Mann-Gulch-Waldbrand

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Beamte des United States Forest Service bei der Untersuchung des Mann-Gulch-Waldbrands; Blickrichtung Süd vom Ort des Fluchtfeuers

Am 5. August 1949 starben 13 Feuerwehrmänner in einem Buschfeuer im Mann Gulch, ein Kerbtal (V-förmiges Flusstal) in den Gates of the Mountains Wilderness am oberen Missouri River, im US-Bundesstaat Montana. 25 Jahre blieb das Feuer weigehend unbeachtet, bis Norman Maclean, ein Professor für Renaissanceliteratur im Ruhestand, begann, Material für ein Buch zusammenzustellen.[1] Macleans Buch Junge Männer im Feuer[2] 1992 posthum veröffentlicht, brachte den Vorfall in das kollektive Gedächtnis Amerikas und machte den Waldbrand zum berühmtesten der US-amerikanischen Geschichte.[1]

Ablauf[Bearbeiten]

Aktuelleres Foto des Mann Gulch, links im Bild der Nordhang

Die nachfolgende Zusammenfassung basiert auf der Zusammenfassung des amerikanischen Organisationspsychologen Karl E. Weick (The Collapse of Sensemaking in Organizations: The Mann Gulch Disaster).[3] Lagepläne und die Untersuchungsergebnisse des Forest Service finden sich in Richard C. Rothermels Behandlung des Feuers.[4]

Am 4. August 1949 wurde vermutlich durch Blitzschlag ein Feuer im Mann Gulch ausgelöst. Bis zum Folgetag hatte sich das Feuer zu einem Waldbrand ausgedehnt. Wie damals üblich wurde eine Einheit von Feuerspringern alarmiert. Unter der Führung von „Wag“ Wagner Dodge bestiegen 16 erfahrene Feuerspringer im Alter zwischen 17 und 28 Jahren eine Douglas C-47 in Richtung des Brandes. Im turbulenten Flug verlor einer der Männer die Nerven, kehrte mit dem Flugzeug zurück und quittierte den Dienst unmittelbar nach der Landung.[1]

Die Feuerspringer sprangen um 16:10 mit ihrer Ausrüstung ab. Der Fallschirm des Funkgeräts versagte und das Gerät wurde zerstört. Am Boden sammelte sich die Mannschaft und traf Ranger Jim Harrison, der Dodge mit der Landschaft vertraut machte, während Dogdes Stellvertreter William Hellman mit der Mannschaft wie üblich vor einem Einsatz eine Mahlzeit einnahm. Hellman wurde beauftragt, die Mannschaft auf die andere Seite des Tals zu führen, da Dodge und Harrison befürchteten, in dem dichten Gehölz auf dem Südufer vom Feuer eingeschlossen zu werden. Hellman führte die Mannschaft zum Fluss, während Dodge und Harrison ihre Mahlzeit einnahmen. Dann schlossen die beiden auf die Mannschaft auf und Dodge übernahm die Führung. Im Abstieg sah Dodge, dass das Feuer knapp 200 Meter (200 Yard) vor ihnen den Fluss übersprungen hatte. Er drehte um und befahl die Flucht. Bis alle die Situation erfasst hatten, führte Dodge die Flucht hangaufwärts an, während das Feuer mit geschätzten 550 Metern pro Minute (610 Yd/min[4]) auf sie zu kam.

Dodge befahl die Werkzeuge wegzuwerfen, um schneller zu werden. Niemand befolgte den Befehl. Als Dodge erkannte, dass eine Flucht aussichtslos war, stoppte er und zündete das Gras vor ihm an und befahl den Männern, sich in die Asche des Fluchtfeuers zu legen. Die Technik wird beispielsweise von James Fenimore Cooper in seinem Roman Die Prairie beschrieben. Nach eigenen Aussagen kannte Dodge diese Praxis nicht, da er zwar Waldbrände aber nie Präriebrände bekämpft hatte. Niemand befolgte den Befehl, nur Wagner Dodge vertraute sich dem Gegenfeuer an und rettete so sein Leben.

Zwei der Männer – Sallee und Rumsey – blieben dicht beieinander und brachten sich über den Bergkamm in Sicherheit. Hellman erreichte ebenfalls die sichere Seite, erlag aber am Folgetag seinen schweren Verbrennungen. Joseph Sylvia verstarb kurz nach dem Feuer infolge seiner schweren Verbrennungen.

