Marga (Batak)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marga-Kultur
Ein Pustaha im Marga-Design
Ein Merga-Mitglied der Karo-Batak (zwischen 1914 und 1919)

Marga (Daftar marga Batak) ist die Bezeichnung patrilinearer und exogamer Familienverbände (Clane und Subclane) bei den Toba-Batak, Bewohnern der indonesischen Insel Sumatra. Sie sind Kult- und Opfergemeinschaften.

Untergliederung der Marga[Bearbeiten]

Beim Marga-Begriff handelt es sich um die größte Verbandsbezeichnung der Batak.
Ihr untergeordnet sind Verbände wie die Saompu. Hierbei handelt es sich um einen Begriff, der Familien mit den Nachkommen eines vor drei bis vier Generationen lebenden gemeinsamen Vorfahren erfasst. Darunter gliedert sich die ripe, die Kernfamilie bei den Toba-Batak. Heirat und sexueller Verkehr zwischen Angehörigen derselben Marga sind verboten, ebenso wie zu Angehörigen der untergeordneten Samopu. Sie gelten als Inzest.[1] Bevorzugt wird die Kreuzcousine geheiratet, die Tochter vom Mutterbruder, ein erster legitimer Ausweg aus dem Dilemma der genealogischen Beziehungen. Diese früher stets strikt eingehaltene Regel wird heute allerdings bisweilen durchbrochen.

In Erweiterung des Begriffs bedeutet Marga raja (Sanskrit raja „König, Herrscher“), dass eine Familie innerhalb des Verbandes die Herrschaft innehat. Die Marga-Bezeichnung wird von den Toba heute als Familienname geführt. Bei den sog. Karo-Batak spricht man im selben Zusammenhang von Merga. Die Karo-Batak unterscheiden sich in fünf große Merga: Das sind die Karo-Karo, Perangin-Angin, Ginting, Sembiring und Tarigan.

Übergliederung der Marga[Bearbeiten]

Trotz Aufgliederbarkeit der Batakstämme in die darunter verbundenen Sippen, soll im Anfang ein gemeinsamer Ahnherr stehen (Si Raja Batak), zurückgehend auf die Super-Marga und Ur-Marga.[2] Am bekanntesten und umfangreichsten sind dabei die Genealogien der Toba-Batak. Sie haben klare Vorstellungen um die verwandtschaftliche Zusammengehörigkeit aller Batak-Sippen.

Dem Dorfoberhaupt und Ältesten einer Marga kommt die Aufgabe zu, Reibungen und Streitigkeiten innerhalb der Dorfgemeinschaft idealerweise zu verhindern, andernfalls zu schlichten. Maßnahmen hierzu beruhen auf Gewohnheitsrecht (adat).[3]

Feste[Bearbeiten]

Die Marga sind Kult- und Opfergemeinschaften, weshalb ihr eine Vielzahl religiöser Funktionen zukommt. Zum Andenken des mythischen Ahnherrn (Sombaon) feiert die Marga das Hordja-Fest. Die jeweils anwesende Gemeinde der Angehörigen repräsentiert die ganze Marga. Zumeist sind die Angehörigen der Marga auch Angehörige eines Landschaftsverbandes, verstanden als territoriale Einheit von Dörfern. Im Sinne dieser Zugehörigkeit können Marga-Clans sich allerdings überschneiden. Zumindest ist es schwierig, die genealogische Marga abzugrenzen zur Dörfer-Einheit. Ein besonders wichtiges Fest dieser Verbandsstruktur ist das Bius-Fest, eine Zeremonie der Katharsis (Reinigung) und Erneuerung (Wiederholung des Schöpfungsgeschehen) und wird mit Opfern (Büffel) und dem Aufrichten des Opferfahls zelebriert. Das Fest dient dem Erntedank, aber auch der Prophylaxe vor Missernten, Epidemien oder anderen sozialen Unannehmlichkeiten. Diese Feste sind über die Marga hinaus von Relevanz, da sie das Volk der Batakstämme bezüglich Abstammung, Heiratsbeziehung und Heimatdorf (-landschaft) repräsentieren.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Achim Sibeth: Mit den Ahnen leben: Batak, Menschen in Indonesien. Edition Mayer, Stuttgart/London 1990 (herausgegeben anlässlich einer Ausstellung des Linden-Museums in Stuttgart).
  • Waldemar Stöhr: Die ethnische Einheit: Religion und Gesellschaft. In: Derselbe: Die altindonesischen Religionen (= Bertold Spuler (Hrsg.): Handbuch der Orientalistik. Abteilung 3, Band 2, Abschnitt 2). Brill, Leiden/Köln 1976, ISBN 90-04-04766-2, S. 18–32 (Seitenansichten in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Waldemar Stöhr: Die ethnische Einheit: Religion und Gesellschaft. In: Derselbe: Die altindonesischen Religionen. Brill, Leiden/Köln 1976, S. 18–32, hier S. 24 ff. (Seitenansichten in der Google-Buchsuche).
  2. Waldemar Stöhr: Die ethnische Einheit: Religion und Gesellschaft. In: Derselbe: Die altindonesischen Religionen. Brill, Leiden/Köln 1976, S. 18–32, hier S. 24 (Seitenansicht in der Google-Buchsuche).
  3. Museum für Völkerkunde Hamburg: Die Batak: Bauern auf Sumatra. 1980, abgerufen am 22. Juni 2014.
  4. Waldemar Stöhr: Die ethnische Einheit: Religion und Gesellschaft. In: Derselbe: Die altindonesischen Religionen. Brill, Leiden/Köln 1976, S. 18–32, hier S. 25–26 (Seitenansichten in der Google-Buchsuche).