Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung

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48.20422777777816.374666666667Koordinaten: 48° 12′ 15″ N, 16° 22′ 29″ O

Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1849
Sitz Wien, Österreich
Branche Verlag
Website www.manz.at

Die Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH ist ein 1849 gegründeter Fachverlag für Recht, Steuer und Wirtschaft mit Sitz in Wien. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist zu 60 % im Besitz der Manz GmbH und zu 40 % im Besitz der Wolters Kluwer International Holding. Der Firmensitz befindet sich am Kohlmarkt 16 im 1. Bezirk Innere Stadt, das Verlagsbüro in der Johannesgasse 23.

Geschichte[Bearbeiten]

1849–1945[Bearbeiten]

„Alle Kraft ist Wille“, der Wahlspruch von 1849
Adolf Loos' Portal der Manz'schen Verlags- und Universitätsbuchhandlung

Friedrich Manz begründete 1849, ein Jahr nach der Revolution 1848, die Manz’sche k.k. Hof-Verlags- und Universitätsbuchhandlung in Wien. Nach seinem Tod 1866 führte sein Regensburger Bruder Georg Joseph Manz Verlag und Buchhandlung weiter, 1870 gingen sie an Friedrichs Sohn Hermann, der sie 1883 an das Leipziger Druck- und Verlagshaus Julius Klinkhardt verkaufte. Die neuen Eigentümer waren Julius Klinkhardt und Klinkhardt-Prokurist Markus Stein (1845-1935).

Mit Letzterem beginnt die verlegerische Geschichte des Hauses Manz. Stein publizierte unter anderem Sprachlehren und Gesetzesausgaben. 1882 lag bereits eine zwanzigbändige Taschenausgabe der österreichischen Gesetze vor. Im Jahr 1902/03 kam eine eigene Druckerei hinzu. Ab 1910 waren Markus Stein und sein Sohn Richard (1871-1932) Alleininhaber. Carl Junker, der Chronist des österreichischen Buchhandels, schrieb 1900: Die Manz’sche Sammlung der österreichischen Gesetze steht vielleicht einzig in der Welt da. Die handlichen schwarzen Bände sind die steten Begleiter aller Juristen und Verwaltungsbeamten und haben fast überall die officiellen Gesetzesausgaben verdrängt.[1]

1912 gestaltete der berühmte Architekt und Architekturkritiker Adolf Loos auf Grund eines 1909 von Markus und Richard Stein erhaltenen Auftrags das bis heute erhaltene Portal der Buchhandlung am Kohlmarkt 16 und die Geschäftsführerräume im Obergeschoß. Die an den Erkenntnissen der Psychoanalyse orientierte Bauweise – ein nach hinten versetzter Eingang und die indirekte Beleuchtung von oben – sollte einen Sog auf das Unbewusste der Passanten ausüben.[2] Für das Portal wurden nicht, wie damals vielfach üblich, Pseudomaterialien (Loos: Angenagelter Cementguss) verwendet, sondern weißgeäderter schwarzer Marmor, vergoldete Buchstaben und Auslagentäfelung in Mahagoni.[3] Das repräsentative Haus am Kohlmarkt 20 (heute 16) hatte Markus Stein 1892/93 erbauen lassen.

Die kunstsinnige Familie beauftragte Oskar Kokoschka mit dem Porträt Spielende Kinder (1909, heute Lehmbruck-Museum, Duisburg) - es zeigt Richard Steins Kinder Lotte und Walter - und mit einem Porträt Richard Steins, das seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen ist. Sie unterstützte Arnold Schönberg, zu dessen Schülern Richards Bruder Erwin Stein zählt.

Richard Stein gelang es (unter anderem durch Gründung der Collection Manz und der Editions Larousse 1920), die Firma über die Zeit der Inflation zu retten.

Die Geschwister und Gesellschafter des Verlags Robert Stein (1899-1970), Walter Stein (1901-1979), Maria Charlotte Sweceny (1904-1956) und Edith Hilscher (1910-1985) galten nach dem "Anschluss" 1938 als "Mischlinge" und konnten den Verlag nicht weiterführen. Die "Arier" Ernst Gießauf, Leiter der Manz-Druckerei, Berta Pohl, Prokuristin, und Anton Bernhard, Buchhändler, führten die Firma durch die NS-Zeit. Gießauf trat zu diesem Zweck pro forma der NSDAP bei.[4]

1945–heute[Bearbeiten]

Mit Robert Stein (1899–1970) übernimmt 1935 die dritte Generation der Familie Stein das Ruder. Er nimmt gemeinsam mit seinem Bruder Walter Stein, der sich vorrangig der Druckerei widmet, 1946 den Wiederaufbau des Verlags in Angriff. Im selben Jahr erscheint auch erstmals die bis heute bestehende Österreichische Juristen-Zeitung (ÖJZ).

1970 übernimmt Franz Stein (1944-2005) nach dem Tod seines Vaters Robert die Geschäftsführung. Anton C. Hilscher, ein Cousin von Franz Stein, tritt 1973 in die Geschäftsleitung ein.

1982 stellt die Manz’sche Buchdruckerei von Bleisatz auf Computersatz um, ein Jahr später wird die Rechtsdatenbank RDB Datenbank für Rechtsinformation gegründet.

1983 ist der Verlag Manz Gründungsmitglied des europäischen Rechtsverleger-Netzwerks Law Publishers in Europe (LPE).

1994 wird der Schulbuchbereich ausgegliedert und 1996 die MANZ GmbH als Holding begründet. Sie hält heute 60 % der Anteile an der Manz’schen Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH. 40 % werden seit 1997 im Rahmen einer strategischen Partnerschaft vom internationalen Verlagskonzern Wolters Kluwer gehalten.

