Manihot

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Manihot
Manihot palmata.

Manihot palmata.

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Unterfamilie: Crotonoideae
Gattung: Manihot
Wissenschaftlicher Name
Manihot
Mill.

Manihot ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Trivialnamen für diese Pflanzenarten sind Maniok, Mandioka, Kassava oder in Lateinamerika Yuca. In der Gattung Manihot werden etwa 60 bis 100 Arten unterschieden. Einige Arten werden in den Tropen als Stärkelieferanten angebaut. All die angebauten Arten werden mit dem obigen Namen, abhängig von Regionen, bezeichnet. Die wichtigste Art ist der Maniok (Manihot esculenta). Der Anbau der Pflanze ist wegen ihrer stärkehaltigen Wurzel weit verbreitet. Sie stammt ursprünglich aus dem heutigen Brasilien und Paraguay und wurde schon vor der Entdeckung Amerikas durch die Europäer von den Ureinwohnern zur Ernährung verwendet. Mittlerweile wird sie weltweit in vielen Teilen der Tropen und Subtropen angebaut.

Beschreibung[Bearbeiten]

Manihot-Arten sind Bäume, Sträucher, Halbsträucher oder krautige Pflanzen. Sie enthalten weißen Milchsaft. Einige Arten besitzen Wurzelknollen. Die wechselständigen Laubblätter sind einfach oder handförmig geteilt. Die Blattstiele sind lang. Die Nebenblätter sind klein.

Die Pflanzen sind meist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), selten zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die Blüten stehen zu mehreren in einfachen oder zusammengesetzten, oft terminalen traubigen oder trugdoldigen Blütenständen. Die eingeschlechtigen Blüten sind fünfzählig. Die Blütenhülle besteht nur aus fünf Kelchblättern, Kronblätter fehlen. Die männlichen Blüten enthalten acht bis 15 freie Staubblätter in zwei Kreisen. Die weiblichen Blüten enthalten außer dem Stempel auch manchmal einige Staminodien. Sie bilden dreifächerige Kapselfrüchte.

Manihot glaziovii Müll. Arg., Syn.: Manihot carthaginensis subsp. glaziovii (Müll. Arg.) Allem., Illustration.
Maniok (Manihot esculenta), Illustration.
Maniok (Manihot esculenta), Jungpflanze.
Manihot peltata, Blätter.
M. peltata, Blüte.
Manihot salicifolia, Illustration.
Manihot violacea, Illustration.

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Manihot wurde 1754 durch den englischen Botaniker Philip Miller aufgestellt.[1] Innerhalb der Gattung werden heute etwa 60 bis 100 Arten unterschieden, die alle aus der Neotropis stammen, meist aus Brasilien.

In der folgenden Auflistung der rund 100 anerkannten Arten[2] ist neben dem botanischen Autorkürzel auch die Veröffentlichung mit Erscheinungsjahr der Erstbeschreibung angegeben:

Maniok (M. esculenta), Rhizome nach der Ernte
Getrocknete Maniok-Stärke.

Verwendung[Bearbeiten]

Die 30 bis 60 cm langen, in Büscheln beisammenstehenden, milchsaft- und stärkemehlreichen Rhizome enthalten bei einigen Arten Blausäure und sind deshalb giftig. Vergiftungserscheinungen sind Ataxie, Amblyopie. Durch geeignete Behandlung (starke Erhitzung) wird aber die flüchtige Blausäure entfernt, und man erhält dann ein gutes Nahrungsmittel. Maniok hat jedoch einen geringen Gehalt an Protein (nur ca. 1,2 %) und nur sehr wenige essenzielle Aminosäuren. (Gefahr des Kwashiorkor-Syndroms.) Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt sich der zusätzliche Verzehr der proteinreichen Maniok-Blätter.

Die Benutzung der Knollen als Nahrungsmittel geht auf die Ureinwohner Südamerikas zurück. Maniok ist auch heute noch ein wichtiges Grundnahrungsmittel in Brasilien, vor allem im Norden und Nordosten des Landes.

Wie viele tropische Nutzpflanzen liefert der Maniokstrauch mit geringem Arbeitsaufwand einen hohen Ertrag.

Die Knollen werden geschält, zerrieben und geraspelt, und dann eingeweicht. Nach einigen Tagen presst man die Masse aus, wäscht sie durch den sogenannten Tipiti und röstet sie in Öfen. Die in der Presse zurückbleibende Masse liefert das Maniok- oder Mandiokamehl (farinha).

Maniok-Mehl kann ähnlich wie Weizenmehl verwendet werden. Menschen mit Allergien gegen Weizen und andere Getreide verwenden deshalb häufig Maniokmehl als Ersatz. Es enthält kein Gluten.

Ein Nebenprodukt der Herstellung von Maniokmehl ist Stärke („polvilho“), welche geröstet und dann „Tapioka“ genannt wird.

In anderen Regionen erhält man nach modifiziertem Verfahren etwas andere Produkte; auch bereitet man aus dem Mehl Kuchen (zum Beispiel die Beijús), die unserm Brot mehr oder weniger ähnlich sind, und auf den Antillen mischt man das Mandiokamehl mit Weizenmehl und backt daraus Brot („conaque“).

Die frische Wurzel benutzt man als Heilmittel bei Geschwüren.

Die Blätter des Maniok werden als Gemüse gegessen. Die Samen aller drei obengenannten Arten wirken purgierend und brechenerregend.

Köstlichkeiten, die in Brasilien aus Maniok hergestellt werden, sind (u. a.) Beijú, Farofa oder Tarubá. Ein vor allem in Peru äußerst beliebtes Gericht ist „Yuca á la Huancaína“, „Yuquitas“ gibt es dort sogar bei allen großen Fastfood-Ketten als Snack.

Maniok wird auch in Zentralafrika (Kamerun, Gabun, Kongo usw.) intensiv und gerne verwendet. Das Mehl (Foufou) wird oft für eine Art Kloßteig verwendet. Die Knolle wird gerne im Dampf oder in Wasser gekocht und nicht selten fritiert. Maniokblätter sind auch eine sehr beliebte Speise und werden mit Erdnusspaste, Ölpalmenfrüchten oder Kokosmilch zubereitet. Sehr beliebt (und für europäische Gaumen sehr gewöhnungsbedürftig) sind die in Palmblätter eingewickelten Maniokstangen (Bibolo). Diese werden durch völliges Auswaschen der Stärke aus dem Maniokmehl hergestellt. Diese feste, gummiartige, tranzluzide Substanz wird als Beilage zu Fisch und Fleisch verspeist.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manihot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gard. Dict. Abr. ed. 4 (1754).
  2. World Checklist of Manihot. In: The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 31. Mai 2008.