Mardin
| Mardin | ||||
|
||||
| Basisdaten | ||||
|---|---|---|---|---|
| Provinz (il): | Mardin | |||
| Koordinaten: | 37° 19′ N, 40° 45′ O37.31666666666740.751083Koordinaten: 37° 19′ 0″ N, 40° 45′ 0″ O | |||
| Höhe: | 1083 m | |||
| Einwohner: | 86.948[1] (2012) | |||
| Telefonvorwahl: | (+90) 482 | |||
| Postleitzahl: | 47000-47901 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | 47 | |||
| Struktur und Verwaltung | ||||
| Bürgermeister: | Mehmet Beşir Ayanoğlu (AKP) | |||
| Webpräsenz: | ||||
| Landkreis Mardin | ||||
| Einwohner: | 139.254[1] (2012) | |||
| Fläche: | 969 km² | |||
| Bevölkerungsdichte: | 144 Einwohner je km² | |||
Mardin (arabisch ماردين, DMG Mārdīn, aramäisch ܡܪܕܝܢ Merdin; kurdisch Mêrdîn), ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Mardin im türkischen Teil Mesopotamiens. Die uralte Stadt liegt im Südosten der Türkei, rund 20 km nördlich der Grenze zu Syrien und nicht weit von der zum Irak.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie[Bearbeiten]
Die Altstadt von Mardin schmiegt sich an den alten Burghügel und schaut über die Tiefebene von Mesopotamien, an deren Rand sie liegt. Im Norden und Westen erhebt sich der Tur Abdin.
Geschichte[Bearbeiten]
Die Stadt wurde nacheinander von den Aramäern, Hurritern, Hethitern, Assyrern, Babyloniern, Amoritern, Persern, Parthern, Römern, Arabern , Seldschuken und Osmanen beherrscht. In assyrischer Zeit war sie Teil von Isalla, was sich noch in der frühbyzantinischen Bezeichnung Izala niederschlug.
1915/16 wurden unterschiedslos die meisten arabischen, aramäischen und armenischen Christen der Stadt umgebracht.[2] [3] [4] Erstmals fand am 15. August 1915 ein öffentlicher Handel mit armenischen Frauen statt.[5]
Auf aramäisch heißt die Stadt Marde bzw. Merde; im Oströmischen Reich hieß sie auf Griechisch Mardia oder Margdis, unter den Arabern dann Merdin. Unter der türkischen Herrschaft bekam die Stadt den heutigen Namen.
Bevölkerung, Sprachen und Religionen[Bearbeiten]
Die Bevölkerung Mardins besteht heute vorwiegend aus Kurden und Arabern sowie einer aramäischen Minderheit. Neben Moslems und aramäischen Christen lebten bis vor einigen Jahrzehnten einige tausend jesidische Kurden in der Provinz Mardin. Diese sind mittlerweile überwiegend nach Deutschland ausgewandert; es gibt aber noch immer eine kleine christliche Gemeinde in Mardin, das auch Bischofssitz ist. Der Bischof von Mardin ist zugleich der Abt des Klosters Deyrülzafarân.
Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]
- 1915 - 50.000 Einwohner (27.000 Muslime, 20.000 Syrisch-Orthodoxe Aramäer (arabischsprachig), 500 Syrisch-Katholische, 300 Protestanten, 100 Mitglieder der Chaldäische-katholischen Kirche)
- 1990 - 53.005 Einwohner
- 1997 - 61.529 Einwohner
- 2000 - 65.072 Einwohner
- 2010 - 79.947 Einwohner
Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]
Die Wirtschaft beruht auf Landwirtschaft und Handel, in letzter Zeit vermehrt auf kleinen handwerklichen Werkstätten und Handarbeiten.
Verkehr[Bearbeiten]
Mardin hat einen Flughafen (Flughafen Mardin) und wird direkt aus Ankara angeflogen. Mittlerweile kann man Mardin auch von İstanbul und İzmir aus anfliegen.
Mardin ist per Straße über die E-93 mit Adana verbunden und ist die Verbindung zwischen der Türkei und dem Nahen Osten. Straßen führen nach Syrien und in den Irak. Mardin liegt auch an der Bahnlinie nach Syrien.
Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Die Zitadelle[Bearbeiten]
Die Festung von Mardin wird Adlernest genannt und spielte eine entscheidende Rolle für die Stadt. Sie erhebt sich rund 500 Meter über die Ebene.
Medresen[Bearbeiten]
- Die Kasımiye-Medrese wurde 1469 auf Anordnung von Kasım Paşa gebaut. Die Medrese enthält auch eine Moschee und eine Unterkunft.
- Die Zinciriye-Medrese wurde 1385 von Melik Necmettin Isa erbaut. Mit ihren gestreiften Kuppeln und monumentalen Haupteingang ist es eines der beeindruckendsten Gebäude Mardins.
