Mansfeld (Adelsgeschlecht)

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Die Grafschaft Mansfeld, Blaeu-Atlas 1645
Stammwappen der von Mansfeld

Die Grafen von Mansfeld gehörten zu den ältesten deutschen Adelsgeschlechtern. Ihre Besitzungen, bis 1580 reichsunmittelbare Grafschaft, lagen im nördlichen Teil des Hassegaus am östlichen Rand des Harzes. Dies entsprach in etwa dem späteren Landkreis Mansfelder Land und Teilen der Landkreise Merseburg-Querfurt und Sangerhausen, liegt also heute großteils im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. 1780 erlosch das Haus im Mannesstamm. Die mitteldeutschen, bereits mediatisierten Lehnsbesitzungen wurden von den Lehnsherren eingezogen und zwischen Kursachsen und Preußen geteilt; die böhmischen Allodialbesitze fielen an die Fürsten Colloredo-Mannsfeld.

Im Stammbaum der Mansfelder Grafen gab es unter anderem zahlreiche Bischöfe (darunter zwei Erzbischöfe) sowie Ritter vom Goldenen Vlies. Die Mitglieder der weit verzweigten Familienlinien waren mit Geschlechtern wie den Grafen zu Stolberg, den Herzögen von Braunschweig und von Württemberg, den Fürsten von Anhalt, den Markgrafen von Brandenburg und mit dem dänischen Königshaus verwandt.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Der Name Mansfeld wurde urkundlich erstmals 973 erwähnt. Obwohl es sich bei dieser Nennung lediglich um die gleichnamige Stadt handelte, gehen Historiker davon aus, dass auch die Entstehung des Mansfelder Grafengeschlechts in diese Zeit zu datieren ist. Mit Hoyer von Mansfeld, Graf im Hassegau, wurde 1050 der erste Mansfelder namentlich erwähnt. Er war verheiratet mit Christine (von Sangerhausen), einer Tochter Siegfrieds III., eines Grafen aus Sachsen. Hoyer gilt als der eigentliche Ahnherr der Familie, wenngleich erst mit seinem Sohn Hoyer I. von Mansfeld eine durchgehende Überlieferung der Familiengeschichte einsetzt. Hoyer I. war es auch, der als erster seiner Familie den Titel Graf von Mansfeld führte. Er fiel als Feldherr Kaiser Heinrichs V. 1115 in der verlorenen Schlacht am Welfesholz.

Im Jahre 1069 wurden die Mansfelder von Kaiser Heinrich IV. zu Gaugrafen im nördlichen Hassegau ernannt. Sie erhielten dieses Amt als Nachfolger der Wettiner, die sich gegen den Kaiser aufgelehnt hatten.

Dazu gehörte auch der bis Ende des 12. Jahrhunderts bestehende (noch 1154 nachweisbare) Krongutsbezirk Eisleben, der, nach einer Unterbrechung, seit dem 13. Jahrhundert als Lehen der Bischöfe von Halberstadt erschien, während der Allodialbesitz Erzbischof Wichmann von Seeburgs (Vorstädte) 1192 an das Erzbistum Magdeburg fiel und von diesem an die Grafen verlehnt wurde.[1]

Die Mansfelder waren in ihren Anfangsjahren wirtschaftlich sehr erfolgreich, dies nicht zuletzt wegen der Bergbau- und Münzrechte, die sie besaßen. Die klug investierten Gewinne aus ihren Hüttenbetrieben und Schachtanlagen, sowie militärisches Geschick gepaart mit Loyalität gegenüber dem Kaiserhaus sicherten eine starke Position am kaiserlichen Hof sowie politischen und wirtschaftlichen Einfluss.

1229 starb mit Burchard I. der letzte männliche Mansfelder.[2] Durch seine Erbtochter, Sophia von Mansfeld, verheiratet mit Burchard II. von Querfurt, kamen die gräflichen Besitzungen an die Herren von Querfurt, die fortan zusätzlich auch den Titel des Mansfelder Grafen führten. Ab 1246 nannten sich die männlichen Mitglieder dieses Mansfeld-Querfurter Stammes nur noch Graf von Mansfeld.

