Manschiyyet Nasser

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Manschiyyet Nasser

Manschiyyet Nasser (auch Manshiet Nasser, Manschijet Nasser oder Manschijet Nasr, arabisch ‏منشية ناصر‎, DMG Manšīyat Nāṣir) ist ein informeller Stadtteil der ägyptischen Hauptstadt Kairo am Fuße des Muqattam-Hügels (‏المقطّم‎). Ein Großteil der Wohnungen und Geschäfte in seinem Gebiet entstand ohne behördliche Genehmigung. Der Stadtteil hat etwa 600.000 Einwohner.

Die Zabbalin (arabisch ‏زبالين‎ ‚Müllsucher‘) leben dort. Diese etwa 60.000 bis 70.000 Menschen meist koptischen Glaubens sorgen auch heute noch mit ihren hoch beladenen Eselskarren nicht nur für eine sehr zuverlässige zusätzliche Müllabfuhr in Kairo, sondern auch für eine sehr umfassende Müllsortierung und ein Recycling vieler Materialien. Sie sind dafür bekannt, Schweine durch die Stadt zu treiben, die sich von essbarem, organischem Abfall der öffentlichen Straßenlandschaft ernähren und deren Fleisch dann in ganz Kairo in Läden der Kopten verkauft wird.

Die wirtschaftliche Grundlage in der Müllstadt sind die Menschen, die im informellen Sektor arbeiten. Die meisten Familien haben sich auf die Sortierung eine bestimmte Abfallart spezialisiert und sind so weiter in der Lage, trotz Einführung einer öffentlichen Müllabfuhr genug Geld für ihren Unterhalt zu erarbeiten. Im Mai 2009 ordnete die ägyptische Regierung die Tötung sämtlicher Schweine im ganzen Land an, da die Tiere fälschlich im Verdacht standen, Auslöser der sogenannten „Schweinegrippe“ zu sein. Die Müllsammler verloren dadurch einen Teil ihrer Existenzgrundlage.[1]

Die Höhlenkirche St. Sama'an, die von den Kopten in der Müllstadt genutzt wird, ist die größte Kirche im Nahen Osten mit einer Kapazität für 20.000 Gläubige.[2][3] Das Viertel ist auch bekannt durch den etwa 15 Meter hohen Muqattam-Felsen, der aus Kalkstein besteht und von dem im September 2008 ein großer Felsbrocken abbrach und damit zu vielen Toten und zerstörten Häusern führte[4].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Wittmann: Die Drecksarbeit. FAZ, 25. Oktober 2009
  2. http://www.lausanneworldpulse.com/urban.php/903/02-2008?pg=2
  3. http://blog.siena.org/2008/02/extraordinary-grace-in-cairo-garbage.html
  4. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,576741,00.html Riesiger Felssturz begräbt Slumbewohner unter sich

30.03224444444431.275286111111Koordinaten: 30° 1′ 56″ N, 31° 16′ 31″ O