Mantelbrüllaffe

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Mantelbrüllaffe
Allouataadulto 500px.jpg

Mantelbrüllaffe (Alouatta palliata)

Systematik
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Klammerschwanzaffen (Atelidae)
Gattung: Brüllaffen (Alouatta)
Art: Mantelbrüllaffe
Wissenschaftlicher Name
Alouatta palliata
John Edward Gray, 1812
Männlicher Mantelbrüllaffe: gut zu erkennen ist das weiße Skrotum und der Greifschwanz
Weibchen
Jungtier

Der Mantelbrüllaffe (Alouatta palliata) ist eine Primatenart aus der Gattung der Brüllaffen innerhalb der Klammerschwanzaffen (Atelidae). Er lebt in Mittel- und im nordwestlichen Südamerika und ist nach den rotgoldenen Fransen an seinen Flanken benannt.

Merkmale[Bearbeiten]

Mantelbrüllaffen sind große, stämmig gebaute Primaten. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 46 bis 63 Zentimetern, der Schwanz wird 55 bis 70 Zentimeter lang. Mit 4,5 bis 9,8 Kilogramm sind Männchen deutlich schwerer als Weibchen, die 3,1 bis 7,6 Kilogramm auf die Waage bringen. Das Fell dieser Tiere ist schwarz gefärbt, namensgebendes Merkmal sind die rotgoldenen Fransen, die sich an der Flanke erstrecken. Das ebenfalls schwarze Gesicht ist unbehaart, am Kinn befindet sich ein Bart, der bei Männchen deutlich länger ist als bei Weibchen. Zungenbein und Schildknorpel des Kehlkopfs sind wie bei allen Brüllaffen stark vergrößert. Das Skrotum ist bei ausgewachsenen Männchen auffallend weiß gefärbt. Der Schwanz kann wie bei allen Brüllaffen als Greifschwanz verwendet werden, er ist am hinteren Teil der Unterseite unbehaart.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Mantelbrüllaffen erstreckt sich von Mexiko an der Südküste des Golfes von Mexiko und Honduras bis in das westliche Kolumbien und Ecuador.[1] Sie fehlen allerdings auf Yucatán und in Guatemala, wo sie vom Guatemala-Brüllaffen ersetzt werden. Ihr Lebensraum sind Regenwälder, wo sie vom Meeresspiegel bis in 2000 Meter Höhe vorkommen.

Lebensweise und Ernährung[Bearbeiten]

Mantelbrüllaffen sind tagaktive Baumbewohner. Um zu anderen Bäumen zu gelangen, kommen sie manchmal auf den Boden, sie können außerdem gut schwimmen. Sie sind eher langsame Kletterer und springen selten, bei der Nahrungsaufnahme hängen sie häufig an ihren Gliedmaßen oder ihrem Greifschwanz. Generell führen sie eine behäbige, energiesparende Lebensweise und halten häufig Ruhepausen, was durch den geringen Nährwert ihrer Blätternahrung bedingt ist. Sie sind reine Pflanzenfresser, neben Blättern nehmen sie jahreszeitlich auch Früchte und Blüten zu sich.

Sie leben in Gruppen von 10 bis 20 Tieren, die sich aus rund 1 bis 3 Männchen, 5 bis 10 Weibchen und den dazugehörigen Jungtieren zusammensetzen. Wird die Gruppe zu groß oder der Weibchenanteil zu klein, verlassen die Jungtiere die Gruppe oder werden verjagt. Beide Geschlechter entwickeln eine Rangordnung, die unter anderem im Zugang zu Nahrungsressourcen und in der Fortpflanzung zum Tragen kommt.

Das Gebrüll, das meist am frühen Morgen ertönt, dient vor allem der Kommunikation verschiedener Gruppen untereinander, um andere Tiere auf den eigenen Aufenthaltsort aufmerksam zu machen. Daneben suchen Einzeltiere Anschluss an eine Gruppe (die Migration unter der Gruppen ist relativ hoch) und signalisieren so ihre Anwesenheit.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Fortpflanzung kann das ganze Jahr über erfolgen, es gibt keine feste Paarungszeit. In der Regel nähert sich das Weibchen den Männchen und deutet mit rhythmischen Zungenbewegungen seine Paarungsbereitschaft an. Wenn das Männchen ebenfalls mit Zungenbewegungen antwortet, dreht sich das Weibchen um und hebt das Becken, worauf das Männchen mit der Kopulation beginnt.

Nach einer rund sechsmonatigen Tragzeit bringt das Weibchen meist ein einzelnes Jungtier zur Welt. Die ersten Monate hält sich das Junge nahezu ausschließlich bei der Mutter auf, danach werden sie zunehmend unabhängiger. Die Geschlechtsreife tritt mit drei bis vier Jahren ein, häufig verlassen Jungtiere zu diesem Zeitpunkt ihre Geburtsgruppe.

Gefährdung[Bearbeiten]

Zwar leiden Mantelbrüllaffen an der fortschreitenden Zerstörung ihres Lebensraumes und der Bejagung, insgesamt gilt die Art laut der Roten Liste der IUCN aber als „nicht gefährdet“ (least concern).

Systematik[Bearbeiten]

Der Mantelbrüllaffe ist eine von zehn Arten der Gattung der Brüllaffen. Er ist nahe mit dem Coiba-Brüllaffen, der manchmal als dessen Unterart geführt wird, und dem Guatemala-Brüllaffen verwandt.

Es gibt mehrere Unterarten, deren taxonomischer Status allerdings unklar ist. In Mexiko kommt A. p. mexicana vor, im restlichen Mittelamerika die Nominatform A. p. palliata und im nördlichen Südamerika A. p. aequatorialis.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-540-43645-6.
  • Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mantelbrüllaffe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verbreitungskarte bei der IUCN