2001 übernimmt Kristin Hanusch-Linser den Vorsitz der Geschäftsführung; Lucas Schneider-Manns-Au wird Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing. Der Verlag übersiedelt gemeinsam mit der RDB Rechtsdatenbank GmbH, der Onlaw Internet Technologies GmbH und der Österreichischen Verlagsgesellschaft C. & E. Dworak GmbH (ÖVG) in die Wiener Johannesgasse 23.

Lucas Schneider-Manns-Au scheidet 2004 aus der Geschäftsführung aus und übernimmt die Geschäftsführung der zur Manz Holding gehörenden MANZ Schulbuch Verlag GmbH. Franz Stein erwirbt im selben Jahr die Mehrheit an der Manz Holding.

Am 7. November 2005 stirbt Franz Stein unerwartet. Susanne Stein-Dichtl, die Tochter Franz Steins, übernimmt die Agenden ihres Vaters und Hanusch-Linsers, die im Dezember 2005 das Unternehmen verlässt. Am 1. Jänner 2008 übernimmt Franz Steins Sohn Andreas Stein die Leitung des MANZ Schulbuch Verlags.

Am 1. Jänner 2010 übernimmt die MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH als aufnehmende Gesellschaft ihre bisherige Tochter RDB Rechtsdatenbank GmbH – bis dahin eine eigene Firma – als Online-Vertriebsplattform in ihr Produktportfolio. Dort bleibt die RDB als Marke bestehen. Die Onlaw Internet Technologies GmbH, der Technologiedienstleister der MANZ-Gruppe, firmiert ab 1. Jänner 2010 als MANZ Solutions GmbH. Die "Marke MANZ" tritt nun auch nach außen einheitlich auf.

Firmen in der Verlagsgruppe Manz[Bearbeiten]

Detail der Fassade der Buchhandlung in Wien
  • Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH
  • MANZ Verlag Schulbuch GmbH
  • Manz Solutions GmbH
  • Österreichische Verlagsgesellschaft C. & E. Dworak GmbH

Publikationen[Bearbeiten]

Detail der Fassade der Buchhandlung in Wien

Die Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH verlegt das umfassendste Sortiment an Fachliteratur für Rechts- und Steuerberufe in Österreich – in Print und online.

Gesetzesausgaben, Kommentare und Lehrbücher – im Bereich der Jurisprudenz verfügt der Verlag über ein umfangreiches Sortiment aus allen Rechtsbereichen. Der aktuelle Verlagskatalog umfasst mehr als 1.800 Titel, darunter 23 Eigenverlagszeitschriften.

Zu den bekanntesten MANZ-Werken zählen etwa der "Tades/Hopf/Kathrein/Stabentheiner" oder der "Rummel-Kommentar" (beide zum Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch), der "Schimkowsky" (ein Formularbuch), die Wiener Kommentare zum Strafgesetzbuch und zur Strafprozessordnung, zum UGB und zum GmbH-Gesetz. Die wichtigsten Kommentare werden über die Vertriebsplattform RDB in der Online-Bibliothek interessierten Kunden auch elektronisch angeboten.

2006 wuchs das Zeitschriften-Portfolio um die EF-Z, die Fachzeitschrift für Ehe- und Familienrecht, im Jahr 2009 um die "Zeitschrift für Liegenschaftsbewertung" (ZLB) und die Zeitschrift "Die Privatstiftung" (PSR). 2010 trat die "Österreichische Zeitschrift für Pflegerecht" (ÖZPR) hinzu.

„MANZ Sachbuch“ wendet sich mit Publikumstiteln und Rechtsratgebern an ein breites Lesepublikum. In der Edition Juridica erscheinen Werke für den praktischen Arbeitsalltag zu unterschiedlichen rechtlichen Themen, wobei sich die Edition auf das Sicherheitsrecht spezialisiert hat. Juridica-Titel orientieren sich bewusst an den Bedürfnissen von Nicht-Juristen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Junker: Weltausstellung Paris 1900. Katalog der österreichischen Abtheilung. Hrsg. von dem k.k. Österr. General-Commissariate. Heft 1, Gruppe I+III. Unterricht – Hilfsmittel der Kunst und Wissenschafts. Wien 1900, S. 37-59 (wieder veröffentlicht in: Carl Junker: Zum Buchwesen in Österreich. Gesammelte Schriften 1896–1927. Hrsg. von Murray G. Hall. Edition Praesens, Wien 2001, S. 142-150)
  2. Zum Portal siehe auch: Christopher Dietz/Burkhardt Rukschcio: 100 Jahre Loos-Portal der Buchhandlung MANZ. Manz, Wien 2012.
  3. Christopher Dietz: „Absolut nichts Verrücktes“, in: Tageszeitung Der Standard, Wien, 18. August 2012, Beilage Album, S. A3
  4. Details zur Zeit von 1938-1945 bei Catherine Mumelter: Die Geschichte des Verlagshauses Manz. Diss. Innsbruck 2001, S. 160ff.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Brezinka: Erwin Stein. Ein Musiker in Wien und London. Böhlau, Wien - Köln - Weimar 2005
  • Christopher Dietz/Burkhardt Rukschcio: 100 Jahre Loos-Portal der Buchhandlung MANZ. Manz, Wien 2012
  • Murray G. Hall: Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938. Band I: Geschichte des österreichischen Verlagswesens. Hermann Böhlaus Nachfolger, Wien Köln Graz 1985
  • Carl Junker: Zum Buchwesen in Österreich. Gesammelte Schriften 1896–1927. Hrsg. von Murray G. Hall. Edition Praesens, Wien 2001
  • Catherine Mumelter: Die Geschichte des Verlagshauses Manz. Diss. Innsbruck 2001

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien