Mannheimer Schule
Die Mannheimer Schule bezeichnet allgemein einen Musikerkreis, der sich vor allem während der Regierungszeit des Kurfürsten Karl Theodors in Mannheim in der Zeit von 1743 bis 1778 bildete. Als Gründer wird bis heute Johann (Anton Wenzel) Stamitz angesehen.
Zunächst wurde unter der „Mannheimer Schule“ vor allem eine Violin- und Orchesterschule, dann aber auch zunehmend eine Kompositionsschule verstanden.
Die Mannheimer Schule leistete im Ausgang des Barock wesentliche Vorarbeiten zur Entwicklung der Wiener Klassik und für die spätere Romantik. Sie wandte sich vom bis dahin die europäische Tradition prägenden Generalbass-dominierten Orchestersatz und dem spätbarocken Pathos ab und entwickelte einen neuen, anmutigeren Stil, dessen Harmonik dem Melodieverlauf folgte.
Die Mannheimer Schule und die international berühmte Hofmusik Karl Theodors veranlassten Wolfgang Amadeus Mozart zu einem monatelangen Aufenthalt in Mannheim. [1]
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Bedeutende Mitglieder der Mannheimer Gruppe [Bearbeiten]
Prominente Mitglieder waren neben Johann Stamitz (1717–1757) noch Franz Xaver Richter (1709–1789), Christian Cannabich (1731–1798), Karl Joseph Toeschi (1731–1788) und Ignaz Holzbauer (1711–1783) sowie Anton Filtz (1733–1760), Carl Stamitz (1745–1801), ein Sohn von J. Stamitz, sowie Abbé Vogler (1749–1814) und Peter von Winter (1754–1825). Die erstgenannten Komponisten entwickelten den Sonatensatz zu seiner klassischen Form weiter, der auch Grundlage für die Sinfonie wurde. Tatsächlich nennt Stamitz die für sein Spitzenorchester komponierten Sinfonien „Sonaten für Orchester“, weil ihr Aufbau derselbe ist.
Stilistische Merkmale der Frühklassik [Bearbeiten]
Mit ihrer Orchesterbesetzung, solistisch besetzte Bläser (ab 1758 auch Klarinette), ab den 1760er Jahren ohne Cembalo, schufen die Mannheimer jenen modernen Orchesterklang des sogenannten klassischen Sinfonieorchesters, den Haydn, Mozart, Beethoven und andere Komponisten bis in das 19. Jahrhundert ihren Sinfonien zugrunde legten. Vorbildlich und Schule bildend war die Spielkultur und Spieldisziplin der Orchestermusiker. Die Einführung des einheitlichen Bogenstriches geht auf den genialen und strengen Orchesterleiter Christian Cannabich zurück.
Die nach Hugo Riemann beschriebenen Mannheimer Manieren (z.B. Mannheimer Rakete, Crescendo, Mannheimer Seufzer und die Mannheimer Walze) sind zwar nicht eine Erfindung der Mannheimer, aber sie wurden in den Hofkonzerten von dem Orchester geradezu zelebriert.
In gegenseitiger Anregung mit der Wiener Schule wurde in der Sonatensatzform zunehmend ein zweites Thema forciert und der Durchführung mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Mit weiteren Stilmerkmalen, wie sie teilweise auch von den Bachsöhnen eingeführt wurden, erhielt die Frühklassik Europas bis etwa 1760 eine weitgehend gemeinsame Linie:
- Stil der Empfindsamkeit und der Leichtigkeit (siehe auch Galante Musik)
- Homophoner Satz statt barocker Polyphonie
- Die oben aufliegende Melodie wird zur alleinigen Trägerin des Ausdrucks; die Melodiebildung ist dreiklangs-gebunden
- Stärker kontrastierende Gestaltung der musikalischen Einfälle und Themen, die nun eher symmetrisch angelegt sind.
Die Mannheimer Sommerakademien seit 2001 [Bearbeiten]
Das Nationalorchester Mannheim veranstaltete unter dem Titel „Mannheimer Schule“ von 2001 bis 2004 jährliche internationale Orchester-Sommerakademien. Studierende und Absolventen von Musikhochschulen und Akademien hatten die Gelegenheit zu praktischer und theoretischer Auseinandersetzung mit den Spieltechniken und stilistischen Besonderheiten der Orchesterliteratur der Zeit der Mannheimer Schule, der Frühklassik sowie der Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Die neue „Mannheimer Hofkapelle“ [Bearbeiten]
Anlässlich des 400. Geburtstages der Stadt Mannheim gründete sich 2007 ein neues Barockorchester unter dem Namen „Mannheimer Hofkapelle“. Höhepunkt der Veranstaltungen im Jubiläumsjahr war die Rekonstruktion der „Mannheimer Hofkapelle“ auf Originalinstrumenten im Rittersaal des Barockschlosses. In alljährlichen Sommerakademien und einem Wettbewerb für historische Instrumente (Academia Palatina) wurde das „MusikForum Mannheim – Zentrum für Alte Musik“ aufgebaut.
Weblinks [Bearbeiten]
- Barockorchester Mannheimer Hofkapelle
- MusikForum Mannheim – Zentrum für Alte Musik
- Geschichte des Mannheimer Orchesters aus der Webseite des Kurpfälzischen Kammerorchesters
- Karl Theodor und die Musik in Mannheim
- Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Gerald Drebes: Die „Mannheimer Schule“ - ein Zentrum der vorklassischen Musik und Mozart. In: Rhein-Neckar-Dreieck 1992, S. 14-18, online unter http://www.gerald-drebes.de/7.html