Marc-André Raffalovich

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Marc-André Raffalovich um 1880

Marc-André Raffalovich (* 11. September 1864; † 1934) war ein französischer Autor und Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Raffalovich wurde 1864 in einer jüdischen Familie geboren. Seine Eltern waren 1863 von Odessa nach Paris gezogen. Seine Schwester Sophie heiratete den irischen Politiker William O’Brien (1852–1928).

Seine Großeltern waren Leon Anisimovic Raffalovich (1813–1879) und Rosette Mondel Lowensohn spätere Raffalovich (1807–1895)[1]. Seine Eltern waren Marie Raffalovich[2] (1832–1921)[3] und Hermann Raffalovich (1828–1893). Marie Raffalovich pflegte eine enge Freundschaft zu Claude Bernard.

Nach seiner Schulzeit ging Raffalovich nach England und studierte ab 1882 in Oxford. Danach wohnte er in London und eröffnete in den 1890er einen Salon. Dort lernte er Oscar Wilde kennen und John Gray. Der Autor und katholische Priester John Gray war Raffalovichs langjähriger Lebensgefährte. Sie blieben bis zu ihrem Tode 1934 zusammen.

Raffalovich verfasste viele Gedichte und beschäftigte sich als Autor mit dem Thema Homosexualität. Er schrieb für die Archives de l´Anthropologie Criminelle, die in Lyon von Alexandre Lacassagne, einem Kriminologen und Professor für Forensische Medizin gegründet worden waren. Durch seine Artikel wurde Raffalovich zu einem anerkannten Experten im Themenbereich Homosexualität. Er korrespondierte mit anderen europäischen Wissenschaftlern. Sein Hauptwerk war Uranisme et unisexualité: étude sur différentes manifestations de l´instinct sexuel, das 1896 publiziert wurde. 1897 begann er mit seinen Arbeiten über Annales de l´unisexualité und Les Chroniques de l´unisexualité. In diesen Werken versuchte Raffalovich alle Inhalte zu katalogisieren, die mit dem Thema Homosexualität verbunden sind. Auf diese Arbeiten greifen noch bis heute Historiker zurück.

1896 trat Raffalovich unter dem Einfluss seines Lebensgefährten John Gray zum römisch-katholischen Glauben über. Raffalovich schloss sich als Bruder Sebastian den Dominikanern an. Zur gleichen Zeit wurde Gray katholischer Priester und wurde nach Edinburgh gesandt. Raffalovich folgte seinem Lebensgefährten und wohnte in Edinburgh. 1934 starb Raffalovich; auch sein Lebensgefährte Gray verstarb in jenem Jahr.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Patrick Cardon, A homosexual militant at the beginning of the century: Marc Andre Raffalovich, "Journal of Homosexuality", XXV 1993 (1–2), Seiten 183–191
  • Patrick Cardon, Discours littéraire et scientifiques fin de siècle: Les Archives d'Anthropologie Criminelle du Dr Lacassagne de Lyon, 1886–1914, Université de Provence, 1984
  • Patrick Cardon, Un pionnier de l'homoliberté. Avec Marc-André Raffalovitch, l'homosexualité cessait d'être une inversion monstrueuse de l'hétérosexualité, Nummer 389 vom 12. Oktober 1989 im Journal Gai Pied Hebdo (Frankreich)
  • Jerusha Hull McCormak, The Man who was Dorian Gray, St. Martin's Press, New York, 2000.
  • Rosario Vernon, L'Irrésistible ascension du pervers, EPEL "les grands classiques de l'érotologie moderne", 2000
  • Sewell, père Brocard, Two friends: John Gray and André Raffalovich: essays. Biographical and critical, Saint Albert's Press, Aylesford (Kent), 1963
  • Sewell, père Brocard, Footnote to the Nineties: a memoir of John Gray and André Raffalovich, Cecil und Emilia Woolf, London 1968, ISBN 0-900821-01-9
  • Aldrich R. und Wotherspoon G., Who's Who in Gay and Lesbian History, from Antiquity to WWII, Routledge, London, 2001

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogie der Großeltern[1]
  2. Portrait von Marie Raffalovich[2]
  3. Genealogie der Eltern[3]