Die Untersuchung des Feuers durch den Forest Service ergab keine Schuldigen. Klagen der Eltern wurden am Appeal Court abgelehnt. Trotzdem änderte der Forest Service die Prozeduren, die Ausbildung und Ausrüstung von Feuerspringern nachhaltig.

Analyse[Bearbeiten]

Der amerikanische Organisationspsychologe Karl E. Weick untersuchte das Unglück im Mann Gulch, da sich die kleine Organisation und die minutiöse Aufbereitung Macleans für die Analyse besonders eignete. Weick begründet die Ursache des Unglücks damit, dass die einfache Organisation der Feuerspringer durch die Umstände soweit geschwächt wurde, bis die Organisation aufhörte zu existieren. Im gleichen Moment versagte auch das Verständnis und die Situation. Sie machte für die Männer plötzlich keinen Sinn mehr und sie hatten keine Zeit, den Sinn wiederzufinden.[3]

Folgen[Bearbeiten]

Gedenktafel im Mann Gulch

Der US-Forest Service änderte in der Folge des Mann-Gulch-Feuers die Ausbildung, Organisation und Ausrüstung der Feuerspringer.[4] Die heutzutage mitgeführten Schutzzelte („Iglus“) und die nun vorgeschriebenen Schutzzonen, die vor dem Einsatz eingerichtet werden, retteten nach Fachmeinung viele Leben.[4] Auch in der Ausbildung wurden Besuche in Plätzen wie Mann Gulch üblich, während die Ausbildung zuvor nur in Klassenräumen stattgefunden hatte.[1] Diese Änderungen erfolgten nach Darstellung der Journalistin Kathryn Schulz aber erst nach Veröffentlichung von Macleans Buch und wären damit eher die Folge der gelungenen Darstellung, als des Unfalls selbst.[1]

Am Ort des Unglücks wurde ein Denkmal für die Opfer errichtet. Das Denkmal ist seit dem 19. Mai 1999 im National Register of Historic Places unter der Nummer 99000596 aufgeführt.[5]

Unter dem Einfluss des Vorfalls wurde der Film Die Feuerspringer von Montana mit Richard Widmark in der Hauptrolle (Regie Joseph M. Newman) gedreht.[6]

Implikationen[Bearbeiten]

Während Maclean die Beziehung der Männer mit dem Feuer beschrieb, beschrieb er auch eine Geisteshaltung, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung längst nicht mehr offizielle Politik des United States Forest Service war.[1] Während Maclean noch jedes Feuer als bekämpfenswerte Katastrophe behandelte, war der Forest Servcice längst dazu übergegangen, Feuer nur noch zu bekämpfen, wenn Menschen oder Besitz gefährdet waren.[1] Wenn möglich werden heute sogar Feuer durch den Forest Service gelegt, um den natürlichen Effekt von Waldbränden in der Verjüngung der Wälder und der Schaffung von Lebensraum wieder in Gang zu setzen, nachdem für fast 100 Jahre die Brände unterdrückt worden waren.[1] Aus heutiger Sicht war der Tod der Männer die Folge einer verfehlten Politik im Umgang mit der Umwelt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Rod Benson: Mann Gulch Virtual Field Trip, Montana's Earth Science Pictures – Umfangreiche Sammlung von Fotos und Texten zur Einordnung des damaligen Waldbrandes.

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Kathryn Schulz, The Story That Tore Through the Trees; New York Magazine vom 9. September 2014; abgerufen am 20. September 2014.
  2. Auszug (engl.) aus Young Men and Fire von Norman Maclean
  3. a b Karl E. Weick, 1993: The Collapse of Sensemaking in Organizations: The Mann Gulch Disaster; Administrative Science Quarterly, 38; 628-652, online (PDF; 1,5 MB)
  4. a b c d Richard C. Rothermel (May 1993): Mann Gulch Fire: A Race That Couldn’t Be Won; United States Department of Agriculture, Forest Service, Intermountain Research Station, General Technical Report INT-299;
  5. LandmarkHunter.com, abgerufen am 9. Februar 2012
  6. Presseartikel zum letzten Überlebenden der Mann Gulch Katastrophe (englisch)

46.878274-111.913326Koordinaten: 46° 52′ 41,8″ N, 111° 54′ 48″ W