- Die Sıtti-Radaviye-Medrese wurde 1177 in Auftrag gegeben. In der Moschee, die zur Medrese gehört, gibt es einen Fußabdruck des Propheten Mohammed.
Moscheen[Bearbeiten]
- Die Große Moschee (Ulu Cami) ist die älteste Moschee in Mardin. Das Minarett ist inschriftlich 1176 datiert, die Moschee dürfte daher in den 1160/1170er Jahren vom Ortoqiden Kudbeddin Ilgazi erbaut worden sein. Laut einer anonymen syrischen Chronik von 1234 steht diese Moschee möglicherweise an der Stelle der 1170 von Muslimen eingenommenen Kirche der Vierzig Märtyrer.[6]
- Die Abdullatif-Moschee wurde während der Herrschaft der Ortoqiden 1314 durch Abdullatif Bin Abdullah erbaut. Sie enthält schöne Beispiele für damalige Holzarbeiten.
- Die Reyhaniye-Moschee wurde 1756 von Ahmet Paschas Tochter Adile Hanım wieder aufgebaut. Die Minaretts sind achteckig.
Kloster[Bearbeiten]
Das Kloster Zafaran liegt etwa drei Kilometer außerhalb der Stadt. Es wurde 493 n. Chr. gegründet. Es ist eines der religiösen Zentren des Tur Abdin, das für Jahrhunderte auch Sitz des Patriarchen bzw. Gegenpatriarchen der Syrisch-Orthodoxen Kirche war, die im Kloster begraben sind. Das Patriarchat wurde 1933 aufgrund der Christenverfolgungen in der Türkei ins syrische Homs (und 1959 von dort nach Damaskus) verlegt.
Mardin ist Titularerzbistum der Armenisch-Katholischen Kirche (Mardin degli Armeni), der Chaldäisch-Katholischen Kirche und der Syrisch-katholischen Kirche (Mardin dei Siri).
Bildung[Bearbeiten]
Seit Mai 2007 hat die Provinz Mardin mit der Mardin Artuklu Üniversitesi eine eigenen Universität. Benannt ist die Universität nach der türkischen Dynastie der Ortoqiden (türk.: Artuklu). Erstmals in der Geschichte der Türkei wurden dabei am Institut für lebende Sprachen Lehrstühle für kurdische und süryanische (syrische) Sprache, Literatur und Geschichte eingerichtet. Außerdem sollen in Zukunft auch noch Lehrstühle für Arabisch und Persisch eingerichtet werden.[7]
Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]
- Ekrem Dağ (* 1980), österreichischer Fußballspieler
- Elias Mellus († 1908), chaldäisch-katholischer Erzbischof
- Halil Altındere (* 1971), Multimediakünstler und Publizist
- Ignatius Maloyan (1869–1915), armenisch-katholischer Erzbischof
- Iknadios Bedros XVI. Batanian (1899–1979), Patriarch von Kilikien
- Jacques Nessimian (1876-1960), armenisch-katholischer Erzbischof
- Jean Couzian (1874-1933), armenisch-katholischer Bischof
- Murathan Mungan (* 1955), Schriftsteller
- Sultan Kösen (* 1982), Größter lebender Mensch
- Yousuf Karsh (1908–2002), kanadischer Fotograf armenischer Herkunft
Städtepartnerschaft[Bearbeiten]
Slowenien, Ljubljana
Irak, Mosul
Irak, Arbil
Syrien, al-Hasaka
Türkei, Konya
Türkei, İzmit
Türkei, Kartal
Türkei, Bahçelievler
Türkei, Zeytinburnu
Türkei, Buca
Türkei, Bandırma
Marokko, Ouarzazate
China, Golmud
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen am 28. Januar 2013
- ↑ Jacques Rhétoré: Les chrétiens aux bêtes. Souvenirs de la guerre sainte proclamée par les Turcs contre les chrétiens en 1915, Les éditions du cerf, Paris 2005 ISBN 2-204-07243-5, Seite 13 ff.
- ↑ Yves Ternon: Mardin 1915. Mardin dans le génocide arménien. in: Revue d'Histoire Arménienne Contemporaine, Tome IV - 2002
- ↑ Hyacinth Simon : Tod im Namen Allahs. Die Ausrottung der christlichen Armenier. Augenzeugenberichte, MM Verlag, Aachen 2005 ISBN 3-928272-70-5
- ↑ Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens, Odile Jacob, Paris 2006 ISBN 2-7381-1830-5, Seite 459
- ↑ Tom Sinclair: Early Artuqid Mosque Architecture. In: Julian Raby (Hrsg.): The Art of Syria and the Jazīra, 1100–1250. Oxford University Press, Oxford 1985, S. 59
- ↑ Offizielle Seite des Institutes für lebende Sprachen
Weblinks[Bearbeiten]
-
Commons: Mardin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien - Fotos von Mardin
- Mardin 1915 (französisch)
- George Grigore: L’arabe parlé à Mardin – monographie d’un parler arabe périphérique (französisch)