Obwohl die Wirtschaft in der gesamten Grafschaft blühte und sich auch durch Zukäufe und geschickte Heiratspolitik das Territorium der Grafschaft vergrößerte, zeichneten sich bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ernste Probleme ab. Nicht nur das Erstarken der Wirtschaft (vor allem Bergbau, Hüttenwerke und Handel), sondern auch die Reichsunmittelbarkeit weckte die Begehrlichkeiten der Nachbarn Magdeburg, Halberstadt und des wettinischen Sachsens. Des Weiteren wirkte sich der Kinderreichtum der Mansfelder Grafen sowohl negativ auf die Verteilung der zu vererbenden Güter, Finanzen und Rechte, als auch zu Ungunsten gräflicher Machtfülle in örtlicher und staatspolitischer Hinsicht aus. Da kein Graf weniger als sechs Kindern (manch einer sogar 22) hatte, kam es zu zwei Erbteilungen. Die erste (1501), nach dem Tode Volrads III., spaltete das Haus Mansfeld in die Grafen zu Mansfeld-Vorderort, -Mittelort, und -Hinterort. Durch deren gemeinschaftliche Herrschaft über die Grafschaft, oft verbunden mit innerfamiliären Richtungsstreitigkeiten sowohl in rechtlicher, wirtschaftlicher als auch religiöser Hinsicht und enormen Kosten für die Unterhaltung der Familien wurde das Leben der einfachen Leute in der Grafschaft sehr belastet.

Neuzeit[Bearbeiten]

Mansfeld, Kupferstich um 1650

Die Zeit der Reformation und Gegenreformation brachte neue Turbulenzen in das Mansfelder Land. Während ein Großteil der Mitglieder der Vorderorter Linien (besonders Hoyer VI. von Mansfeld) weiterhin dem katholischen Glauben treu blieb, waren die damaligen Repräsentanten der Mittelorter und Hinterorter Linien, Gebhard VII. und sein Sohn Jobst I. und Albrecht VII. - nicht zuletzt durch die enge Freundschaft zu Martin Luther - glühende Verfechter der protestantischen Lehre. Bereits 1525 führten sie in ihren Besitzungen das evangelische Bekenntnis ein. Jobst I. und Albrecht VII. gehörten 1530 auch zu den Unterzeichnern des Augsburger Glaubensbekenntnisses. Dennoch behandelten sie ihre Untertanen nicht besser oder schlechter, als dies ihre katholischen Verwandten taten. Als die Bauernkriege große Teile der Mansfelder Grafschaft verwüsteten, ließ Albrecht VII. die entbrannten Bauernaufstände blutig und mitleidslos niederschlagen. Die Wirren der Reformationskriege bedingten zum Teil sogar, dass sich verwandte Mansfelder als Gegner gegenüberstanden. Aufgrund seines Engagements für die Reformation verhängte Kaiser Karl V. 1547 die Reichsacht über Graf Albrecht VII. Sie wurde aber 1552 wieder aufgehoben.

Als die Erben von Ernst II. den Besitz der Vorderorter Linie 1563 erneut teilten, rief dies die Gläubiger der Mansfelder auf den Plan. Die gräfliche Familie war derweil durch reichen Kindersegen, zahlreiche Kriege und Fehden, Umschwung der Kupferkonjunktur und übermäßige Verschwendung hoch verschuldet. Ihre Gläubiger erwirkten 1566 die Einsetzung einer Kommission durch Kaiser Maximilian II. zur Schuldenregulierung, die auf Betreiben von Kurfürst August von Sachsen durch Bevollmächtigte aus Kursachsen, Magdeburg und Halberstadt ersetzt wurde. Diese stellten Gesamtschulden der Grafen in Höhe von 2,75 Millionen Gulden fest, die 1570–1579 schließlich die Sequestration und die Permutationsrezesse zwischen den drei Lehnsherren[3] zur Folge hatten. Sachsen nutzte die Lage der Mansfelder aus und erreichte nach längeren Verhandlungen den Abschluss der von ihnen betriebenen Bestrebungen zur Mediatisierung des Lehens. Die Wettiner gelangten somit 500 Jahre, nachdem sie ihr gaugräfliches Lehen unter Heinrich IV. an die Mansfelder verloren hatten, wieder in dessen Besitz. Drei Fünftel gehörten nun zum Kurfürstentum, die anderen zwei Fünftel zu Magdeburg. 1580 war Mansfeld somit keine reichsunmittelbare Grafschaft mehr, da die Hoheit über die Regalien nicht mehr vom Kaiser, sondern von den jeweiligen Landesherren ausgeübt wurde. Diese setzten im Zuge der Zwangsverwaltung umgehend eigene Verwalter ein, die offiziell im Namen der Grafen handelten, tatsächlich aber die Interessen ihrer Auftraggeber vertraten.

