit mexikanischer, US-amerikanischer oder kanadischer IP möglich.

In Deutschland wurde Manhunt 2 am 13. November 2008 vorläufig auf Liste B indiziert; diese Indizierung wurde am 15. Januar 2009 bestätigt. Fast ein Jahr später, am 10. März 2010, wurde das Spiel vom Amtsgericht München wegen Gewaltverherrlichung beschlagnahmt.[10] Es unterliegt in Deutschland somit einem Verbreitungsverbot und darf nicht mehr verkauft werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Intelligent Artifice, 1. November 2007: Rockstar Vienna’s missing credits for Manhunt 2
  2. computerbild.de, 15. April 2010: Manhunt 2: Actionspiel beschlagnahmt
  3. GamesIndustry.biz, 19. Juni 2007: Manhunt 2 banned from sale in UK
  4. a b GamesIndustry.biz, 20. Juni 2007: Manhunt 2 rated Adults Only in US
  5. GamesIndustry.biz, 19. Juni 2007: Rockstar “disappointed” at Manhunt 2 ban
  6. Take-2-Pressemitteilung, 24. August 2007: Manhunt 2 Receives “M” Rating
  7. GamesIndustry.biz, 8. Oktober 2007: BBFC rejects latest Manhunt 2
  8. GamesIndustry.biz, 14. März 2008: Manhunt 2 receives UK release
  9. GamesIndustry.biz, 6. Oktober 2008: Manhunt 2 finally gets UK release date
  10. theNEWguy: Manhunt 2 wurde beschlagnahmt. In: schnittberichte.com. 15. April 2010, archiviert vom Original am 15. April 2010, abgerufen am 15. April 2010.