Marcantonio Giustinian

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Marcantonio Giustinian

Marcantonio Giustinian (* 2. März 1619; † 23. März 1688) war der 107. Doge von Venedig. Er regierte von 1684 bis 1688.

Familie[Bearbeiten]

Marcantonio war der vierte von sechs Söhnen von Pietro und Marina Giustinian, die aus zwei unterschiedlichen Zweigen der Familie stammten. Hauptsitz der Familie war der weiträumige Palazzo Giustinian am Canal Grande, in dem im 19. Jahrhundert Richard Wagner Musik für seine Opern Tristan und Isolde und Parsifal komponierte.

Leben[Bearbeiten]

Giustinian war ein frommer und gebildeter Mann, der Latein, Griechisch und Hebräisch beherrschte. Nach dem Studium der Philosophie, Theologie und Geschichte an der Universität Padua, hatte Marcantonio verschiedene öffentliche Ämter bekleidet. Er war Verwalter (provveditore) während des Krieges in Kreta und Botschafter beim französischen König, der ihn zum Ritter geschlagen hatte. In Venedig selbst war er consigliere und Mitglied des Rates der Zehn.
Er war nicht verheiratet.

Das Dogenamt[Bearbeiten]

Er wurde am 26. Januar 1684 im ersten Wahlgang mit der erforderlichen Stimmenmehrheit gewählt, nahm die Wahl aber nur widerstrebend und dank viel Überredungskunst der Wahlmänner an, da er sich angeblich lieber in das Kloster San Giorgio zurückgezogen hätte.

Seine kurze Regierungszeit war gekennzeichnet durch eine Folge von üppigen und verschwenderischen Festen. Für Giustinian war jeder Anlass gut für ein Fest, das mit einem Te Deum in der Kirche begann und mit einem Bankett fortgesetzt wurde, das er ebenfalls mit einem Te Deum einleitete, was ihm bald den Spitznamen il doge del Te Deum einbrachte.
Nach seiner feierlichen Inthronisation feierte man die Siege Venedigs gegen die Türken durch den Generalkapitän Francesco Morosini mit Dankgottesdiensten, Festen, Tänzen und Stadtbeleuchtungen, bei deren phantasievoller Ausstattung sich besonders die jüdische Organisatoren aus dem Ghetto auszeichneten. Weiterer Anlass für Prachtentfaltung, nächtliche Beleuchtungen, Schiffskorsi und Bälle war der Karneval, der schon damals Mengen von Touristen aus Europa anzog.

Giustinian starb unerwartet am 23. März 1688 und wurde gemäß seinem Wunsch in San Francesco della Vigna in der Kutte eines Franziskaners begraben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea da Mosto: I dogi di Venezia. Florenz 2003. ISBN 88-09-02881-3
  • Helmut Dumler: Venedig und die Dogen. Düsseldorf 2001.


Vorgänger Amt Nachfolger
Alvise Contarini Doge von Venedig
16841688
Francesco Morosini