Im 17. Jahrhundert starben sowohl die Mittel- (1602) als auch die Hinterorter (1666) Linien im Mannesstamm aus. 1710 starb der letzte auf Schloss Mansfeld wohnende Graf Georg III. und am 31. März 1780 ereilte dieses Schicksal auch den allerletzten männlichen Mansfelder Grafen Josef Wenzel Nepomuk von Mansfeld-Vorderort-Bornstedt. Er verunglückte mit der Kutsche. Da sämtliche Lehen der Grafen Mannlehen und damit weibliche Nachkommen nicht erbberechtigt waren, fielen diese an die Lehnsherren zurück; namentlich an Kursachsen und Preußen als Nachfolger des Erzbistums Magdeburg. Lediglich die böhmischen Allodiale mit Schloss Dobříš kamen an die Erbgräfin und Halbschwester Josef Wenzels, Maria Isabella, die seit 1771 mit dem ostböhmischen Fürsten Franz de Paula Gundaker von Colloredo-Mannsfeld verheiratet war. Die kaiserliche Regierung in Wien gestattete dem Fürsten 1789 die Namens- und Wappenvereinigung der beiden Geschlechter, um das Andenken an die Mansfelder Grafen zu bewahren. Damit wurde die Linie derer von Colloredo-Mannsfeld begründet. Nachfahren dieser Linie leben noch in Österreich und den USA. (Die Grafen von Mansfeld schrieben sich mit einem „n“. Bei der Erstellung der Urkunden zur Namensvereinigung zu „Colloredo-Mannsfeld“ wurde der Name 1789 - versehentlich - mit zwei n geschrieben. Obwohl also faktisch auf einem Übertragungsfehler beruhend, ist seit damals die urkundlich und rechtlich korrekte Schreibweise der Familie Colloredo-Mannsfeld mit zwei n. Einige Familienmitglieder sind jedoch zur Schreibweise mit einem n zurückgekehrt.) Als eines von 16 mediatisierten Fürstenhäusern erhielt Mansfeld einen erblichen Sitz im Herrenhaus, das Oberhaus des österreichischen Reichsrates.

Bedeutende Persönlichkeiten der Familie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Stammliste von Mansfeld

Colloredo-Man(n)sfeld:

Hauptartikel: Colloredo (Adelsgeschlecht)

Wichtige Bauwerke der Grafen[Bearbeiten]

Stammsitz der Familie: Schloss Mansfeld

Wappen[Bearbeiten]

Bestandteile der vereinigten Wappen[Bearbeiten]

Geschichte der vereinigten Wappen[Bearbeiten]

Das Mansfelder Wappen bestand ursprünglich aus den sechs roten Mansfelder Rauten auf silbernem Grund, wie sie auch auf dem Grabstein des 1229 verstorbenen letzten Altmansfelder Grafen Burchard I. in der Andreaskirche Eisleben zu sehen sind. Durch seinen Schwiegersohn Burchard II. († 1255), den Begründer der Mansfeld-Querfurter Linie, kamen die (ursprünglich) vier Querfurter roten Balken auf silbernen Grund in das Mansfelder Wappen, sie wurden (heraldisch) im oberen rechten und im unteren linken Viertel entgegengesetzt zu den Mansfelder Rauten eingeordnet. Der (heraldisch) oben linke silberne Adler auf schwarzem Grund steht für die 1387 von Graf Ulrich von Regenstein erworbene Herrschaft Arnstein, der gekrönte goldene Löwe auf blauem Grund mit rot-silbern geschachtem Schrägbalken (Hohnstein) unten rechts steht für die Herrschaft Heldrungen, die 1484 vom Grafen Hans von Hohnstein erworben wurde. Die (heraldisch) rechte Helmzier zeigt (ursprünglich acht) die rot-silbern gestreiften Querfurter Fahnen (die Erbverbrüderung von 1396 konnte 1496 beim Aussterben der Querfurter Edelherren durch die Mansfelder Grafen gegen das Erzbistum Magdeburg nicht durchgesetzt werden) und die linke Helmzier zeigt den (eigentlich aschfarbenen) Schraplauer Greifen für die 1335 von der Schraplauer Dynasten erworbene Herrschaft Schraplau. Das so genannte Mansfelder Gesamtwappen (siehe Abbildung) wurde nach der Erbteilung 1501 vom Vorderort († 1780) geführt, während der Hinterort († 1666) das einfache Querfurt-Mansfelder Wappen führte. Das Gesamtwappen befindet sich an der Ostseite des Rathauses der Altstadt Eisleben, das einfache Wappen unter anderem auf dem Schild des Standbildes Kamerad Martin, des Rechtssymbols der vom Mansfelder Hinterort Anfang des 16. Jahrhunderts gegründeten Neustadt Eisleben.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernd Feicke: Stadtgeschichte und der Schmuck historischer Rathäuser am Harz als Symbol stadtherrlicher Macht und städtischer Rechte - unter besonderer Beachtung des Rathauses der Altstadt von Eisleben. In: Harz-Forschungen. Band 23. Berlin und Wernigerode 2007, S. 227–277, bes. 230–245.
  2. Bernd Feicke: Art. Burchard I. v. Mansfeld, in: T. Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 33, Nordhausen 2012, Sp. 191-195.
  3. Bernd Feicke: Die Permutationsrezesse Ende des 16. Jahrhunderts in der Grafschaft Mansfeld. In: Zs. f. Heimatforschung, H. 17 (2008), S. 19-24.
  4. H. Größler: Das Wappen der Grafschaft Mansfeld und die Wappen der Städte …. In: Mansfelder Blätter. Nr. 16, 1902, S. 145 ff.; B. Feicke: Das Mansfelder Wappen als architektonisches Detail in Eisleben. In: Mansfelder Heimatblätter. Nr. 6, 1987, S. 69–70.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Beyer: Urkundliche Beiträge zur Geschichte der Grafen von Mansfeld. In: Neues allgemeines Archiv für die Geschichte des Preußischen Staats. Band 2, Berlin Posen Bromberg 1836, S. 149-160 (online)
  • Günter Jankowski: Mansfeld. Gebiet-Geschlecht-Geschichte. Zur Familiengeschichte der Grafen von Mansfeld, in: Jahrbuch der Association Luxembourgoise de Généalogie et d'Héraldique, Mersch (Luxemburg), Band 2004/2005.
  • Hermann Größler: Mansfeld, Grafen von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 20, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 212–215.
  • Johann Georg Friedrich von Hagen: Münzbeschreibung des gräflich und fürstlichen Hauses Mansfeld. Martin Jacob Bayerische Buchhandlung, Nürnberg 1778 (online).
  • Reinhard R. Heinisch: Mansfeld, Grafen und Fürsten von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 78 (Digitalisat).
  • Ludwig Ferdinand Niemann: Geschichte der Grafen von Mansfeld. Aschersleben 1834.
  • Elisabeth Schwarze-Neuss: Untersuchungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Grafschaft Mansfeld, insbesondere der magdeburgisch-preußischen Hoheit, in: Sachsen und Anhalt 18 (1994), 525–549
  • Renate Seidel: Die Grafen von Mansfeld. Geschichte und Geschichten eines deutschen Adelsgeschlechts. 1 Auflage. Fouqué, Engelsbach 1998, ISBN 3-8267-4230-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mansfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien